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'Mein Vater musste mich bremsen'

Interview
 

Es ist das erste Jahr ohne Titel für Martin Kaymer seit 2008, auch andere Höhepunkte wie der Ryder Cup gab es 2013 nicht. Dennoch war das Jahr des Deutschen, wenn auch in den Majors nicht besonders erfreulich, eines der Konstanz. Im Gespräch mit Golf.de zieht er Bilanz - und schaut nach vorne.

Für Martin Kaymer endete 2013 nicht so fulminant wie 2012, als er ein siegloses Jahr mit dem Titel bei der Nedbank Challenge doch noch vermeiden konnte. Zwölf Monate später verpasst er den positiven Abschluss. So bleibt ein Jahr mit viel Mittelfeld, einer großen Konstanz, die sich jedoch auch auf fehlende Top-Platzierungen auswirkt. Besser als Platz vier in Eichenried ist er nie, kein Top-3-Ergebnis ist für die ehemalige Nummer eins eigentlich indiskutabel. So spricht er schon früh davon, "weit unter meinen Erwartungen gespielt" zu haben.

Bei Golf.de fasst er sein Jahr in einem Wort dann deutlich versöhnlicher zusammen: "Lehrreich" war 2013 für ihn. Ein Jahr, in dem sein Spiel - bis auf Ausnahmen - wieder die Konstanz fand. Ein Jahr, das dann im Rückblick einen etwas positiveren Anschein bekommt, sollte er 2014 diese Konstanz auf noch höherem Niveau auch mit Siegen füllen können. Kaymer startete das Jahr auf Position 28 in der Welt. Nun ist er auf Rang 39 geführt. Noch ist er nicht auf dem Weg zurück. Sagen die Zahlen. Sein Spiel und sein Gefühl sehen das anders.

Geben ihm die Ergebnisse im kommenden Jahr recht, war 2013 das vorerst erste und letzte sieglose Jahr seit 2008. Wenn nicht, nimmt das Mittelmaß weiter Besitz vom besten deutschen Spieler der vergangenen Jahre. Doch davon will Martin Kaymer, der Ende des Jahres 29 wird, im Gespräch mit Golf.de gar nicht reden.


Golf.de: Wenn Sie die Wahl hätten: 18 Cuts in Folge wie zuletzt und kein Titel oder ein Titel und 17 verpasste Cuts?
Martin Kaymer: Jeder der mich kennt, weiß: Letztendlich zählen für mich nur die Titel. Dazu hat es diese Saison leider nicht gereicht. Aber auch 17 verpasste Cuts können keine Lösung sein - das hätte dementsprechend ja auch negative Auswirkungen auf die Weltrangliste. Eine sehr schwierige Entscheidung.

Was macht Hoffnung für 2014?
Ich weiß, woran ich arbeiten muss, wo die paar Prozent zur Weltspitze fehlen. Ich habe die Fehler in meinem Spiel erkannt, und gebe
nun mein Bestes, um sie so schnell wie möglich zu beheben. Schon direkt nach den Weihnachtstagen werde ich in Arizona trainieren, um zum Saisonstart in bestmöglicher Form zu sein und anzugreifen.

Was ist das größte Problem?
Die langen Drives und Eisenschläge stimmen bei mir. Die meisten Schläge verliere noch immer im kurzen Spiel - genau da setze ich an.

Wie?
Ich habe festgestellt, dass das kurze Spiel derzeit ein entscheidender Faktor über Erfolg und Misserfolg in meinem Spiel ist. Momentan lasse ich dort zu viele Schläge und Chancen liegen und muss mich dort weiterhin verbessern. Es bleibt ein Prozess, aber ich bin auf dem richtigen Weg.

Welche Erkenntnis nehmen Sie sonst sportlich aus der Saison mit?
Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass ich zurück zu den Basics muss. Es geht nicht darum, etwas Besonderes zu versuchen. Es geht um die Effizienz und die Frage, wie ich die besten Ergebnisse erziele.

Was ist Ende des Jahres jetzt besser als zu Beginn?
Ich habe Anfang und Mitte des Jahres wirklich viel trainiert. Ich dachte, dass sich das doch irgendwann auszahlen muss und die Ergebnisse doch jetzt endlich kommen müssen. Dadurch habe ich zu viel Druck auf mich selber ausgeübt. Im Endeffekt kann man Siege nicht erzwingen. Zum Ende des Jahres habe ich das entspannter gesehen. Den Schalter umgelegt habe ich nach der Woche mit meinem Vater und meinen Bruder bei der Alfred Dunhil. Mein Vater musste mich einige Male wirklich bremsen, um nicht zu viel zu machen. All das Training bringt eben auch nichts, wenn du dann vor dem ersten Abschlag von den Trainingsstrapazen schon mehr oder weniger platt bist.

Was war der wichtigste Ratschlag, der je von ihrem Vater kam?
"Trainieren bis die Hände bluten - und dann noch eine Stunde weiter!“- das hat mir mein Vater früher einmal mit einem Augenzwinkern gesagt. Eine nicht ganz ernstgemeinte Aussage, aber trotzdem ist da etwas dran. Das muss man schon auch sagen: Ohne meinen Trainingsfleiß wäre ich sicher kein Profigolfer geworden. Aber es gibt eben auch zu viel.

Zudem Sie ja auch viel an Ihrer Fitness arbeiten.
Fitness ist mir persönlich sehr wichtig für mein Spiel. Ich fühle mich besser und gesünder, wenn ich nicht nur ständig die Muskeln beanspruche, die beim Golf gebraucht werden, sondern auch andere Muskelgruppen trainiere.

Wie ist es mit Technik im Training, TrackMan, PuttLab und so weiter?
Technische Hilfsmittel sind für einige Pros sicher hilfreich, aber ich bin eher ein intuitiver Spieler und spiele nach Gefühl.

Einheitsball, Schlägerverbot und immer längere Plätze. Wie sieht Golf in 20 Jahren aus?
Wenn wie dieses Jahr am dritten Loch der US Open für ein Par 3 einige Spieler schon einen Driver nehmen mussten, ist das meiner Meinung nach schon grenzwertig. Man sollte daher auch die Meinungen und Einschätzungen der Spieler mit einbeziehen. Ich denke aber, die Leute, die darüber entscheiden, sind kluge Köpfe und machen sich dementsprechend auch schlaue Gedanken. Sicher wird sich der Sport in 20 Jahren weiterentwickeln, im Kern jedoch wird es das gleiche tolle und traditionsreiche Spiel bleiben.

Noch haben wir 2013: Was bleibt an guten Erinnerungen in einem Jahr ohne Titel und Ryder-Cup-Sieg-Putt?
Es war ein außergewöhnlich schönes Erlebnis, mit meinem Vater und meinem Bruder vier Tage bei der Alfred Dunhil zu spielen und im Team mit meinem Bruder im Team-Wettbewerb in die Top 10 zu kommen. Das war einer der schönsten Momente der Saison.

Und die beste Entscheidung?
Ich habe mich in der Woche der BMW International Open individuell, ruhig und konzentriert auf das Turnier vorbereitet, auch wenn ich dafür einige Termine habe ausfallen lassen müssen. Ich wollte den deutschen Fans wirklich gutes Golf von mir zeigen und um den Sieg mitspielen. Zwar hat es dann am Sonntag mit dem vierten Platz nicht ganz gereicht, aber es hat eben auch nicht viel gefehlt. Es war eine großartige Woche.

Was kann man sich von Henrik Stenson abschauen, der in einem halben Jahr von jenseits der 30 der Welt weit nach vorne gesprungen ist?
Zunächst einmal muss ich vor Henrik und seiner tollen Saison den Hut ziehen. Ich gönne ihm den Erfolg vom ganzen Herzen. Er hat in seiner Karriere schon einige Täler durchschritten und ist immer wieder zurückgekommen - dieses Mal stärker als je zuvor. Man kann sich ein Beispiel an ihm nehmen: Er hat gezeigt, dass man nie den Glauben an die eigenen Stärken verlieren soll.

Damit Sie Ihren nicht irgendwann doch verlieren, was muss in der kommenden Saison besser klappen?
Ganz einfach: Ich hatte dieses Jahr einfach zu oft einen schwachen Tag dabei, so dass ein Top-Ergebnis einfach unmöglich wurde. Die Ergebnisse müssen 2014 wieder über vier Tage stimmen.

Gibt es ein konkretes Ziel?
Mein Anspruch bleibt, dass ich wieder Turniere gewinne. Ich möchte natürlich bei den Majors besser abschneiden als 2013. Und: Wer zweimal bei Ryder Cup dabei war, der möchte auch ein drittes Mal dabei sein!

Jetzt ist erst einmal Pause, mit wem verbringen Sie die Weihnachtstage?
Ich werde zum ersten Mal nach einer gefühlten Ewigkeit die Weihnachtszeit in der Heimat verbringen. Ich freue mich auf meine Familie und werde die Tage einfach genießen. Direkt nach den Weihnachtstagen geht es für mich aber schon nach Scottsdale, wo ich mich auf 2014 vorbereiten möchte.
 
 Interview: fpf

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