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'Ich kann noch einiges lernen'

Interview
 

Nach seinem ersten Jahr auf der European Tour sprechen wir mit Moritz Lampert über die Rookiesaison, seine Fitness und die Ziele für die anstehende Challenge-Tour-Saison. Außerdem spricht er sich für kürzere, anspruchsvollere Plätze aus.

Für Moritz Lampert war es ein "hartes Jahr". Mit einer Spielberechtigung für die European Tour ausgestattet ging es für ihn Woche für Woche gegen die großen europäischen Namen der Golfszene. Sein bestes Ergebnis war ein geteilter 27. Rang bei der Open de Espana. Ansonsten stehen viele verpasste Cuts in der Rookie-Bilanz des 21-Jährigen. 2014 geht es nun wieder auf die Challenge Tour. 

Golf.de: Welche Erkenntnis nehmen Sie sportlich aus der Saison mit?
Moritz Lampert: Es war ein hartes Jahr, aber daraus kann ich nur lernen. Es war mein erstes Jahr als Profi und der Sprung vom Amateurgolf auf die Tour war schon sehr groß. Vorallem habe ich gemerkt, dass mein kurzes Spiel noch nicht konkurrenzfähig war und daran werde ich jetzt hart arbeiten!

Golf.de: Sind Sie eher Technik-Freak oder doch der intuitive Spieler? Wie sehr greifen Sie beim Training auf TrackMan, PuttLab und Co. zurück?
ML: Unterschiedlich eigentlich. Auf TrackMan greife ich fast täglich zurück, aber schaue mir hierbei vielmehr die Carrydistanzen meiner Schläge an und versuche dadurch, vor allem beim Pitchen besser zu werden. Ansonsten brauche ich nur ein gutes Gefühl im langen Spiel und dann klappt das, ohne mir Gedanken über die Körperbewegung oder die Schlägerbewegung zu machen.

Golf.de: Wie wichtig ist Fitness im Allgemeinen für Ihr eigenes Spiel?
ML: Fitness ist sehr wichtig für mich. Vor allem durch das viele Reisen als Profi ist eine schnelle Regeneration mittlerweile extrem wichtig. In den letzten Jahren wurde mein Fitnesstraining immer intensiver, da ich einige Schwachstellen, wie beispielsweise den unteren Rücken, hatte. Durch das Fitnesstraining komme ich weitesgehend frisch und verletzungsfrei durch die Saison.

Golf.de: Nach dem verpassten Cut bei der Open d’Italia haben Sie in Mos Tagebuch geschrieben: "Irgendwann muss es ja mal Klick machen". Hat es mittlerweile Klick gemacht? 
ML: Nach der Open d'Italia hatte ich das Gefühl, wieder richtig gutes Golf zu spielen, ohne dass dabei ein guter Score heraussprang. Das "Klick" kam leider noch nicht, aber ich muss einfach geduldig blieben, mich jetzt auf die nächste Saison gut vorbereiten und dann geht es ab!

Golf.de: Was war Ihr kuriosester Moment der Saison 2013?
ML: Auf jeden Fall mein Kurzausflug nach St. Andrews! Mittwochs um 17 Uhr nach Edinburgh geflogen und gehofft, als erste Reserve noch in die Alfred Dunhill Links Championship reinzurutschen. Am Donnerstag um 14.30 Uhr saß ich dann leider schon wieder im Flieger!

Golf.de: Was war Ihre beste Entscheidung des Jahres? 
ML: Auf dem Platz gab es keine "beste Entscheidung". Vielmehr gab es immer die Entscheidung, weiterzukämpfen und nicht aufzugeben. Auch wenn das nicht immer erfolgreich war, ist es das, auf was ich am meisten stolz sein kann.
Golf.de: Einen Ratschlag, den Sie in Ihrer Karriere gottseidank befolgt hast, lautet ... Von wem kam dieser Ratschlag?
ML: "Hohe Gebäude haben tiefe Keller", sagte mein damaliger D4-Kader-Trainer Tobias Heim. In jeder Karriere im Sport müssen einmal Täler überwunden werden, aber letztendlich kann man daraus gut lernen!

Golf.de: Wie oft sind Sie in Ihrem Heimatclub St. Leon-Rot noch anzutreffen bei dem vielen Reisen? Und mit wem aus Ihrem Team verbringen Sie dann die meiste Zeit?
ML: Im Moment bin ich dort nicht sehr oft anzutreffen. Da mein Trainer Ted Long in Mannheim arbeitet, verbringe ich dort relativ viel Zeit. Mit Christian Marysko, meinem Athletiktrainer, trainiere ich aber immer in St- Leon-Rot.

Golf.de: Blicken wir mal in die Zukunft. Nächstes Jahr heißt es Challenge Tour. Müssen Sie nach der European-Tour-Saison nicht aufpassen, dass Sie vielleicht zu viel wollen? Immerhin sind Sie erst 21 Jahre alt und haben noch sehr viel Zeit, sich weiterzuentwickeln. Wie gehen Sie 2014 an? 
ML: Auf der Challenge Tour gibt es auch sehr viele gute Spieler, was vorallem daran zu erkennen ist, dass sich viele Spieler, wie auch Max Kieffer, direkt im Rookie-Jahr auf der European Tour behaupten und um Siege mitspielen können. Ich glaube, dass ich auf der Challenge Tour noch einiges lernen kann und mit einer guten Saison 2014 ab 2015 dann wieder auf der European Tour abschlage.

Golf.de: Abschließende Frage: Einheitsball, Schlägerverbot und immer längere Plätze. Wie sieht Golf in 20 Jahren aus? Wie sollte sich Golf Ihrer Meinung nach entwickeln?
ML: Ich bin selbst sehr gespannt was jetzt in nächster Zeit kommt. Ich bin eher ein Freund von kürzeren und engeren Plätzen. Man hat es ja dieses Jahr bei der US Open gesehen: Der Platz war kurz und sogar nass, aber die Scores waren durch schwierige Grüns, hohes Rough und schwierige Fahnenpositionen ziemlich hoch. Ich liebe es, auf strategisch anspruchsvollen Plätzen zu spielen, wo schon der Abschlag auf der richtigen Fairwayseite liegen muss, damit eine Birdie-Chance herausspringen kann. Für mich sollten die Plätze einfach so bleiben wie sie sind und durch harte, schnelle Grüns mit höherem Rough anspruchsvoll gemacht werden.

Golf.de: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.


Das Gespräch für Golf.de führte: Daniel Dillenburg

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