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Ein langer Weg bergauf

Interview: Florian Fritsch
 

Florian Fritsch hat in diesem Jahr die Order of Merit der Pro Golf Tour gewonnen. Bei nur elf Starts sammelte der 28-Jährige knapp 30.000 Euro Preisgeld und gewann vier Mal auf der dritten Liga. Im kommenden Jahr geht es nun auf der Challenge Tour weiter.

Florian Fritsch kennen einige noch aus seiner Amateurzeit vom GC. St. Leon-Rot oder als Nationalspieler im Deutschlandkader. Im Jahr 2010 überraschte der Münchner, der in Neckargemünd bei Heidelberg lebt, dann alle: Über die Q-School erspielte er sich die Karte für die European Tour 2011. Fritsch spielte damals keine schlechte Saison, gewann knapp 140.000 Euro Preisgeld, konnte die Karte aber nicht halten. Nun ist er zurück. Mittlerweile verheiratet mit Frau Inga und Vater eines 16 Monate jungen Sohnes. Golf.de hat mit dem Ranglistensieger der Pro Golf Tour 2013 gesprochen.

Golf.de: Sie sind in diesem Jahr auf der Pro Golf Tour der große Gewinner und haben dadurch den Sprung auf die Challenge Tour geschafft. Haben Sie ein bisschen gefeiert nach dem Finale?
Florian Fritsch: Ja, ein wenig. Gestern Abend bin ich mit meiner Frau zum Essen gegangen. Mehr ging eigentlich auch nicht. Ich kam Sonntagabend erst sehr spät wieder zurück aus Polen, und unser Kleiner ist dann in der Früh gegen 7 Uhr wachgeworden, wodurch wir es auch waren. Groß an Feiern denken war dann erstmal nicht drin. Aber zum Abendessen mit Inga hat es gereicht.

Golf.de: In 2011 haben Sie rund 140.000 Euro auf der European Tour verdient, waren im Race to Dubai mit Platz 156 aber nicht gut genug, um die Karte zu behalten. War das Jahr im Rückblick dennoch das erfolgreichste Ihrer Karriere? Oder zählen die Siege auf der Pro Golf Tour für Sie mehr?
Fritsch: Ich kann das nicht vergleichen. Ich habe diese Jahr gut auf der PGT gespielt, habe aber die beiden Male, die ich auf der European Tour abgeschlagen habe, nicht so gut gespielt. Beide Saisons waren für sich durchaus erfolgreich. Ich bin damals als kompletter Rookie auf die European Tour gekommen und wurde beim zweiten Turnier Achter und die Woche darauf Elfter. Das waren Erfahrungen, die ich zuvor noch nie hatte. In diesen Momenten war das ein riesiger Erfolg. Dieses Jahr ist aber auch ein großer Erfolg für mich, dass ich es geschafft habe, in rund der Hälfte der Turniere mit so einem Abstand Erster zu werden. Das hätte ich mir zu Beginn der Saison nie träumen lassen. Von daher war 2011 für mich auch durch den Lerneffekt erfolgreich - genau wie dieses Jahr. Beide Jahre waren für sich genommen erfolgreich.

Golf.de: Sind alle Zweifel ausgeräumt, dass Sie Golf-Profi sein wollen. Oder gibt es eine Plan B?
Fritsch: Ja, ich bin auf jeden Fall Berufsgolfspieler. Natürlich denkt man auch an Nachher oder wenn was passieren sollte. Dementsprechend habe ich mich auch vorbereitet. Ich habe Anfang des Jahres mein Diplom zum Sportmanager gemacht und stehe nun auch kurz davor, im Oktober den Abschluss zum PGA-Golfassistent-Lehrer zu machen. Ich habe aber nicht vor, die volle Ausbildung zu machen. Man kann das zwar nie komplett ausschließen, aber vorerst möchte ich kein Golflehrer werden.

Golf.de: Ein Sicherheitsaspekt ist also durchaus da in Ihrem Leben?
Fritsch: Ja, schon. Ich bin direkt zugelassen zur Prüfung. Das kann ja nicht schaden, Weiterbildung ist nie schlecht. Vielleicht lerne ich ja noch ein paar Sachen.

Golf.de: Wie gut ist eigentlich die Pro Golf Tour im Vergleich zur Challenge und European Tour? Sie kennen ja alle Touren.
Fritsch: Stimmt, ich habe auf allen drei Touren gespielt. Schlussendlich habe ich aber auf der Challenge und European Tour um einiges öfter gespielt als auf der PGT. Auf der PGT habe ich in meiner Karriere vielleicht 16 oder 17 Turniere gespielt, mehr waren es wohl nicht. Ich merke aber auf jeden Fall, dass das Niveau immer besser wird. Das Feld ist immer internationaler. Das Niveau ist durchaus hoch. In der Tiefe gibt es immer mehr Spieler, die sehr gut spielen können.

Golf.de: Was macht Ihre Flugangst? Schaffen Sie es im kommenden Jahr zu den Turnieren, die etwas weiter weg sind?
Fritsch: Es ist immer noch ein Thema. Durch meine Erfolge habe ich viel Feedback von Freunden und Bekannten bekommen, die alle sagen: 'Hey, Flo. Du musst jetzt mal wieder fliegen.' Gerade sammle ich alle Ideen und Vorschläge dazu und werde Ende des Jahres, wenn die Saison zu Ende ist, das alles anschauen und mir überlegen, wie ich das Thema angehe.

Golf.de: Es bleibt aber eine Thema. Ginge es auch mit dem Auto?
Fritsch: Das dürfte schwierig werden, denn dann müsste man schon einige Turniere auslassen. Vor allem die wichtigen sind ja dann doch etwas weiter weg. Solche wie Kasachstan oder das Grand Final, das glaube ich von Italien nach Dubai verlegt wurde. Wenn ich dann das Grand Final nicht spielen könnte, wäre das schon ein Rückschritt. Insofern ist es ein Thema, das akut vorhanden ist, aber das ich am Saisonende auch angehen werde.

Lesen Sie auf Seite 2, wie es bei Florian Fritsch mit Sponsoren, den Auftritten auf der European Tour und den Zielen für die kommenden Jahre aussieht. 
 
Golf.de: Haben schon Sponsoren für 2012 angeklopft?
Fritsch: Dieses Jahr hatte ich gar keine. Ich habe alles selber finanziert. Für das kommende Jahr gab es schon die ein oder andere Anfrage, aber mit der werde ich mich erst nach der Saison auseinandersetzen.

Golf.de: Gibt es einen Investor oder sonstigen privaten Geldgeber, der Sie unterstützt? Man sagt, eine Saison kostet zwischen 60 und 70.000 Euro.
Fritsch: Von den Kosten kann das schon sein. Auf der PGT kommt das sicher hin, da man auch Startgebühren und Unterkunft bezahlt. Ich mache aber alles selber und bin auch ziemlich stolz auf mich, mein golferisches und zu großem Teil auch privates Leben zu finanzieren.

Golf.de: Bei der Open de France und BMW International Open durften Sie in diesem Jahr mitspielen, verpassten aber beide Male den Cut. Ist das Niveau noch zu hoch? Oder benötigt man einfach mehr Versuche, um sich in der ersten Liga durchzusetzen?
Fritsch: Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus allem. Die Plätze, die wir im Rahmen der PGT spielen, stellen sich doch leichter dar als die Kurse auf der European Tour. Auf der European Tour war ich plötzlich mit Schlägen konfrontiert, die ich das ganze Jahr über nie gebraucht habe und dementsprechend auch nicht trainiert habe. Klar, habe ich diese speziellen Turnierwochen verstärkt angegangen, aber am Ende fehlen dann doch auch ein wenig Erfahrung und Spielpraxis. Die Aufregung war sicher auch ein Punkt. In München habe ich leider noch nie gut gespielt, was viellicht auch daran liegt, dass ich mir in meiner Heimat immer besonderen Stress mache. Bei der Open de France war ich einfach nicht geduldig genug: Ich habe dann versucht, unbedingt das Birdie zu machen, und der Schuss ging nach hinten los.

Golf.de: Gibt es ein Team hinter dem Spieler Florian Fritsch? Oder muss man sich in der dritten Liga alleine auf den Weg machen?
Fritsch: Mein Team besteht aus meiner Familie und meinem Trainer Martin Hasenbein. Ansonsten eigentlich niemandem im engeren Kreis. Ein großer Dank geht aber dennoch an meine beiden Trainingsstätten. Zum einen dem Golfclub St. Leon-Rot, welcher wirklich hervorragenden Trainingsmöglichkeiten bietet, und zum anderen meiner zweiten Trainingsstätte, dem Golfclub Heidelberg-Lobenfeld. In Lobenfeld habe ich die Möglichkeit, im Winter mit der Mannschaft, unter Führung des sehr kompetenten Fitnesstrainers Marco Bräuninger, an meiner Fitness zu arbeiten. Natürlich gibt es noch viele andere Personen, die geholfen haben, dass ich dort bin, wo ich mich derzeit befinde. Ein großer Dank geht auch an diese Personen, die ich jetzt nicht einzeln aufzählen möchte, weil wir sonst in einer halben Stunde noch nicht fertig sind.

Golf.de: Haben Sie einen Caddie? Wie sieht es für die Challenge Tour aus?
Fritsch: Nein, ich habe keinen Caddie. Die Challenge Tour werde ich höchstwahrscheinlich alleine spielen, da es mir sonst einfach zu teuer ist.

Golf.de: Wer auf der Pro Golf Tour hat ebenfalls noch das Zeug, sich auf den höherklassigen Touren durchzusetzen?
Fritsch: Es gibt einige, die sehr professionell arbeiten und die richtige Einstellung haben. Wir werden also schon noch einige Spieler sehen, die aus dieser Tour hervorgehen. Zumal ich finde, das eine Pro Golf Tour einen besser auf das Leben als Profi vorbereitet als eine Q-School. Die, die sich hier durchsetzen, haben gute Chancen. Ob sie es aber bis ganz nach oben schaffen, kann ich nicht beurteilen, insofern kann ich auch keine Namen nennen.

Golf.de: Kennen Sie die Jungs auf der Challenge Tour? Bernd Ritthammer, Max Glauert, Nicolas Meitinger...
Fritsch: Man kennt sich natürlich vom Nationalkader. Ich verstehe mich auch sehr gut mit einigen anderen, die nicht aus Deutschland kommen. Aber ich werde wahrscheinlich schon mehr mit den Deutschen unterwegs sein.

Golf.de: Wann geht es auf die European Tour?
Fritsch: Wenn es soweit sein soll. Am besten natürlich Ende nächsten Jahres. Auch weil ich ein großer Freund davon bin, mich über die Challenge Tour zu qualifizieren als über die Q-School. Das heißt aber nicht, dass ich die Q-School nicht spielen werde. Aber mein Großes Ziel lautet, Ende 2014 auf der European Tour zu sein.

tsz
 

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