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Schule: USA - Fach: Golf

Portrait
 

Jan Schneider, 14, ist seit Kurzem in der Hank Haney Junior Golf Academy (IJGA) in South Carolina eingeschrieben. Dort lernt er nicht nur Algebra und Englisch, sondern spielt überwiegend Golf. Zwei große Jugendturniere hat er auch schon gewonnen. Golf.de hat mit ihm gesprochen und zeigt, wie das Leben in den USA abläuft. 

Hilton Head Island, South Carolina, 6 Uhr: Aufstehen. 6.30 Uhr: Frühstück. Der Schulbus fährt pünktlich um 6.50 Uhr ab. Für Jan Schneider beginnt der Schultag ähnlich wie für einen Großteil der Kinder in Deutschland. Doch nach insgesamt viereinhalb Stunden Englisch, Mathe und Geschichte sieht das anders aus.

Mittagessen gibt es gegen 13 Uhr - und zu diesem Zeitpunkt ist Jan mit elf seiner Mitschüler bereits auf dem Clubgelände im Pinecrest Golf Club. Eine halbe Stunde später beginnt das Golf-Training auf der Driving-Range. Hier erwarten den 14-Jährigen aus Erlangen ein ganzes Team von Trainern, darunter der über die Landesgrenzen bekannte Hank Haney oder Peter Krause, der im Jahr 2005 zum "PGA National Teacher of the Year" ernannt wurde. Bis 16.30 Uhr feilt der Single-Handicapper (nach eigenen Angaben bewegt sich die Vorgabe zur Zeit zwischen 6 und 8) mit den etwa gleichaltrigen Nachwuchstalenten aus der ganzen Welt an seinem Spiel, ehe es zurück zum Campus geht. Abendessen und Hausaufgaben stehen dann noch auf dem Programm. 

Bester Score: Even Par
Jan, dessen bestes Ergebnis bislang eine 72er Par-Runde in Savannah Harbor war, hat sich mit dem Programm bereits angefreundet: "Das Training ist nicht so hart. Wir spielen zwei Mal die Woche auf dem Platz und zwei Mal die Woche habe ich zusätzlich noch Fitness." 

Genau so stellt sich Peter Orrell, CEO of Junior Sports Corporation, das Leben seiner Schüler vor: "Das Golf-Programm besteht aus einem halben Tag Golf-Training, die zweite Hälfte besuchen die Schüler die Heritage Academy. Am Abend gibt es noch zwei bis drei Mal pro Woche Fitness-Training." 1995 wurde die Schule gegründet, zur Zeit werden hier mehr als 150 Schüler aus 25 Nationen ausgebildet. Neben dem exzellenten Golfunterricht kann man sich auch im Tennis professionell ausbilden lassen. Kein Geringerer als Ivan Lendl ist der Direktor der angeschlossenen Tennisschule.

Für Jan war der Wechsel in die USA bislang der richtige Weg, auch wenn ein Schuljahr in der Summe viel Geld kostet. Er hat "Spaß beim Lernen und ist motiviert - nicht nur im Golf, sondern auch in der Schule", sagt seine Mutter. Sportlich gesehen läuft es sehr gut. Gleich sein erstes Turnier, die Hilton Head Open, gewann der Deutsche mit Runden von 75 und 79 Schlägen klar vor der Konkurrenz. Beim darauf folgenden Turnier wurde er Siebter, ehe er Ende Februar erneut siegte (72+76). Ein starker Auftakt für den "Freshman", nachdem er erst im Januar auf die Schule nach South Carolina wechselte. "Mein Vorbild ist Rory McIlroy, weil er einen guten Schwung hat, jung ist und gutes Golf spielt", sagt Jan über den Tour-Spieler, dem er mit seiner speziellen Ausbildung nacheifert. Auch in die Klasse wurde Jan schnell integriert - bei so vielen unterschiedlischen Nationalitäten geht das ganz automatisch. 

Typisch amerikanisch: Auf der Schul-Webseite stehen sofort nach Turnierende die sportlichen Leistungen. Wenn alles glatt geht, wird Jan im Jahr 2016 seinen Abschluss an der Heritage Academy machen und danach auf ein College gehen. Bis dahin geht es vor allem um sein Spiel. Das Golfbag gehört zu Jan mittlerweile wie zu anderen Kindern der Schulranzen. "Mein Lieblingsschläger ist mein 5er Holz, weil ich glaube, ich habe eine gute Kontrolle damit. Meine Schwäche wiederum ist mein Driver, weil ich nicht so konstant damit bin", analysiert der Teenager sein Werkzeug.

Einige Absolventen spielen auf den höchsten Touren
Beachtlich an der Schule: Mehr als 90 Prozent der Absolventen aus den Golf-Klassen erhielten im Anschluss ein Sportstipendium an einer Universität. Außerdem kann die 1995 gegründete Akademie auf einige beachtliche Erfolge im Golfsport zurückblicken. Die Chinesin Shanshan Feng, 23, die Südkoreanerin In-Kyung Kim (24) oder Mariajo Uribe (23) aus Kolumbien waren alle drei Schülerinnen von Hank Haney in der IJGA. Mittlerweile spielen sie auf der LPGA Tour und haben weltweit Turniere gewonnen. Feng ist zur Zeit sogar die Nummer fünf der Damen-Weltrangliste. Auch bei den Jungen hat die harte Ausbildung gegriffen: Morgan Hoffmann, 23, aus der Abschlussklasse von 2008 spielte zwei Jahre lang für das renommierte Team der Oklahoma State University (wo unter anderem auch Sean Einhaus eingeschrieben ist) und war einige Zeit bester Amateur der Weltrangliste. Seit 2010 ist er Profi, in diesem Jahr erstmals spielberechtigt auf der US PGA Tour.

An der IJGA wird übrigens nicht jeder Schüler angenommen. Geld und Status sind laut Orrell kein Kriterium, zumal es auch für die Schule schon unterstützende Stipendien gibt. "Wir wollen Schüler, die lernen wollen und alles im Training geben. Das wird evaluiert. Was sie auf dem Platz für Scores schießen, ist erst einmal egal."

Doch zurück zu Jan, der vor seinem Wechsel in die USA ein Gymnasium in Erlangen besuchte. Sportlich war er schon immer, aber besonders gut in Squash. Sogar so gut, dass er im bayerischen Kader mittrainierte. Mit Golf fing Jan erst vor zwei Jahren an und spielte dann im GC Erlangen. Der Schritt nach Amerika war ein großes Wagnis - aber er scheint gelungen. Die Eltern sorgen sich natürlich ab und an, stehen aber voll hinter dem Talent ihres Sohns. "Allein leben ist nicht sehr einfach", sagt Jans Mutter. Im März besuchen Sie ihren Sohn zum ersten Mal in den USA. 

tsz

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