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'Die Amerikaner sind Diven'

Tony Jacklin im Interview
 

Tony Jacklin ist zweifacher Major-Sieger, vierfacher Ryder-Cup-Kapitän und Mitglied der Hall of Fame. Im Gespräch mit Thomas Fischbacher erzählt er von einer besonderen Freundschaft zu Jack Nicklaus, seinen größten sportlichen Momenten und erklärt, weshalb Europa den Ryder Cup auch 2014 holt.

In den vergangenen 61 Jahren gab es lediglich zwei englische Major-Sieger. Der eine ist Nick Faldo, der andere Tony Jacklin. Der Engländer gewann 1969 die Open in Lytham sowie ein Jahr später die US Open im stürmischen Hazeltine mit einem Rekordvorsprung von sieben Schlägen. Beim Ryder Cup 1969 wurde er Teil eines wahrhaft besonderen Moments.

Jack Nicklaus und Jacklin bestritten das entscheidende Match des Vergleichs in Royal Birkdale. Auf dem letzten Loch schenkte Nicklaus seinem Kontrahenten den Putt zum Teilen der Begegnung und beide verließen Arm in Arm das Grün - es war das erste Unentschieden in der Geschichte des Wettbewerbs. Die beiden verbindet bis heute eine enge Freundschaft.

Ab 1983 war der heute 68-Jährige vier Mal Kapitän des europäischen Ryder-Cup-Teams. Er feierte 1987 in Muirfield den ersten Sieg auf amerikanischem Boden.

Heute lebt Jacklin, der 2002 in die Hall of Fame aufgenommen wurde, mit seiner zweiten Frau Astrid in Florida. Bei einer Veranstaltung von Glenmorangie, einem schottischen Whisky-Unternehmen und seit diesem Jahr Sponsor der Open, trifft sich Golf.de zu einem Gespräch mit der Legende.


Golf.de: Guten Tag Herr Jacklin, Sie haben eine besondere Verbindung zu Deutschland. Ist das richtig?

Tony Jacklin: Ja, mein Sohn Warren führt eine Golfakademie in der Nähe von St. Leon-Rot, die ich einmal im Jahr besuche. Ich spiele dort auch auf dem Platz ganz gerne. Vier meiner Enkel sprechen fließend Deutsch. Ich kenne auch Dietmar Hopp, mit ihm habe ich mich schon des Öfteren getroffen. Ein- bis zwei Mal im Jahr komme ich nach Deutschland und genieße es immer sehr.
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Golf.de: Sie haben zwei Majors gewonnen. Die Open Championship in Lytham 1969 und ein Jahr später auch die US Open in Hazeltine. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Jacklin: Ich war einen Monat lang der aktuelle Titelträger der beiden Turniere. Das war schon eine besondere Zeit - mit 25 Jahren damals. Es ist schwierig zu sagen, welcher sich besser angefühlt hat. Der erste war sehr emotional vor Heimpublikum in Lytham. Der Sieg in Hazeltine hat mich vor allem deshalb glücklich gemacht, weil es das schwierigste der Majors ist. Dort habe ich von Beginn an geführt und den Vorsprung kontinuierlich ausgebaut. Erst zwei, dann drei und vier - schließlich habe ich mit sieben Schlägen Vorsprung gewonnen. Es war das beste Golf, das ich jemals gespielt habe.

Golf.de: Und Sie haben mit einem Rekordvorsprung gewonnen. Man erlebt bei den Profis immer wieder, wie schwierig es ist, als klarer Führender in die Finalrunde zu starten, und nicht selten endet das Ganze ohne Pokal. Wie haben Sie sich damals gefühlt?

Jacklin: Wenn ich es nicht gewonnen hätte, hätte es mich für immer beschäftigt. Man wäre gewissermaßen gebrandmarkt. Ich habe nicht wirklich geschlafen in der Nacht zuvor und habe sogar gebetet, obwohl ich kein allzu religiöser Mensch bin. Es ging dabei nicht einmal um den Sieg. Ich wollte einfach nur den Tag überstehen. Man steht in einer Ecke, und die Wand sieht einen an. Der Druck war schon immens.

Golf.de: Sie haben es aber schließlich geschafft.

Jacklin: Ja, das Gefühl ist das Beste, das man haben kann. Es schlägt einfach alles. Man liegt nachts im Bett, legt seinen Kopf auf das Kissen und weiß, das man besser war als alle anderen. Darum spielt man Golf. Zusammen mit dem ersten europäischen Ryder-Cup-Sieg auf amerikanischem Boden (Muirfield Village, 1987, Jacklin war Kapitän, d. Red.) war es der Höhepunkt meiner Karriere.

Golf.de: US-Kapitän war damals ein gewisser Jack Nicklaus. Mit ihm haben sie einen der größten Momente der Ryder-Cup-Geschichte geschrieben, als er Ihnen in Birkdale 1969 den Putt geschenkt hat und sie schließlich ihr Einzel geteilt haben und Arm in Arm vom Grün gingen. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Jacklin: Ja, ständig. Ich lebe in Florida und wir sehen uns oft. Seine Frau Barbara und meine Frau sind auch befreundet. Aber wir greifen uns nicht gegenseitig in die Tasche. Wir wissen, der andere ist da, wenn man etwas braucht. Ich helfe ihm auch bei der Organisation des Memorial Tournaments. Im Zuge dessen treffen wir uns mit einigen anderen engen Freunden Jacks und diskutieren über Themen des Golfsports.

Golf.de: Eine Expertenrunde sozusagen.

Jacklin: Ja, so könnte man es nennen. Wir wählen auch Jahr für Jahr Spieler aus, die aufgrund ihrer Verdienste geehrt werden. In diesem Jahr wird es Raymond Floyd sein.


Bis heute befreundet: Tony Jacklin und Jack Nicklaus


Golf.de: Ist die Freundschaft aus dem Ryder Cup in Birkdale gewachsen?

Jacklin: Teile davon bestimmt. Meine erste Begegnung hatten wir 1966 im World Cup in Japan. Ich habe mit Peter Alliss gespielt, Jack mit Arnold Palmer. Dort fing die Freundschaft an. 1967 bin ich dann in die USA gegangen und habe versucht, mir die Tourkarte zu erspielen. Ein Turnier war direkt in Palm Beach Garden, wo Jack gewohnt hat. Ich war damals oft in seinem Haus und wir sind zusammen fischen gegangen. Nach dem Sieg in Lytham hat er mir schon die Hand geschüttelt, zwei Monate später dann kam der berühmte Ryder Cup in Birkdale.

Golf.de: Und der berühmte Moment, als er Ihnen den Putt auf der 18 geschenkt hat.

Jacklin: Ja, das war ein sehr freundschaftlicher Moment. Ich war schon überrascht. Ich war mental darauf vorbereitet, den Putt zu lochen. Ich wusste, was auch immer passiert, ich muss ihn lochen. Als er meinen Ball dann aufgehoben hatte, war ich geschockt, aber auch erleichtert. Jack wusste ja, dass sein Team durch das Unentschieden den Cup sowieso behalten würde. Er sagte damals, er hätte nicht geglaubt, dass ich ihn verfehlt hätte, aber er wollte mir unter diesen Umständen gar keine Möglichkeit dazu geben. Er ist ein toller Sportsmann. 

Seite zwei: "Die Amerikaner sind Diven" 

 

Golf.de: Seit Ihren Major-Siegen hat in Nick Faldos (zuletzt Masters 1996) lediglich ein Engländer ein Major gewonnen. Wer könnte diese magere Ausbeute verbessern?

Jacklin: Das ist eine sehr schwierige Frage. Ian Poulter und Justin Rose sind Kandidaten, Luke Donald scheint immer zu nervös zu sein bei den Majors. Er hat aber ein beeindruckendes kurzes Spiel. Wichtig ist, mit guter Form an einen Kurs zu kommen, der einem gefällt und liegt sowie gleich zu Beginn ganz vorne dabei zu sein. Dann ist man auch mental stärker involviert. Eines der Probleme ist, dass die Spieler heutzutage in kürzester Zeit sehr viel Geld verdienen. Es ist schwierig, wenn Geld die Motivation ist.

Golf.de: War es bei Ihnen anders?

Jacklin: Nein, Geld war auch meine Motivation. Natürlich wollte ich auch der beste Spieler der Welt werden, aber Geld war elementar wichtig. In dieser Zeit hat man viel weniger verdient. Heute können manche es ja gar nicht mehr alles ausgeben. Sie verdienen einfach zu viel.

Golf.de: Und das wirkt sich negativ auf die Motivation aus?

Jacklin: Ja, wenn es nur noch um Geld und nicht um Major-Siege geht, dann wird es zum Problem. Niemand erinnert sich an die Sieger der regulären Turniere, nur an die der Majors. Und das sollte das Ziel sein. Das ist für mich auch das Dilemma von Lee Westwood.

Golf.de: Sie meinen, weshalb er bis jetzt keine Majors gewonnen hat?

Jacklin: Ich habe bei der Open im letzten Jahr einen Artikel gelesen, in dem Lee mit: 'Ich wollte nur vorne dabei sein' zitiert wurde. Aber was ist dann? Es kann doch nicht das Ziel sein, nur vorne dabei zu sein. Er hat kein einziges Mal gesagt, dass er das Turnier gewinnen will. Es ist etwas anderes, seinen Namen ganz oben zu sehen. Ob Ballesteros, Nicklaus oder Player, jeder dieser großen Spieler wollte ganz oben sein. Sie haben darauf gebrannt. Lee ist gut genug, um immer vorne dabei zu sein. Aber zwischen oben mitspielen und gewinnen ist ein himmelweiter Unterschied. Man kann nicht in Menschen hineinblicken, wie sich in entscheidenden Situationen fühlen, aber ich denke bei Lee ist die Einstellung problematisch.
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Golf.de: Beim nächsten Ryder Cup in Gleneagles wird Westwood wahrscheinlich dabei sein. Sein Kapitän wird Paul McGinley sein. Wie ist ihre Meinung über Paul?

Jacklin: Er ist ein lieber Typ, sehr intelligent und wird es super machen, da bin ich mir sicher. Seine große Leidenschaft für den Ryder Cup und reichlich Erfahrung werden ihm helfen. Dass er damals den entscheidenden Putt gelocht hat (The Belfry 2002), war wunderbar für ihn.

Golf.de: Wird er ein siegreicher Kapitän sein?

Jacklin: Ja, da bin ich mir sehr sicher. Es wird  für die Amerikaner schon sehr schwierig werden, die Europäer in Gleneagles vor Heimpublikum zu schlagen. Zudem halte ich das europäische Team für geschlossener.

Golf.de: Anders als die Amerikaner?

Jacklin: Ja, im US-Team sind viele Diven. Die Europäer kommen zwar auch alle im Privatjet, aber während des Cups wirken sie wie ein eingeschworener Haufen - anders als Team USA. Ich lebe in Florida und kenne viele Amerikaner, die ihre Daumen für Europa drücken. Das sagt schon vieles.

Tony Jacklin ist Botschafter des schottischen Whisky-Unternehmen Glenmorangie. Hier finden Sie weitere Informationen.


tfi
 

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