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Zurück in die Zukunft

Profigolf in Deutschland
 

Wir schreiben das Jahr 1995. Boris Becker und Steffi Graf befinden sich in der Blüte ihres Schaffens, Michael Schumacher rammt Damon Hill von der Strecke und Golf-Deutschland freut sich über vier Turniere der European Tour. Ein Gastkommentar von Tino Schuster und Felix Lubenau.

Wir lieben das Golfspiel. Wenn der Ball mal wieder rechtwinklig in den Bunker hüpft weniger, als wenn er gerade noch zum Birdie fällt. Aber generell sind wir dem Sport verfallen. Was gäbe es also Schöneres als eine größere Aufmerksamkeit. Mehrere große Turniere, mehr mediale Präsenz und weitere internationale Topstars in Deutschland. Zum Beispiel mit - sagen wir mal - vier großen internationalen Golfturnieren in Deutschland, dazu noch mindestens zwei Turniere der Challenge Tour. Und schließlich wünschen wir uns übermütig, dass alle deutschen Turniere in den regionalen Sendern der ARD übertragen werden. 

Aber was muss passieren, damit dieses Szenario eintritt. Ganz einfach: Wir müssen eine Zeitreise zurück ins Jahr 1995 unternehmen. Das ist die Zeit, in der Steffi Graf und Boris Becker in der Fernsehlandschaft omnipräsent sind, Michael Schumacher Damon Hill von der Strecke rammt und die Drei-Punkte-Regel im Fußball eingeführt wird.

Just zu dieser Zeit gab es die Deutsche Bank Open in Hamburg, die BMW International Open in München, die Volvo German Open in Stuttgart und das Mercedes German Masters in Berlin. Stolze vier deutsche Turniere auf der European Tour. Dazu kamen noch zwei Challenge-Tour-Turniere. Und alle European-Tour-Events wurden in den dritten Programmen übertragen. Am Wochenende sogar live mit Harry Valérien als Kommentator.


Die Sieger hatten so klangvolle Namen wie Fred Couples, Ernie Els, Seve Ballesteros, Bernhard Langer, Colin Montgomerie und Alex Cejka. Und John Daly gewinnt zur Krönung die British Open in St. Andrews. Und dass, obwohl der DGV zu dieser Zeit gerade einmal die 250.000-Mitgliedermarke übersprungen hat - ein Drittel gegenüber 2012.


Heute, 18 Jahre später, stehen wir fast mit leeren Händen da. Die BMW International Open pendelt zwischen West- und Süddeutschland und hält einsam die deutsche Fahne des Golfsports hoch. Schüco hat sich wieder als großer Sponsor aus der Golfwelt zurückgezogen, und die Challenge Tour findet seit Jahren nicht mehr wirklich statt. Ein Umstand, den die European Tour auch bemerkte und damit drohte, die Startplätze für die Challenge Tour, die die fünf besten der Pro Golf Tour (ehemals EPD) erhalten, auf vier zu reduzieren.

Die "Geiz ist Geil"-Mentalität hat sich in den deutschen Köpfen fest verankert. Ist der Werbespruch zum Sinnbild des letzten Jahrzehnts geworden, so ist der Golfer, mit all seinen platten Vorurteilen, zum Anti-Christ mutiert. Golf passt nicht in das Marketing-Portfolio. Das glauben viele Firmen und die Politiker scheuen die Verbindung zwischen dem "Bonzen-Sport" und ihrer Person besonders. Zu groß ist die Furcht, durch die Millionenauflagen deutscher Boulevardpressen abgeschossen zu werden. Man kann ein paar hundert Millionen für eine Rennstrecke bei uns verballern, ohne große Konsequenzen zu fürchten, sich aber öffentlich für einen mediales Großereignis wie den Ryder Cup auszusprechen, kommt einem politischen Suizid gleich. Einzig Peer Steinbrücks Medienberater wäre wohl von so einer Idee zu überzeugen.

Aber zurück in die Gegenwart. Nicht alle Firmen haben sich einschüchtern lassen. Es gibt im Jahr 2013 noch ein weiteres gallisches Dorf, welches wieder ein Challenge-Tour-Turnier ausrichtet: Bad Griesbach, am 4. Juli.

Hoffen wir, dass dies erst der Anfang ist, dass die kleine Flamme stärker lodern wird und weitere Partner in die nationale Turnierförderung ziehen wird. Denn das Turnier in Niederbayern sichert nicht nur den deutschen Nachwuchsgolfern eine Chance auf der Challenge Tour, auch die ganz Kleinen haben so schon früh eine Möglichkeit, sich das Treiben der "Großen" anzusehen. So wird es während des Turniers am Samstag einen Tag der Jugend geben. Alle Jugendwarte der bayerischen Golfclubs werden angeschrieben und können sich dann mit ihren "Kids" anmelden.

Die "Tino Schuster Junior Trophy" ist ein vom Bayerischen Golfverband unterstütztes Turnier für junge Golfer. Der Sieger des Golfturnieres bekommt einen Startplatz für das Folgejahr bei dem Challenge-Tour-Turnier in Bad Griesbach. Was eben auch gleichzeitig bedeutet: Hier geht es nicht nur um ein Jahr, sondern das Turnier steht längerfristig fest auf dem Kalender.

Wünschen wir uns also, dass dies die Talsohle des deutschen Turnierlebens war und es ab jetzt bergauf geht.

Ein schönes Spiel wünschen Ihnen

Tino Schuster & Felix Lubenau



Tino Schuster (jeweils rechts im Bild) ist deutscher Golfprofi, war European-Tour-Mitglied und zweifacher deutscher Profimeister. Mit seinem Partner Felix Lubenau, PGA Professional und Head Coach des "Hartl Resort Center of Excellence by Tino Schuster", entwickelt er seit Anfang 2011 ein umfassendes Jugend- und Leistungskonzept mit dem dafür speziell gegründetem Trainingscenter. Ein weiterer Teil des Konzepts ist ein Förderverein mit dem Ziel, das deutsche Jugendgolf aufzubauen. Hier finden Sie weitere Informationen.

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