Bild Information: Drive, Chip & Putt (Photo by Justin. K.Aller/Getty Images for DC&Putt Championships)

Eltern im Wettkampfmodus

Erster Abschlag
 

Erster Abschlag. Die Kolumne zum Wochenanfang. 

Die Saison hat begonnen. Die Wettkampf-Saison. Zumindest mental. Die Rede ist weniger von den Kindern und Jugendlichen, die im kommenden Sommer wieder Wochenende um Wochenende Turnierrunde um Turnierrunde spielen werden, als vielmehr von ihren Eltern, die sich gedanklich bereits in den Wettkampfmodus versetzt haben.

Die Herausforderungen, die sich auch in dieser Saison an ihre logistischen Fähigkeiten stellen, sind wieder einmal beträchtlich:

Ein Kind und das ganze Team drumherum

Wer fährt viermal die Woche zum Training und zum Platz, weil Golfplätze bekanntlich eher selten vom öffentlichen Nahverkehr angefahren werden und der Trolley und das Bag im Bus umständlich zu handhaben sind? Mal ganz abgesehen davon, dass bei drei mal Nachmittagsunterricht vielleicht bis halb vier Uhr ohnehin keine Zeit für Busfahrten mit zig Zwischenstopps ist.

Wer übernimmt die Strecken zum Turnierstandort am Wochenende und wer bleibt zu Hause, wenn es womöglich zwei oder mehr Kinder gibt, und nicht alle gleichzeitig auf einem Golfplatz unterwegs sind?

Wer macht den Starter beim Kinder-Golfturnier im Club? Wer dient als Zähler beim Mini-Cup oder wer fährt das Jungs- oder Mädchenteam zur Proberunde beim Team-Cup, wohin auch immer in der weiten, deutschen Landschaft?

Wer bucht die Flüge zur nächsten deutschen Meisterschaft, wer sammelt vergessene Teampullover ein und wer gibt das Seelenklo für den Sprößling, der sein vermeintliches Potential mal wieder nicht ausgeschöpft hat und auf welche Weise auch immer fünf Bälle verdonnert und sechs Dreiputts geschoben hat?

Wer versteckt sich am Platz hinter Büschen und Bäumen, taucht im halbhohen Rough nach verlorenen Bällen und hört nebenbei mit dem linken Ohr noch dem unerträglichen Geschwafel einer anderen Mutter zu, die weiß, dass ihre Tochter ähnliche Gene hat wie Annika Sörenstam und Lorena Ochoa kombiniert?

Ach ja und wer schafft die Euros ran, die nötig sind, um all’ diese kleinen Flugreisen, verlorenen Premium-Bälle, Trainerstunden bei Spitzenpros und Summercamps in Florida zu finanzieren?

 

 

Es sind exakt die Personen, die sich in all’ den Jahren, in denen Ihre Kinder an ihrem Handicap arbeiten, von ihren zunehmend weniger werdenden Bekannten und Freunden ansehen lassen müssen wie ein paar Wahnsinnige.

Es sind genau die Väter und Mütter, die sich aus ihren Tennis-, Golf- und sonstigen Freizeitmannschaften verabschiedet haben, weil sie stattdessen ja nun am Golfplatz stehen.  Die frohe Botschaft an sie lautet, dass es ab und an ein Supertalent gibt, dass den Sprung zum Weltranglistenersten dann auch tatsächlich schafft. Und selbst dieses Megatalent wäre heute ein Nichts, hätten nicht Mum und Dad alles für ihn gegeben.

Rory McIlroy: "Manchmal habe ich mich gefragt, warum wir keine normale Familie waren"

„Meine Mutter hat in der Nachtschicht gearbeitet und mein Vater hatte zeitweise drei Jobs tagsüber, damit er die Familie unterhalten konnte und diese Reisen finanzieren konnte, die wir machten, damit ich in den USA Golfturniere spielen konnte“, sagt Rory McIlroy heute. „Damals habe ich nicht realisiert, welche Opfer sie brachten oder wieviel Arbeit sie da reingesteckt haben.“

Inzwischen weiß McIlroy seine Kindheit richtig einzuordnen: „Ich habe meine Eltern als Kind oft gesehen. Mein Vater hat nachts auf mich aufgepasst und meine Mutter habe ich dann morgens gesehen, wenn sie mich in die Schule geschickt hat und wenn ich aus der Schule heimkam. Sie haben mir gesagt, dass sie nachts eben die Schichten übergeben haben. Der einzige Tag, an dem wir uns alle gesehen haben, war sonntags. Manchmal habe ich mich gefragt, warum wir nicht wie eine normale Familie sein konnten.“

Hund oder Kind - wer hat Priorität? 

Fragen, die sich ab und an auch die Eltern stellen. Immer dann, wenn die Situationen besonders irrwitzig werden. Mein persönliches Highlight ereignete sich vor etwa sechs, sieben Jahren, als ich mit dem Mädchenteam des Clubs ein Wochenende in der ruhigen Landschaft Oberbayerns verbrachte. Der Spruch, der mich zwei Tage lang verfolgte, kam von einer der drei anderen verhinderten Mütter, die derweil in München blieben: „Ich kann unmöglich fahren, ich muss auf unseren Hund aufpassen.“  

Alles Käse also dieser Leistungssport bei Kindern? Nein  - selbst dann nicht, wenn man die McIlroys dieser Welt an einer Hand abzählen kann und die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst ein Talent dieser Art in der Familie hat, gegen Null geht. Alles ist bestens, solange alle Beteiligten Spaß an der Sache haben - die Eltern und die Kinder. 

Kolumne: Finger weg von alten Nudeln auf der Driving Range Kolumne: Was ich mir wünsche

Anhänge

Anzeige
Anzeige
Patrick König (Photo by instagram/pjkoenig) Patrick König (Photo by instagram/pjkoenig)

Erster Abschlag

450 Runden und die Reise seines ...

Patrick König gab alles auf und ging auf Golf-Tour - ein Jahr lang. 

weiterlesen
Martin Kaymer am 17. Loch (Photo by Warren Little/Getty Images) Martin Kaymer am 17. Loch (Photo by Warren Little/Getty Images)

Erster Abschlag

Countdown für die Players Champi...

Erster Abschlag: Die Kolumne zum Wochenanfang. 

weiterlesen
Der Südplatz des G&CC Seddiner See Der Südplatz des G&CC Seddiner See

Erster Abschlag

Steinkauz plus Spitzenplatz

Erster Abschlag: Die Kolumne zum Wochenanfang. 

weiterlesen
Gary Woodland (rechts) mit einem Regel-Offiziellen (Photo by Sam Greenwood/Getty Images) Gary Woodland (rechts) mit einem Regel-Offiziellen (Photo by Sam Greenwood/Getty Images)

Panorama

Kein Mitleid für die Ich-AGs 

Erster Abschlag. Die Kolumne zum Wochenanfang. 

weiterlesen