Bild Information: George H.W. Bush (rechts) mit Jack Nicklaus (Photo by Stuart Franklin)

US-Präsidenten: Club der Golfer

Erster Abschlag
 

Erster Abschlag, die Kolumne zum Wochenanfang. 

Wer sich im Klaren darüber werden will, wie es um den Stellenwert des Golfsports hierzulande bestellt ist, muss dieser Tage nur einen Blick auf die Politiker werfen, beziehungsweise auf die Schlagzeilen zur Politik. In den USA ist Ex-Präsident George H. W.  Bush am 30. November gestorben, und es gibt eine ganze Menge respektabler Nachrufe, in denen darauf verwiesen wird, dass dieser Mann ein vernarrter Golfer war. Nicht ganz so vernarrt wie einer seiner Vorgänger, Dwight Eisenhower,  natürlich. Der brachte es während seiner Amtszeit auf 800 Runden Golf und leistete sich in jeder freien – und eigentlich nicht freien – Minute einen kleinen Abstecher in sein Cottage im Augusta National Golf Club. Aber doch: Bush senior spielte regelmäßig, ordentlich und war bei diversen Ryder Cups als Zuschauer dabei. Kein amerikanischer Wähler fand das seltsam.

Parteivorsitz mit Single-Handicap - geht das? 

Zum Vergleich überlegen wir an dieser Stelle einmal kurz, ob wir uns Angela Merkel im Golfcart neben Donald Trump nach einem anstrengenden Tag beim G20-Gipfel vorstellen können, oder wie es Annegret Kramp-Karrenbauers Chancen auf den Parteivorsitz der CDU beeinflussen würde, wenn sie ein Single-Handicap hätte?

John F. Kennedy’s Popularität jedenfalls hat es kein bisschen geschadet, dass er ein einstelliges Handicap hatte und im Golf-Team von Harvard spielte. Wobei das mit dem Golf-Team hierzulande ja ohnehin schon deshalb nicht klappen würde, weil keine Top-Universität einen ihrer Studenten während der normalen Vorlesungszeit zum Training auf ein Sportgelände welcher Art auch immer entlassen würde. Chippen statt Marketing – eine völlig absurde Vorstellung.

Aber spinnen wir den Gedanken doch einmal weiter. Wo in Himmelswillen soll vor dem Bundestag denn ein Puttinggrün hin (im Weißen Haus gehört ein solches zur Standard-Ausstattung im präsidialen Garten)? Wer soll Buch führen, mit wem und wann und vor allem mit welchem Score ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin denn golft? Wie verkauft man den Medien einen Vielgolfer wie Trump  und was macht man, wenn – wie im Fall des US-Präsidenten -  Schummelvorwürfe laut werden? Staatsoberhäupter nehmen es ja manchmal nicht so genau mit den Regeln. Bill Clinton hatte bekanntlich auch einen ziemlichen Hang zu diversen Mulligans während einer Runde. Ob der deutsche Wähler das akzeptieren würde?

Wandern und Langlaufen sind mehrheitstauglich

Mit Blick auf all’ diese Fragen wächst die Erkenntnis, dass die Öffentlichkeit hierzulande womöglich noch nicht reif für einen golffanatischen Bundeskanzler ist. Wandern und Langlaufen sind mehrheitstauglich. Das hat Angela Merkel zur Genüge bewiesen. Schade eigentlich: Rein präsidial betrachtet hat der Golfsport nämlich durchaus seine Vorzüge. Wer vier Stunden mit einem anderen Staatsoberhaupt im Cart sitzt, hat unglaublich viel Zeit, diesem seine Vorstellungen von Klimaschutz oder Freihandel aufs Auge zu drücken, ohne dass irgendein Berater mithört.

Unter diesem Aspekt hat übrigens auch Theresa May bei den Brexit-Verhandlungen viel verpasst. Dass eine britische Premierministerin nicht mindestens Handicap 5 hat und Europas Konkurrenz in Grund und Boden spielt, ist ohnehin unverständlich. Aber vielleicht macht sie ja demnächst mit Angela Merkel einen Schnupperkurs, falls man sie doch noch aus ihrem Amt stürzt – Zeit hätten die Damen dann ja reichlich. 

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