Bild Information: Handicap Papa sucht transzendentale Erleuchtung

Das Meditier

Handicap Papa
 

Handicap-Papa-Kolumnist Fabian Kendzia sucht transzendentale Erleuchtung.

Ohhhhmmmmm. Was soll ich groß drum herum reden: Die Golfsaison neigt sich dem Ende entgegen, und ich bin von meinem großspurig ausgegeben Handicap-Ziel weiter entfernt als Reiner Calmund vom Waschbrettbauch. 

Ein guter Zeitpunkt also, die vergangene Saison Revue passieren zu lassen. Kurzfazit: Mein Golfschläger-Gefuchtel sieht immer noch aus "… like an octopus falling out of a tree", wie David Feherty mal über Jim Furyks Schwung sagte. Wobei das natürlich ein frecher Vergleich ist; Furyks Schwung ist im Gegensatz zu meinem eine Augenweide. Und weil ich Lurch den Schläger immer noch nicht ordentlich auf die Spur bringe, waren die Ergebnisse entsprechend. Ich sage nur: Eine 96 in der Schlussrunde der Clubmeisterschaften. 

Cool wie Clooney

Ich wünschte, ich könnte auf mein Unvermögen so cool reagieren, wie George Clooney in Ocean's Eleven. Kann ich aber nicht. Ich reagiere mit der Souveränität eines 12-Jährigen - bin beleidigt und verfluche alles und jeden. Am meisten natürlich mich selbst. Nach den Clubmeisterschaften zog ich tatsächlich in Erwägung, im Rahmen eines satanischen Rituals meine Schläger der Flex zuzuführen. 

So kann es natürlich nicht weitergehen, dachte ich mir. Ich darf mich von golferischen Rückschlägen nicht mehr so derart aus der Bahn werfen lassen. Deshalb hatte ich mir nun vorgenommen, die Winterzeit zu nutzen, um an meiner inneren "Balance" zu arbeiten. Gut, ich könnte es auch mal mit ehrlichem Golfunterricht und hartem Training probieren. Aber das klingt ja nach Rückenschmerzen, Schweiß und Blasen an den Händen - und nicht so zeitgeistig nach achtsamen Flow in Harmonie mit sich selbst. Außerdem sind jetzt ALLE achtsam und die überm Himalaya aufgehende Sonne scheint ihnen aus dem Hintern. Also will ich das auch!

Das Meditier

Ich las mal in Golf Digest ein Interview mit Luke Donald. Laut eigener Aussage, meditierte er sich auf Platz eins der Golfweltrangliste. Kein Quatsch. Ich dachte ja auch immer, dass sein exorbitant gutes Kurzspiel für die Fabelsaison 2011 verantwortlich war - aber gut, dann eben Meditation. Die soll es ja tatsächlich bringen. Auf und neben dem Golfplatz. 

Ich bin ein Ratgeber-Junkie. Also stürmte ich stante pede in den nächsten Buchladen und wühlte mich durch die Achtsamkeits-Ecke. Verrückt, hier trifft man ja tatsächlich Menschen, von denen ich dachte, dass sie nur in Harald-Schmidt-Witzen vorkommen: Funktionskleidung tragende Sozialarbeiter-Typen, die den Fahrradhelm im Geschäft auflassen. Meine Kaufentscheidung war schnell gefallen. "Meditation: Die besten Meditationstechniken, mit denen Du Deine innere Mitte findest." Astrein. Ich bin zwar auf der Suche nach einem Tour-Schwung, aber Stopp! Achtsamkeits-Regel Nummer eins: sich selbst und seine Schwächen annehmen. Ohhhmmmm.

Volle Achtsamkeits-Power

Am nächsten Morgen weckte mich der neu eingestellte Klingelton: tibetische Klangschalen. Es war 5 Uhr (ja, da sind die Gedanken noch völlig rein und klar, schnarrch…). Laut Ratgeber sollte ich jetzt erst mal in mich hineinhören und dankbar sein. Machte ich. Und hörte: Nichts. Doch da, eine innere Stimme, ich lauschte angestrengt: "Alter, bist Du völlig bescheuert? Du hast bis 1.30 Uhr vor Netflix gehangen. Was tust Du hier?!" Stopp, dieser Gedanke hat natürlich nicht die positive Alles-annehmen-Achtsamkeits-Power. Also weg damit. 

Ich schlurfte ins Wohnzimmer und nahm inmitten eines Spielzeugschlachtfelds Platz, um meine innere Mitte zu finden. Ich versuchte mich in verschiedenen Affirmationen. Hatte mir der Ratgeber empfohlen. Affirmationen sind positive Sätze, die man immer wieder vor sich hersagt, um sein Inneres darauf zu programmieren. Nachdem ich gefühlte 300 Mal irgendetwas mit "ich bin entspannt" vor mich hin gefaselt hatte, probierte ich es mit "ich haue den Ball 300 Meter weit". Erschien mir zielführender.

Transzendentale Erleuchtung

Da kam meine Freundin herein. Doch statt meine transzendentale Erleuchtung ausreichend zu würdigen, bemerkte sie nur: Wenn ich schon so früh aufstünde, hätte ich doch wenigstens schon mal Frühstück machen können - anstatt in einer Playmobil-Baustelle zu hocken. Sie hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da war ich schon wieder eingenickt, um von 300-Meter-Drives zu träumen. Am Abend rief ich erst mal unseren Pro an und buchte die ersten Termine fürs Indoor-Training. Namasté!

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 42 Jahre
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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