Bild Information: Berufsgolfer Handicap Papa

Danke, Jogi!

Handicap Papa
 

Handicap Papa rechnet Tour-Preisgelder gegen Bundesliga-Gehälter auf.

Halt! Bitte nicht gleich entnervt wegdrücken, weil Sie der Berichte über das erbärmliche Ausscheiden unserer Nationalelf überdrüssig sind. Hier geht es immer noch um Golf - und heute nur ein bisschen um Fußball. Und um eins klarzustellen: Mit der Überschrift will ich mich auch nicht an jene Berufszyniker ranwanzen, die bereits fünf Sekunden nach Abpfiff in Kasan das Internet mit Hashtags #dankemerkel und #dankejogi vollsabberten.

Denn ICH meine es nämlich ernst mit meinem Dank an Jogi Löw, wie auch an die gesamte Nationalmannschaft. Und ich sage Ihnen auch warum: Ja, auch ich war enttäuscht über das Ausscheiden der Jungs. Aber auch ein bisschen froh. Denn fast hätte ich in der ganzen WM-Euphorie meinen Sohn an den Fußball verloren. Dabei ist doch schon längst seine ruhmreiche PGA-Tour-Karriere eingeplant (Stichwort: meine Rentenlücke schließen).

Früh übt sich

Aber von vorn: Als Leser dieser Kolumne ist Ihnen nicht entgangen, dass es sich bei mir in Sachen Golf um eine talentfreie Made handelt. Und was macht man als bekloppter Vater, der es selber nicht bringt? Richtig, man setzt völlig übersteigerte Hoffnungen in den Nachwuchs. Der soll es schließlich mal besser haben - ob das der Nachwuchs auch so sieht, ist ja erstmal egal. Allerdings sind wir uns doch in Punkto Golf und Nachwuchs einig: Früh anfangen mit Golf ist der einzige Weg zur Glückseligkeit. Wir alle haben ja schon mal staunend die Nachwuchsspieler unserer Clubs beobachtet, wie sie unbedarft die Bälle nach vorne dreschen. Und das mit einer Bewegung, die - würde ich mich so verdrehen - meine sofortige Invalidität zur Folge hätte. 

Bei meiner Tochter ist der Plan mit dem "früh anfangen" bereits grandios gescheitert. Als ich sie das erste Mal mit auf den Golfplatz nahm, sind wir noch nicht einmal bis zur Driving Range gekommen. Denn das Gelände unseres Clubs beherbergt einen Reiterhof. Das war’s dann. Statt meiner Tochter die Vorzüge eines Ball-Boden-Draws näher zu bringen, stand ich plötzlich knietief im Pferdemist. Adieu, LPGA Tour! 

Die zweite Chance

Doch dann kam unser Sohn auf die Welt! Der Golfgott schusterte mir also eine zweite Chance zu. Unser Sohn ist gerade drei geworden. Und nachdem ich ihn Anfang dieser Saison das erste Mal mit auf den Platz nahm, fragt er nun zu meiner großen Freude fast täglich, wann wir denn wieder auf den "Goffbatz" fahren. Okay, das mag sicher auch daran liegen, dass wir dann jedes Mal ein Cart nehmen und er mitlenken darf - aber hey, egal. Die Tour-Karriere hatte ihren Anfang genommen. Ich war selig. Mein Plan ging auf. Bis vor drei Wochen!

Mir wurde mal wieder das zweifelhafte Glück zuteil, unseren Sohn vom Kindergarten abholen zu dürfen. Kaum stand ich in der Tür, kam er mir entgegengerannt, fuchtelte mit einem WM-Spielplan herum und meinte, dass wir jetzt Fußballspielen gehen müssen. "Macht er schon ganz toll mit dem Fußball, stimmt’s?!", frohlockte obendrein die Kindergärtnerin und tätschelte meinem sichtlich stolzen Sohn den Kopf. Ich schaute sie an, als hätte sie mit ihm gerade eine satanische Messe abgehalten.

Mein Sohn kriegte sich gar nicht mehr ein. Noch auf der Fahrt nach Hause krakelte er unentwegt: "Fußballspielen! Fußballspielen!" Ich begann, PGA-Tour-Preisgelder gegen Bundesliga-Gehälter aufzurechnen. Denn mal ehrlich: Mit was er später meine Grundsicherung aufbessert, ist ja im Prinzip egal. Aber Golfprofi ist nun mal der Plan. Und in meinem Alter fehlt mir die Flexibilität, Pläne zu ändern. So viel zur Theorie.

Das K.O.

Denn zu Hause wartete in Form der Oma bereits das endgültige Knockout für meinen Plan. Sie hatte nämlich - welch Freude! - ein Geschenk für unseren Sohn dabei: Ein Deutschland-Trikot! In Woody-Allen-Filmen rufen die Leute genau in diesen Momenten ihren Therapeuten an. Als mein Sohn begriff (mit Omas Hilfe: "Guck mal, das ist zum Fußballspielen!"), was er da gerade bekommen hatte, flippte er völlig aus. Ich schäumte innerlich und sah mich schon die kommenden 15 Jahre jeden Samstag auf irgendeinem Dorf-Fußballplatz herumdümpeln - zwischen hysterischen Müttern und schwitzenden Hooligan-Vätern, die ihren Kevin für den nächsten CR7 hielten.

Andererseits schämte ich mich. Denn ich war natürlich eifersüchtig auf den Scheißfußball. Was sich so mies anfühlte, als hätte ich höchstpersönlich eine Tonne Atommüll im Great Barrier Riff verklappt. Konnte ich verbohrter Golf-Sack ihm nicht einfach die Freude am Fußball gönnen? Ein bisschen mehr menschliche Größe wäre jetzt gut. Krieg ich aber nicht hin.

Nun hoffe ich natürlich, dass dank des Ausscheidens unserer Nationalelf überall auf die Euphoriebremse getreten wird - und mein Sohn auf den Golf-Pfad der Erleuchtung zurückkehrt. Aber bis dahin … Oh, ich muss Schluss machen. Mein Sohn steht gerade neben mir. Mit leuchtenden Augen. Im Deutschland-Trikot. Er will mit mir raus zum Fußballspielen … Läuft super. 

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 42 Jahre
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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