Bild Information: Handicap Papa

Wir sehen uns in Augusta

Handicap Papa
 

Krönungsmesse in Augusta und die Fernbedienung scheint für unseren Handicap-Papa-Kolumnisten wieder mal unerreichbar. Während er also in Sachen Masters 2017 seine Felle davonschwimmen sieht, bringt seine Tochter plötzlich eine völlig neue Idee ins Spiel. 

Sollten auch Sie in einem Haushalt leben, in dem Sie der oder die einzige Golfer*in sind, dann wird Ihnen das bekannt vorkommen: Sie können vor Aufregung kaum noch durchschlafen. Sie schlurfen zombieartig durch den Tag, weil Sie nun die Nächte vorm TV oder Livestream verbringen. Sie haben das Leaderboard zum Startscreen auserkoren. Yes, it’s MASTERS-TIME! Umso bitterer die Erkenntnis, außer Ihnen interessiert das ganz genau: niemanden.

Wir sitzen im selben Boot! Doch bei mir kommt es ja noch schlimmer! Denn was die Hoheit über die heimische Fernbedienung betrifft, stehe ich mittlerweile komplett am Ende der Nahrungskette. Schon im vergangenen Jahr musste ich alle schmierigen Tricks aufbieten, um wenigsten die letzten zwei Runden Masters 2016 sehen zu können. (Ich berichtete.) Nun - und in diesem Jahr?

Wichtige Termine am Wochenende

Zu Beginn der Masters-Woche unternahm ich einen ersten Versuch, meine Familie darauf einzustimmen, dass der Papa am Wochenende "wichtige Termine" hat. Doch so richtig drang ich nicht durch zur Zielgruppe. Okay, ich gebe zu, der Zeitpunkt war vielleicht nicht der schlaueste. Denn gerade jagte unser Sohn - mit dem Spielzeughammer bewaffnet und primatenhafte Laute von sich gebend - seine große Schwester durch die Wohnung. Um diese Gesetzeslosigkeit schnellstens zu unterbinden, gab meine Freundin erst einmal einen anständigen Brüller von sich. Der allerdings nur mich beeindruckte. Unser Sohn setzte seine Shining-mäßige Verfolgungsjagd fort und ließ sich nicht aus dem Konzept bringen.  

Mittwochabend saß ich dann auf der Couch und klickerte durch diverse Masters-Bildergalerien. Irgendwie muss man sich ja in Stimmung bringen. Da gesellte sich meine Tochter zu mir. Als sie die Aufnahmen vom Par-3-Contest sah, die die Kids der Pros in ihren niedlichen Anzügen zeigten, machte es Klick bei ihr. Sie erinnerte sich an das vergangene Jahr: "Das ist doch das Golfturnier, bei dem die Leute in Maleranzügen herumlaufen!", prustete sie hervor, nicht ohne einen gewissen Stolz, weil sie sich erinnerte. "Da will ich auch mal hin", fügte sie hinzu.

Eher gewinnt man im Lotto

Ich erklärte ihr, dass es wahrscheinlicher ist, eine Million Euro im Lotto zu gewinnen, als ein Ticket für das Masters zu bekommen. Doch da hatte ich die Rechnung ohne den unbeugsamen Optimismus einer Siebenjährigen gemacht, denn meine Tochter entgegnete trocken: "Na dann musst du eben dort mitspielen! Dann brauchst du keine Eintrittskarte. Du kannst uns alle mitnehmen und ich bekomme auch so einen Maleranzug." Das war natürlich ein Plan!

Sämtliche Versuche, auch diese Idee als Phantasterei abzutun (… so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn plus die Entdeckung außerirdischen Lebens), tropften an ihr ab wie Regen an einem nanoversiegelten 500-Euro-Tourbag. Also probierte ich, es ihr über die sportliche Ebene zu erklären: Die Onkels Dustin, Phil, Jason & Co. können viiiiiiel besser Golf spielen als der Papa. Und ich müsste erst einmal so gut werden wie die (… so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn, die Entdeckung außerirdischen Lebens plus der Erhalt des Pulitzerpreises für diese Kolumne). "Na dann musst du eben mehr üben", konterte meine Tochter.

In diesem Moment sah ich Licht am Horizont. Doch zugleich packten mich auch Skrupel: Sollte ich den kindlich, naiven Glauben einer Siebenjährigen an ihren Vater schamlos für meine Zwecke ausnutzen? Ich beschloss: ja, ich sollte. "Dann musst du aber der Mama erklären, dass ich jetzt jeden Tag ganz viel Golf spiele und ganz oft nicht da bin", trug ich ihr auf. In diesem Moment betrat meine Freundin die Bühne und warf ein, dass hier gar nichts erklärt wird, solange noch kein Schlafanzug angezogen ist.

Die Fahrkarte nach Augusta

Nachdem sie unsere Tochter ins Bett gebracht hatte, kam sie dezent geladen zurück: Was ich denn unserer Tochter für einen Floh ins Ohr gesetzt hätte, tadelte sie. Ich versuchte es auf der pädagogischen Ebene, eigentlich ein Selbstläufer, um Mütter weichzukochen: "Du sagst doch immer, dass man die Kinder in ihrer Phantasie nicht bremsen soll!" Woraufhin eisernes Schweigen folgte. Was soviel hieß wie: Das (schweigen) solltest du jetzt auch.

Doch auf meine Tochter kann ich nach wie vor zählen. Heute Morgen präsentierte sie mir stolz eine eigenes von ihr angefertigte Fahrkarte nach Amerika - ein symbolischer Start meiner Mission. Ich war wirklich gerührt. Wenigstens eine, die an mich glaubt!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leser, ein phänomenales Masters-Wochenende. Ich muss jetzt vor den Fernseher, die Konkurrenz für nächstes Jahr auschecken. 

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Fabian Kendzia:
• Alter: 42 Jahre
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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