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Sammelt Vätermeilen!

Handicap Papa
 

Die ersten Golfplätze hierzulande verkünden die frohe Botschaft: Geöffnet! Auch unser Handicap-Papa-Kolumnist scharrt mit den Füßen und will endlich die ersten Bälle in Freiheit fliegen sehen. Doch noch steckt er mitten in der Saisonvorbereitung - er sammelt Vätermeilen. 

Folgendes Alptraum-Szenario: Sie waren während des Winters fleißig, haben in der zugigen Scope-Hütte hunderte Bälle gekloppt und erfolgreich diverse Schwung-Seuchen ausgemerzt. Sie kennen den Turnierkalender Ihres Golfclubs bereits auswendig und der Saisonstart ist zum Greifen nah. Und dann das: Ausgerechnet am Tag des Eröffnungsturniers des Golfclubs will die Tochter zum Reiten gefahren werden, der Sohn verlangt nach Fußballspielen im Park, die Schwiegermutter ruft an, weil der Garten umgegraben werden muss, und die Dame des Hauses ist der Meinung, dass man "ja mal wieder etwas gemeinsam unternehmen könne, bei diesem schönen Wetter".

Ich weiß nicht mehr, wie viele nächtliche Panikattacken mir dieser Alptraum schon beschert hat. Vor allem aber hat er mir eins klargemacht: Neue Saison schön und gut, doch die Handicap-Papa-Probleme bleiben die alten, wenn - ja wenn - ich mir nicht schleunigst etwas einfallen lasse.

Eröffnen Sie ein Gewissenkonto

Der Tipp kam von einem guten Freund: "Du musst Vätermeilen sammeln!" Gemeint ist eine Art imaginäres Gewissenkonto, auf das man allerlei gute Taten, die man als Vater halt vollbringen kann, einzahlt. Die so gesammelten Vätermeilen kann man dann zu einem späteren Zeitpunkt (zum Beispiel während der laufenden Golfsaison) abbummeln. Was für eine geniale Idee, dachte ich mir! Und noch ist Zeit, um genügend Sozialpunkte sammeln zu können. Denn der Golfplatz liegt noch im Winterschlaf. Und so bin ich gerade dabei, meine Saisonvorbereitung um die Vätermeilen-Komponente zu erweitern.

Meine Taktikumstellung blieb natürlich auch dem Umfeld nicht verborgen. So fragte mich meine Freundin letztens, ob ich heimlich eine verbotene Substanz konsumieren würde; schließlich blieb ich gut gelaunt und freiwillig zu Hause, als unser Sohn mal wieder infektiös durch die Wohnung marodierte und nicht in den Kindergarten durfte. Nachdem ich ihr völlig euphorisiert das Vätermeilen-Konzept erläutert hatte, war sie sich absolut sicher, dass ich etwas Verbotenes zu mir nehme - und davon auch noch zu viel. Aber ergebnisorientiert wie Frauen sind, war ihr mein dissoziativer Besessenheitszustand komplett egal. Hauptsache ich kümmerte mich.

Arbeiten Sie an Ihrem Heiligenstatus

Doch ich kann Ihnen nur eins sagen: Das Vätermeilensammeln ist ein Volltreffer. Denn es ist obendrein ein genialer Trick, das gesamte Umfeld - ob Familie, Arbeitskollegen oder Freunde - von seiner väterlichen Titanenhaftigkeit zu überzeugen. Bleiben wir beim Beispiel unseres kränkelnden Sohns: Bis dato bog ich jedes berufliche Telefonat ab, während ich mit dem alles vollrotzenden Knirps übellaunig zu Hause saß. Jetzt lasse ich mich in jede Telefonkonferenz durchstellen und der kleine Krakeelzwerg darf Vollgas geben. Grabscht er dann noch nach dem Telefon und pfeffert es beherzt auf den Boden, entsteht eine einmalige Geräuschkulisse, die allen in der Leitung unmissverständlich beweist: Was für ein geiler Typ, dieser Papa! Nicht nur dass er sich hier beruflich voll reinhängt. Nein! Er fightet zeitglich zu Hause gegen die Widrigkeiten des Familienwahnsinns und kümmert sich auch noch um sein krankes Kind! Dieser sich aufopfernde Kerl würde wohl auch noch stillen, wenn er könnte. Und zum Baby-Yoga geht er definitiv! Kein Quatsch: Für einige meiner Kollegen/INNEN habe ich mittlerweile Heiligenstatus.

Aber es wird noch besser! Komme ich dann nach ein paar Tagen Krankenschwester-Dasein wieder auf die Arbeit, ernte ich bewundernde Blicke. "Da ist er, der Papa-Held", raunt man sich verstohlen zu. Besonders gut kommt es, wenn man folgenden Pro-Tipp beherzigt: Tragen Sie an diesem ersten Arbeitstag unbedingt die Kleidung, die Sie während der Krankentage Ihres Kinds anhatten. Diese vollgesabberten Insignien der bewältigten Heldentat verleihen Ihrem Auftritt die entsprechende Wucht. Hilfreich ist auch eine möglichst schlechte Gesichtsfarbe. So - und jetzt garantiere Ihnen: Nach einem solchen Auftritt gönnen Ihnen selbst die missgünstigsten Kollegen mal wieder etwas Freizeit und eine Runde Golf.

Vätermeilen-Platin-Card

Gleiches Prinzip im familiären Umfeld. Nicht nur, dass meine Freundin mittlerweile wohlwollend zur Kenntnis nimmt, dass ich Barbiehäuser repariere, freiwillig Wickel-Arien übernehme und unsere kränkelnden Sprösslinge betüddelte - nein, stecke ich mich obendrein bei letzterem auch noch selber an, errege ich mehr Mitleid als ein am Autobahnparkplatz ausgesetzter Langhaarcollie.

So füllt sich also nun stetig mein Vätermeilenkonto. Herrlich! Meine Freundin ließ sich letztens tatsächlich zu der Aufmunterung hinreißen: "Bald kannst Du ja zum Ausgleich mal wieder auf den Golfplatz gehen." Ich glaube, ich mache so lange weiter, bis ich die Vätermeilen-Platin-Card in den Händen halte.

PS: Haben Sie Anregungen, wie sich das Vätermeilen-Konto füllen lässt, dann bin ich auf Ihre Anregungen (gerne per E-Mail) gespannt. Gerne würde ich in der kommenden Kolumne eine kleine Hitliste erstellen. 

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Handicap Papa

Fabian Kendzia:
• Alter: 42 Jahre
• Wohnort: Erfurt, Thüringen
• festangestellt in einer Werbeagentur
• Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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