Bild Information: Dustin Johnson (Photo by Scott Halleran/Getty Images)

Mein Schwung, der Wurm!

BenZinger
 

Ben will 2017 endlich "ein guter Golfer" werden. Also geht er zum Pro. Was dann folgt, ist zunächst eine Katastrophe. Und endet dann beim Regenwurm.

Neulich bei der Eröffnung meines Jahresprojekts "Endlich werde ich ein guter Golfer". Die erste Stunde bei einem neuen Pro, die Vorsätze halten, die Frisur sitzt, noch. Der Pro sagt: "Du spielst wie die Nummer eins." Ich glaube ihm natürlich: "Danke." Er: "Also zumindest teilweise." Ich, kritisch: "Naja." Er: "Deine extreme Griffhaltung erinnert an Dustin Johnson." Ich: "Immerhin". Worauf er erwidert: "Er schlägt täglich tausende Bälle, ist ein Athlet mit unglaublichem Talent und seit Jahren ein Golfprofi. Er macht fast nichts anderes. Und wie oft spielst du Golf? Das kann unmöglich klappen." 

Am liebsten hätte ich die Stunde beendet, hätte meine Schläger dem nächsten Kind, das mir über den Weg läuft, geschenkt ("Mach Du was aus Deinem Talent, tausend Schläge am Tag!") und wäre auf die Suche nach meinen Talenten gegangen. Doch Barry gab mir noch eine Chance. 

"Der Ball muss bei dir nicht kreuz und quer fliegen. Du könntest es nur ein wenig neutraler versuchen, mehr deinem Leistungsstand angemessen." Ein neutraler Schwung also, meinem Leistungsstand angemessen! Seit Jahren schaue ich den Profis im Fernsehen und auf Kursen zu, versuche mir diese majestätischen Bewegungen abzuschauen, den Ball in die Luft zu knallen wie Rory McIlroy, so easy wie Ernie Els, so atemberaubend sicher wie Henrik Stenson und so cool wie Rickie Fowler. Und nun soll ich mich an dem orientieren, der ich bin: ein müder Hacker ohne Talent?

Ein kleines Wunder mit Spatz und Adler

Ich raufte mir die Haare. Die Frisur war weg, die guten Vorsätze beinahe auch. Guter Golfer, pffff. Aber gut, mal wieder neu gegriffen - und dann doch endlich begriffen: Schuster, bleib bei deinem Leisten. Ein kleines Wunder. Der Spatz, der Adler sein will, verschluckt sich an der Maus, sagte ich mir. 

Also machte ich mich auf Wurmsuche, mit neutralem Griff und ganz simpler Schwungbewegung. Kein komisches Wackeln im Handgelenk wie Jason Dufner, kein Einknicken wie Dustin Johnson bei einer Schlägerkopfgeschwindigkeit von drei Stundenkilometern unter Lichtgeschwindigkeit. Einfach ein stinknormaler Wurmschwung. Aber eben ein schöner Wurm. Regenwurm vielleicht.

Die Chips gewannen an Höhe und ich an Selbstbewusstsein. Als dann noch die Eisen die Bälle schnurgerade in die Luft warfen, fragte ich Barry, ob er sich das nicht anschauen wolle, meine Bälle würden fliegen wie die von Dustin Johnson. Er lachte. Und schüttelte den Kopf. Ich dachte: Amateur. Er auch.

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Der Autor

Golf.de-Mitarbeiter Ben Zinger* musste sich monatelang die bösen Bemerkungen der Kollegen über sein Handicap gefallen lassen. Damit soll jetzt Schluss sein. Der gefühlte Endzwanziger hat ein Ziel: den Bogey-Golfer-Bereich schaffen - und vielleicht noch mehr? In seinem Blog schreibt Ben von Erfahrungen in der für ihn neuen Golf-Welt. (Die Anonymität soll ihm dabei alle Freiräume geben.)

*die Kollegen gaben ihm einen passenden Namen, der Zeichner Gerd Hilbig portraitierte den Junggolfer.

Ein Benzinger beschreibt einen Schlag, vorwiegend im kurzen Spiel, bei dem erst der Boden und dann der Ball getroffen wird. Man sagt auch: Er hat den Ball gebenzt. Der gespielte Ball ist daraufhin natürlich nicht wirklich brauchbar.

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