Tiger Woods' Schläger sind nichts für Jedermann
Bild Information: Tiger Woods' Schläger sind nichts für Jedermann

Schläger nach Maß

Schläger-Fitting
 

"Der Schläger, den Tiger Woods spielt, ist nicht der, den man im Laden kaufen kann", sagt Marco Burger von HIO Fitting. Golf.de war zu Besuch bei dem jungen Start-up-Unternehmen, das ein technisch extrem versiertes Anpassen von Schlägern anbietet, und hat sich fitten lassen.

Antriebs- und Fördertechnik steht auf dem großen Schild in einem eher überschaubaren Gewerbegebiet in Eichenau, rund 20 km westlich von München. Dass sich hier das Fitting-Zentrum von HoleinOne Fitting (HiO) versteckt, würde man wohl kaum annehmen. Doch da kommt auch schon einer der drei Gründer, und führt einen direkt ins Dachgeschoss. Die zwei Golfschläger-Experten Marco Burger und Benny Pfister - der dritte Mitgründer, Wirtschaftsmathematiker Aurel Stenzel, sitzt in Berlin - verbringen mittlerweile viel Zeit in den ausgebauten Räumen, in denen eine eigene Werkstatt sowie zahlreiche Analyse-Geräte inklusive eines großen Golfnetzes stehen.

Bevor es losgeht unterhält man sich erst einmal über das eigene Golfspiel. Was ist man für ein Spieler? Was sind die Fehler? Bei welchen Schlägern hat man öfter Probleme? Wie sind die Tendenzen (Kurven, Flughöhe)? Außerdem werden die statischen Daten erhoben (Größe, Armlänge) - und natürlich auch das Handicap, wobei das nicht wirklich wichtig ist. Schließlich schlägt man sich mit einem Eisen 7 ein - und schon kann es richtig losgehen. Zuerst geht es unter Anleitung von Plus-Handicapper und B-Trainer Marco Burger auf eine Kraftmessplatte mit dem futuristischen Namen SAM BalanceLab: Mit einem Eisen macht man ein paar Schläge auf einem speziellen Plastikuntergrund, schon folgt die Analyse. Anhand der Daten, gemessen wird die Boden-Reaktions-Kraft, erkennt man genau, wie die Gewichtsverteilung in den einzelnen Schwungphasen ist. Zudem wird ermittelt, wann das Gewicht auf den Zehen und wann auf der Ferse ist. Diese Ergebnisse werden dann auch mit einem Touspieler verglichen, der ein ähnliches Schwungmuster hat. Es ist schon interessant, wie viel besser die Profis auch bei diesen Werten abschneiden. Außerdem können das passendes Gewicht sowie Biegepunkt und Torque des Schaftes ermittelt werden.

Zweiter Schritt ist dann die Messung der Schläge. In unserem Fall konzentrierten wir uns auf den Driver. Erst werden ein paar Bälle mit dem eigenen Holz eins geschlagen und gemessen. HiO setzt hierbei auf einen Launch-Monitor von Foresight, der vergleichbar mit TrackMan ist, aber laut Marco Burger indoor "am besten funktioniert". Auf Basis der Messdaten (Ballgeschwindigkeit, Abflugwinkel, Spin-Rate und Weite) lässt sich der ideale Ballflug individuell berechnen. Im Anschluss werden verschiedene Köpfe mit verschiedenen Schäften getestet. Schaft und Kopf lassen sich, wie es bei allen großen Herstellern mittlerweile Standard ist, stecken und direkt fest verankern. Die Empfehlungen werden über eine eigens entwickelte App ausgegeben, in die die Gründer ihr ganzes Wissen über die verschiedensten Schaft-Schlägerkombinationen gepackt haben. Neben dem Klang und der Rückmeldung des Schlägerkopfes spielt hier natürlich auch die Optik eine wichtige Rolle. Wenn schließlich alles passt, geht es nur noch um die Feinheiten.

Den letzten Schliff verpasst HIO Fitting mit dem Griff. Auch hier gibt es zig Varianten an Material (Gummi, Cord), noch wichtiger ist jedoch die richtige Griffdicke. Optisch lässt sich hier ebenfalls viel machen: Egal ob grelle Neonfarben oder klassisch, fast alles ist möglich. Rund eine Stunden später ist man fertig und kann, wenn man möchte, einige Tage später seinen individuell gefitteten Schläger in Empfang nehmen.

Golf.de: Warum habt Ihr überwiegend unbekanntere Marken im Programm, aber nicht die großen Hersteller, die einer Vielzahl Golfern bekannt ist?
Marco Burger: Die Qualität war der erste Punkt. Wir haben über ein Jahr, auch zusammen mit meinem Bruder Matija, der als Maschinenbauer sehr fit in Werkstoffkunde ist, alle möglichen Schläger bestellt und analysiert. Wir wollten wissen, was wirklich in den Schlägern drin ist und wie hochwertig die Stoffe sind. So kamen wir dann auf unser Produktportfolio. Das wäre mit großen Marken sehr schwierig geworden. Außerdem gibt es dort diesen Preiskampf: Alle drei Monate gibt es ein neues Produkt, das aber eigentlich nichts Neues ist. Zudem ist die Vergleichbarkeit beim Preis so hoch, so dass jeder auf das nächste Internet-Schnäppchen wartet.
Benny Pfister: Wir dachten am Anfang schon darüber nach, ob uns nicht eine große Marke gut tun würde. Aber mittlerweile sind wir eigentlich ganz glücklich, dass wir keine dabei haben. Es ist sogar ein Vorteil: Für unsere lokalen Fittings haben wir mittlerweile einen guten Kundenstamm. Wenn diese Spieler nun mit unseren Marken abschlagen, spricht sich das automatisch herum, denn die Schläger hat nicht jeder.
MB: Im vergangenen Jahr haben wir kaum noch diese Markendiskussion führen müssen. Vor zwei Jahren war das noch etwas anderes, da mussten wir fast jedes Mal erklären, warum wir nicht die bekannten, großen Hersteller anbieten. Außerdem muss man etwas aufpassen. So klein sind diese Hersteller nicht. Vega zum Beispiel ist einer der ältesten Eisenhersteller und zählt auch zu den besten.

Golf.de: Ihr habt sogar eine App entwickelt? Was ist der Zweck?
BP: Das ging eigentlich damit los, dass uns einige Pros Launch-Monitor-Daten auf einem Zettel zugesteckt haben und wir darauf einen Schläger fitten oder ein Angebot machen sollten. Den Ansatz fanden wir gut: Ein Pro kennt seinen Schüler ja besonders gut, da er meist fix mit ihm trainiert. Er kennt den Schwung und hat oftmals einen Launch-Monitor vor Ort. Jetzt müsste man dem Pro nur noch erklären, wie er die Daten auswertet. Unsere Expertise haben wir in eine App gepackt, die wir dem Pro zur Verfügung stellen. Wenn er das gut findet, muss er nur die Daten eingeben, kann von uns auch noch einige Demo-Schläger bekommen und dann schon ein sehr hochwertiges Fitting anbieten.

Golf.de: Ihr wart bei der PGA Show in Florida. Was war der Zweck der Messe-Reise?
MB: Ich war jetzt zum vierten Mal da. Zuvor eigentlich immer mit Science & Motion, die Sam Putt Lab und die Kraftmessplatte machen. Auf der Messe bekommt man zum einen alle Neuigkeiten mit. Aber noch wichtiger war es, all unsere Hersteller zu treffen und die PGA Show als Ordermesse zu nutzen. Außerdem haben wir unsere App herumgezeigt und daher auch viel Feedback bekommen. Wir sind zwar eine kleine Nummer bei den großen Firmen, aber auch dank der App haben wir ein sehr gutes Standing bei den Herstellern und bekommen auch einen tollen Service, obwohl wir teilweise keine riesigen Stückzahlen abnehmen.

Golf.de: Fitting bleibt die Priorität, denke ich. Aber ihr habt auch Mützen und mittlerweile ein Bag im Programm. Auf was darf man sich noch freuen?
MB: Wir haben jetzt Ogio als offiziellen Bag-Partner aufgenommen. Das war am Ende eine Service-Geschichte. Die haben diese komplett wasserdichten Taschen im Angebot, die zur Zeit jeder haben möchte, egal ob von Sun Mountain, Titleist oder eben Ogio. Es ist jedoch eher für unsere Spieler gedacht, die wir unterstützen. Wenn sie schon unsere Schläger spielen, sollten sie auch die passende Tasche haben.
BP: Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn jemand neue Schläger kauft und diese dann in ein altes Bag steckt. Das ist dann für uns schon fast eine Negativ-Werbung.

Golf.de: Was kostet die Fitting-Werkstatt?
MB: Wenn man es zusammenrechnet, kommt man auf etwa 35.000 Euro alleine für die Analyse-Werkzeuge. Das einzige, was wir nicht haben, sind 3-D-Kameras. Wobei ich dabei sagen möchte, dass diese Kameras eigentlich schon in die Trainings-Schiene reingehen. Dafür wollen wir dann auch nicht die Zeit investieren. Der Fokus liegt auf der Verbindung zum Material.
BP: Schläger, Material, Schäfte sind natürlich auch noch ein Kostenpunkt. Da wir mit sechs bis sieben Schlägerkopfmarken und einigen Schaftherstellern zusammenarbeiten wollen, um für jeden das Richtige zu finden, mussten wir in diesem Punkt schon einiges investieren.

Golf.de: Sind TrackMan oder Ähnliches nötig?
MB: Ich habe jetzt schon sehr viele Fittings gemacht und dadurch recht viel Erfahrung. Um auf der Driving-Range grob die Ballflugparameter zu bewerten brauche ich keinen Launchmonitor mehr - wenn es allerdings ins Details geht, ist dieser eine große Hilfe. Zu beurteilen ob der Ball bei 300 Meter nun fünf Meter weiter fliegt liegt ohne technische Hilfsmittel außerhalb unseres Ermessen. Spin kann man durchaus mit den Augen sehen, wenn man den Ballflug hat. Indoor ohne Launch-Monitor halte ich für unseriös. Da kann man fast gar nichts erkennen. Und das Erklären gegenüber dem Kunden ist eigentlich nur über die Analyse-Daten möglich. 

Marco Burger, Benny Pfister und Aurel Stenzel heißen die drei Mitzwanziger, die bereits 2011 HiO Fitting auf den Weg brachten. Einiges an Erfahrung bringen sie trotz ihres jungen Alters dennoch mit: Burger ist mit einem Handicap von +0,6 der beste Golfer im Team und führt auch meistens das Fitting durch. Er hat einige Jahre in der Long-Drive-Szene mitgemischt, weiß, wie man lange Drives schlägt (sein längster, regulär gemessener Abschlag war 371 Meter lang). Das Trio kennt sich durch das Studium an der TU München. Burger war zudem noch zwei Jahre bei TaylorMade in Herzogenaurach und hat dort bereits Spieler der verschiedenen Profi-Touren gefittet. Die Preise für ein Fitting liegen bei 50 Euro pro Stunde. Studenten und Schüler zahlen die Hälfte. Gefittet werden auch Putter und Wedges. Für das komplette Set sollte man rund drei Stunden Zeit einplanen.

weitere Informationen zu HoleInOne-Fitting gibt's auf ihrer offiziellen Webseite Marco Burger gibt exklusiv auf Golf.de Tipps zu Ihrer Ausrüstung Wollen Sie Ihr Spiel weiter verbessern? Im Trainingsbereich finden Sei zahlreiche Tipps

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