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Lange Eisen gehören in die Tonne

 

Warum Hybrids sinnvolle Alternativen für lange Eisen sind und auf welche Details Sie beim Kauf achten sollten, erklärt Thorsten Singelmann, Clubfitter von premigan golf.

Was wurden die Golfer mitleidig belächelt, als sie vor noch nicht vielen Jahren die langen Eisen aus ihrem Bag verbannten und durch Hybrids ersetzten. Irgendwie galt man dann schon fast als "Weichei" unter den ambitionierten Golfern und Eisenfanatikern. Doch mittlerweile findet man diese Schläger massenhaft bei den Profis im Bag. Ein Beispiel ist Mark Wilson, Sieger der diesjährigen Sony Open. Wison hatte bei diesem Turnier zwei Hybrids (17°, 20°) im Bag. Vijay Singh spielte bereits bei der US Open 2009 mit drei Hybrids (19°, 22°, 25°). Sein längstes Eisen damals: eine 6!

Kurzum: Das Hybrid hat mittlerweile einen festen Platz in den Taschen der Golfprofessionals, und dass mehr als 30 Jahre nach seiner Erfindung.

Das Hybrid, auch Rescue oder Utility genannt, ist eine Mischform aus Fairway-Holz und Eisen. Durch seine kürzere Schaftlänge, im Vergleich zu einem Fairway-Holz, und einem weiter nach unten und hinten verschobenen Schwerpunkt, im Vergleich zu einem Eisen, vereint es die Vorteile beider Schlägertypen. In erster Linie ersetzt es die schwerer zu kontrollierenden, längeren Eisen und ist durch sein höheres Trägheitsmoment und einem kleineren Sohlenradius der ideale Schläger, um aus Rough- oder Sandlagen weite Schläge ausführen zu können. Der höhere Startwinkel und der Backspin des Balles lässt den Ball zudem mit weniger Roll und weich auf dem Grün landen.

Loft
Hybrids werden in Loftvarianten ab circa 15° aufwärts angeboten. Mittlerweile gibt es auch komplette Hybrid-Sätze bis hin zu den kurzen Eisen. Für die richtige Wahl des Lofts eines Hybrids ist entscheidend, welcher Schläger ersetzt werden soll. Um diese treffen zu können, sollte man sich zunächst die Frage stellen, zu welchem Eisen man noch ein akzeptables Maß an Vertrauen hat. Wollen Sie zum Beispiel Ihr Eisen 4 ersetzen, erkundigen Sie sich beim Hersteller Ihrer Schläger nach dem Loft dieses Modells, da Loftwerte nicht standardisiert sind. Um die entstandene Loftlücke zwischen Ihrem Eisen 5 und dem nächstlängeren Schläger zu schließen, sollten Sie ein Hybrid wählen, dessen Loft zwischen diesen beiden Schlägern liegt. Unter Berücksichtigung der 14-Schlägerregel und dem Aufbau Ihres Satzes könnte es durchaus sinnvoll sein, sich zwei Hybrids zum Schließen einer zu großen Loftlücke zuzulegen.

Unterschiedliche Philosophie

Ein wenig verwirrend sind die verschiedenen Philosophien der Hersteller. An den angebotenen Schaftlängen kann man erkennen, ob ein Hybrid eher als Eisen- oder Fairway-Holz-Ersatz vorgesehen ist. So werden aktuell 4er-Hybrids von 38,5" bis 40,25" angeboten. Aus unserer Sicht ist das Hybrid aber zunächst einmal ganz klar als Ersatz für die längeren Eisen zu sehen. Das primäre Ziel sind gleichmäßige Schlagweitenintervalle von Schläger zu Schläger und nicht die absolute Schlagweite. Ein Hybrid #4 mit 22° Loft und einer Schaftlänge von 40,25" wird einen Ball jedoch weiter transportieren als ein Hybrid mit gleichem Loft und der kürzeren "Eisen"-Schaftlänge. Das Ziel eines gleichmäßigen Schlagweitenintervalls wird jedoch nicht erreicht. Folglich sollten ein Hybrid die Schaftlänge des Eisen besitzen, das es ersetzt.

Sogar Martin Kaymer packte bei der Accenture Match Play Championship ein Hybrid ins Bag: ein TaylorMade R11 TP Rescue mit 18 Grad Loft.

Fairway-Holz oder Hybrid?
Abhängig von Schwungtechnik und Platzverhältnissen kann es jedoch sinnvoller sein, die Lücke zu den Eisen mit höherloftigen Fairway-Hölzern zu füllen. Spieler mit einem frühen Auswinkeln der Handgelenke (Release), das in den meisten Fällen zu einem ungewollten "Löffeln" führt, könnten mit Fairway-Hölzern besser bedient sein als gute Eisenspieler, mit einem nach unten gerichteten Angriffswinkel auf den Ball. Der Grund hierfür liegt im geringeren Abstand der Vorderkante der Schlagfläche (Leading Edge) zum Boden, was die Gefahr, den Ball zu toppen deutlich reduziert.

Deshalb eignen sich Fairway-Hölzer auch besser für Plätze mit harten Fairways. Viel Rough und kleine Grüns sprechen dagegen eher für den Einsatz von Hybrids.

Fazit
Die Zeiten der "Schmach" für Hybrid-Spieler sind endgültig vorbei. Machen Sie es sich einfacher und profitieren Sie von der deutlich leichteren Spielbarkeit eines Hybrids. Wir sind sicher, für rund 70 Prozent aller Golfer könnte es durchaus sinnvoll sein, nicht nur ihr Eisen 4 durch ein Hybrid zu ersetzen.

Text: Thorsten Singelmann
, premigan golf – Clubfitting und Clubmaking

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