Bild Information: Schwunggewicht im Golf: Jordan Spieth balanciert Golfschläger

In der Balance: Was ist Schwunggewicht?

Expertentipp
 

Schwunggewicht. Bei Golfschlägern kommt man über kurz oder lang an diesem Begriff nicht vorbei, der als Kombination aus einem Buchstaben und einer Ziffer besteht. Aber was ist das eigentlich?

Kennen Sie das Schwunggewicht Ihrer Golfschläger? Wenn nicht, sollten Sie sich vielleicht einmal damit beschäftigen. Marco Burger, Fitting-Experte bei HoleInOne-Fitting in Eichenau (bei München) sagt: "Das richtige Schwunggewicht könnte einigen Spielern helfen, ihre Trefferqualität zu verbessern und sich während des Schwungs wohler zu fühlen." Im Austausch mit Golf.de verrät Burger, was das Schwunggewicht genau ist, wie man es wahrnehmen kann, was die Buchstaben und Zahlen bedeuten und woran man erkennt, dass man das völlig falsche Schwunggewicht in den Schlägern verwendet.

Golf.de: Was genau ist das Schwunggewicht?
Marco Burger:
Das Schwunggewicht ist ein Maß für das Drehmoment (g/cm) und wird in einer statischen Position gemessen. Die Skala auf einer manuellen Schwunggewichtswaage ist in die Buchstaben A bis F unterteilt. Für eine genauere Bestimmung des Schwunggewichts zwischen den Buchstaben gibt es einen Zahlenskala von 0 bis 9. Je größer der Buchstabe und/oder die Zahl, desto größer ist das Schwunggewicht. D2 wäre also ein höheres Schwunggewicht als C7.

Wie könnte man das anders beschreiben?
MB:
In einfachen Worten ist Schwunggewicht das Gewichtsverhältnis eines Schlägers. Balanciert man einen Schläger auf seinem Finger, wird man schnell einen Punkt finden, an dem der Schläger in der Waage ist; diesen bezeichnet man als Balancepunkt des gesamten Schlägers. Je näher dieser Punkt am Schlägerkopf liegt, desto größer ist das Schwunggewicht und desto schwerer fühlt sich der Schläger in der Regel an. Der Laie spricht hier oft von "kopflastigen" bzw. "grifflastigen" Schlägern.

Die einzelnen Komponenten eines Schlägers und ihr spezifisches Eigengewicht
  Gewicht (Schlägerkopf) Gewicht (Schaft) Gewicht (Griff) Schaftlänge (Herren) Schaftlänge (Damen)
Eisen #7 270 Gramm 40 bis 120 Gramm (Graphit) bzw. 70 bis 140 Gramm (Stahl) 30 bis 60 Gramm 37 Zoll (94 Zentimeter) 36 Zoll (91 Zentimeter)
Driver 200 Gramm 40 bis 100 Gramm 30 bis 60 Gramm 45,5 Zoll (116 Zentimeter) 44 Zoll (112 Zentimeter)

Im Bild kann man gut erkennen, dass das Schwunggewicht mit dem leichtesten Griff (Pink, 45 Gramm) am größten (C 7,9) und mit dem schwersten Griff (Schwarz/Weiß, 60 Gramm) am kleinsten (C 3,5) ist.

Köpfe unterschiedlicher Hersteller unterscheiden sich in der Regel kaum von ihrem Gewicht. Sehr wohl aber von der Massenverteilung. Beim Schaft bleibt aufgrund der unterschiedlichen Materialien und Gewichtsklassen mehr Spielraum - zusätzlich beeinflusst die Länge des Schafts Masse und Schwunggewicht des Schlägers. Beim Putter übernimmt der Griff zudem eine besondere Rolle. Er bietet die Möglichkeit, mit der Balance auch das Schlaggefühl zu beeinflussen.

Fühlen, analysieren und interpretieren

Kann man das Schwunggewicht fühlen?
MB:
Manche Spieler sind von Haus aus sensibler und können die Gewichtsverteilung leicht spüren. Anderen fällt es dagegen schwerer. In der Regel können Gewichtsveränderungen von +/-  20 Gramm wahrgenommen werden. Probeschwünge eignen sich oft sehr gut, da der Fokus bewusst auf das Gewichtsverhältnis gelegt werden kann und sonstige Störfaktoren ausgeblendet werden. Die Geschwindigkeit sollte allerdings der normalen Schwunggeschwindigkeit entsprechen.

Hat das Schwunggewicht Auswirkungen auf das Spiel?
MB:
Das ist schon möglich, allerdings gibt es dazu bis dato keine wissenschaftliche Studie, die das bestätigen oder widerlegen würde. Genauso wenig ist bewiesen, dass ein konstantes Schwunggewicht durch den gesamten Schlägersatz zu einem besseren Score führt. Innerhalb eines Fittings kann man verschiedene Gewichtsoptionen testen und die Daten eines Launch Monitors in Kombination mit einem Impact Tape vergleichen.

Gibt es das "perfekte" Schwunggewicht, oder ist das individuell unterschiedlich?
MB:
Das perfekte Einheitsschwunggewicht  für jedermann gibt es mit Sicherheit nicht. Das übliche Schwunggewicht für Herreneisen liegt etwa bei D2, Dameneisen bei C7. Je nach Körperbau, Druckverteilung, Schwungrhythmus, Geschwindigkeit, Eintreffwinkel, Schwungbahn, Trefferkontakten und Konstanz dieser Parameter kann man im Fitting für jeden Spieler ein optimales Gewicht definieren.

Deshalb macht es in meinen Augen wenig Sinn, dass viele Hersteller ein Standardschwunggewicht definieren, das für alle passen soll. Beim Schlägerkauf sollte vor allem sichergestellt sein, das Schwunggewicht zu den individuellen Vorlieben des Spielers anzupassen. Oder anders ausgedrückt: Der Spieler muss sich wohlfühlen!

Folgende Fragen sollten Sie sich beim Kauf neuer Schläger immer stellen oder am Besten mit einem Fitter besprechen: 

  • Fühlen sich Schwung und Timing gut an?
  • Bin ich gefühlt zu langsam oder zu schnell?
  • Muss ich mich anstrengen, um den Schläger zu bewegen?
  • Kann ich den Schlägerkopf während des Schwungs gut wahrnehmen?
  • Fühlt sich der Schlägerkopf zu schwer oder zu leicht an?

Was für Anzeichen gibt es, dass man ein völlig falsches Schwunggewicht spielt?
MB:
Oftmals gibt es Schläger, die sehr gut funktionieren, andere dagegen weniger. Dann macht es durchaus Sinn, einmal das Schwunggewicht der beiden Schläger zu vergleichen. Ist dies grundverschieden, so kann eine Anpassungen schon helfen. Das sollte allerdings unbedingt von einem erfahrenen Fitter oder Pro gemacht werden.

Ein weiteres Indiz kann die Dynamik des Schwungs liefern: Ein träger Schwung mit geringer Schlägerkopfgeschwindigkeit kann auf ein zu hohes Schwunggewicht hinweisen, eine hektische Bewegung mit geringer Wiederholbarkeit dagegen auf ein zu niedriges Schwunggewicht. Auch hier kann ein Fitter schnell helfen, indem er mit provisorischen Bleibändern am Schlägerkopf das Schwunggewicht variiert.

Nichts ist für die Ewigkeit

Digitale Schwunggewichtswaage bei HoleInOne-FittingKann das Schwunggewicht also auch im Nachhinein noch verändert werden?
MB:
Wenn der Schläger einmal komplett zusammengebaut ist, lässt sich das Gewicht meist nicht ohne größeres Eingreifen verändern. Bei einem Eisen kann man mit Tape oder Magneten arbeiten; sieht aber nicht schön aus und hält auch nicht immer gut. Ansonsten bleiben nur die Optionen, den Schaft auszubrennen und zu wechseln, mit Bleipulver den Kopf schwerer zu machen oder den Griff gegen einen leichteren/schwereren auszutauschen.

Beim Driver hat man im Gunde ähnliche Optionen. Hier bieten aber viele Hersteller schon austauschbare Gewichte in der Sohle an. Mit dem passenden Gewichtsset kann man so binnen weniger Sekunden das Kopfgewicht erhöhen oder verringern. Vereinzelt haben auch schon Eisenköpfe kleine Gewichtshülsen intergriert, um das Schwunggewicht anzupassen.

Haben Sie eine Empfehlung für unsere User, die ihren Satz jetzt überprüfen wollen?
MB:
Vor dem Kauf von neuen Schlägern empfehle ich jedem Golfer ein professionelles Fitting. Egal, ob Anfänger oder ambitionierter Golfer. Tests mit verschiedenen Kopf- und Schaftgewichten gehören zu einem guten Fitting dazu und zeigen schnell, mit welcher Art von Schläger sich ein Spieler am wohlsten fühlt. Und: Vertrauen Sie beim Schwunggewicht immer auf den ersten Eindruck nach ein bis zwei Schlägen. Sie müssen sich einfach wohlfühlen. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl.

Vielen Dank für das Gespräch.

Infos zu HoleInOne-Fitting

Marco Burger und Benny Pfister brachten HIO-Fitting 2011 auf den Weg. Burger ist mit einem Handicap von +0,6 der beste Golfer im Team und führt auch meistens das Fitting durch. Er hat einige Jahre in der Long-Drive-Szene mitgemischt, weiß, wie man lange Drives schlägt (sein längster, regulär gemessener Abschlag war 371 Meter lang). Die beiden kennen sich durch das Studium an der TU München. Burger war zudem noch zwei Jahre bei TaylorMade in Herzogenaurach und hat dort bereits Spieler der verschiedenen Profi-Touren gefittet. Die Preise für ein Fitting liegen bei 50 Euro pro Stunde. Gefittet werden auch Putter und Wedges. Für das komplette Set sollte man rund drei Stunden Zeit einplanen.

Der perfekter Dreh an der Schraube: Was bringen verstellbare Gewichte? Passende Golfschläger? Mit einem Fitting bei HoleInOne kein Problem! Weitere Informationen zu HIO-Fitting finden Sie auf der offiziellen Webseite

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Marco Burger | HoleInOne-Fitting

Marco Burger ist mit einem Handicap von +0,1 einer von drei Fittern bei HoleInOne-Fitting in Eichenau (bei München).

Aufgrund seines Studiums der Biomechanik an der TU München analysiert er seit Jahren Amateure wie Profispieler bezüglich ihrer Bewegung und Ausrüstung.

Burger hat einige Jahre in der Longdrive-Szene mitgemischt und war zudem zwei Jahre bei TaylorMade in Herzogenraurach. Dort hat er bereits Spieler verschiedener Profi-Touren gefittet, bevor er sich in München auf sein Masterstudium und Start-Up konzentriert hat.

  • Bachelor in Sport Science (2010)
    • Fokus: Biomechanik
  • Master in Human Factors Engineering (2015)
    • Fokus: Sports Engineering
  • C- und B-Trainerlizenz
  • Custom Fitting Adidas/TaylorMade
  • SAM BalanceLab Instructor
  • SAM PuttLab Instructor
  • Fitter of the Year 2013/2014 (KZG)

Andreas Nottebaum | clubfixx

Andreas Nottebaum ist Geschäftsführer von Clubfixx in Neuss.

In seiner Werkstatt passt er Schläger individuell an, unter anderem für die deutsche Tour-Spielerin Caroline Masson.

Der Fully Qualified Golf Professional blickt auf eine langjährige Erfahrung im Fitting und Vertrieb von Golfschlägern zurück und kennt sich dank seines sportlichen Hintergrunds (Deutscher Meister, National-Kader- und Bundesligaspieler) im Golfbusiness bestens aus.

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