Geschlossen wie ein Mann: das Jungen-Team um Ulli Eckhardt
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Großer Erfolg für das Golf Team Germany

Team-EM Jungen 2015
 

Goldmedaille für die Jungen, als einzige Nation alle Teams im ersten Flight, die Herren gewinnen die Zählspielqualifikation, die Mädchen bringen am zweiten Tag der Qualifikation das beste Ergebnis aller Teams rein und gewinnen nach der Niederlage gegen Gastgeber Tschechien alle Spiele, die Damen kommen auf einen sehr guten 6. Platz.

Team EM 2015 – So lautet die nüchterne Auflistung der sportlichen Erfolge, die die vier Mannschaften des Golf Team Germany bei den Team-Europameisterschaften 2015 einfahren konnte. Das hervorragend Gesamtbild, das die Nachwuchshoffnungen des Deutschen Golfsports abgegeben haben, wird natürlich überstrahlt durch den Titelgewinn der Jungen in Finnland. Nicht nur dass die Mannschaft um Jungen-Bundestrainer Ulli Eckhardt die Goldmedaille gewonnen hat, sondern auch die Art und Weise wird noch lange in Erinnerung bleiben. Stehaufmännchen, Kämpferherzen, Matchplayer, es gäbe viele Bezeichnungen, die die sechs Youngster treffend beschreiben würden. Wer zweimal nach einem 2:0-Rückstand aus den Vierer eine Partie dreht und am Ende die Nerven auch auf etlichen Extralöchern behält, ist ohne Frage ein würdiger Champion.

Den Triumph möglich gemacht hat auch und gerade das Betreuerteam um Ulli Eckhardt: Co-Trainer Thomas Gögele, Physio-Betreuer Stefan Kirschstein und ganz sicher auch Silke Lüdike als Metal-Coachin. Auf dem Platz haben sich die Spieler das Edelmetall im wahrsten Sinne des Wortes erkämpft: Michael Hirmer vom GC am Reichswald, Thomas Rosenmüller vom GC München-Eichenried, Max Schmitt vom GC Rheinhessen Wißberg, Yannick Schütz vom Stuttgarter GC Solitude, Marc Hammer vom GC Mannheim-Viernheim und Raphael Geißler vom GC St. Leon-Rot.

Marcus Neumann, Vorstand Sport im Deutschen Golf Verband, war völlig aus dem Häuschen, als die Kunde vom Titelgewinn durchgedrungen war: "Ich bin total begeistert. So ein riesen Fight in Finnland zu gewinnen, ist großartig. Dramatischer und schöner als auf den Extralöchern zu siegen, geht es nicht. Ein klarer Sieg gegen einen schwächeren Gegner bleibt niemals so im Gedächtnis haften. Nur wenn die Emotionen hochkochen, brennt sich das ins Gedächtnis ein. Und genau das wünsche ich den Spielern und Betreuern. Mögen sie diese Tage nie vergessen! Ich freue mich über diesen Triumph für Ulli Eckhardt auch ganz persönlich."

Max Schmitt, dem es im Finale vorbehalten blieb, am 5. Extraloch den Sieg und damit die Goldmedaille zu sichern, hatte es nach eigenen Worten schon immer gewusst, dass seine Mannschaft ins Finale einziehen würde: „Die Motivation durch das Team und Coaches war einfach genial! Ich habe noch nie so gute fünf Bahnen gespielt wie gegen Marcus Svensson, in der Situation und mit dem Druck. Auf dem 5. Extraloch habe ich ein Holz 3 abgeschlagen und hatte dann noch 167 Meter zur Fahne. Mit ein bisschen Wind von links habe ich ein Eisen 6 in einem vollen Strich auf die Fahne gehauen und der Ball lag danach zwei Meter neben dem Loch. Dieser perfekte Schlag geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Im Spiel gegen Dänemark habe ich John Axelsen mit 6und4 geschlagen. Das war auch großartig. Alles in allem bin ich mit der Teamleistung mehr als zufrieden. Es war einfach nur ein grandioses Turnier. Jetzt freue ich mich schon auf die Weltmeisterschaften!“ Bis die Jungen in Tokio um den Titel auf Weltebene spielen, dauert es allerdings noch eine ganze Zeit, denn die Jungen-WM, für die das Deutsche Team als Europameister qualifiziert ist, wird erst 2016 ausgetragen.

Auch Michi Hirmer, der im Finale Felix Palsom mit 5und3 schlug, hatte während der gesamten EM ein gutes Gefühl: „Wir haben immer daran geglaubt, das Ding holen zu können. In den ersten Flight zu kommen, war sehr gut. Wir sind einfach alle sehr gute Lochspieler und einwahnsinniges Team mit sensationellem Zusammenhalt. Nach dem Match gegen Dänemark, wo wir uns so zurückgekämpft haben, wussten wir, dass diese Europameisterschaft für uns etwas ganz Besonderes werden kann.“

Aus den Worten von Yannick Schütz klang berechtigter Stolz auf das heraus, was er im Kreise seiner Mannschaft erleben durfte. „Es war mir schon klar, dass wir ein super Team haben. Wir haben davor alle gut gespielt und tolle Lochspieler dabei. Im Zählspiel sind wir nicht so gut gestartet. Wahnsinnig Auftrieb hat mir gegeben, dass wir gegen Dänemark das Dinge gedreht haben, als wir 0:2 hinten gelegen hatten. Da haben wir Kampfgeist bewiesen und den Dänen am Ende wirklich gar keine Chance gelassen. Das Finale spricht für sich. Unfassbar, dass wir das noch für uns entscheiden konnten“, war der Stuttgarter beinahe etwas von dem Triumph berauscht.

Für Thomas Rosenmüller begann der Erfolgsweg dieser Team-EM schon beim Vorbereitungslehrgang in Lich: „Es war eine ziemlich entspannte Stimmung. Wir haben uns selbst keinen Druck gemacht. Als wir in Finnland angekommen sind, hat sich schnell gezeigt, dass der Platz unserem, insbesondere meinem Spiel sehr entgegen kam. Für uns ging es immer nur Step by step.“ Im Viertelfinale war am Mittag wegen des 0:2-Rückstands zunächst Enttäuschung in den Gesichtern der Spieler zu sehen. „Doch dann haben wir die Motivation gefunden, den Dänen unsere starke Seite zu zeigen. Ich habe es selten gesehen, mit welcher Attitude wir dann raus gegangen sind, welchen Kampf wir geliefert und wie viel Herzblut wird gezeigt haben. Nachdem wir gegen Dänemark das Spiel gedreht und kein Einzel verloren hatten, wusste ich, dass wir auf jeden Fall um den Titel mitspielen können“, sah Thomas Rosenmüller schon so früh in der Meisterschaft den vielleicht entscheidenden Punkt für den späteren Titelgewinn. Das Finalmatch zwischen dem Münchner und dem Schweden Tim Widing fand auf extrem hohem Niveau statt: „Wir haben beide sensationell gute Schläge gemacht und einige Löcher mit Birdies geteilt. Nach 17 Bahnen, als ich mit 2und1 gewonnen hatte, lag ich sieben oder acht unter Par. Das war einfach unglaublich. Als Max Schmitt im Stechen einen großartigen Schlag nach dem anderen gemacht hat, auf dem zweiten Extraloch sein Putt zum Sieg ausgelippt war, wusste ich, dass wir das Ding haben. Der Schwede hat dann ein bisschen angefangen, zu zittern. Max dagegen hat sich richtig sicher gefühlt.“

Mädchen auf Platz 5

Mit großen Hoffnungen und Ambitionen in diese Team-EM gestartet waren die Mädchen um Bundestrainer Sebastian Rühl. Am Ende steht Rang 5, obwohl das Team in Tschechien durchgängig überzeugen konnte. Die eine Niederlage im Viertelfinale gegen eine über sich hinauswachsende Gastgeber-Mannschaft verhinderte einen größeren Erfolg. Beachtlich aber, wie die Mädchen nach der Niederlage Größe gezeigt und sich für die beiden letzten Tage motivieren konnten, damit noch das bestmögliche Ergebnis rausgeholt hatten. So sah es der Coach der Mädchen: „Es ist definitiv bitter, dass es in diesem Jahr nicht für eine Medaille gereicht hat. Trotzdem war es unter dem Strich eine sehr erfolgreiche Team-EM: Wir sind Zweiter in der Zählspielqualifikation geworden, hatten dabei am zweiten Tag das beste Tagesergebnis aller Teams. Dann der Sieg über die Niederlande, vor allem aber der Sieg gegen Titelverteidiger Frankreich... das war alles in allem eine super Leistung. Persönlich freut mich am meisten, dass wir nach der Niederlage gegen Tschechien wieder aufgestanden sind und uns nicht haben unterkriegen lassen, sondern direkt mit zwei Siegen gekontert haben.“

Damen auf Platz 6

„Platz 6 muss ich nehmen – und ich hätte ihn auch vor dem Start dieser EMM genommen“, bringt Damen-Bundestrainer Stephan Morales zum Ausdruck, dass er mit der Leistung seines Teams vollauf zufrieden ist. Wie hoch die Leistungsdichte bei dieser Europameisterschaft war, wird auch dadurch deutlich, dass die Top 5 im World Amateur Golf Ranking allesamt aus Europa kommen. Die Qualität der Wettkämpfe wurde dadurch in Dänemark gesteigert. „Vor uns stehen nur die ganz großen Golfnationen in Europa. England, Spanien, Schweden und Frankreich. Dazu kommt in diesem Jahr noch die Schweiz, die mit einem Jahrhundertteam angereist war. Von daher können wir mir dem 6. Platz gut leben. Auch war der Ausgang des Matches gegen Schweden enger als es die nackten Zahlen ausdrücken“, spielte der Bundestrainer darauf an, dass Franziska Friedrich ihr Match mit ziemlicher Sicherheit für sich entschieden hätte. Und auch die 3und2-Niederlage von Olivia Cowan hat auf dem Platz ein ganz anderes Bild abgegeben. In einer wahren Birdie-Schlacht hatte die Deutsche das Nachsehen, obwohl sie deutlich unter Par gespielt hatte. „Das war eine richtig gute EM. Alles war sehr stimmig und im Team hat es hervorragend gepasst und harmoniert. Das war sehr schön“, gerät Stephan Morales etwas ins Schwärmen. Die meisten Spielerinnen sehen sich in zwei Wochen bei der Einzel-EM in Österreich schon wieder.

Analyse und Ausblick

Marcus Neumann, der selber bei den Damen in Helsingor war, analysierte diese Titelkämpfe aus seiner Sicht, in die die Erfahrung aus mehr als zehn Jahren als Bundestrainer einfließt: „Es bestätigt sich: schon länger gilt bei einer Europameisterschaft nicht mehr die Platzierung als Gradmesser und Position für die Leistungsstärke eines Landes. Inzwischen haben viele Länder starke Mannschaften und es kommt auf das Momentum in der einen Woche, an einem einzelnen Tag an. Die Einstellung ist wichtig und sicherlich, wie immer im Golf, kommt es auch auf das Quäntchen Fortune an - und das ist gut so. Grundsätzlich hatten wir unser Mindestziel schon nach der Zählspielqualifikation erreicht. Außer uns hat es kein Land geschafft, alle vier Mannschaften in den ersten Flight zu bekommen. Sehr unglücklich war das starke Deutsche Herren-Team. Bewiesen hatten die Herren ihre Stärke mit Platz 1 in der Zählspielqualifikation und trotzdem wurden sie letztlich durchgereicht, haben dabei aber in knappen und hochklassigen Matches nicht enttäuscht. Ausgleichende Gerechtigkeit: Die Herren verlieren zweimal auf den Extralöchern und im Gegensatz dazu gewinnen die Jungen in der Verlängerung den Titel. Eine starke Moral haben auch die Mädchen von Sebastian Rühl bewiesen und sich nach der Viertelfinal-Niederlage mit zwei Siegen über starke Mannschaften behauptet.“

Im Hinblick auf die langfristige Entwicklung im Deutschen Golf hat das Vorstandsmitglied des DGV, der mit soviel Herzblut für den Sport und die Sportler eintritt, auch einige Sorgenfalten auf der Stirn, richtet daher einen flammenden Appell an die Golfclubs des Landes: „Generell: Wenn es mit dem Nachwuchs so weiter ginge... Wir haben aber trotz aller Anstrengungen und Erfolge Nachwuchssorgen. Ich danke an diese Stelle gerade im Augenblick des Triumphs des Junior Team Germany ganz besonders allen Vereinen, die den Leistungssport leben und unterstützen, egal in welcher Altersklasse. Diese Clubs unterstützen eine wichtige Kraft für unseren herrlichen Sport und für unsere Gesellschaft. Leistungssport und Leistungssportler tragen erheblich zum Wohle des Landes bei, denn Leistungssport kann man als Identifikationsfaktor und Kitt der Gesellschaft gar nicht hoch genug einschätzen. Ich wünsche mir mehr davon, auch wenn es immer ein langer und anstrengender Weg ist. Langfristig lohnt es sich aber und je mehr Clubs sich an dieser Aufgabe beteiligen, desto mehr wird der Golfsport insgesamt davon profitieren.“

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