Bild Information: Michael Clemens liegt nach dem ersten Turniertag auf Platz zwei der Kategorie "Arm". (Foto: DGV/ Tiess)

Zurück am Treudelberg

IAM Golfer mit Behinderungen 2017
 

Die Meisterschaften der Golfer mit Behinderungen kehren in diesem Jahr zurück zum G&CC Hamburg-Treudelberg. Erstmalig findet die Leistungsschau des deutschen Behindertengolfsports dabei mit internationaler Beteiligung statt. Mittendrin ist Michael Clemens, der, wie die meisten Menschen mit einer Behinderung, noch vor einigen Jahren als kerngesunder Mann durchs Leben ging.

Hamburg - Eines muss man dem Regen lassen: Die Sache mit dem Spannungsbogen hat er perfekt drauf. Zuerst ließ er auf sich warten, wobei ihn dabei ganz sicher niemand vermisste. Dann kam er ganz gemächlich. Und wie der Nachmittag seinen Verlauf nahm, drehte Petrus die Rohre richtig auf, bis sich schiere Kaskaden von Wasser über den Treudelberger Turnierplatz ergossen. Aber auch wenn die 63 Turnierteilnehmer der Internationalen Amateurmeisterschaften der Golfer mit Behinderungen sich trockenere Spielbedingungen gewünscht haben, sind sie dennoch nicht aus Zucker. Und sie wissen vielleicht besser als jeder andere Golfer, wie man damit umgeht, wenn das Leben ihnen nicht nur Sonnenschein anbietet.

Einer von ihnen ist Michael Clemens vom Royal St. Barbara’s Dortmund GC. Der Single-Handicapper spielt seit 2002 Golf - und wäre ohne seine tragischen Unfall nie zu diesem Sport gekommen. Denn eigentlich war der 56-jährige Fußballer. Und zwar ein ziemlich ambitionierter. Bis zum Probetraining bei Klaus Toppmöller brachte es der Mittelfeldspieler damals. Das Angebot, zunächst in der Amateurmannschaft des BVB 09 Dortmund zu spielen, schlug er dann jedoch aus. Entweder gleich Profi oder es geht weiter beim FC Merkur 07 Dortmund. Ganz oder gar nicht, das ist Michael Clemens.

Vom Kriechstrom zur Amputation

Er wäre wahrscheinlich immer bei seinem geliebten Fußball geblieben, aber das Leben hielt andere Karten für ihn parat. Genauer gesagt bei der Bundeswehr. Clemens hatte sich seinerzeit für zwei Jahre als Soldat auf Zeit verpflichtet. In seiner Unteroffiziersausbildung war er eingesetzt in Lingen, auf dem Kampfpanzer Leopard 1. Eine spannende Zeit und dazu eine ziemlich attraktive Bezahlung für einen jungen Kerl. Bis eines Tages ein einfacher Kriechstrom dazu führen sollte, dass die Manövermunition seines Panzers just in dem Moment zündete, in dem Clemens die Kanone gefechtsbereit machen wollte und sich seine linke Hand direkt vor der Mündung befand. Nach diesem Moment sollte alles anders sein. Anders, ja - aber deswegen noch lange nicht schlecht. So sagt Michael Clemens heute: „Jeder wäre am liebsten gesund. Aber es gibt andererseits auch so viele Dinge und so viele tolle Momente, die ich ohne diesen Unfall nie erlebt hätte. Die Behinderung gehört inzwischen zu mir, aber sie steht ganz bestimmt nicht im Mittelpunkt meines Lebens.“

Michael Clemens geht es dabei wie den meisten Betroffenen. Vier von fünf Menschen, die eine Behinderung haben, werden gesund geboren und ziehen sich die Behinderung erst im Laufe ihres Leben zu. Im Bereich der Schwerbehinderungen steigt diese Quote sogar auf knappe 96 Prozent. Eine Zahl, die gesunden Menschen kaum geläufig ist. Eine Zahl, deren Kenntnis die Wertschätzung vor der Gesundheit wohl stark beeinflussen würde.

Nur der Sweet Spot zählt

Das Leben ist bekanntlich das, was man daraus macht. Genau so sieht es Michael Clemens. Trübsal zu blasen ist jedenfalls gar nicht so sein Ding. Und wie es der Zufall so will, verschlägt es ihn eines Tages im Jahr 2002 zu einem Schnupperkurs auf eine Dortmunder Driving Range. Das erste richtig getroffene Eisen 7 - und der nie wirklich verschütt gegangene Sportsgeist war vollends wieder geweckt. Und zwar soweit, dass Clemens sich zwischenzeitig bis tief in die einstellige Stammvorgabe spielte, erfolgreich seinen Golf-Betriebswirt und seinen C-Trainerschein ablegte, in der deutschen Nationalmannschaft spielt und, ganz nebenbei bemerkt, im Jahr 2013 Deutscher Meister der Golfer mit Behinderungen (Kategorie Arm) wurde. Und zwar genau hier im G&CC Hamburg-Treudelberg.

Clemens spielt ein besseren Ball als die meisten gesunden Golfspieler es tun. Er ist und bleibt ambitioniert. Dabei ist er in seinem Spiel mit erheblichen zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert: „Es geht vor allem um Fehlerverzeihbarkeit in schwierigen Lagen. Im Rough oder Bunker benötigst Du für einen stabilen Schlag dringend beide Hände. Wenn ich aus diesen Lagen mit nur einer Hand Bälle schlage, muss ich den Ball unbedingt im Sweet Spot treffen. Schaffe ich dies nicht, fliegt der Ball definitiv nicht mehr da hin, wo er hin soll.“

Schramm in der Gesamtwertung vorne

Diese Lagen hat Michael Clemens heute ein paar Mal serviert bekommen. Am Ende dieses ersten Turniertages kam der Westfale mit 88 Schlägen (+16) zurück ins Clubhaus und notiert damit 21 Brutto-Stablefordpunkte. Clemens zieht ein realistisches Fazit: „Einige Sachen klappen - einige Sachen nicht. Auf den ersten Neun war es noch rund, auf den hinteren Neun wurde es dann etwas holperig. Ich bin mit meinem Schwung gerade in einer Umstellung. Das sollte man eigentlich nicht auf der Runde machen, aber hin und wieder baut man es dann doch ein und dann darf man eben auch nicht böse sein, wenn es nicht funktioniert. So habe ich mir einen wirklich guten Score ziemlich verbaut. Das muss ich so fressen.“

Mit seinem heutigen Ergebnis liegt Clemens auf Platz zwölf der Gesamt-Bruttowertung sowie auf Platz zwei in seiner Behinderungskategorie. Angeführt wird diese aktuell von Timo Klischan (Berliner G&CC Motzener See), der seinerseits 23 Brutto-Stablefordpunkte verzeichnen konnte. Die Gesamtwertung wird hingegen angeführt von Pascal Ferreira Schramm (GP Aschheim) mit 77 Schlägen (+5). Ihm folgen Ursula Paula Mielke-Salzmann (GC Hubbelrath) mit 78 Schlägen (+6) sowie Reinhard Friske (GC Hamburg-Walddörfer) mit 79 Schlägen (+7). Morgen geht es in den zweiten und damit auch entscheidenden Tag der Meisterschaften. Die Wettervorhersage verspricht trockene 19 Grad Celsius und jede Menge Sonne. Gestartet wird ab 08:35 Uhr von den Abschlägen 1 und 10.

Zu den Ergebnissen der IAM der Golfer mit Behinderungen 2017

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