Bild Information: Bild: Christoph Hirschvogel, GC Bad Wörishofen

Ein Golfplatz kommt unters Messer

Golf&Natur
 

Die dicken, uralten Eichen erzählen hier auf der Anlage des Golfclubs Bad Wörishofen in Rieden bei Kaufbeuren ihre ganz eigene Geschichte. Sie wiesen den Weg in Zeiten, in denen es noch Postkutschen gab und deren Route mitten durch das Allgäu führte.

Ganz so alt ist der 18-Loch-Platz des Clubs freilich nicht. 1980 wurde dieser eröffnet, parkähnlich angelegt in den Wertachauen entlang des Schlingener Sees. In den vergangenen fast 40 Jahren wurde kaum etwas verändert. Jetzt rollen die Bagger an. In den kommenden zweieinhalb Jahren wird der Platz abschnittsweise zur Baustelle, alle 18 Grüns werden umgestaltet, die Abschläge neu errichtet und Bunker saniert. „Diese Arbeiten sind dringend notwendig geworden“, sagt Klubpräsident Peter Ried.

In einer außerordentlichen Versammlung wurden die Mitglieder, knapp 830 hat der Verein derzeit, detailliert über die Umbaupläne informiert. Denn Einschränkungen, da redet niemand um den heißen Brei, wird es zwangsläufig ab August 2018 geben. Erst ab dem Frühjahr 2020 wird der Platz wohl wieder als 18-Loch-Anlage bespielbar sein. Ried betont aber auch: „Geschlossen wird der Golfplatz deshalb nicht. Wir werden während der gesamten Bauphase immer mindestens neun Löcher geöffnet haben, die allesamt außerhalb der Baustelle liegen.“ Die Mitgliederversammlung stimmte dem Projekt mit 98 Prozent der abgegebenen Stimmen zu.

Der Teufel steckt in Rieden im Detail, in diesem Fall im Untergrund. Als Ergebnis eines Bodengutachtens wurde in der Rasentragschicht der Grüns sogenannter Black Layer festgestellt. Das heißt: Das Wasser sickert weder nach unten, noch kann es nach oben entweichen, auch die Wurzeln können diese Sperrschicht nicht durchdringen. „Dadurch entsteht Staunässe, wir bekommen Moos auf den Grüns. Von heute auf morgen könnte das Gras absterben. Das wollen wir natürlich vermeiden“, erklärt Ried. Eine geologische Untersuchung mit Bohrungen quer über den Platz hat zudem ergeben, dass die Bahnen 1 und 18, die sich auf einem anderen Areal befinden, von einer Torfschicht durchzogen sind. Hier soll eine Fairwayberegnung installiert werden – um den Torf im Sommer stetig feucht zu halten.

Der unverwechselbare Charakter des Platzes bleibe erhalten, verspricht der Präsident. Lediglich an vier Stellen wird in den gewohnten Spielverlauf eingegriffen. Die bisherigen Bahnen 10 und 11, ein Par 4 und ein Par 3, sollen zu einem längeren Par-5-Loch zusammengeführt werden, dafür entsteht an andere Stelle eine neue, kürzere Bahn – ein Par 3 mit direktem Blick auf den Stausee. „Man schlägt in Richtung des Sees ab und glaubt tatsächlich, dass dieser auch ins Spiel kommt. Ist aber nicht so. Das wird ein tolles Erlebnis“, meint Klubmanager Christoph Hirschvogel. Die darauffolgende Spielbahn wird dadurch kürzer, von einem Par 5 zu einem Par 4. Außerdem wurde das Grün des dritten Lochs bereits an anderer Stelle angelegt. „Das macht diese Bahn ein bisschen schwerer. Aber generell haben wir bei den Planungen darauf geschaut, dass unser Platz durch den Umbau nicht zu schwer wird“, sagt Hirschvogel weiter.

Auf das Thema Golf&Natur wird hingegen weiterhin streng geachtet. Der Golfclub Bad Wörishofen wurde beim Umweltprogramm des Deutschen Golf-Verbands (DGV) mit dem Silber-Zertifikat ausgezeichnet, im Allgäu hat das mit dem Allgäuer Golf- und Landclub Ottobeuren nur ein einziger weiterer Klub geschafft. Im Mittelpunkt der Arbeiten auf der Anlage steht dabei der Schlingener See, der als kleines Naturparadies gilt. Das Gewässer und das Ufer sind weitgehend unberührt, die Artenvielfalt an Wasservögeln ist groß. Früher war der See vom Golfplatz aus kaum einzusehen, vor einigen Jahren aber wurde das ganz bewusst geändert: Büsche und Sträucher wurden ausgeholzt. Das hat dem Panorama über den See bis hinüber zum kleinen Unterallgäuer Dorf Schlingen eine neue Qualität verliehen. „Wir sind ein Naturreservat und sogar Libellenschutzgebiet“, erklärt Präsident Peter Ried. Auf dem gesamten Platz spielt Golf & Natur eine Rolle. Mal in Form von Insektenhotels und Vogelhäuschen, mal anhand einer riesigen Streuobstwiese. „Und wir haben auch eigene Bienenvölker, die Honig produzieren“, sagt Manager Christoph Hirschvogel.


Bild: Christoph Hirschvogel, GC Bad Wörishofen

In drei Bauabschnitten wird auf der Anlage gearbeitet. Die erste Phase an den Bahnen 3 und 18 ist schon in vollem Gange. Im August 2018 werden die ersten neun Löcher komplett für den Umbau gesperrt. Die Verbandswettspiele sind zu diesem Zeitpunkt bereits absolviert. Ab August 2019 folgt die Sperrung der zweiten neun Löcher. Planung und Ausführung haben die Wörishofer an eine Fachfirma vergeben: die Firma Pötter aus Nordrhein-Westfalen. Sie hat unter anderem bereits Projekte in St. Leon-Rot, im Golf- und Countryclub Zürich, im Golfclub Kassel-Wilhelmshöhe oder auch im Golfclub Hösel auf der Referenzliste stehen. Ried sagt: „Die Leute wissen, was sie tun.“

Für Mitglieder und Gäste hat der Umbau eine weitere Auswirkung: „Wir werden vorübergehend Abschlagszeiten einführen und so einen geordneten Spielablauf sicherstellen“, erklärt Ried. Die Kosten für die umfassende Renovierung des Platzes, die über eine Schönheits-OP weit hinausgeht, liegen bei etwa 1,8 Millionen Euro. Ried sagt: „Trotzdem werden wir von unseren Mitgliedern weder eine Sonderumlage kassieren, noch die Beiträge erhöhen.“

- Text: S. Schöttl -

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