Bild Information: Blumenwiese im GC Abenberg (Foto: Schöttl)

Die Ruheoase in der Metropolregion

Golf&Natur
 

Im Schatten der Großstadt Nürnberg setzen die Macher des Golfclubs Abenberg auf die grüne Karte. Autor Stephan Schöttl mit einem Portrait des bayerischen Clubs, der innerhalb von vier Jahren das Goldzertifikat im DGV-Umweltprogramm Golf&Natur erhalten hat.

Das hier ist gelebte Idylle. Weite Wiesen, alte Bäume, der typisch mittelfränkische Kiefernwald, Hecken und Teiche, Vögel über 70 verschiedener Arten ziehen ihre Kreise und über allem thront majestätisch die mittelalterliche Abenberger Burg. Knapp 25 Kilometer nordöstlich schlägt pausenlos der Puls der Großstadt Nürnberg. Über eine halbe Million Einwohner, 250.000 zugelassene Autos, 17 Krankenhäuser, ein großer Bahnhof und viel Industrie. Und hier? Ruhe. Einfach nur Ruhe. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Bei uns kann man entspannt golfen, völlig stressfrei“, sagt Gerd Kehrbach. Sein Ziel: Der Club soll auch ein Familientreffpunkt sein, in dem man gerne den Großteil seiner Freizeit verbringt. Kehrbach ist seit 2013 Präsident des Golfclubs Abenberg, mit fast 1.000 Mitgliedern, einem 27-Loch-Meisterschaftsplatz und einem öffentlichen 6-Loch-Übungsplatz die größte Golfanlage der Metropolregion Nürnberg. Mitglieder und Gäste haben die Qual der Wahl: Turnier oder nicht, 18 Löcher oder die schnelle Runde über neun Löcher. Eintönig wird es nicht, denn die 27 Löcher werden täglich neu kombiniert – in einen 18- und einen 9-Lochkurs, die ohne große Höhenunterschiede angenehm zu spielen sind. Jede Bahn bietet ein neues, reizvolles Landschaftsbild. Doch Dimensionen hin oder her: In Abenberg legen sie großen Wert auf das Gemeinsame, auf das Gesellige. Hier im Dorf wird nicht unterschieden zwischen Fußballern, Schützen, Feuerwehrlern und Golfern. Hier im Dorf sind sie alle gleich. „Wir sind kein eigenes Volk, kein Klub der Elitären. Wir sind eine Gemeinschaft, in der alle miteinander und füreinander anpacken“, meint Kehrbach. Wie in den anderen Vereinen eben auch.

35.000 neue Nadel- und Laubbäume

Auf eine mittlerweile fast 30-jährige Geschichte blickt der Golfclub Abenberg zurück. Im Juli 1988 wurde er gegründet, drei Monate später waren die Bauarbeiten auf dem Platz weitgehend abgeschlossen. Im Sommer 1989 fand die offizielle Eröffnung der Anlage, damals noch mit 18 Löchern, statt. Es war die Zeit, in der Deutschland begann, Lambada zu tanzen, die Radiostationen David Hasselhoff rauf und runter spielten. Die Zeit, in der karierte Sakkos gerade in Mode gekommen sind und Bernhard Langer mit seinen ersten internationalen Erfolgen den Golfsport auch in Deutschland salonfähig gemacht hat. 20 Jahre später, fast auf den Tag genau zum Gründungsjubiläum, wurde die Erweiterung auf 27 Löcher gefeiert. „35.000 Nadel- und Laubbäume wurden in diesem Zusammenhang neu gepflanzt, dazu ungefähr 2.500 landschaftstypische Büsche“, erzählt Präsident Kehrbach. Während bei der Entscheidung für den Ausbau noch ein Teil der Mitglieder eher skeptisch war, gab es spätestens bei der Eröffnung kaum noch Kritiker. Der Golfclub Abenberg hatte zum Niveau der führenden Golfanlagen in Bayern aufgeschlossen.

Sich mit den umliegenden Golfanlagen zu vergleichen, ist aber eigentlich gar nicht ihr Ding, hier in Abenberg. Die Natur ist das große Kapital des Klubs. Golf hat als Sportart im Freien eine enge Beziehung zu Flora und Fauna, da die Spielbahnen unmittelbar in die Landschaft eingebunden sind. Gepflegte Spielflächen sind längst ein entscheidender Wettbewerbsfaktor auf dem Golfmarkt geworden. Auch beim Golfclub Abenberg. Die Anlage ist eine von knapp 160 der rund 720 in Deutschland, die sich am Programm GOLF & NATUR des Deutschen Golf-Verbands (DGV) beteiligen. Mit großem Erfolg. Mit dem Gold-Zertifikat wurde der Klub vor Kurzem ausgezeichnet und gehört damit zum erlesenen Kreis. Darauf sind sie zurecht stolz. Denn in Bayern haben nur noch 18 weitere von insgesamt knapp 190 Golfklubs diese höchste Stufe erreicht, acht Anlagen haben derzeit den Silber-Status, zehn Bronze.

Umweltpreis des BGV

Für all die Arbeit in den vergangenen Jahren gab es jüngst zudem den zweiten Platz beim Umweltpreis des Bayerischen Golfverbands (BGV) und der Allianz. Fein säuberlich hat Axel Markus jeden einzelnen Arbeitsschritt der vergangenen Wochen, Monate und Jahre dokumentiert. Früher war der gebürtige Rheinländer Vorstandsmitglied beim Sportartikelhersteller Adidas, drüben im nahen Herzogenaurach. Täglich unterwegs in der Hektik der internationalen Business-Welt. Heute genießt er ganz bewusst das Provinzielle in Abenberg. Er hat Golf&Natur zu seinem Thema gemacht und einen Managementplan für die Entwicklung der biologischen Vielfalt in der Flora und Fauna der gesamten Golfanlage erstellt. „Schon früh wurde deutlich, dass wir uns etwas einfallen lassen müssen, um genügend finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben. Denn wie schnell die gewünschten Veränderungen für den Schutz und die Förderung der Natur umgesetzt werden können, hängt stark von den verfügbaren Finanzen ab“, erklärt er. Die Lösung war bald gefunden: ein gemeinnütziger Förderverein. Seit dessen Gründung im Sommer 2015 sind bereits 50.000 Euro an Spenden zusammengekommen. 30.000 Euro wurden in den Neubau eines modernen Maschinenwaschplatzes und dem dazugehörigen Umfeld des neuen Betriebshofes investiert - die größte Hürde auf dem Weg zur Gold-Zertifizierung. Der Förderverein hat derzeit 33 Mitglieder und 70 weitere Unterstützer aus der Region. Markus sagt: „Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Jahren über den Förderverein jährlich zwischen 15.000 und 20.000 Euro für Naturschutzmaßnahmen und die Förderung des Golfsports für Jugendliche bereitstellen können.“ Eine beachtliche Summe. 

Die Jugendarbeit spielt in Abenberg eine große Rolle. Golf war früher freilich auch im Mittelfränkischen eine Randsportart, ein Hobby älterer Herrschaften und für Kinder und Jugendliche völlig uncool. Doch das hat sich geändert. Die Kleinen werden mit Spaß und Leichtigkeit an den Golfsport herangeführt und doch in gewissem Maße auch gefordert. Zum Beispiel mit altersgerechten Kurzplatzturnieren. Ein Talent, das den Sprung unter die Besten Deutschlands geschafft hat und nach wie vor zum Heimatclub steht, ist Franziska Friedrich. Sie hat einst als Achtjährige beim GCA begonnen und war schon als 13-Jährige Clubmeisterin bei den Damen. Wenig später schaffte sie den Sprung in den Nationalkader, durfte bei Turnieren auf der Profitour der Frauen mitspielen. 2012 gewann sie die Internationalen Franzo¨sischen Amateur-Meisterschaften der Damen, ein Jahr später zeichnete sie der Bayerische Golf-Verband als „Spielerin des Jahres“ aus. International war und ist Friedrich unterwegs. In Abenberg drückt man stets die Daumen, freut sich, wenn das sportliche Aushängeschild mal wieder daheim vorbeischaut - und staunt über ihre Entwicklung. Wie Mitte Juni, als die inzwischen 22-Jährige bei einem Amateur-Turnier in Abenberg mit acht unter Par ihre bislang beste Runde auf dem Heimatplatz drehte und den Platzrekord kurzerhand auf 64 Schläge verbesserte.

Spechthöhlen als Nistplätze

Die Jugend wird nicht nur in das sportliche Geschehen einbezogen. Seit Juli 2015 beispielsweise steht auf dem Abenberger Golfplatz ein handgebautes Insektenhotel, das die Schüler der Grund- und Mittelschule Abenberg selbst gebaut haben. Auf diese Kreativität stößt man auf dem Platz auch an vielen anderen Stellen. Markus erzählt: „Durch einen Sturm ist vor zwei Jahren ein Baum unmgefallen, in dessen Stamm sich viele Spechthöhlen befunden haben. Der Stamm wurde geborgen und der Teil mit den Spechthöhlen genutzt. Er wurde halbiert und steht jetzt an zwei Stellen der Golfanlage. Die Spechthöhlen können dort teilweise von anderen Vögeln als Nistplätze genutzt werden.“ Als weiteres Projekt wurden insgesamt etwa 2.700 Quadratmeter Bienenweiden angelegt, sieben Bienenvölker sind auf dem Platz unterwegs. „Aber keine Angst, die tun den Golfern nichts“, sagt Axel Markus. Zumindest nichts Böses, Gutes hingegen schon. Denn bereits im ersten Jahr wurden 250 Kilo Honig geschleudert, an Mitglieder verkauft oder bei Turnieren als Preise ausgelobt. 

Abenberg erhält Goldzertifikat in Golf&Natur BGV verleiht Allianz Umweltpreis

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Bildquelle: Stuttgarter GC Solitude, A. Denner Bildquelle: Stuttgarter GC Solitude, A. Denner

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