Bild Information: Umweltexperte Dr. Gunther Hardt

"Der Golfer ist ein Naturschützer“

Interview
 

Dr. Gunther Hardt im Interview über Golf&Natur

„Der Golfer ist ein Naturschützer", sagt Dr. Gunther Hardt. Er, der in Fachkreisen auch der Rasendoktor genannt wird, ist als Auditor seit vielen Jahren das Gesicht des DGV-Qualitätszertifikats Golf&Natur. Hardt lebt diesen Gedanken mit Herz und Seele. Doch in seiner Zwischenbilanz schwingen auch kritische Töne mit. Denn so ganz scheint die Philosophie von Golf&Natur noch nicht bei allen Golfanlagen in Deutschland angekommen zu sein. Ein Gespräch über den Status quo, Nachholbedarf und Zukunftsvisionen.

Seit 20 Jahren verfolgt der Deutsche Golf Verband den Gedanken eines Umweltprogramms, seit zehn Jahren gibt es Golf&Natur. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Hardt: Auf Initiative des Europäischen Golfverbandes (European Golf Association Ecology Unit) ist das Umweltprogramm 1997 gestartet, der Deutsche Golf Verband hat dann daraus Golf&Natur entwickelt. Damit sind wir nun seit gut zehn Jahren auf Erfolgskurs. Golf&Natur ist eine eingetragene Marke des Deutschen Golf Verbandes und bietet den Golfanlagen, die wir im Boot haben, einen Leitfaden, wie sie ordnungsgemäß, umweltbewusst und nachhaltig arbeiten können. Wir sind im Soll, wussten aber im Vorfeld auch, dass wir für dieses freiwillige und selbstverpflichtende Programm nicht alle Golfanlagen gewinnen werden. Aus verschiedenen Gründen. Wir sind aber trotzdem froh, dass mittlerweile etwa 180 dabei sind. Das ist circa ein Viertel aller Golfanlagen in Deutschland. Das Zwischenfazit könnte aber noch besser ausfallen, wenn sie auch öffentlich noch mehr darüber sprechen würden, was sie Tolles erreicht und umgesetzt haben. Wir sind übrigens sehr stolz darauf, dass auch der R&A in St. Andrews sagt, wir hätten eines der besten Umweltprogramme weltweit!

Die internationale Wertschätzung scheint also vorhanden zu sein. Aber wie steht es um das eigene Revier? Ist es nicht bei vielen Clubs noch so, dass sie sich zwar das Zertifikat in Bronze, Silber oder Gold an die Wand hängen, aber kaum aktiv weiter arbeiten?

Hardt: Es gibt sicherlich einige von denen, die glauben, durch die Urkunde an der Wand hätten sie automatisch ein positives Umweltimage. Diese Golfanlagen werden dann aber oftmals durch die Re-Audits eines Besseren belehrt. Viele haben auch noch die Vorstellung, dass der DGV vorbeikommt und vorgibt, was genau gemacht werden muss. Aber darum geht es überhaupt nicht! Es geht vielmehr darum, sich eigene Ziele zu stecken und eigene Vorstellungen in die Tat umzusetzen und zu dokumentieren. Dafür erhalten die Anlagen dann letztlich ja auch das Zertifikat. Im Titel des Programms steht Golf ganz vorne. Wir tun etwas dafür, die Spielbedingungen und die Prozesse für den Spielbetrieb und die Pflege im Einklang mit der Natur zu verbessern. Wir spielen in der Natur und diese gilt es, standortgerecht zu bewahren und zu fördern. Da kann man imagemäßig als Golfplatz richtig punkten.

Wie meinen Sie das konkret? Haben Sie spontan besonders gute Beispiele parat?

Hardt: Ja, das sind im Bereich Flora und Fauna sehr fundierte Artenschutzgutachten, die auf einigen Golfanlagen bereits erstellt wurden und werden. Da zeigt sich immer, dass ein Golfplatz über die Jahre in der Biodiversität kontinuierlich besser wird. Gute Beispiele sind auch Pflegekonzepte, die mitunter das Controlling der Pflege über bestimmte Softwareprogramme beinhalten. Dazu kommen die umweltkritischen Themen wie Pflanzenschutz, Düngung und Wasser. Auch hier muss man als Golfanlage heutzutage gut aufgestellt sein, die gesetzeskonformen Dokumente aktuell halten und sich stets weiterbilden. Arbeits- und Gesundheitsschutz würde man wohl ebenfalls zunächst gar nicht mit dem Titel Golf&Natur in Verbindung bringen. Sollte man aber. Die Golfanlagen stellen sich da mittlerweile gut auf, schaffen Rechtssicherheit und minimieren die Haftungsrisiken für Verantwortliche. Sehr schön ist natürlich, dass viele Anlagen anfangen, über ihre guten Taten zu berichten. Sei es in der Clubzeitschrift oder auf der Homepage. So sehen dann auch die Mitglieder, dass auf der Anlage etwas Gutes passiert.

Und wie sieht es mit der Lobby der Golfer in Kreisen der Naturschützer aus?

Hardt: Da gibt es noch einiges zu tun. Erste Golfanlagen öffnen sich aber bereits der Öffentlichkeit und kooperieren etwa mit dem NABU und dem Landesbund für Vogelschutz, speziell in Bayern. Es gibt naturschutzfachliche Führungen und vogelkundliche Wanderungen auf einigen Golfplätzen. Das sind Dinge, die sind schon hervorragend. Aber das Thema braucht Zeit. Man benötigt für die Umsetzung nämlich auch begeisterte Golfer im Club, die als eine Art Botschafter fungieren.

Solche engagierten Leute zu finden, ist aber recht schwierig, oder? Viele sind heutzutage doch lieber am Meckern als am Anpacken …

Hardt: Durchaus, ja. Kritisch ist hier aber auch der Name des Programms. Viele verbinden mit Golf&Natur noch ein Ökozertifikat, das vorgibt, man dürfe nur noch organische Dünger nutzen oder bekomme vermehrt Krankheiten auf den Grüns. Viele fürchten den Naturschutz nach dem Motto: „Dann sehen die hier noch bestimmte Blumen und Tiere und verpassen und dann zusätzliche Auflagen zum Schutz der Natur.“ Man muss aber vielmehr sagen: Weil wir ein Golfplatz sind, haben wir die vielen tollen Dinge auf dem Gelände. Die Artenvielfalt kommt ja erst über die verschiedenen Strukturen. Vom Vier-Millimeter-Rasen bis hin zum Hochwald haben wir alles. Wasserflächen, Hecken, Wiesen, Büsche, Bäume. Und dadurch entsteht Vielfalt. Wir können den Clubs nur empfehlen, teilzunehmen.

Bringen denn überhaupt alle der knapp 730 Anlagen in Deutschland die passenden Voraussetzungen mit oder scheiden einige schon von vorherein aus?

Hardt: Viele glauben, man müsste perfekt sein, um mitzumachen. Prinzipiell ist das aber ein hinderlicher Gedanke. Es sollten eigentlich alle Clubs mitmachen, auch wenn sie bei Weitem noch nicht das Anforderungsprofil erfüllen. Wir können durch unsere Beispiele und unser Know-how den Clubs auch helfen, möglichst kostengünstig bestimmte Ziele zu erreichen. Zum Beispiel bei der Verbesserung der Grünqualität bis hin zum Bau eines notwendigen Waschplatzes für Maschinen. Wir haben auch die Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen, die DQS, im Boot. Da gibt es eine Konformitäts­bescheinigung, die der Umweltnorm ISO 14000 entspricht. Das ist für Behörden und Institutionen eine hervorragende Auszeichnung, wenn man beispielsweise bestimmte Bauanträge stellt oder Genehmigungen beantragt. Die positive Grundeinstellung sollte aber auf jeden Fall vorhanden sein. Man muss auch wollen!

Und die Clubverantwortlichen zu diesem Wollen zu bringen, ist aber die größte Hürde?

Hardt: Viele Clubs lassen sich nicht gerne in die Karten schauen. Darum geht es uns aber gar nicht. Alle Dokumente und Daten des Golfclubs, werden von den Auditoren im Zug der Programmarbeit und Begutachtung absolut vertraulich behandelt. Eine große Hürde ist aber auch, dass die Golf- und Fachverbände selbst das Thema noch intensiver in die Öffentlichkeit tragen müssten. Über gute Beispiele. Letztlich dient es dem Image der Golfer. Denn indirekt sind Golfer Naturschützer. Dessen sind sich nur viele Golfer noch gar bewusst (lacht).

Der Golfer ist also ein Naturschützer. Ist das so?

Hardt: Auch da bestehen teilweise noch Vorurteile. Vor allem bei den Umweltverbänden und in der Umweltpolitik. Dort heißt es auch heute noch: Golfplätze verschandeln doch die Natur, Artenreichtum gibt es nicht. Dann sollen diese Naturschützer doch mal auf ein Maisfeld gehen oder in eine Intensivlandwirtschaft. Da werden sie sehen, dass Golfplätze viel mehr zu bieten haben! Es gibt aber auch Golfer, die zwar Natur wollen, aber gar nicht mehr wissen, was Natur eigentlich ist. Wir brauchen keinen Schrebergarten mit schönen Blümchen auf der Anlage. Wir spielen in einer Landschaft. Und diese Landschaft muss man pflegen und dokumentieren. Wo spielen wir Golf? Welche einheimische Baumarten, Büsche und Sträucher gibt es hier?

Es geht ja auch um Pflanzenschutz und den Umgang mit den Wasserressourcen. Die Golfanlagen im Süden Europas sind da eher skrupellos. Aber wo steht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?

Hardt: Im internationalen Vergleich sind wir beim sparsamen Wasser- und Pflanzenschutzmitteleinsatz sicherlich Vorreiter. Schon der Gesetzgeber trägt mit seinen rigiden Vorgaben einen Teil dazu bei. Zurzeit erleben wir, dass das Pflanzenschutzgesetz von 2012 langsam greift und beispielsweise nur noch eine eingeschränkte Zahl an Pflanzenschutzwirkstoffe zur Verfügung steht. Eine große Herausforderung ist es, die Mitglieder und Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass wir künftig durchaus auch mit der einen oder anderen pilzlichen Erkrankung auf dem Platz leben müssen. Es muss nicht immer alles so glattgebügelt und einheitlich grün sein. Wir wollen durch nachhaltiges Pflegemanagement den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf das absolut notwendige Maß reduzieren, um gut bespielbare Grüns zu behalten. Jeder Club muss sich Gedanken machen, wie er sich mittelfristig von chemischen Pflanzenschutzmitteln unabhängiger macht.

Sie sprechen von Einheitsgrün, das es nicht braucht. Gibt es denn eine Art Fantasieplatz, der genau Ihren Wünschen und Vorstellungen entspricht?

Hardt: Den optimalen Golfplatz gibt es nicht! Jeder sollte seine Stärken ausspielen und seine ganz eigene Identität finden. Jeder Golfplatz ist völlig unterschiedlich. Das liegt schon allein an der Rechtsform der Golfanlage, an der Infrastruktur und den handelnden Personen. Da muss jede Golfanlage seinen Weg finden und sollte sich nicht mit anderen vergleichen.

Gibt es in Deutschland dennoch Clubs, die das Thema Golf&Natur vorbildlich umsetzen?

Hardt: Oh ja, die gibt es. Sogar mehrere. Da stehen ganz oben die Golfclubs mit einem Golf&Natur Zertifikat in Gold. Ein Teil davon ist mehrfach rezertifiziert – das sind unsere Musterschüler. Unsere Maßstäbe sind aber nicht gleichbedeutend mit anderen Qualitätssiegeln. Uns interessiert nicht, wie viele beheizte Abschlaghütten es auf einer Driving Range gibt. Das muss ein Club selbst entscheiden, denn er muss die Investitionen dafür tätigen und auch die Stromkosten bezahlen. Klar ist: Alle die dabei sind, profitieren in irgendeiner Art und Weise auch davon.

Was zeichnet solche Clubs denn besonders aus? Was unterscheidet sie von anderen?

Hardt: Sie haben die Philosophie von Golf&Natur in ihr Leitbild integriert und damit ist die positive Entwicklung der Anlage unabhängiger von Personalwechseln.

20 Jahre Umweltprogramm haben Sie hinter sich. Was wünschen Sie sich von der Zeit, die noch vor Ihnen und dem DGV liegt?

Hardt: Die Clubs sollen sich mehr trauen, über den Tellerrand zu schauen und die Zusammenarbeit mit anderen suchen. Mit den Kommunen, mit den Naturschutzverbänden, mit den Behörden. Dann werden sie nachhaltigen Erfolg haben. Das geht aber nur mit einer soliden Pressearbeit und über gute Kontakte.

Die Zukunft bringt für die Clubs auch neue Herausforderungen. Nicht nur in Sachen Umwelt- und Naturschutz. Wie wird sich das Zertifikat weiter entwickeln?

Hardt: Es entwickelt sich schon jetzt ständig weiter. Wir arbeiten seit längerer Zeit mit der Deutschen Wildtierstiftung zusammen und seit 2016 ist die Allianz offizieller Partner des Projektes Golf&Natur. Zukünftig benötigen wir noch stärker die Mithilfe der Clubs in der Datenerhebung. Denn wir wollen intensiver mit Zahlen, Daten und Fakten arbeiten, um Behörden und Öffentlichkeit über positiven Effekte des Golfsports für Natur und Landschaft zu informieren. Für eine zukunftsfähige Entwicklung des Golfsports müssen die Clubs erkennen, auch wenn sie im Wettbewerb stehen, dass man beim Thema Natur zusammen anpacken muss!

Das Interview führte Stephan Schöttl (www.alpengolfer.de)

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