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Lara Katzy: Olympia im Visier

Erste Golferin bei der Bundeswehr
 

25.2.2011 – In Dillingen an der Donau liegt immer noch Schnee. Der Boden ist tief gefroren. Selbst tagsüber klettert das Thermometer nicht über die 0-Grad-Marke. Länger als unbedingt nötig hält sich in diesen Tagen niemand draußen auf. Doch nicht jeder hat die Wahl. So wie Lara Katzy. Die DGV-Kaderspielerin ist seit Mai 2010 Sportsoldatin. Und sie hat gerade im strengen bayerischen Winter ihre Grundausbildung hinter sich gebracht. Inklusive dreitägigem Biwak bei knackigen Minusgraden.

Die erste Nacht im Freien hat bereits ihre ersten „Opfer“ gefordert. Mit vier Frauen war die Gruppe von Lara Katzy mitten in der Nacht aus der Kaserne zum dreitägigen Biwak ins nahe gelegene Truppenübungsgelände ausgerückt. Am nächsten Morgen, nach einer kurzen Nacht zwischen Zelt, Lagerfeuer und Alarmposten, haben sich die ersten beiden Soldatinnen bereits krank gemeldet und sind zurückgekehrt in ihre warme Stube in der Luitpold-Kaserne. Nicht so Lara Katzy. Die erste Golferin in der Sportfördergruppe der Bundeswehr hält durch. Wenn auch bisweilen mit klappernden Zähnen.

Am 3. Mai 2010 hat für Lara ein neuer Lebensabschnitt begonnen. An diesem Tag verpflichtete sie sich die heute 21-Jährige für zwei Jahre bei der Bundeswehr. Als Sportsoldatin. Eine Entwicklung, die sie einige Monate zuvor, nach ihrem Abitur im Sommer 2009, nicht hätte vorausahnen können.

"Wollte nicht auf Training mit Club und DGV verzichten"
Anders als viele andere Kaderspieler(innen) des DGV stand für Lara früh fest, dass sie nicht an ein Sport-College in die USA gehen wollte, um dort Studium und intensives Golf-Training vereinbaren zu können. „Ich wollte einfach nicht auf das Training im Club und die DGV-Lehrgänge verzichten“, erklärt die Team-Europameisterin von 2009. Deshalb schrieb sie sich nach dem Abi für das Fernstudium „Sport und angewandte Trainingslehre“ ein. Vorteil: nicht jeden Tag Uni und damit Zeit fürs Training. Nachteil: Studiengebühren und kein geregeltes Einkommen.

Lara musste damals eine Entscheidung treffen, die auf fast jeden jungen Leistungssportler eines Tages zukommt. Eine Entscheidung, die so manche hoffnungsvolle Karriere beendet, ehe sie richtig beginnt. Die Frage lautet: „Leistungssport oder Berufsausbildung?“ oder etwa doch „Leistungssport und Berufsausbildung?“. Was nicht zuletzt auch immer eine Frage der finanziellen Möglichkeiten ist.

Lara, als eine der derzeit besten deutsche Amateurgolferinnen, war bereit, das Risiko einzugehen und in Deutschland beides weiter zu verfolgen: sowohl die sportliche Karriere mit täglich mehreren Stunden Training und zahlreichen Reisen zu Turnieren, als auch parallel dazu eine Berufsausbildung. Wohl wissend, dass sie „nebenbei“ auch noch ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten musste.

Neue Perspektive durch Olympia-Entscheidung
Ohne dass Lara es in diesem Moment ahnten konnte, sollte ihr der 9. Oktober 2009 eine ganz neue Perspektive eröffnen. An diesem Tag entschied das Internationale Olympische Komitee, Golf wieder in den Kreis der olympischen Sportarten aufzunehmen. Als Mitglied einer olympischen Sportart war es für Lara nun möglich, auf Empfehlung des Deutschen Golf Verbandes in die Sportfördergruppe der Bundeswehr aufgenommen zu werden. Und sich somit voll auf den Sport konzentrieren zu können.



Das hat allerdings auch zur Folge, dass Lara ein gutes Jahr später bei minus sechs Grad mit ihrem Klappspaten eine Schützengrube aus dem gefrorenen Boden des Dillinger Waldes ausheben muss. Mit eiskalten Händen und Füßen und nach nur vier Stunden Schlaf im engen Zweier-Zelt. Auch für eine Spitzensportlerin eine grenzwertige körperliche Belastung. Doch die sechs Wochen Grundausbildung inklusive 30-Kilometer-Marsch, Waffenkunde und ABC-Ausbildung nimmt die Berlinerin gerne in Kauf. „Ich bin sehr glücklich über die Chance, die mir die Bundeswehr ermöglicht. Es ist ein schönes und vor allem befreiendes Gefühl, einen Weg gefunden zu haben, Hochleistungssport und Ausbildung miteinander kombinieren zu können“, sagt Lara. Deshalb ist sie trotz der Strapazen heilfroh, dass Miriam Hiller, die Sport- und Jugendkoordinatorin ihres Golfclubs G&LC Berlin-Wannsee, sie auf die Idee mit der Bundeswehr gebracht hatte.

Hiller war bei einem Trainerlehrgang auf das Thema Sportsoldat/Sportsoldatin aufmerksam geworden und hatte sich die Frage gestellt, ob diese Möglichkeit nicht auch für ihre Spielerin Lara bestünde. Gemeinsam statteten Hiller und Katzy der Bundeswehr einen Besuch ab – und wurden dort mit offen Armen empfangen. „Die waren regelrecht begeistert, die erste Golferin aufzunehmen“, erinnert sich Lara lächelnd.

Während der Saison für Sport freigestellt
Während der Saison sind Lara und die anderen Sportsoldaten weitgehend vom Dienst freigestellt, so dass sie bei geregeltem Einkommen genug Zeit für Training und Wettkämpfe haben. Ein Modell, ohne das nennenswerte olympische Erfolge kaum möglich wären. 21 der insgesamt 30 deutschen Medaillen bei den letzten Olympischen Winterspielen in Vancouver gingen auf das Konto von Sportsoldaten. Viele von ihnen wie Georg Hackl, Kati Wilhelm, Annie Friesinger-Postma oder auch Michael Groß dominierten ihre Sportarten über Jahre hinweg.

Fernziel Olympia 2016
Ob Lara Katzy jemals eine olympische Medaille um den Hals gehängt bekommt, kann niemand wissen – zu ihren Fernzielen gehört die Olympia-Teilnahme 2016 gleichwohl. Aktuell ist die DGV-Ranglistensiegerin 2010 aber erstmal froh, unter optimalen Voraussetzungen daran zu arbeiten, ihr Hobby Golf eines Tages zum Beruf zu machen. „Ich habe wirklich Glück gehabt“, sagt Lara. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“. Doch allgemein wünscht sie sich, dass das Thema „Duale Karriereplanung“ in den Golfclubs und im DGV noch stärker diskutiert wird. „Viele Möglichkeiten gibt es heute ja nicht. Und ein reguläres Studium oder ein Vollzeit-Job sind bei dem vielen Training und den ganzen Turnieren einfach nicht möglich.“

Inzwischen hat Lara ihre Grundausbildung in Dillingen beendet und freut sich auf die neue Golfsaison (siehe Video). Neben vielen interessanten Eindrücken und neuen Freundschaften zu anderen Leistungssportlern dürfte sie eine weitere Erkenntnis mitnehmen: Egal, was für ein mieses Wetter sie bei der nächsten Golfrunde erwartet – so kalt wie in drei Nächten Biwak im bayerischern Winter dürfte es nie wieder werden…

Christian Göttker


Video: Lara Katzy über ihre Ausbildung bei der Bundeswehr und ihre sportlichen Ziele für die bevorstehende Saison. 



Ein herzliches Dankeschön gilt der 6. Kompanie des Führungsunterstützungsbataillons 292 in Dillingen an der Donau, allen voran Hauptmann Grützner und Leutnant Schadl, die den DGV bei der Berichterstattung vorbildlich unterstützt haben.
Gastkommentar Lara Katzy: Talenten Perspektive bieten DOSB-Artikel: Einlochen in Uniform Sportfördergruppe der Bundeswehr

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