Der Vollkommene
Zwei Majors mit 23: Rory McIlroy schreibt mit seinem Sieg bei der PGA Championship Geschichte - und zeigt, wie schnell er sich aus kleinen Krisen wieder zurück kämpfen kann. Zum bestimmenden Spieler seiner Generation fehlt dem 23-Jährigen nichts. Wir werfen einen Blick in die Tasche des Titleist-Spielers.
Der US-Goljournalist Jason Sobel hat dieser Tage eine Geschichte erzählt. "Vor drei Jahren", so hob er an, sei er im Clubhaus von Doral mit Ian Poulter zusammengesessen. Sie sprachen über Golf - und natürlich ging es auch schnell um diesen Teenager aus Nordirland. Der mit den Locken und dem schönen Schwung.
Ian Poulter, der schon viele vermeintliche Superstars aufsteigen und fallen gesehen hatte, habe sich vorgebeugt, berichtete Sobel. Man kann darin eine Art Verbeugung sehen. Denn was der Engländer nun über Rory McIlroy sagte, war nicht weniger als genau das: "Er schlägt den Ball weit. Er schlägt den Ball gerade. Er hat eine gute Längenkontrolle mit den Eisen. Er puttet solide. Und er hat die mentale Stärke, um in diesem Spiel erfolgreich zu sein." Ian Poulter habe daraufhin seine Arme in die Luft geworfen und ergänzt: "Das ist Golf. Was braucht es mehr?"
Gut drei Jahre und zwei Major-Siege später ist diese Frage noch einfacher zu beantworten: Nichts. Rory McIlroy, 23, hatte 2011 gleich mehrere Rekorde aufgestellt, als er die US Open mit 16 unter Par und acht Schlägen Vorsprung dominierte - und auch bei der PGA Championship in dieser Woche triumphierte er als jüngster Sieger der Geschichte, wieder mit acht Schlägen Vorsprung. Die Besten beherrschen ihr Handwerk auf eine Weise, die die Anstrengung verschweigt. Seit Tiger Woods zu seinen besten Zeiten sah Golf nie mehr so einfach aus.
Geschichte des OWGR - Jede Nummer eins seit 1986
Und das lag nicht am roten Finalshirt. McIlroy blieb in der Schlussrunde trotz schwieriger Bedingungen ohne Bogey, spielte eine 66 (-6) und ließ sich vom Zwischenspurt Poulters, der die ersten acht Löcher in sieben unter Par zerlegte, nicht aus der Ruhe bringen. Im Stile eines Usain Bolt zog er das Tempo einfach ein wenig an, antwortete selbst mit ein paar Birdies und ließ die Konkurrenz damit alleine. Poulter fiel zurück. Er wusste, es würde keine Chance geben, nicht an diesem Sonntag. Er selbst hatte die Antwort vor Jahren mit seiner rhetorischen Fragestellung ja bereits gegeben: "Was braucht es mehr?" Nichts.
Doch auch wer alles hat, lernt Krisen kennen. Nach seinem phänomenalen Start in die Saison (fünf Starts, fünfmal Top 5, ein Sieg) war McIlroy nach schwachem Masters an fünf Cuts in Folge gescheitert, darunter auch bei der US Open. Beobachter sahen ihn häufiger mit Freundin Caroline Wozniacki auf Tennisreisen als in Finalrunden, doch McIlroy blieb - zumindest nach außen - ruhig.
Wie Martin Kaymer warb auch er für Geduld. Anders als der Deutsche kam er jedoch schnell wieder zurück. Beim WGC in der vergangenen Woche zeigte er einen starken Schlussspurt auf Rang fünf und er spürte, dass alles wieder zusammen kam - und endlich Zeit war, die Kritik sportlich zu beantworten. "Um ehrlich zu sein, [die Kritik] hat mich motiviert. Ich wollte da raus gehen und einigen Leuten zeigen, dass sie falsch liegen", sollte McIlroy vier Tage später auf der abschließenden Pressekonferenz sagen. "Vier Wochen habe ich gebraucht, um mein Spiel wieder in Schwung zu bringen und aus er Minikrise zu kommen - das ist das Ergebnis."
McIlroy grinste wie er es gerne macht, markant wie sein hüpfender Gang, einen Mundwinkel angezogen. Er ist wieder da. Und ganz oben: Seit dieser Woche ist er wieder die Nummer eins der Welt. Weil er ein starkes Wochenende spielte (67, 66), was ihm nicht immer gelingt, und weil er stark puttete (T8 in der Puttstatistik), was ihm auch nicht immer gelingt. So blieb keine Schwäche. Tiger Woods, dem immer noch berühmtesten Red-T-Shirt-Träger, blieb nur das Lob: "Er hat das Talent. Wenn er ins Rollen kommt, ist es sehr beeindruckend." Oder wie es Ian Poulter ausdrücken würde: "Was braucht es mehr?"
Junger Spieler, alte Schläger
In der Tasche des derzeit besten Titleist-Spielers befinden sich ausschließlich Schläger seines Ausstatters. Bei seinem Equipment will McIlroy so wenig wie möglich verändern und tauscht nur selten seine Schläger aus. Seinen Rombax-Schaft verwendet er bereits seit 2008. Die Fairwayhölzer kamen ebenfalls bereits 2007 in die Tasche. "Am Montag der Dunhill Links Championship habe ich sie das erste Mal ausprobiert und am Sonntag direkt einen zweiten Platz damit herausgeholt", beschrieb er damals die ersten Eindrücke der 712er Eisen, die ihn direkt überzeugten. Nur den Driver hat er erst seit Juli im Bag.
- Driver: Titleist "913 D3" (8,5 Grad; Schaft: Fujikura "Rombax 7V05")
- Fairway-Hölzer: Titleist "906 F2" Holz 3+ (13 Grad) und "906 F2" Holz 5 (17 Grad; Schäfte: Fujikura "ZCom Pro 95")
- Eisen (3-9): Titleist "712 MB" (Schäfte: True Temper "Project X 6.5")
- Wedges: Titleist "Vokey Design SM4" Wedges (46, 54 und 59 Grad; Schäfte: True Temper "Project X 6.5")
- Putter: Scotty Cameron by Titleist "Studio Select Newport GSS Prototype"
- Ball: Titleist "Pro V1x"
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