'Ich habe einiges durchgemacht'
Ernie Els ist der Open Champion 2012. Nach zehn Jahren holt sich der Südafrikaner wieder einen der ganz großen Titel. Big Easy ist zurück im Big Business. Doch es war nicht alles so leicht, wie es im Nachhinein aussieht. Wir werfen einen Blick zurück.
Aufgewachsen in einem Land, das von Rassentrennung und Gewalt geprägt war, wurde der junge Theodore Ernest Els - besser bekannt als Ernie - schon früh mit der harten Realität konfrontiert. 1969, in der Zeit der Apartheid in Johannesburg geboren, begann Els bereits in frühen Jahren mit den Nationalsportarten Cricket und Rugby - mit seiner derzeitigen Statur würde er auch bei dieser körperbetonten Sportart sicherlich eine gute Figur abgeben. Und auch mit dem Tennisschläger bewies er Talent - im Alter von 13 gewann er eine regionale Meisterschaft.
Die wahre Begabung kam aber zum Tragen, als Els im Alter von acht Jahren erstmals zum Golfschläger seines Vaters griff. Zu Beginn trug er für seinen Vater Neels die Tasche, spielte dann aber schnell besser und ließ auch seinen älteren Bruder golferisch deutlich hinter sich. Nur sechs Jahre nach seinem ersten Kontakt startet Ernie Els mit einem Handicap von 0. Spätestens da war wohl jedem klar, dass der Junge dazu geboren war, den weißen Ball über grüne Bahnen zu jagen. In diesem Alter maß er sich bei der Junior World Golf Championship mit einem Jungen in seinem Alter, der auf den Namen Phil Mickelson hörte. Els gewann. Mickelson wurde Zweiter.
Der Beginn einer großen Karriere
Drei Jahre später, nur wenige Monate nach seinem 17. Geburtstag, wurde Els jüngster Sieger der South African Amateur Championship. Er löste damit sein Idol Gary Player ab. 1989 wechselte er nach seinem Sieg bei der SA Amateur Stroke Play Championship ins Profilager.
Ab da schien dem Südafrikaner der Erfolg nur so zuzufliegen. In den Jahren 1991 und '92 feierte Els auf der heimischen Sunshine Tour sieben Siege. Ein Wechsel auf die große internationale Bühne folgte noch im selben Jahr (1992). In dieser Zeit bekam Els seinen Spitznamen "The Big Easy". Mit seiner Größe von 1,91 Meter und der stattlichen Figur schien ihm der Golfschwung ganz natürlich von der Hand zu gehen. "Ich war noch nie ein besonders technischer Spieler. Wenn ich am Schwung arbeite, geht es mir zu allererst um das Gefühl. Ich schwinge meistens nur mit 80 Prozent", sagte Els eins über seine bewundernswerte Leichtigkeit. "Meistens erzielt man damit sogar größere Weiten."
1994, nur acht Wochen nachdem Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt wurde, gewann Els im Alter von 23 Jahren seinen ersten von zwei US-Open-Titeln - der zweite folgte 1997. "In dieser Zeit hat sich mein gesamtes Leben verändert. Es gab einige bewegende Momente. Erst wird Nelson Mandela Präsident, dann gewinne ich mein erstes Major und bekomme wenige Stunden später einen Anruf." Es war Mandela, der Els persönlich gratulieren wollte. "Wir haben ihm so viel zu verdanken. Und unsere Karrieren scheinen irgendwie miteinander verflochten zu sein", erinnert sich Ernie Els gerne an diese Zeiten zurück. "Ich hoffe, dass ich nach meinen nächsten Turnieren Zeit finde, ihn erneut zu treffen. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit."
Nichts kann ihn stoppen
Bis vor vier Jahren hätte die Karriere von Ernie Els nicht besser laufen können: 1997 und '98 wurde er für insgesamt 15 Wochen zum besten Golfer der Welt. Neben seinen bis dahin 59 Titeln auf internationaler Bühne heiratete er 1998 zudem seine Frau Liezl und wurde ein Jahr später zum ersten Mal Vater. Und auch die ausbleibenden weiteren Major-Titel schienen Els nicht weiter zu stören. Zwischen 2000 und 2008 schloss er 18 Mal in den Top-Ten ab und wurde fünf Mal Zweiter. Einzig sein Sieg bei der Open Championship verbesserte seine Bilanz bei den vier größten Turnieren der Golfwelt. 2008 schockierte er dann aber die Öffentlichkeit mit der Nachricht, dass sein 2002 geborener Sohn Ben an Autismus leidet. "Ich fühle mich jetzt in der Lage, darüber zu reden", sagte Els 2008, nachdem er mit einem "Autism Speaks"-Logo auf dem Bag bei der Honda Classic aufgelaufen war. Wie lange er bereits von der schweren Krankheit wusste, will er bis heute nicht sagen. "Ben ist ziemlich stark davon betroffen und die Krankheit ist noch relativ unerforscht", erklärte er damals und begann zu dieser Zeit auch mit seinem Engagement zur Erforschung von Autismus.
Mit dem öffentlichen Bekanntwerden und seinem Engagement für die eigene Stiftung schien plötzlich sein Golfspiel zu leiden. "Meine beiden Funktionen [als Vater und Gründer einer Autismus-Stifung auf der einen, und Spieler auf der anderen Seite] standen sich zu oft gegenseitig im Weg", sagte Els bei der Open 2012. "Es kostete viel Zeit und Einsatz, die Stiftung auf den richtigen Weg zu bringen. Inzwischen habe ich klare Ziele, sowohl für meine Stiftung, als auch auf dem Golfplatz." Die beiden Gleise laufen jetzt parallel und kreuzen sich nicht mehr, sagte Els nach seinem Sieg in Lytham & St. Annes. "Ich fühle mich jetzt auch mental deutlich wohler mit der Situation, als in früheren Jahren."
Eine Karriere in Bildern - Ernie Els
Das letzte Jahr war hart
"Es ist Teil des Spiels, dass man in seiner Karriere durch Höhen und Tiefen geht. Und ich habe in meinen 23 Jahren auf der Tour so ziemlich alles durchgemacht, was es gibt", war sich Els bis zum Jahr 2011 sicher. Was ihm dann aber innerhalb des vergangenen Jahres widerfahren ist, war selbst für den sonst immer entspannten Ernie Els zu viel. "Das letzte Jahr war ein sehr tiefes Loch. In den letzten Monaten habe ich dann aber ein Licht am Ende des Tunnels gesehen und habe begonnen, wieder an mich zu glauben."
"Wenn man in einer Situation ist, wie ich es war, ohne jegliches Selbstvertrauen beim Putten, dann möchte man diesen Teil des Spiels weitestgehend vermeiden", was beim Golfen unmöglich ist. "Mein langes Spiel war ausgezeichnet, auf den Grüns war es dagegen beängstigend schlecht." Deshalb habe er angefangen, sein gesamtes Spiel mit dem Putter umzustellen - von der Routine auf den Grüns, über die mentale Herangehensweise bis hin zum Wechsel der Technik und des Putters. Vor einigen Jahren stand er den Broomstick- und Belly-Putter noch spottend gegenüber. Doch plötzlich griff er nach jedem sich bietenden Strohhalm. "Langsam aber sicher hat sich dann alles zum Besseren entwickelt." Einen herben Rückschlag erlitt Els dann im März 2012, als er bei der Transitions Championship mit der Führung auf die letzten beiden Löcher ging und auf den Grüns "aussah wie ein Vollidiot". Els blickt mit einem gequälten Lächeln auf diesen Moment zurück. "Die Leute haben mich ausgelacht und mir gesagt, dass ich meine Karriere an den Nagel hängen sollte." Umso befriedigender sei es gewesen, auf dem 72. Loch der Open Championship 2012 einen so entscheidenden Putt über das halbe Grün zum Birdie zu versenken und Major-Titel Nummer 4 zu gewinnen. "Ich bin immer noch wie betäubt. Es wird wohl noch einige Tage dauern, bis das gesackt ist. Ich war seit über zehn Jahren nicht mehr in einer solchen Position. Es ist einfach verrückt, verrückt hier zu sitzen, verrückt den Titel tatsächlich gewonnen zu haben."
Nach einem Jahr voller Rückschläge hat es Els allen Kritikern bewiesen. Nun hat er endgültig alles erlebt, was man als Profi erleben kann. Und auch seinem Sohn geht es inzwischen deutlich besser. "Er ist so ein lebensfroher Junge. Ihr solltet ihn sehen. Wir werden auf jeden Fall viel Spaß haben, wenn ich nach Hause komme", freute sich Els nach der Open auf die Rückkehr nach Wentworth - eine seiner vielen Heimaten neben Südafrika und Florida. Er varbschiedete sich mit einem fröhlichen "alles ist easy" in Richtung der nächsten Herausforderungen.
adk
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