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No drama, Baby!

 
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Martin Kaymer verpasst den Cut auf einem Kurs, den er in den vergangenen Jahren zerlegt hat, und durch Golf-Deutschland geht ein Aufschrei. In einem Gemisch aus Enttäuschung und Frust werden drastische Vorschläge gemacht. Doch gibt es überhaupt ein Problem im System Kaymer?

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Vielleicht ist der entsetzte Aufschrei auch ein gutes Zeichen für den deutschen Golfsport. Martin Kaymer scheitert bei einem Turnier am Cut und ein Teil Golf-Deutschlands sieht sofort eine Götterdämmerung aufziehen. Es ist nicht neu, aber es ist deswegen nicht weniger wahr: Nur wer hoch fliegt, kann tief fallen. Und Kaymer ist in den vergangenen Jahren sehr hoch geflogen. Besonders in Abu Dhabi, wo er die Falcon-Trophy vor dem geflügelten Clubhaus dreimal in die Luft hob.

Vor zwölf Monaten distanzierte er die starke Konkurrenz um den ersten Verlierer Rory McIlroy gar um acht Schläge. Ian Poulter ließ hinterher verlauten, der Deutsche spiele wohl seinen eigenen Kurs. Es gibt die Plätze, die haben ihre Meister. Nicht immer muss zwangsläufig derselbe Spieler triumphieren, gute Ergebnisse sind jedoch Standard. Steve Stricker schafft das beispielsweise bei der John Deere Classic, Rory McIlroy im Hong Kong GC.

Und Martin Kaymer eben im Abu Dhabi GC - bis zur vergangenen Woche. Die Erwartungen waren also gigantisch, nicht zuletzt auch, weil sich bei den Fans nach sieben Wochen ohne Deutschlands ersten Golfer ein wenig Sehnsucht angestaut hatte. Doch dann das: Eine für seine Verhältnisse desaströse 77 am Donnerstag sowie eine 73 zum vorzeitigen Abschied wirkten wie ein überraschender Liebesentzug.

Eine Karriere in Bildern - Martin Kaymer

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Der Anhänger gibt Emotionen, Gefühle. Dafür will der Sofa-Athlet jedoch auch Erfolge sehen. Je mehr Hingabe, desto bessere Ergebnisse, bitteschön. Und vor Abu Dhabi war der geneigte Betrachter eingestellt auf einen Kaymer-Orkan, stürmisch die Leaderboards hinauf. Der Schock über das Ausbleiben des Triumphzugs war dann auch umso heftiger - und persönlicher. Die große Enttäuschung äußerte sich nicht nur in den Leserbrief- und Kommentar-Abteilungen auf Golf.de. Zwischen den wütenden Beschreibungen eines "bislang glücklichen Durchschnittsgolfers" und dringlichen Anregungen, doch den Caddie zu entlassen und sich sowieso andere Trainingspartner zu suchen, war viel Frust zu entdecken.

Eine Fehleranalyse führt natürlich auch an diesen unbequemen Themen nicht vorbei - es müssen jedoch überhaupt erst "falsche" Entscheidungen getroffen worden sein. Denn eines ist sicher: schlechte Turniere hat auch ein Tiger Woods in seiner großen Zeit gespielt. Ein Drama ist der 103. Platz in Abu Dhabi für Kaymer sicherlich nicht. Aber es bleibt auch die Erinnerung an die enge Beziehung zwischen dem dominierenden Deutschen und "seinem" Kurs in Abu Dhabi. Kann ein Verhältnis so schnell abkühlen?

"Schwieriger" als in den früheren Jahren sei der Golfplatz gewesen, ließ Kaymer wissen. "Das Rough ist ziemlich dick und die Fairways sind erheblich enger." Das jedoch als Ursache eines frappierenden Absturzes im Vergleich zum Vorjahr zu sehen, ist gewagt. Zwischen 2008 und 2011 lag Kaymers Rundenschnitt bei 67 Schlägen. 2012 waren es 75. Als Rookie 2007 kam er auf 72, in einer anderen Zeit, als er sich auf viel Neues und den Reisestress als Solist im hetzenden Tour-Zirkus gewöhnen musste.

Kaymer traf nicht weniger Fairways als Sieger Robert Rock, er benötigte im Schnitt - inklusive des schwachen Donnerstags - nicht viel mehr Putts. Er fand jedoch zu wenig Grüns. Und dafür gleich am ersten Abschlag das Aus. "Ich weiß nicht, warum an der Stelle ‚out of bounds’ sein soll. Lächerlich", nannte er diese Entscheidung sogar. Zusammen mit der Aussage, "man kann nicht einlochen, wenn man wie Stevie Wonder puttet", ergibt sich das Bild eines gefrusteten Kaymers, der sich ein wenig von dem unterscheidet, der ansonsten besonnen Auskunft über enttäuschende Runden gegeben hatte.

Natürlich hatte auch Kaymer große Erwartungen an das Turnier. Vielleicht kann er den schwachen Saisonstart auch selbst nicht erklären. Der Verweis auf die Putt-Schwäche ist in jedem Fall unergiebig.

Der Caddie und die Vorbereitung
Doch auch die bei schwächelnden Golfern gewohnte Caddie-Diskussion greift wohl zu kurz. Natürlich scheiterte Kaymer nun innerhalb weniger Monate dreimal als Titelverteidiger am Cut und wurde einmal nur 30. - auf der anderen Seite steht aber gleichzeitig sein größter Einzelsieg seit der PGA Championship, das WGC in Shanghai im November. Nach nicht einmal einem Jahr Zusammenarbeit mit Chris Donald lässt sich nur schwerlich ein Fazit ziehen. Dass der Engländer mit seiner ruhigen, jedoch lockeren, Art zumindest menschlich mit Kaymer harmonieren dürfte, war ein Grund für die Zusammenarbeit. Und sollte es fachliche Differenzen geben, ist Kaymer einer der letzten, der nicht konsequente Entscheidungen trifft. Nach außen wird er Donald jedoch immer verteidigen.

DISKUSSION:

Schlägt Martin Kaymer in Katar zurück?

Lars Dittrich sagt dazu:

Martin verpasst einen Cut und hier ist die Hölle los. Aber warum ist denn immer das Theater gleich gross in Deutschland? Weil wir eben nur ein Golfer haben dem wir einen Sieg zutrauen. Siem, Cejka? Ra ...

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Bleibt die Vorbereitung. Doch auch sie ist von außen betrachtet nicht schlechter verlaufen als im Vorjahr. Im Gegenteil: Nach Weihnachten 2010 hatte er Probleme in New York, kam verspätet nach Scottsdale und verlor ein paar Trainingstage. "Die Vorbereitungszeit war knapp", gestand er damals. In diesem Jahr gab er sich optimistischer. Grundlegende Schwungprobleme haben sich aufgrund der Detail-Arbeit im Winter ("Nichts Großes, nur weitere Variationen gerade im kurzen Spiel")  wohl auch nicht ergeben.

Es spricht also wenig für grundlegende Schwierigkeiten. Und viel für einen - wenn auch drastischen - Ausrutscher. Katar hat auf das alles eine erste Antwort. Und vielleicht einen neuen Aufschrei.

fpf





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