Kaymer - erst Bundesliga, dann Wüste
Martin Kaymer beendet seine Winterpause mit einem Besuch in Deutschland, den er mit viel Fußball füllt. Nun geht es in den Mittleren Osten, wo er die Welt-Elite mehrmals treffen wird. Darüber hinaus wird der "beste Golf-Kurs der Welt" wohl nicht gebaut. Rauchende Golfer haben es auf der Alps Tour künftig schwer und Rory Sabbatini bringt Licht in den Singh-Disput.
Drei Turnierwochen ist das Jahr alt. Es gab interessante Newcomer (Branden Grace, Johnson Wagner), typische Frühstarter (Mark Wilson) und Routiniers, die es wissen wollen (Steve Stricker, Ernie Els, Retief Goosen). Nun ist Zeit, die weltbesten Golfer auf die Bühne zu rufen. Vor Abu Dhabi teilt sich der Vorhang und der Blick wird frei auf ein Ensemble, das nur bei Majors und WGCs nicht als absolute Erstbesetzung durchgehen würde. Die Top-Stars sind jedoch dabei, die komplette Weltranglistenspitze tritt im Mittleren Osten an: Luke Donald, Rory McIlory, Lee Westwood und Titelverteidiger Martin Kaymer. Tiger Woods und einige andere Gäste von der US PGA Tour komplettieren das edle Feld, in dem sich auch Marcel Siem und Alex Cejka finden.
Für Martin Kaymer, 27, wäre der Erfolg im Abu Dhabi GC der vierte Abu-Dhabi-Sieg seiner Karriere, der dritte in Folge. Die Vorfreude ist dementsprechend groß. Die letzte Woche verbrachte er in Deutschland, besuchte zwei Fußballspiele - unter anderem den Gladbacher Sieg gegen die Bayern, der den Köln-Fan naturgemäß etwas schmerzte - und unterzog sich einem Gesundheits- und Fitness-Check in Köln. "Neben einem Belastungs-EKG, mehreren MRTs und Blutuntersuchungen hab ich dabei wirklich viel gelernt und ich hoffe, dass die Rückschlüsse mir helfen, mein Spiel auf etwas andere Art noch zu verbessern", erzählt Kaymer auf seiner Facebook-Seite.
Anfang Januar hatte er in der Trainingsphase in seiner Wahlheimat Scottsdale (Whisper Rock) das Talent Sean Einhaus an seiner Seite, "wodurch ich einen super Trainingspartner und einen ernstzunehmenden Gegner bei unseren vielen Runden hatte." Die Weihnachtspause war kurz, die Form dürfte dafür stimmen. Nach Abu Dhabi geht es für die Nummer vier der Welt gleich weiter in Qatar, bevor er in der Woche danach auch in Dubai abschlagen wird.
Weltrangliste 2012 - Veränderungen in der 4. Woche
Dort wird er auch wieder auf Rory McIlroy treffen, der dieser Tage seinen Turnierplan für die ersten Monate 2012 veröffentlichte. Nach der Dubai Desert Classic geht es für die Nummer drei der Welt in die USA, wo er in diesem Jahr als vollwertiges Mitglied auch eine Mindestanzahl an Turnieren auf der PGA Tour absolvieren muss. Da sich sein Plan für 2012 stark an den Vorjahren orientiert, kann man wohl mit etwa 16 Turnieren der US-Tour rechnen, die der US-Open-Sieger in dieser Saison spielen wird. Das erste wird das WGC - Matchplay Ende Februar in Arizona sein. Danach hat McIlroy die Honda Classic (auch Kaymer wird dort eventuell aufteen), das WGC in Doral und das Masters im Kalender.
Wann und wie Dustin Johnson wieder in der Weltspitze mitmischen kann, bleibt dagegen weiter ungewiss. Sein Comeback bei der Humana Challenge nach einer Knie-Operation geriet in jedem Fall äußerst unglücklich. Nach 27 Löchern war Schluss, 18 Löcher am Donnerstag waren zu viel – nicht für das komplizierte Gelenk im rechten Bein, aber für den Rücken, der aufgrund der ungewohnten Belastung nach langer Pause dicht machte. Nächster Versuch: 18 Löcher in Torrey Pines bei der Farmers Insurance Open.
Härtere Lebensphasen hat auch Johnson Wagner, 31, hinter sich. Derzeit findet sich der Texaner jedoch auf der anderen Seite des Gefühlspektrums wieder. Nach seinem Sieg in der vergangenen Woche bei der Sony Open gehörte ihm auch bei der Humana Challenge die Liebe eines Großteils der Fans. Der Mann mit dem Schnauzer ist der neue Publikumsliebling der Tour. Eine Gruppe junger Männer mit aufgeklebten Oberlippenbüschen ist dabei nur ein kleiner, jedoch gut sichtbarer, Teil einer großen Fangemeinde - und der lauteste des ganzen Turniers. Angetrieben von der breiten Unterstützung beendete Wagner das Turnier als geteilter Zweiter. Seit seinem Saisonauftakt beim Tournament of Champions hat er nun zehn Scorekarten in Folge mit 60er Runden unterschrieben. Als Nummer 68 der Welt ist er inzwischen geführt, 152 Plätze besser als noch vor zweieinhalb Wochen. Sollte er das Masters spielen können, würde er den Schnurrbart ein Jahr tragen, hatte Wagner angekündigt. Seine Fans können also noch lange Fake-Bärte ankleben. Aus dem Movember wird das Mo-Year. Mancher gewiefte Kopf könnte dahinter einen Fanartikel-Trend erkennen.
In der vergangenen Woche hatten wir von einem Zwist während der Sony Open zwischen Vijay Singh und Rory Sabbatini sowie dessen Caddie berichtet. Der Südafrikaner brachte im Blog Wei Under Par nun ein wenig Licht ins Dunkel der Spekulationen. So soll Singh noch nicht einmal beim Putten gewesen sein, als sein Caddie mit einer Bewegung Singh zum Gefühlsausbruch provoziert habe. "Ich werde nicht wiederholen, was Vijay gesagt hat, aber wären wir nicht auf einem Golfplatz gewesen, hätte ich Mick [Doran, Sabbatinis Caddie] auf ihn losgelassen." Als sich Sabbatini vor seinen Angestellten stellte, soll ihm Singh ein "F’&* Off!" entgegen geschrien haben. Sabbatini hat sich an die Chefs der Tour gewandt, denn "so redet man nicht mit anderen Menschen." Sprach der Waisenknabe mit dem Lebenslauf eines Klosterschülers.
Sehr viel Spaß hatte am Wochenende der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. 17 Jahre nach seinem bislang letzten Auftritt auf der US PGA Tour setzte er sich am Samstag in einen Flight mit Greg Norman und gab dort gleich den Scherzbold. Nach einem Sprung von der ersten Teebox zuckte er zusammen und schrie: "Verletzung! Ich kann nicht spielen." Mit Handicap 18 gestartet, musste sich Clinton jedoch nicht nur Kommentare zu seinem Schwung gefallen lassen. Zu Beginn der Runde bemerkte ein Fan die Golf-Schuhe des berühmten Amateurs, wenig dezent in US-Farben gestaltet: "Das sind tolle Schuhe, Mr. President." Dieser erwiderte: "Diese Schuhe sind das Beste an meinem Spiel."
Herausragend waren jedoch weder Kleidung noch Schläge. Sein Engagement mit der Clinton Foundation, die das dahinsiechende Turnier ohne Titelsponsor im vergangenen Jahr vor dem Fall in die Bedeutungslosigkeit bewahrte, war weitaus wichtiger. Seine Schläge auf der Range fanden mehr Zuschauer als Sieger Jhonattan Vegas vor einem Jahr auf seiner Schlussrunde. Oder wie es Anthony Kim formulierte: "Dass Bill Clinton Teil dieses Events ist, bringt ihm [dem Turnier, d. Red.] deutlich mehr Aufmerksamkeit, als es jemals hatte. Dieses Turnier wird immer besser." Auch ein Ex-Präsident kann aus Wasser also Wein machen.
Kein zweiter 18-Löcher-Platz, kein 5-Sterne-Hotel, keine Luxus-Vilen, keine Appartments - der "beste Golf-Kurs der Welt", der bei Aberdeen an der schottischen Küste für immerhin 750 Millionen englische Pfund entstehen sollte, wird wohl nicht gebaut. Schuld nach Ansicht des Schöpfers des Projekts - und der selbstbewussten Beschreibung desselbigen - sind Windräder. Eine geplante OffShore-Winadanlage vor der Küste verschandele das Panorama, ist sich Donald Trump sicher und friert vorerst alle Pläne ein. Im Juni wird nun ein Kurs mit bescheidenem Clubhaus fertig. Das soll es dann gewesen sein. Bei Don Quichote waren es Windmühlen - Donald Trump kämpft nun wohl erfolglos gegen Windräder.
Rauchen auf dem Golfplatz - ist ein allgemeines Verbot sinnvoll?
Jens-Michael sagt dazu:Diskutieren Sie mit!Herr Super Großkotz aus USA baut nun doch keinen Golfplatz in Aberdeen. Wie schade für die Menschheit ! Ich denke das hat mit den "Windrädern" auf seinem Girokonto zu tun und nicht mit denen im Offsho ...
In europäischen Mittelgebirgen wird dafür gegen Raucher Front gemacht. Da Golf bald olympisch sei, will sich die Alps Tour (ein Pendant zur EPD Tour, ausgetragen zwischen Marokko und Belgien) als gutes Vorbild präsentieren - und verbietet als erste Tour das Rauchen während der Runden. Auch das Tabakkauen ist nicht mehr erlaubt. Das alles gilt sowohl für Spieler als auch für Caddies. Rauchende Athleten dürfen sich in Smoking Areas austoben. Fluppe und Schläger wird man jedoch nicht mehr zusammen sehen, auch Putting-Grün, Chipping Area und Driving Range sind rauchfrei. Ein mutiger Schritt, Miguel Angel Jiménez wird man jedoch wohl nicht so bald auf der Alps Tour sehen.
fpf
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