Kabul Golf Club

'Der gefährlichste Golfkurs der Welt'

 
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Auf seinen Fairways standen sowjetische Panzer, jahrelang waren seine Bahnen Kriegsschauplatz. Heute kämpft der Kabul Golf Club gegen Ausfahrsperren - und für die Vision eines Golfplatzes, der den Sport nach Afghanistan zurück bringt, Arbeit schafft und zum Symbol für ein aufstrebendes Land wird.

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Nach einer Weile hat man die vielen Check Points und Soldaten hinter sich gelassen. Eine frisch geteerte Straße führt Richtung Westen nach Qargha. Man fährt vorbei an Flüchtlingszelten des UNO-Hilfswerks. Es sieht nicht danach aus, als würde man hier finden, was man sucht. Und wäre da nicht dieses Tor mit dem einem schwer bewaffneten Soldaten und dem großen Schild, das deutlich auf den Kabul Golf Club hinweist - man würde weiter fahren bis zum Qargha See und würde den gefährlichsten Golfkurs der Welt, wie er sich selbst nennt, nicht einmal bemerken.

Hinter dem Eisentor geht es über die Bahnen des einzigen Golfkurses Afghanistans, dessen ockerfarbene Fairways sich vom steinigen Untergrund des holprigen Weges nicht unterscheiden, zum Clubhaus und den Hütten der Caddies. Man passiert Grüns, die kein bisschen Grün sind, dafür schwarz vom Öl, das den Sand daran hindert, vom Wind fortgetragen zu werden. Herr des Kurses ist Mohammad Afzal Abdul, man soll ihn Mr. Abdul nennen. Er selbst nennt sich Golf Professional, Lehrer, Träumer - und seine Geschichte, eng verknüpft mit der des Kabul Golf Club, gibt ihm Recht.

Abdul mit Tiger Woods in diesem Frühjahr in Dubai
In den Sechziger Jahren spielt Mr. Abdul zum ersten Mal Golf. Ein US-Botschaftsmitarbeiter leiht dem damals Achtjährigen ein Eisen 5. Kurze Zeit später ist Abdul bereits Caddie im Kabul Golf Club. Wenige Jahre zuvor hatte Afghanistan in einer Tourismus-Offensive versucht, sich als "die Schweiz Asiens" zu positionieren. Der Golfkurs ist Teil des Programms. Bis in die Siebziger Jahre entwickelt sich der Club zur sportlichen Heimat vieler Ausländer und Golfer aus der gehobenen Schicht des Landes. 1975 setzt sich Abdul gegen Mitbewerber aus Pakistan durch und wird Teaching Pro seines Heimatclubs. Es ist der erste Höhepunkt seines Golferlebens. Auf der Internetseite des Clubs, auf der der Besucher nicht nur oben beschriebene Details zur Anfahrt findet, sagt Abdul im Rückblick: "Es schien alles zu schön, um wahr zu sein". Er sieht es kommen: Wahr ist auch die Zukunft, aber sie wird nicht schön.

Es kommen sowjetische Panzer. Sie kommen aufs Fairway an Loch sieben. Der Krieg bringt Soldaten, die nicht einsehen, dass ein Golfkurs kein Panzer-Parkplatz ist. Abdul argumentiert und verliert - seine Freiheit und sechs Monate seines Lebens in einem Sowjet-Gefängnis. Mit einem einzigen Schläger zieht er daraufhin ins Exil nach Kaschmir, fährt Taxi. Als die Panzer aus dem Norden Jahre später sein Heimatland wieder verlassen, zerstören die Taliban den Traum von sorglosen Golfrunden gleich wieder: Volleyball ist erlaubt, Golf nicht. Mohammad Afzal Abdul landet wieder im Gefängnis.

"Sein Mut und seine Inspiration sind ein Vorbild für alle freiheitsliebenden Menschen auf dieser Welt", sagt der US-Amerikaner Roger Bacon, der Abdul als Projektmanager beim Wiederaufbau der Golf Clubs unterstützt. Dafür gab er seinen Beruf auf und reist regelmäßig nach Afghanistan. Er ist begeistert vom Spirit seines Mitstreiters, der "30 Jahre voller Kriege durch den unbesiegbaren Traum überlebte, dass dieser Sport der Gesellschaft in seinem Land Gutes tun wird".

Seit 2003 ist Abdul wieder "zuhause", seither geht es stetig aufwärts in diesem Landstrich, den Bacon "gewaltsam und angsteinflößend" nennt. 2012 wird Deutschland anfangen, seine Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Außenminister Guido Westerwelle spricht von einem "Wendepunkt" in diesem Jahr. Die Sicherheitslage am Hindukusch habe sich zwar stabilisiert, doch auch er weiß, dass "wir vor Rückschlägen nicht gefeit sind".

Ein Rückschlag für den Golf Club war der Terroranschlag auf das Intercontinental Hotel diesen Juni in Kabul. "So etwas hat Auswirkungen auf den Willen und den Mut der Golfer, auf unseren Kurs zu kommen", sagt Bacon. "Dort haben viele unserer Gäste gewohnt."

Lesen Sie im zweiten Teil von der Angst vor Minen und dem Traum von 2017.

Wenn Sie den Kabul Golf Club unterstützen wollen, finden Sie auf der Internetseite http://www.kabulgolfclub.org/Wege, wie sie Mohammad Afzal Abdul und Roger Bacon bei ihrer Aufgabe helfen können.

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