Vietnam

Im Osten geht die Sonne auf

 

Vielleicht gehören Sie zur Generation, deren Sprechgesang vor mehr als 35 Jahren durch die Straßen hallte: "Schluss mit dem Krieg, dem Krieg in Vietnam". Eventuell haben Sie dann immer noch die schrecklichen Bilder von damals vor Augen. Doch seit Vietnam sich 1990 dem Tourismus geöffnet hat, ist es wieder zum Land des Lächelns geworden und empfängt selbst Besucher der ehemaligen Kolonialmächte mit Offenheit und Freundlichkeit.

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80 Prozent der Bevölkerung sind jünger als vierzig und richten ihren Blick konsequent nach vorne. Sie tragen US Army-Hemden, die Ausstattung der Bäder ist "American Standard" und eine der angesagtesten Diskotheken in Saigon trägt den Namen "Apocalypse Now". Die Menschen hier haben eine sehr offensive Art und Weise entwickelt, mit der Vergangenheit ihres Landes umzugehen. Mahnmale des Krieges sind zur Attraktion der Touristen geworden, deren Zahl Jahr um Jahr steigt. Vor allem Saigon, die Schönste, die Geliebte des Landes und Zentrum der Erneuerung, breitet die Arme aus, um Besucher herzlich willkommen zu heißen.

Wie ein wimmelnder Ameisenhaufen sehen die Menschenmassen aus, betrachtet man sie aus dem zehnten Stock des Renaissance Riverside Hotels, das mitten in der City liegt. Alle Einwohner Saigons scheinen schon früh am Morgen unterwegs zu sein. Am Ufer des Flusses sind Jogger, Fächertänzer und Tai-Chi-Jünger unterwegs. Arbeiter und Angestellte warten auf die Fähren, auf Bänken schwatzen die Betagten, Kinder tollen herum. Garküchen servieren an Tischen in Puppenstubenformat heiße Brühe mit Reisnudeln zum Frühstück, alternativ gibt es zartblättrige Croissants, denn die Stadt ist stark geprägt von der französischen Besatzungszeit, galt als "Paris des Ostens".

Das zeigt sich vor allem in der Prachtstraße Duong Dong Khoi mit ihrem kolonialen Jugendstilbauten, schicken Designer-Boutiquen, der Kathedrale Notre Dame, der französischen Post, der Gustave Eiffel ein Dach aus Glas aufsetzte, dem berühmten Hotel Continental, in dem Graham Greene’s Roman "Der stille Amerikaner" seinen Anfang genommen hat oder dem Hotel Rex, das während des Vietnamkrieges Nachrichtenzentrale des US-Militärs war.

Vietnam - Impressionen

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Um all diese Gebäude brodelt dichter Verkehr. Mofas, Rikschas, Fahrräder. Bepackt mit Kisten voller Cola-Flaschen und Tiger-Bier, mit Gemüsekörben und Bananenstauden, auf dem Weg zur Markthalle im alten chinesischen Stadtteil Cholon, dem die Kommunisten das Laster des Opiums und der käuflichen Liebe ausgetrieben haben. Manchmal wird eine ganze Familie transportiert, inklusive Oma und Kleinkind, oder junge Frauen, deren seidige Ao-Dai-Gewänder anmutig im Fahrtwind flattern. Der Verkehr läuft, obwohl, wie es scheint, sich keiner an irgendwelche Regeln hält. Rote Ampeln, Einbahnstraßen, durchgezogene Mittellinien – man fährt, wo Platz ist, notfalls auch auf der Gegenseite und eine eigentlich zweispurige Straße, wird ganz schnell sechsspurig. Dazu ununterbrochenes Hupen, unterstützt vom Tuten der Schiffe auf dem Fluss. Das Herz der Acht-Millionen-Metropole schlägt laut und schnell. Wesentlich geruhsamer ist es vor den Toren der Stadt.

Lesen Sie auf der 2. Seite, welche Golfplätze Sie nicht verpassen dürfen.

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