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Wie Sie ihren Kindern wirklich helfen

 
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Nicht bei jedem Top-Spieler haben die Eltern eine derart wichtige Rolle in der Karriere gespielt wie bei Tiger Woods. Dennoch ist der Einfluss jeder Eltern auf die sportliche Entwicklung ihres Kindes ohne Frage sehr groß. Egal wie die Ziele des Kindes aussehen.

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Häufig fragen mich Eltern, wie sie ihre Töchter und Söhne am besten unterstützen können. Dabei ist es eher irrelevant, ob der Nachwuchs den Sport nur zum Spaß betreibt oder ob er Ambitionen für den Leistungssport hat.

Im Folgenden möchte ich allen interessierten Eltern ein paar einfache Tipps aus der Praxis anbieten, wie sie ihre Kinder sportlich fördern können, ohne sie zu überfordern.

Sinnvoll
:
– Stellen Sie nach dem Training/Turnier die richtigen Fragen! Sinnvoll sind vor allem Fragen, die sich auf den Prozess des Spielens und des Lernens beziehen. Hier einige Beispiele:

  • Hattest Du Spaß auf der Runde?
  • Was hattest Du Dir für heute vorgenommen und wie gut hast Du es umgesetzt?
  • Was ist Dir heute besonders gut gelungen?
  • Wie positiv war Deine Einstellung? Wie hat sie sich im Verlauf der Runde eventuell verändert?
  • Wie war Deine Vorbereitung und wie hat sie Dein Ergebnis beeinflusst?
  • Was hätte heute besser sein können und wie könntest Du das erreichen?
  • Was hast Du heute dazugelernt?

– Attribuieren Sie die Erfolge Ihres Kindes auf dessen gutes Training und den guten Einsatz im Wettkampf. Das Kind soll damit lernen, dass Erfolg nicht vorrangig auf Talent zurückzuführen ist. Vielmehr soll es verstehen, dass es durch Fleiß und Einsatz viel erreichen kann. Folgende Aussagen sind gute Beispiele: "Heute hat man gesehen wie gut Du in letzter Zeit an deinem kurzen Spiel gearbeitet hast." Oder: "Durch Dein Ausdauertraining im Winter erscheinst Du jetzt auch nach 36 Löchern am Tag noch fit!"

– Zeigen Sie Interesse und Begeisterung für den Sport und die Mannschaft Ihres Kindes. Ermuntern Sie Ihr Kind zum Sport, aber setzten Sie es nicht unter Druck.

– Helfen Sie Ihrem Kind, Ziele zu setzen. Lassen Sie es dabei bewusst von hohen Zielen träumen und diese auch aufschreiben. Lassen Sie es dann sinnvolle Zwischenziele definieren und fragen Sie anschließend, was das Kind jeweils dafür zu tun gedenkt. Stellen Sie sicher, dass die Ziele auch mit dem Trainer abgestimmt werden.

– Überlassen Sie Ihr Kind im Training und Turnier dem Trainer und mischen Sie sich nicht ein. Fragen und Ratschläge können nach dem Training im Gespräch mit dem Trainer besprochen werden.

– Geben Sie dem Trainer alle notwendigen Informationen, die er fürs Training Ihres Kindes benötigt. Dazu gehören neben den Zielen u.a. der Gesundheitszustand und eventuelle Besonderheiten (Allergien, etc.), gegebenenfalls schulische Engpässe, familiäre Sondersituationen, etc.


Nicht sinnvoll:

– Coachen oder verbessern Sie Ihr Kind nicht ungefragt wenn es seinen Sport ausübt! Lassen Sie es Ihr Kind wissen, dass es Sie jederzeit nach Hilfe bitten kann und werden Sie erst aktiv, wenn Sie von ihm gebeten werden. Dies fördert nicht nur die Selbstständigkeit Ihres Kindes sondern stellt auch sicher, dass Ihre wohl gemeinten Ratschläge wohlwollend von ihrem Kind angenommen werden. Übrigens gilt dieser Ratschlag auch für (Ehe-)Paare auf dem Golfplatz. Halten Sie sich daran, reduziert sich das Konfliktpotential untereinander enorm.

– Lassen Sie die Liebe und Wertschätzung Ihrem Kind gegenüber nicht von Turnierergebnissen beeinflussen und senden Sie ihm keine derartigen Signale. Weder sollten Sie ihm das Gefühl geben, dass es nach einem Turniersieg ein besserer, noch nach einem schlechten Score ein schlechterer Mensch geworden ist. Gerade bei Sportlern ist häufig die Gefahr groß, dass sie ihr Selbstwertgefühl zu sehr an den Wettkampfergebnissen festmachen. Im Sinne einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung brauchen die Kinder Eltern, die ihnen zeigen, dass sie sie genauso lieben, egal ob sie gut oder schlecht gespielt haben.

– Identifizieren sie sich nicht mit ihrem Kind und dessen sportlicher Leistung! Zu häufig habe ich folgenden Satz von begleitenden Eltern gehört: "Heute haben wir gut gespielt."

– Hüten Sie sich vor der Einstellung: "Mein Kind soll mehr sportlichen Erfolg haben als ich!" Ihr Kind soll entscheiden, wie es seinen Sport ausüben möchte.

Die dargestellten Punkte sind nur einige der wichtigsten Richtlinien, die Ihrem Kind auf dem Weg zum Erwachsenwerden helfen sollen – im Leistungs- oder Freizeitsport. Wenn Sie sich bemühen, die hier gegebenen Tipps umzusetzen, bieten Sie Ihrem Kind nicht nur eine wertvolle Unterstützung im Sport, sondern Sie setzen die Voraussetzungen dafür, dass Sie beide Ihre gemeinsame Zeit deutlich mehr genießen können. Ich freue mich über Ihre zukünftigen Erlebnisse und bin gespannt auf jegliche Erfahrungsberichte.

Text: Herbert Forster





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