Den ganzen Tag auf dem Golfplatz verbringen, sich mit den umgänglichen Clubmitgliedern austauschen und abends die Greenfee-Einnahmen zählen. Das hört sich nach einem großartigen Job an. Doch sieht so der Berufsalltag eines Clubmanagers aus? Wir haben uns erkundigt.
"Der Santiburi Golf & Country Club auf Koh Samui sucht einen deutschsprachigen Golfclubmanager" stand vor kurzem bei den Stellenausschreibungen auf dieser Seite. Nach Auskunft der betreuenden Agentur in Berlin waren bereits nach wenigen Tagen mehr als 50 Bewerbungen für den Clubmanager-Posten in Thailand eingegangen.
Doch über welche Eigenschaften sollte ein Clubmanager eigentlich verfügen und wie sieht der Alltag aus? Golf.de hat bei deutschen Clubmanagern nachgefragt.
"Ein Golfclub ist wie ein mittelständischer Betrieb", erklärt Marco Dresp. Der Sportmanager mit Diplom, Jahrgang 1973, ist geschäftsführender Direktor im bayerischen Valley. Er weiß aber auch, dass der Beruf des Clubmanagers ein "Full-Time-Job" ist. Das kann auch Frank Thonig bestätigen. "Sie müssen belastbar sein", sagt der Clubmanager des Wittelsbacher GC, der zusätzlich als Geschäftsführer fungiert und im DGV das Amt des Vizepräsidenten ausführt.
Das Tagesgeschäft
Das operative Geschäft unterscheidet sich innerhalb der Anlagen, doch eins lässt sich festhalten: Der Clubmanager hat eine Controlling-Funktion. Hierzu zählt das Führen der Mitarbeiter, aber auch Themen wie Networking, Vertrieb und Marketing stehen auf der täglichen Agenda. Thonig, 48 Jahre jung und seit 20 Jahren im Geschäft, zählt diese Punkte auf und merkt an: "Allerdings ist Wittelsbach besonders, da hier 80 bis 100 Events pro Jahr stattfinden – darunter viele, die nichts mit Golf zu tun haben."
Genannt werden darüber hinaus die Regelung des Zahlungsverkehrs, die Akquise von Neumitgliedern aber auch Bereiche wie PR, der Umgang mit Pressevertretern sowie die Pflege der Internetseite. Weitere Aufgaben sind das Abhalten von Siegerehrungen und Ansprachen, aber auch die Kommunikation mit Mitgliedern, Gästen und Angestellten. Der Spielbetrieb darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, aber meistens kümmern sich darum die Marshalls.
Eicko Schulz-Hanßen vom GC St. Leon-Rot, spricht vom "kompletten Spektrum der Verantwortung und davon, "viele Bälle in der Luft zu halten". Als Geschäftsführer feilt der 39-Jährige auch an der strategischen Ausrichtung des Clubs und sorgt für eine übergeordnete Vision. "Das Formulieren von Zielen und Entwicklungsplänen" fällt bei ihm ebenfalls ins Aufgabenfeld. Er relativiert jedoch schnell: "Wenn um 23 Uhr die Herrentoilette defekt ist und sie der Letzte im Clubhaus sind, müssen sie sich auch darum kümmern." Jens Bücker von der Golfanlage Rottbach greift diesen Punkt auf. "Man ist fremdgesteuert, oft muss man reagieren".
Jens Läsker vom Sporting Club Berlin betont die Wichtigkeit der Personalführung. "Die Mitarbeiter sind das Aushängeschild der Anlage", sagt er. So genießt Head-Greenkeeper Jake McEwan vollstes Vertrauen, die Budgetfragen in Bezug auf den Platz laufen jedoch über den Tisch des Diplom-Kaufmanns, der für die drei Clubs und insgesamt 1.300 Mitglieder des A-Rosa-Resorts verantwortlich ist. Für wichtig hält er auch das Veranstaltungsmanagement bei Events, für das oftmals der Clubmanager zuständig ist. So kümmert sich Läsker beispielsweise um den reibungslosen Ablauf der Deutschen Mannschaftsmeisterschaften. Auch die Europameisterschaft der Senioren, die Jugendserie von Nick Faldo oder das Finale von Mercedes sind Turniere, bei denen Clubmanager Läsker reichlich Zeit investiert und viel vorzubereiten hat.
Schulz-Hanßen sieht das Führen der Mitarbeiter ebenfalls als Kernaufgabe. In St. Leon-Rot wird mit einem ISO-zertifizierten Mitarbeiter-Handbuch gearbeitet, in dem die einzelnen Funktionen und Karrierewege des Personals aufgeführt sind. Die Mitarbeiter durchschreiten verschiedene Stufen und haben Chancen aufzusteigen oder andere Facetten ihres Berufs kennenzulernen. "Kontrolle ist nicht delegierbar", sagt der Clubmanager von St. Leon-Rot. Daher gibt er seinen Mitarbeitern viel Verantwortung. Wie dem nahezu selbstständig arbeitenden Greenkeeping-Team, mit dem sich Schulz-Hanßen nur regelmäßig austauscht aber kaum Order erteilt.
Dresp sieht gerade diesen Bereich etwas anders: Das Abstimmen über anstehende Pflegemaßnahmen auf der exzellent gepflegten Anlage von Valley im bayerischen Holzkirchen ist für ihn besonders wichtig. Denn während der Head-Greenkeeper stets das Beste für den Platz will, vertritt der Clubmanager eher die betriebswirtschaftliche Seite. Steht ein Turnier an? Was sagen die Mitglieder, wenn der Platz zwei Stunden gemäht wird? Und wie hoch sind die Kosten, wenn schlechtes Wetter die Maßnahmen gleich wieder zunichte macht.
Lesen Sie im zweiten Teil, ob ein Clubmanager ein exzellenter Golfer sein muss und wie sein Arbeitspensum aussieht.