Kaymer stürmt Richtung Spitze
Kohler/Wisconsin: Martin Kaymer macht am Samstagnachmittag dort weiter, wo er am Morgen aufgehört hat und bringt eine starke 67 vom Kurs in Whistling Straits. Damit bringt er sich sogar ins Rennen um den Sieg bei der PGA Championship. Die gesammelte Major-Erfahrung aus 2010 soll ihm dabei helfen.
Am Samstagmorgen hatte Martin Kaymer mit zwei Birdies den Kontakt zur Spitze hergestellt. Dabei hatte er fast ein Dutzend Birdie-Chancen ungenutzt gelassen. Am Nachmittag machte er es besser und glänzte auf seiner dritten Runde vom Tee bis zur Fahne und setzte sich mit einer 67 ganz oben auf dem Leaderboard fest. Bei insgesamt neun unter Par geht es nun auf die Finalrunde, vier Schläge hinter dem Führenden Nick Watney (USA), einen hinter Rory McIlroy (Nordirland) und Dustin Johnson (USA).
Das kurze Spiel war auf der dritten Runde die Birdie-Garantie, zudem rettete er mit einem starken Putt an der 16 das Par. Die Leistung auf den Grüns war nun endlich ebenbürtig mit dem sehr starken Spiel mit Holz und Eisen. "Ich habe vor der Runde auf dem Putting-Grün eine Sache an meiner Haltung geändert. Ich habe mich etwas aufrechter hingestellt, dadurch nimmt man den Putter automatisch weiter innen weg und hat eine bessere Kontrolle über die Startrichtung." Wie sich der 25-Jährige inzwischen als kompletter Golfspieler entwickelt hat, zeigte seine Antwort auf das einzige Bogey an der Elf, wo er nach einem Bunkerschlag vom Tee und einem Drei-Putt eine Sechs notieren musste. Zwei Birdies setzte Kaymer direkt im Anschluss an der 12 und der 13 auf den Kurs in Whistling Straits - Weltklasse. Oder wie er es selbst formulierte: "Spielerisch ist es richtig gut."
PGA Championship 2010 - Runde drei
"Das Selbstvertrauen ist einfach da", sagte Kaymer. "Natürlich ist ein Bogey an einem Par 5 ärgerlich, aber ich dachte mir, eigentlich ist es doch total egal, ob Par 3 oder Par 5. Und so bin ich ans nächste Loch gegangen." An der 12, einem Par 3, legte er den Ball vom Tee drei Meter neben die Fahne und lochte stark. An der 13 landete seine Annäherung tot an der Fahne, so ging es auf neun unter Par. Dabei sollte es bleiben - auch weil er an der 18 eine große Birdie-Chance aus gut einem Meter ungenutzt ließ. Eine Schwäche, die er auf der der dritten Runde eigentlich abgestellt hatte.
Mit der Erfahrung aus 2010 zum Major-Sieg
Auch deswegen ärgerte sich der Weltranglisten-13. nicht weiter, sondern schaute nach vorne - und das durchaus zuversichtlich. "Top 3 oder Top 5 ist das Ziel", sagte er vor versammelter US-Journalistenschar, die sich erstmals in großem Umfang für den Deutschen interessierte. "Wenn es anfangs gut läuft, werde ich natürlich auf Sieg spielen." Die Erfahrungen aus zwei sehr guten Majors in Pebble Beach (T8) und St. Andrews (T7) sollen ihm helfen, die Fehler der Vergangenheit abzustellen. "Um ein Major zu gewinnen, muss man die Erfahrung, vorne zu stehen am Finaltag, schon mal gemacht zu haben. Das habe ich. Bei der British Open in St. Andrews habe ich am Sonntag zu wenig gegessen und getrunken und dadurch Fitness und Konzentration verloren. Damals hat mir die Erfahrung noch gefehlt, davon habe ich gelernt. Wer Majors gewinnen will, muss auch geduldig sein. Wenn ich so weiter spiele, wird der Sieg kommen. Das ist nur eine Frage der Zeit."
Kaymer hat sein Spiel in diesen Tagen von Whistling Straits gefunden. Nur wenige Löcher verlässt er ohne Chance auf eine Score-Verbesserung. Zudem ist er sicher und nervenstark mit den Eisen an den Par 3. An der Sieben legte er den Ball vom Abschlag einen knappen Meter neben die Fahne. Auch das ist ein Schlüssel zu einem Score auf dem Platz in Whsitling Straits, der sich bei normalen, das heißt immer etwas feuchten, Bedingungen gut spielbar präsentiert. Auch am Sonntag soll es sonnig und relativ windstill bleiben, dazu geht es endlich im normalen Spielrhythmus ohne Verzögerungen vom Tee. "Das ist schon ein Vorteil, dass ich weiß, wann ich morgen starte und somit ausschlafen kann", freute sich Kaymer.
Die aggressive Generation dominiert das Major
"Ich muss mir morgen einfach weitere Chancen erarbeiten", sagte der 25-Jährige, der sich damit gut im Club der jungen Major-Protagonisten macht, die alle auf ihren ersten großen Titel warten. Watney ist 29, McIlroy 21, Johnson 26. "Mir gefällt, wie sie spielen, immer aggressiv zur Fahne, das ist mein Spiel", freute sich Kaymer. Selbst wenn die ganz großen Namen wie Woods und Mickelson fehlen - die Amerikaner freuen sich auch aus diesem Grund auf den Finaltag. Der Mann von den Fox-News war indessen noch nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Als Martin Kaymer den Reportern Rede und Antwort stand, fragte dieser nach dem Unbekannten dort auf dem Podium. Bringt "the german one" auch am Sonntag sein Spiel auf den Kurs, werden solche Fragen bald ungehört bleiben.
Kaymer wechselt auf US PGA Tour
Und spätestens im Jahr 2011 wird der Name Kaymer endgültig in den USA ankommen. Ab der kommenden Saison will der Deutsche als offizielles Mitglied auf der US PGA Tour aufteen. "Seit letzter Woche habe ich genügend Geld für die Tourkarte zusammen, jetzt freue ich mich auf die USA. Das war immer mein Ziel."
fpf
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