Reportage

Wann wird aus einem Underdog ein Star?

 
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Golfer sind Großverdiener. Zumindest, wenn sie zu den Top 100 der Weltrangliste zählen. Doch sind sie auch Stars? Wir haben das Leben der medienwirksamsten Spieler der Welt ein wenig genauer unter die Lupe genommen und ziehen einen Vergleich zu weniger bekannten Profis.

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Als Tiger Woods beim WGC Bridgestone Invitational eine seiner schlechtesten Karriereleistungen zeigte und das Turnier nach 72 Löchern auf dem vorletzten Platz abschloss, war neben dem sportlichen Debakel eines bemerkenswert: Tigers Spiel wurde dennoch gezeigt. Egal wie schlecht er spielt, die Kameras hielten weiter drauf und die Fans folgten ihm. Denn schließlich ist es Tiger Woods, der 18 über Par spielt. Und nicht irgendein Golf-Millionär aus den Top 50 der Welt.

Ein anderes Beispiel war die Open Championship in St. Andrews. Louis Oosthuizen agierte drei Runden so dominant, dass es ziemlich klar war, dass er am Finaltag die Claret Jug mit nach Hause nehmen würde. Die Einschaltquoten von BBC (Großbritannien) und ESPN (USA) gingen in den Keller, da der Südafrikaner nicht zu den Big Guys des Golfsports zählt. Selbst die Pressevertreter vor Ort blamierten sich. Als "Peter Osterhausen" wurde der Südafrikaner nach Runde zwei vorgestellt, zu diesem Zeitpunkt führte er das Major an.

"Die Japaner lieben Ryo"

Auf den lokalen Markt bezogen ist das Phänomen ähnlich. Bei der US Open beispielsweise waren haufenweise japanische Berichterstatter gemeldet, die ihrem Superstar Ryo Ishikawa folgten und über jeden Schlag des 18-jährigen Teenagers berichteten. Der Japaner mit dem Spitznamen "Bashful Prince" wurde sogar vom japanischen Fernsehen mit einem eigenen Kamerateam verfolgt. "Ryo ist in unserem Land ein Held", erklärt eine Kommentatorin den Aufwand, der bei den Major-Turnieren für Ishikawa betrieben wird. Von dem Franzosen Grégory Havret, der schließlich Zweiter wurde, sah man hingegen kaum einen Schlag im amerikanischen TV.

Auch ein Martin Kaymer – aktuell Nummer 13 der Welt – ist in den USA ein relativ unbeschriebenes Blatt. Der Deutsche meinte zuletzt, dass er in seiner Zweitheimat in Scottsdale durchaus ungestört zum Essen gehen könne, da ihn nur wenige als den genialen Golfer erkennen, der er ist. Auf dem deutschen Markt sieht das anders aus, auch wenn der Hype im Vergleich zum Bekanntheitsgrad bei Fußballern oder der Formel 1 noch gering ist. Vergleichbar ist der Wiedererkennungswert der beiden Italiener Francesco und Edoardo Molinari (beide in den Top 40 der Welt). In Amerika sprechen die Kommentatoren am liebsten von "einem der Molinari-Brüder", da sie die beiden Turiner bis jetzt noch nicht auseinanderhalten können.

Gegensätze - Star oder Sternchen?

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Oder ein Graeme McDowell. Als der Nordire nach drei Runden die US Open in Pebble Beach anführte ging "G-Mac" vor dem Finale erst einmal zünftig im kleinen Örtchen Monterey frühstücken. Erkannt wurde er nicht. Die zahlreichen Fans hielten den Mann mit dem Drei-Tage-Bart und dem US Open-Logo auf dem Hemd für einen der ihren – und nicht für den Spieler, der ein paar Stunden später das Major gewinnen sollte. Seit der Ernennung zum US Open-Champion sieht das anders aus: Beim WGC war er so oft wie nie zuvor im Bild, obwohl McDowell schließlich nur auf Rang 33 landete.

Ohne Leibwächter unternimmt ein Woods keinen Schritt in der Öffentlichkeit
In Amerika ist die Verwertung der Stars in der Öffentlichkeit eine ganz andere Liga. Sportler machen alles für ihr Image und sind vorsichtig, um keine Fehler zu begehen. Auch wenn das nicht immer klappt – siehe die privaten Eskapaden eines Tiger Woods – so ist es doch beachtlich, wie stark die prominenten Sportler den Medien ausgesetzt sind. Woods wird stets von Sicherheitspersonal begleitet und lebt abseits des Golfplatzes äußerst zurückgezogen. Auch Major-Sieger wie Phil Mickelson, Vijay Sing, Ernie Els oder Padraig Harrington sind in Amerika Celebrities, die kaum eine Minute ohne Glückwunschbekundungen durch die Öffentlichkeit gehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass einige damit begonnen haben, PR in eigener Sache zu betreiben. Über ihre Webseite, Twitter und Facebook verbreiten sie Neuigkeiten, die nicht selten vom Management ausgedacht sind. Oder glaubt jemand wirklich, dass Woods auf seinem Facebook-Account beschreibt, welche Nike-Klamotten ihm gerade zugeschickt wurden.

DISKUSSION:

Wer ist ein weltweiter Star? Und wer wird bald einer sein?

Bernhard Schilling sagt dazu:

@SmallMuss denn unsere Welt bzw. unser Sport immer medienwirksam sein ? Ist die Farbe der Hosen, die Länge der Haare oder die Dummheit der Sprüche ( bestes Beispiel Ian Poulter, den ich zu Beginn sein ...

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Es gibt jedoch auch Authentisches zu lesen. Die Tweets von Ian Poulter oder John Daly wären zu nennen. Oder Stewart Cink, der über Twitter mehr als 1,2 Mio. Menschen erreicht.

Nur Erfolg zählt
Doch wann ist es bei den besten Golfern der Welt soweit, dass die Medien sie zum Star erheben? Ausschlaggebend ist der Erfolg – und der Markt. So gilt für die deutschen Golf-Fans das Abschneiden Kaymers bei jedem Turnier als äußerst wichtig. Doch am Beispiel von Bernhard Langer kann man erkennen, dass US-Medien erst einen Sieg auf der PGA Tour oder bei einem Major als Durchbruch anerkennen. Als der Anhausener 1985 sein erstes Green Jacket in Augusta gewann, war er auf Anhieb einer der gefragtesten Sportler der Welt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Langer bereits elf Turniere gewonnen, allerdings alle auf der European Tour.

tsz






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