Die Magie des neuen Method-Putters
Nick Bayly hat sich im Entwicklungzentrum von Nike Golf den Method-Putter angesehen beschreibt das Erfolgsrezept des neuen Schlägers. Paul Casey, Stewart Cink und Lucas Glover verwenden das neue Modell bereits.
Immer wieder einmal kommt ein Produkt auf den Markt, welches das Spiel nachhaltig beeinflusst. Das waren beispielsweise die Driverköpfe aus Metall oder die 3-Piece-Bälle. Einige technische Entwicklungen haben im modernen Golfsport wirklich ihre Spuren hinterlassen. In eine solche Aufzählung gehören auch bahnbrechende Putter wie der Ping Anser oder der Odyssey 2-Ball und jüngst auch die neuen futuristischen Modelle mit ausladenden Seitenflügeln und extremer Randzonen-Gewichtung.
Denkt man, die F&E-Experten hätten nun wirklich alles gegeben, um den letzten Tick Leistung aus dem Material zu kitzeln, kommt schon der nächste Knüller der unsere Gewohnheiten auf dem Platz verändern könnte.
Genau das behaupten viele von einem neuen Putter, der, seit seinem Turnier-Debüt im September, die Tour im Sturm eroberte: das Nike-Modell Method. Der Putter hat bereits an zwei Major–Siegen und einer Reihe von weiteren Turniererfolgen mitgewirkt, ohne dass man wirklich viel über den neuen Schläger erfahren hätte. So diskret nämlich wurde er wörtlich ins Spiel gebracht. Doch das dürfte sich ab Februar 2010 ändern. Dann nämlich ist der Schläger erstmals auch für Amateure erhältlich.
Nike Golf räumt ein, sich mit dem Einstieg ins Putter-Geschäft Zeit gelassen zu haben. Als Nike als Schlägerhersteller 2001 an den Start ging, richtete sich das Unternehmen mit Hölzern und Eisen zunächst vornehmlich an gute Spieler, wobei das Ziel verfolgt wurde, neue Technologien zu entwickeln, die sich im gesamten Schlägersortiment eingesetzt und Spielern aller Kategorien zugute kommen könnten. Putter zu entwickeln ist eine ganz eigenes Geschäft. Den Markt beherrschen eine Handvoll Marken, und nur zu leicht kann man mit einem neuen Produkt scheitern.
Wie alle Schläger, testet Nike auch diese Produkte nach einem bewährten System: Bis zu einem Jahr testen die Nike-Tourspieler den Putter. Dann erst gehen sie in den Verkauf. Ein Prozess, der Geduld erfordert. Diese aber hat sich in den letzten Jahren reichlich ausgezahlt. Driver wie der Sumo2 und der STR8-FIT hatten für Schlagzeilen gesorgt und bereits im Vorfeld ihrer Markteinführung jede Menge Interesse geweckt.
So auch jetzt: Paul Casey, Lucas Glover und Stewart Cink gehörten zu den Profis Profis, die Ende 2008 die ersten Prototypen des Method in die Hand nahmen. Bei Casey war es Liebe auf den ersten Putt: Ohne viel Zeit zu verlieren, setzte er den neuen Putter im Februar beim Bridgestone Invitational erstmals im Turnier ein. Sein Griff zum Method rief sogar die Platzrichter auf den Plan: Man war sich nicht sicher, ob dessen neues Design überhaupt schon für Turniere zugelassen war. War es zum Glück doch. Der Engländer gewann innerhalb von drei Monaten zwei Turniere auf der European Tour und eines auf der PGA Tour.
Was vielleicht noch bezeichnender ist: Im Putt-Ranking machte er einen großen Sprung von Platz 193 auf Rang 23 – nicht schlecht für jemanden, der von seinem Spiel sagt, das Putten sei so lange er zurück denken könne, seine größte Schwachstelle gewesen.
Lucas Glover und Stewart Cink haben ihn später eingesetzt und nutzten den Method auch in den Majors. Erstgenannter sehr erfolgreich im Juni bei den US Open auf den tückischen Grüns von Bethpage Black. Cink entschied nach einem Titanen-Zweikampf gegen Tom Watson die Open von Turnberry für sich. Seinen Sieg und damit die begehrte Claret Jug verdankte er einer Serie von versenkten Putts.
Glover erging es wie Casey: Seit er zum Method wechselte macht er in der Putt-Rangliste einen Satz nach oben. 2008 stand er noch auf Platz 116, 2009 war es bereits Platz 39. "Der Putter hat wirklich viel ausgemacht in meinem Spiel, und viel von meinem Erfolg in Bethpage und überhaupt in der ganzen Saison schreibe ich dem Putten zu", sagte Glover.
Das Rollen des Balls, das Casey weiter oben angesprochen hat – das ist das Geheimnis, der technologische Grund für die bahnbrechende Leistungsfähigkeit des Method. Entwickelt wurde er in Nikes sagenumwobenen F&E-Zentrum für Schläger und Golfbälle in Fort Worth, Texas. Die Inspiration für den Method rührt nach den Worten von Nikes Putter-Designer David Franklin von der Philosophie der "wissenschaftlichen Methode". Das mag etwas schwammig klingen, doch der zentrale Grundsatz, auf dem das Design beruht, ist durchaus einfach zu begreifen.
Franklin erklärt das so: "Die meisten üblichen Putter mit Stahl-Schlagfläche geben dem Ball im Treffmoment Backspin, wodurch er zuerst rutscht und springt. Die Stahlschlagfläche des Method hingegen verfügt über einzigartige Kombination mit Polymer-Rillen, die den Ball im Treffmoment Topspin geben. Skid und Bounce, wie die Golfer das Rutschen und Springen nennen, werden dadurch minimiert, ja teils gar völlig eliminiert. So rollt der Ball sauber und hält die Bahn."
Franklin und sein Team haben eine Vielzahl von Rillenanordnungen und Materialvarianten ausprobiert. Dem Ergebnis gab er den Namen "Polymetal Groove Technology". Die Technologie gibt dem Ball nicht nur Vorwärtsdrall, sie dämpft zudem die Vibrationen und sorgt für ein sanftes Schlaggefühl. Obendrein liefert das Schlaggeräusch jenes saubere Sound-Feedback, das dem guten Spieler hilft, die Distanz des Schlags richtig einzuschätzen.
Nikes Tour-Spieler erzielten in der Testphase höchst eindrucksvolle Ergebnisse – jeder verbesserte sein Putten messbar. Bei jedem Spieler, der zum Method wechselte, verbesserten sich Skid & Bounce deutlich, und manche konnten den Rückwärtsdrall sogar ganz ausschalten. Das schafft kein anderer Putter. Für den Aufbau des Method werden drei verschiedene Materialien eingesetzt: Stahl, Polymer und Wolfram. Das macht den Herstellungsprozess alles andere als einfach, denn der Polymer-Kunststoff muss in einen Kanal in der Sohle des Putters gepresst werden. Von dort quillt er durch die Rillen, die vorab in die Schlagfläche geschnitten werden. Nun wird so viel von der Polymer-Nase abgeschnitten, dass nur eine schmale Rille zwischen dem weichen Material und den harten Edelstahlrillen. Dann werden die vorstehenden Polymer-Streifen noch so beschnitten, dass der gefräste Stahl und der weiche Kunststoff im Wechsel das Rillenprofil der Schlagfläche bilden.
Ein Vorteil der Polymer-Rillen besteht darin, dass sie den Ball aus jener kleinen, fast unsichtbaren Vertiefung herausheben, die der liegende Ball ins Green drückt. So bekommt er mehr Fahrt als bei anderen Puttern. Wegen des besseren Rollverhaltens hat Method nur 2 Grad Loft (die meisten Putter haben 3,5 bis 4 Grad).
Franklin erklärt dazu: "Wenn der Golfball auf dem Green liegt, dann sinkt er in eine Vertiefung im Gras. Der Loft des Putters hilft dabei, den Ball aus dieser Kuhle herauszuheben. Das Problem aber ist, dass gewöhnliche Putter mit Stahl-Schlagfläche den Ball zu sehr anheben und ihm so Backspin geben. Deshalb springt der Ball anfangs höher und gerät aus der Bahn. Die Polymetal-Groove-Technologie ist so angelegt, dass der Ball ohne Backspin – und stattdessen mit Vorwärtsdrall aus der Kuhle gehoben wird. So wird das Springen minimiert und der Ball hält beim Putten die Linie."
Ein weiteres auffälliges Design-Merkmal: der Method ist rund einen halben Zentimeter flacher als die meisten anderen Putter. Dadurch liegt der Schwerpunkt tiefer und weiter hinten. Um 35 Gramm nämlich wurde die Schlagfläche erleichtert, und dieses Gewicht wurde mit zwei Wolframgewichten an die Ferse und die Spitze des Schlägerkopfes verlagert. Diese geben dem Schläger mehr Stabilität und machen den Schlag sicherer (durch höhere Fehlerverzeihung) – gleichzeitig hat durch diese Gewichtsumverteilung der Putter sein "normales" Gewicht.
Text: Nick Bayly
>> Weitere Infos zum Nike Method finden Sie hier
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