Spielstrategie von Thomas Gögele
Amen Corner, das zwölfte Loch des Augusta National: Eine strategische Herausforderung für die Besten der Besten. Mit dem Beginn des Masters steuert alles wieder auf das große Finale zu: die letzten 9 Löcher. Mit dem Beginn der zweiten Neun, aber besonders mit der Amen Corner, den Spielbahnen 11 bis 13 entscheidet sich oft, wer das erste Major des Jahres gewinnt
Die Amen Corner stellt die Spieler nicht durch ihre Länge vor Probleme, sondern wegen ihres hervorragenden Designs. Alister MacKenzie, der Architekt des Platzes, war ein Meister der Tarnung und der Täuschung und nicht umsonst gilt Augusta National als eines seiner Meisterwerke. Besonders spektakulär ist die 12 (Golden Bell), obwohl sie nur 141 Meter lang ist.
Die kürzeste Spielbahn von Augusta stellt die Spieler vor vielerlei Probleme. Der Wind und der Bachverlauf des Rae's Creek spielen die entscheidende Rolle. Der Wind dreht ständig, die Schlägerwahl kann dadurch zwischen Eisen 9 bis zur 6 variieren. Die Schwierigkeit: Die Bäume hinter dem Grün schützen es bei Gegenwind. An der Fahne ist die Bewegung in der Luft nicht zu erkennen, der Ball, der oberhalb der Baumreihe fliegt wird jedoch davon beeinflusst. Auch wenn man den Wind richtig erkennt, kann einen die regungslose Fahne verunsichern.
Das Grün selbst ist extrem kurz und verläuft diagonal zur Schlagrichtung von links vorne nach rechts hinten. Davor erstrecken sich der malerische Rae's Creek sowie ein Bunker. Hinter dem Grün befinden sich zwei weitere Sandhindernisse. Man merkt: Die Wahl des richtigen Schlägers ist entscheidend!
Optische Tricks: Mitte Grün ist sicherer
Die Fahnenposition am Schlusstag ist meist ganz rechts auf dem Grün. Das Vorgrün erstreckt sich weit nach rechts bis vor das 13. Tee und gibt dem Spieler das Gefühl er habe rechts der Fahne viel Platz. Mit einem kurzen Eisen in der Hand gerät er so leicht in Versuchung die Fahne zu attackieren. Ein Ball der auf Fahnenhöhe knapp rechts des Grüns landet, rollt jedoch mit Sicherheit in Rae's Creek.
Jeder Spieler muss ein Gefühl dafür entwickeln, wie er mit dem Wind, den er auf dem Abschlag bemerkt, umgeht. Ben Hogan beispielsweise, der große Meisterstratege, schlug erst ab, wenn er den Wind auf seiner linken Wange spürte. Außerdem ist es hier, mehr als irgendwo anders, von entscheidender Bedeutung, die Mitte des Grüns anzuvisieren. Nicht nur von der Richtung, auch von der Distanz. Selbst mit einem kurzen Eisen.
Wichtig ist, schon vor Beginn der Runde einen klaren Plan zu haben, wo exakt das Ziel für diesen Schlag liegt (auch die Mitte des Grüns muss definiert werden). Auch sollte man wissen, wo die Grenze der Risikobereitschaft liegt, sollte man auf Angriff spielen müssen. An kaum einer Bahn wie an der 12 wird so klar ersichtlich, dass man das Turnier hier eher verlieren als gewinnen kann. Wenige hatten so viel Glück wie Fred Couples, dessen Ball im Jahr 1992 an der Böschung zum Wasserhindernis liegen blieb. Für den Amerikaner reichte es damals zum Green Jacket.
Der Experten-Tipp: So werden Sie besser!
Als Hobbygolfer kann man von den Problemen, die einem an der Golden Bell begegnen eine Menge mitnehmen:
- Spielt man eine Proberunde, sollte man sich den kompletten Platz aufmerksam ansehen – und sich nicht nur die Stellen merken, an die man geschlagen hat. Für jede Spielbahn sollte man ein klares Ziel für den Schlag ins Grün definieren.
- In der Planungsphase vor dem Schlag gilt es alle Einflussfaktoren, speziell den Wind, genau zu betrachten. Die Luftbewegung sollte man nicht nur an der Fahne ablesen. Besser ist es, auch die hohen Baumwipfel zu betrachten und diesem Eindruck dann zu vertrauen.
- Entscheidend ist es, einen guten Plan zu haben und sich daran zu halten. Auch wenn es gut läuft, sollte man sich nicht verleiten lassen, zu viel zu wollen, denn ein guter Designer kann so manche Täuschung auf einem Golfplatz unterbringen. Gier ist auch im Golf ein schlechter Ratgeber.
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