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'Martin ist der Chef'

 
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Ponte Vedra Beach, Florida: Er ist der Mann, der in den Tagen von Sawgrass fast nicht von Martin Kaymers Seite wich. Rolf Klöttschen ist der Physiotherapeut der Nummer drei der Welt. Golf.de sprach mit ihm während der Runde.

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Er ist der Mann, der in den Tagen von Sawgrass fast nicht von Martin Kaymers Seite wich. Rolf Klöttschen ist der Physiotherapeut der Nummer drei der Welt und arbeitete während der Players an der körperlichen Verfassung seines Schützlings - und das bis zu vier Stunden täglich. Zusätzlich begleitete Klöttschen, der auch für den DGV arbeitet und Kaymer seit 2002 kennt, den 26-Jährigen auf dem TPC Sawgrass über die Runden.



Golf.de: Herr Klöttschen, Sie sind in diesen Tagen nahezu rund um die Uhr an Martin Kaymers Seite. Wie sieht Ihre Arbeit genau aus?

Klöttschen:
An normalen Turniertagen machen wir früh morgens eine Aktivierung. In einer knappen halben Stunde geht es darum, dem Körper und Geist zu sagen: Hallo, hier bin ich. Wir müssen den Glanz in Martins Augen bekommen, den Körper quasi hochfahren. Nach der Runde gibt es ein Workout, etwa eineinhalb Stunden. Zusätzlich stehen noch ein paar Regenerationsmaßnahmen auf dem Programm.

Golf.de:
Wie sieht das allgemeine Programm aus, an was arbeiten sie?

Klöttschen: Martin war ja zuletzt in Deutschland bei seinem Trainer Günter Kessler. Der arbeitet mit ihm, schaut sich den Schwung an und erklärt mir dann, worauf er bei der Schwung-Optimierung setzt und was ich mit Martin trainieren soll. Derzeit geht es darum, das rechte Bein im Rückschwung zu stabilisieren. Gleichzeitig wollen wir die Mobilität, also die Rotation im Oberkörper optimieren. So können wir die Verwringung des Körpers verbessern. Im Oberkörper geht es in Martins Fall also um Beweglichkeit, der Unterkörper muss gekräftigt werden, das sind die beiden Komponenten, daran arbeiten wir vor und nach den Runden.

Golf.de: Martin Kaymer trainiert oder spielt also rund um die Uhr.

Klöttschen: Ja, er ist unglaublich an seiner Fitness interessiert. Er ist wissbegierig, saugt alles in sich auf. Die gleichen Maßstäbe, die er an seinen Schwung setzt, setzt er auch an seinen Körper, vom Training bis zur Ernährung. Auch wenn ich nicht dabei bin, verbringt er mehrere Stunden am Tag im Training ohne Schläger und Ball, mit einem individuell abgestimmtem Trainingsprogramm, das ich ihm zusammenstelle. Manchmal muss man ihn sogar bremsen, bevor der Muskelkater richtig einschlägt. Aber er ist der Chef, er bestimmt am Ende, wo es lang geht.

Golf.de: Ist die heutige Generation grundsätzlich so trainingsfleißig wie Ihr Schützling?

Klöttschen:
Man kann es sich an der Spitze nicht mehr leisten, nichts für seinen Körper zu tun. In den Workout-Räumen sieht man sie alle, die Molinaris, Miguel Angel Jiménez, Luke Donald, Ben Crane und so weiter. An totaler Fitness kommt heute kein Spitzengolfer mehr vorbei. Manchmal sind die Trainingsräume sogar alle besetzt. Deshalb bekommt Martin von mir sein individuelles Programm zusammengestellt, das aus Eigengewichtsübungen besteht, die er ohne Geräte überall ausführen kann.

Golf.de: Sie betreuen auch Profifußballer, wie fit ist Martin Kaymer im Vergleich?

Klöttschen: Das mag vielleicht überraschen: Aber konditionell kann er sich in jedem Fall mit einem Zweitliga-Fußballer messen.

Golf.de: Sie begleiten Martin Kaymer auch während der Runden. Sind sie auch da im Austausch?

Klöttschen: Ja, aber in erster Linie schaue ich mir seine Körpersprache an, schaue, wie er sich bewegt. In diesen Tagen sieht sein Schwung sehr gut aus, sehr harmonisch. Am Freitag war er jedoch ein wenig müde. Da habe ich ihm gesagt, dass er sich aufrichten soll. Ich habe versucht, ihn positiv zu motivieren. Je nachdem, wie die Runde läuft und was ich beobachte, passe ich im Anschluss mein Programm an. Nach einer weniger erfolgreichen Runde darf er schon mal alles rauslassen und richtig schwitzen. Ist er müde, beispielsweise vom Jetlag, geht es hingegen um Regeneration. Man muss sich sehr gut verstehen, sehr gut miteinander auskommen. Ich kenne Martin seit seinen Amateurzeiten, schon fast zehn Jahre. Seit 2006, als er Profi wurde, arbeiten wir zusammen.

Golf.de: Wir oft sehen Sie sich im Jahr?

Klöttschen:
Ich reise etwa zu sechs bis acht Turnieren, dort sind wir jeweils eine knappe Woche zusammen. Auch in Spanien beim Matchplay in einer Woche bin ich wieder dabei. Dann kommt auch Günter Kessler. Das passt sehr gut. So können wir im Eins zu Eins miteinander arbeiten und alles genau abstimmen. Hier in Sawgrass habe ich seinen Schwung in den Einspielrunden aufgenommen und spreche mich so mit Martins Trainer ab. In Spanien werden wir nun anhand der Spielbeobachtungen und Videoaufnahmen die nächsten Trainingsziele definieren.

fpf