Schwartzel triumphiert in Augusta
Augusta, Georgia: Charl Schwartzel ist der Sieger des 75. Masters Tournament. Der Südafrikaner nutzt den Absturz von Rory McIlroy und holt sich in einer der dramatischsten Schlussrunden der Augusta-Geschichte den Sieg. Zwischenzeitlich hatten neun Spieler die Chance auf den Titel.
Rory McIlroy hatte in den Tagen von Augusta erzählt, das Masters 2010 sei eindeutig der Tiefpunkt seines vergangenen Jahres gewesen. Damals hatte er knapp den Cut verpasst, eine emotionale Randnotiz zu dem, was ihm zwölf Monate später an der Magnolia Lane widerfahren sollte. Wenn 2010 ein Jahres-Tiefpunkt war, so hat die finale Runde des Nordiren im Masters 2011 alle Ingredienzien eines Karriere-Tiefpunkts.
Bei zwölf unter Par mit vier Schlägen Vorsprung war McIlroy in den Sonntag auf dem Augusta National gegangen. Knapp drei Stunden später nach einer Serie mit Triple-, Single- und Double-Bogey sah man einen aufgelösten Shooting-Star, der nur noch bei vier unter Par stand und aus der Top Ten gefallen war. Der nächste historische Absturz eines aufstrebenden Golfers nach Dustin Johnson bei der US Open im vergangenen Jahr – und die große Chance für die Verfolger, die sich auf breiter Front an McIlroy vorbeischoben.
Unglaubliche acht verschiedene Führende hatte die Finalrunde des Masters in der Folge zu bieten. Kurz vor Schluss waren neun Spieler noch in direkter Schlagdistanz zum Major-Titel - Marken, aus denen sich eine Spannung entwickelte, die die Austragung 2011 auf lange Zeit einzigartig erscheinen lassen wird.
Und damit einen Sieger, der zu Beginn der Runde mit einem gelochten Chip und einem gelochten Pitch die ersten von vielen Höhepunkten gesetzt hatte und sich danach lange im Windschatten gehalten hatte, wenige Fehler machte und genau dann mit vier Birdies auf den letzten vier Löchern zuschlug, als die Konkurrenz entweder schwächelte (McIlroy, Angel Cabrera), nicht mehr zulegen konnte (Adam Scott) oder in einem Lauf nicht mehr genug Löcher zu spielen hatte (Tiger Woods, Luke Donald, Jason Day).
Masters Tournament 2011 - Finalrunde
Und so war es die Stunde des Mannes mit dem sensationellen Finish: Als Charl Schwartzel um 18.50 Uhr Ortszeit seinen Birdie-Putt an der 18 zum Gesamtergebnis von 14 unter Par lochte (66), wurde er der 75. Sieger des Masters Tournament und der dritte Südafrikaner, dem vom Vorgänger als Masters-Sieger das Green Jacket übergezogen wurde. Gary Player war 1961 der erste internationale Sieger des Turniers in Augusta gewesen, der 26-jährige Schwartzel ist der jüngste Sieger in Georgia seit Woods 1997.
"Es war so laut heute da draußen", sagte der eher stille Triumphator, der in seiner Karriere bislang sechs Siege auf der European Tour sammeln konnte. "Ich dachte schon am Samstag, dass das laut ist, aber heute war das noch etwas anderes." So anders wie etwa seine vier Birdies in Folge ab der 15, ein Kunststück, das an einem Sonntag noch keinem Golfer in Augusta je gelungen war. "Es ist ein lustiges Spiel. Manche Dinge passieren einfach. Ich habe eben gut gespielt. Entscheidend war das Birdie an der 15. Das hat mich aus der Serie von Pars herausgerissen. Und ab da habe ich nur noch gute Eisenschläge gespielt. Ich hatte den Fokus, war sehr ruhig, habe mir Möglichkeiten erarbeitet und habe es geschafft, die Nerven im Zaum zu halten." Das Ergebnis war der erste südafrikanische Masters-Sieg seit Trevor Immelman 2008.
Schwartzel dankte seinem Landsmann Louis Oosthuizen, der ihn durch seinen Open-Sieg im vergangenen Jahr inspiriert hätte. "Ein Traum geht in Erfüllung", sagt der neue Masters-Champion. "Das ist der größte Tag in meiner Karriere."
Den zweiten Platz teilen sich die beiden Australier Adam Scott (67) und Jason Day (68) bei zwölf unter Par. Beide hatten in ihrem Flight für erstklassiges Golf gesorgt und waren nah dran am ersten australischen Sieg in Augusta, am Ende sollte ein Schlag fehlen. Tiger Woods (67), der zwischenzeitlich an alte glorreiche Zeiten anknüpfen, am Ende aber nicht mehr in den Kampf um den Sieg eingreifen konnte, teilt sich Position vier mit Luke Donald (69) und Geoff Ogilvy (67) bei zehn unter Par. "Es war wirklich gut heute", zeigte sich Woods dennoch zufrieden, auch wenn er auf der hinteren Neun nach einer 31 zum Auftakt einige Schläge liegengelassen hatte. "Ich hätte locker drei oder vier unter spielen können", so der neue Weltranglisten-Fünfte, der ab der Zehn bei even Par steckengeblieben war.
Woods begeistert in Augusta
Bevor sich Charl Schwartzel ins Rampenlicht geschoben hatte, war Woods der bestimmende Mann des Sonntags gewesen. Starke Birdies an der Sechs und Sieben hatten den Ausnahmegolfer in Kontakt zur Spitze gebracht, an der Acht (Par 5) griff er mit einem sensationellen Draw das Grün mit dem zweiten Schlag an und legte den Ball drei Meter an die Fahne. Das darauf folgende Eagle brachte die Tiger-Faust, große Emotionen bei der ehemaligen Nummer eins und unter den Zuschauern in Augusta – und die geteilte Führung noch vor der Halbzeit des Finaltages. Wieder einmal hieß es: Tiger is back!
Auf den anspruchsvollen Löchern Neun bis Elf spielte der 35-Jährige sichere Pars und auch an der Zwölf sah alles nach Planerfüllung aus. Auf dem Paradeloch der Amen Corner hatte er 80 Zentimeter zum Par – und scheiterte. Woods’ erste größere Schwäche am Sonntag sorgte gleichzeitig für eine Zwei-Schläge-Führung des jungen McIlroy, der fast gleichzeitig an der Sieben das erste Birdie des Tages notiert hatte und auf elf unter Par zurückgekehrt war.
Als Woods auch noch auf der 13 nicht zum Birdie lochte, auf der Bahn, auf der sein Konto vor dem Sonntag bei 41 unter Par stand, war der zwischenzeitliche Höhenflug scheinbar beendet. Doch es blieb spannend. An der Zehn verzog McIlroy seinen Drive dermaßen deutlich, dass er seinen Ball zwischen zwei Hütten fand, die den Weg auf die TV-Bildschirme bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefunden hatten. Es sollte der Beginn des tragischen Absturzes sein. Der 21-Jährige musste vorlegen, verpasste das Grün mit dem Holz deutlich, sowie mit dem Lob-Wedge aus dem Rough. Das Ergebnis: Triple-Bogey und der Sturz zurück auf acht unter Par. Er sollte sich davon nicht mehr erholen.
Acht verschiedene Führende
Die Leiden des jungen McIlroy waren die Freuden der vielen Verfolger und das Masters-Finale erklomm seinen ersten dramatischen Höhepunkt: Nach einem sensationellen zweiten Schlag auf der 15 (Par 5) verpasste Woods zwar das zweite Eagle des Tages, schob sich mit einem Birdie aber neben Schwartzel, K.J. Choi, Angel Cabrera und Adam Scott bei –10 an die Spitze. Um 17.19 Uhr Ortszeit war das erste Major des Tages offener als das noch am Sonntagmorgen alle Beobachter erwartet hatten: Fünf Spieler im Gleichschritt oben auf dem Leaderboard – ein Szenario, das es auf einer Masters-Finalrunde lange nicht zu bestaunen gab.
Und als sich K.J.Choi wenig später an der Zwölf mit einem Bogey von der Spitze verabschiedete – kein Problem, da fand sich schnell ein neuer Co-Spitzenreiter. Jason Day setzte sich mit einem Birdie am selben Loch als fünfter Mann neben das Führungs-Quartett. Und zehn Minuten später das selbe Szenario: Cabrera mit dem Bogey, dafür verbesserte sich Geoff Ogilvy mit seinem fünften Birdie in Folge auf zehn unter Par – der achte Führende im Verlauf dieser Finalrunde. Hätte sich Alfred Hitchcock je nach Augusta verirrt, diese Geschichte hätte er sich nicht getraut, zu erzählen: Sie wäre ihm zu unrealistisch gewesen.
Kaymer bleibt Nummer eins
Und so dauerte es bis zu den Schlusslöchern, dass sich Schwartzel mit seiner Birdie-Serie absetzen konnte - ein würdiges Finale für ein denkwürdiges Turnier. Auch aus deutscher Sicht gab es gute Nachrichten: Alex Cejka verbesserte sich mit einer 70 noch auf den geteilten 35. Rang. Mehr zum Finale des Deutschen lesen Sie hier. Zudem kann sich Martin Kaymer durch den Schwartzel-Sieg über eine weitere Woche an der Spitze der Weltrangliste freuen.
Rory McIlroy unterschrieb am Ende dieses für ihn so schlimmen Tages eine 80. Dass er damit auf Rang 15 landete, ist nebensächlich. Sein Kumpel Graeme McDowell sprach ihm noch während der Runde Mut zu: "Du wirst daraus lernen." Daran will McIlroy im Moment sicher nicht denken. Doch das zweifelsohne große Talent des Nordiren wird sich auf lange Sicht durchsetzen. Im vergangenen Jahr erholte er sich ebenfalls sehr schnell von dem Rückschlag. Beim nächsten Start zauberte er in Quail Hollow eine 62 auf den Kurs - und holte sich seinen ersten Sieg auf der PGA Tour.
fpf




