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Penha Longa

gegründet 1992

 
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Löcher: 18+9

Greenfeepreise
18-Loch-Greenfee: 70 Euro
18-Loch Sa./So./Feiertage: 90 Euro
9-Loch-Greenfee: 25 Euro
9-Loch Sa./So./Feiertage: 30 Euro
Ermäßigung:
Kinder von 5-15 J. frei // Jugendliche bis 18 J. ermäßigt

Ausstattung:
Leihschläger, Golfcarts, Trolleys, E-Trolleys, Driving Range, Proshop, Restaurant

Platztest: Ein idyllisch gelegenes 5-Sterne Hotel ohne den obligatorisch angeschlossenen Golfplatz ist in Portugals touristischen Regionen fast undenkbar. In den südlichen Ausläufern des Sintra-Gebirges, unweit von Lissabon, hat die Nobelkette Ritz-Carlton mittlerweile das Penha Longa Hotel & Golf Resort in sein Portfolio übernommen – und war nicht untätig.

Obwohl der vom renommierten Architekten Robert Trent Jones Jr. designte "Atlantic Course" schon ein höchst attraktiver 18-Loch Platz war, wurden in naher Vergangenheit rund 2 Millionen Euro investiert, um den Spielern das bestmögliche Maß an Qualität zu bieten. Was herauskam, lässt sich mehr als sehen.

Die Bunkerlandschaften wurden renoviert, die Fairways und Grüns aufgepeppt und das Bewässerungssystem komplett modernisiert. Sicher nicht zufällig richtete die European PGA Tour im Juni 2010 nach 15 Jahren Abstinenz wieder die "Estoril Open de Portugal" auf Penha Longa’s hügeligem Areal mitten im Nationalpark Sintra-Cascais aus. Nebenbei fiel auch noch das begehrte Umweltsiegel Audubon nach dem Restyling ab, mit dem sich aktuell nur 17 Plätze in ganz Europa schmücken können.

Kurze Wege sind immer relativ
Die Fahrt zum Platz gestaltet sich nur bedingt einfach. Von Cascais aus nach wenigen Kilometern in Richtung Norden fahrend erscheint ein Wegweiser nach Penha Longa, der den Schwenk nach rechts befiehlt. Das ist zwar löblich, doch fehlt eine paar Meter weiter an einer unscheinbaren Straße ein Folgeschild, das nach links weisen sollte. Dadurch kann die Anreise dann plötzlich im Ort Alcabideche enden – und nicht beim avisierten Golfplatz. Die alternative Route von Estoril über die Nationalstraße N9 in Richtung Sintra nach Norden hat mittlerweile auch seine Tücken. Nach Erweiterung dieser stark frequentierten Trasse wurden auf der Mittellinie kleine Trennschildchen montiert, die ein Wenden unterbinden sollen. Nachteil ist jedoch nun, dass bei Linhó ein Linksabbiegen nach Penha Longa unmöglich ist. Einzige Möglichkeit, eine volle Kehrtwende zu machen, ist der nächste Kreisverkehr.

What’s your name, Sir?
Solch ein abgelegenes Edel-Resort wie Penha Longa ist natürlich gut gesichert und komplett umzäunt – die Gäste sollen sich ja beschützt fühlen. Beim letzten Besuch vor vier Jahren wurde einfach die Schranke zur Einfahrt geöffnet und nett beim Wächterhäuschen gegrüßt. Aktuell jedoch bleibt die rot-weiße Bake für unbekannte Gäste zu und ein trotz 30° C Lufttemperatur elegant gestylter Herr respektierlicher Erscheinung tritt neben die Wagentür: "Good morning, Sir! What’s your name, Sir?!" Die eindringlich mit sonorer Stimme gestellte Frage war unerwartet und als mit Bermudas sowie Poloshirt bekleideter Golfer fühlt man sich kurzzeitig fehl am Platze. Nach kurzer Erklärung wurde die Einfahrt selbstverständlich gewährt – nicht aber, ohne den Namen des Neulings festzuhalten.

Portugal - Penha Longa

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Gepflegtes Einschlagen
Es scheint sinnvoll, vor dem Ausladen der gut gefüllten Golfbags auf dem Parkplatz zuerst die Rezeption des Clubs aufzusuchen und gleich den Buggy zu holen – das erspart die Schlepperei. Angrenzend an das wirklich schicke und mittlerweile vollständig umgebaute Clubhaus befinden sich zwei große Putting Greens. Ein neuer Teppich ist qualitativ nicht höher einzustufen als diese penibel gepflegten Flächen. Ein paar Schritte weiter entfernt liegt die nicht sehr breite, aber schön gestaltete Driving Range mit Zielgrüns auf welliger Oberfläche. Der üppige Preis des Token zu 5 Euro würde andernorts wohl einen Sack Lakeballs einbringen.


Netter Empfang scheint Pflicht – Folgeservice eher nicht
Im Parterre des Clubhauses befindet sich mittlerweile, gar nicht mehr beengt und durch Vollverglasung sehr hell, die Rezeption samt des Pro Shops mit hinreichender Auswahl. Die dort beschäftigten Mitarbeiter bekamen sicher mit auf den Weg, Freundlichkeit herauszukehren. Ungekünstelt nett wurde dann auch die im Computer gespeicherte Startzeit bestätigt und während des Zahlungsvorganges einige Erläuterungen zum Platz gegeben. Vergessen jedoch wurde der Hinweis, dass ein Befahren der Fairways mit dem Buggy nicht erwünscht sei. Diese Tatsache prangte in großen Lettern auf dem Tresen – wer dies aber nicht wahrnimmt, bekommt spätestens auf dem Fairway der Bahn 1 vom Platzmarshall einen freundlichen, aber eindringlichen Hinweis darauf. Dies ließe sich jedoch vermeiden, wenn am 1. Tee ein Starter gestanden hätte. Genauso wäre es dann auch nicht nötig gewesen, sich am Tee 2 anhören zu müssen, schneller zu spielen, um die davor spielende Zweiergruppe einzuholen – das wären nämlich die geplanten Mitspieler gewesen.

Ein weiteres Servicemerkmal ist negativ anzumerken, das der neue Clubmanager umsetzen sollte. Scorekarten wurden an der Rezeption nicht automatisch ausgegeben, im Buggy fehlten sie aber ebenso. So wurde der Caddymaster das erste Mal auf den Weg geschickt. Da die so auch beschriftete Kühlbox am Buggy nach dem Öffnen nur mit gähnender Leere glänzte, stand der zweite Marsch vom Caddymaster zum Clubhaus an, um Mineralwasser zu beschaffen. Ein dritter Gang konnte ihm nicht erspart werden – die für gut 4 Stunden auf dem Platz dringend erwünschten, kühlenden Eiswürfel waren scheinbar nur in der Gastronomie verfügbar.

Vielleicht schwang bei dieser Aktion aber auch noch der perfekte Valetservice des Oceânico Amendoeira Resorts an der Algarve nach, der einige Tage vorher an der Algarve höchst organisiert agierte. Doch ein reguläres Greenfee von 90 Euro pro Person in der Low Season auf dem Atlântico sollten diese Services unaufgefordert beinhalten – insbesondere in einem 5-Sterne Resort. Vier Jahre zuvor waren diese drei Fragen zumindest überflüssig.


Nicht lang, aber glanzvoll

Was Mr. Robert Trent Jones Jr. hier mit dem Atlântico in die üppig grüne und hügelige Naturlandschaft gemeißelt hat, vergisst man nach einer Runde sicher nicht so schnell – ein abwechslungsreiches Platzdesign, das begeistern kann. Auf den ersten Löchern begrüßt der Kurs die Spieler in einem typischen Parklandstil. Die mit alten Gehölzen flankierten Fairways machen den Weg über geschickt angeordnete Bunker auf welliger Fläche bis zum Grün nicht zum Kinderspiel. Wer hier am Rande liegt, sollte auch mal einen flachen Punch geübt haben, um nicht vom Geäst eingebremst zu werden.

Der erste Konditionstest, ob mit Buggy unterwegs oder nicht, wartet schon auf der 3. Bahn. Etwas respekteinflößend ist schon die Aussicht vom stark erhöhten Tee auf die weit unten liegende, enge Landezone dieses Par 4 mit 276 Metern Länge – und keine Spur von einem Grün. Hat der Abschlag geklappt, geht es erst richtig zur Sache: Der weitere Weg führt steil bergauf, schön verziert mit einigen Bunkern, und die Fahne ist kaum zu sehen. Auch auf dem Abschlag der 5. Bahn (Par 3, 142 m) sollte keine Höhenangst mitschwingen. Die verschiedenen Tees sind treppenförmig untereinander in eine Schräge eingebettet, das recht üppige Grün liegt weit unten mit einem kleinen Wald zur Linken – der bei einigen wohl ballanziehende Wirkung hat.

Die No. 6 des Platzes ist ein fast lächerlich kurzes Par 5. Und trotzdem schafften es etliche Pros bei der letzten Estoril Open de Portugal, sich hier breitbandig zwischen Eagle und Bogey einzupendeln. Übermut kommt manchmal vor dem Fall, wenn es auch nur 413 Meter (Gelb) zu überwinden gilt. Der Knackpunkt an diesem fast schon international verehrten Golfloch mit einem gut erhaltenen Aquädukt hinter dem Grün ist der zweite Schlag: Angriff oder Sicherheit. Links begleiten ein langgezogener Teich und Bunker das Fairway, hinter dem Grün lauert Ungemach in Form von Büschen wie auch hohem Gras und dem besagten Naturdenkmal. Aber schön anzusehen ist es allemal. Von hier geht es dann aber langsam hinauf zu einem Hochplateau, wo die Spielbahnen etwas offener wirken und dem Wind mehr Einflussmöglichkeiten eröffnen – schöne Aussichten ins Land gibt es gratis. Karg wirkt der Platz jedoch nirgends, denn bewegte Oberflächen und Bäume sind stete Begleiter. Ab der Bahn 13 wird es dann auch wieder enger im Geläuf – ein unaufmerksamer Pull Hook vom Tee ließe den Ball hier im Nirwana verschwinden. Etwas Mut braucht es am 15. Abschlag, denn der Teich an diesem Par 3 (145 m von Gelb) muss überwunden werden und verzeiht nichts. Je nach Spiel- und Windstärke kann hier vom Eisen 7 bis zum Holz 3 alles zum Einsatz kommen.

Wer den 16. Abschlag betritt, hält wohl erst einmal inne und genießt die Aussicht: Dieses Par 4 kann nur die Unterschrift von Trent Jones Jr. tragen. Aus luftiger Höhe vor dem Teeshot ins Tal ist auch das Grün am Ende des Doglegs nach rechts zu erspähen. Gelingt es, hier die Bunker und Baumgruppen zu meiden, lässt sich das erhöhte und flächige Grün mit dem zweiten Schlag attackieren. Zu übermütige Angreifer suchen die weiße Kugel aber anschließend im saftigen Gras dahinter. Nach einem sehr knapp geschnittenen Flugkorridor durch Baumreihen an der 17. Bahn (Par 3, 163 m) folgt das finale Loch 18 als kompaktes Par 5 – das 19. wartet kurz danach auf die Einkehr.


Ein Fazit: Auf den Spuren der Pros

Es ist schon ein Erlebnis, auf der vollkommen neu gestalteten Clubhausterrasse im Obergeschoss mit schöner Aussicht auf den Platz die Runde zu reflektieren. Die 18 Löcher des Penha Longa Atlântico haben einprägend wechselnde Charakterzüge: Ein Auf und ab des Geländes mit fast durchgehenden Schräglagen beim Ansprechen des Balles geht einher mit erquickenden Aussichten und stets neuen Herausforderungen. Dieser Besuch stellte zwar eine Momentaufnahme dar. Doch diese präsentierte sich in fotogenem Licht. Der wahrlich exzellente Pflege von Fairways und besonders der Grüns ist sicher nicht unmaßgeblich auf das vorangegangene Gastspiel der European Tour zurückzuführen, soll aber angeblich zum Dauerzustand werden.

Der Platz ist nie gemein oder hinterhältig angelegt, sondern verlangt nach dem strategischen Gedanken. Die Grüns präsentieren sich fast durchgängig großflächig und sind mit reichlich Struktur versehen worden. Nicht nur Single-Handicapper sind gefordert, hier beim Anspiel die Fahnenpositionen zu berücksichtigen, um nicht deprimiert mit drei oder gar mehr Putts vom Grün zu schleichen. Sich hier zu unterspielen ist eine echte Aufgabe, denn von den gelben Tees bleibt nicht mehr viel von der Spielvorgabe übrig, um sorglos zu spielen. Wer sich nicht an den 18-Loch Platz herantraut, kann sich alternativ auf dem "Monastery Course", einem netten 9-Loch Platz auf dem Areal, vergnügen.

Geradliniges Interieurdesign mit leichtem Glamoureffekt prägt inzwischen das erwähnt umgebaute Clubhaus. Konservative Naturen, die sich nach ländlicher Gemütlichkeit und Naturmaterialien sehnen, werden hier nicht bedient. Schon der schummerige Treppenaufgang ins Restaurant, dekoriert mit modernem Wandschmuck und kühler LED-Beleuchtung, lässt eher das Gefühl aufkommen, einen kultigen Lounge Club zu besuchen – aber nicht den Ruhepol eines dauernd in den Toprängen der europäischen Bewertungslisten auftauchenden Golfplatzes. Hier wurde Mut gezeigt, neue Wege zu gehen. Apropos Ruhepol: Eine der offenkundigen Stärken Penha Longa’s ist sicher die fast unheimliche Ruhe hier in den Bergen Sintras. Und in der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft.

Text und Fotos: Thomas Klages



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