Rules4you
Rules4you Regeln
Rules4you Etikette
Rules4you Handicap
Rules4you Spielformen
Rules4you Amateurstatut
Rules4you Für Kids
Course Rating
Um das Handicap, also das Spielpotential eines Golfers, ermitteln zu können, muss zunächst festgestellt werden, wie schwierig der Platz ist, auf dem der Spieler sein Ergebnis erzielt. Dafür gibt es das Course Rating. In Deutschland werden alle Golfplätze ab einer Mindestlänge von 1375 Meter über 9 Löcher durch den DGV offiziell bewertet. Diese Bewertung ist eine Grundvoraussetzung für das Erspielen eines Handicaps.

Hinter dem englischen Begriff Course Rating verbirgt sich ein Bewertungssystem, das von der United States Golf Association (USGA) entwickelt wurde, um die Spielschwierigkeiten verschiedener Golfplätze zu kennzeichnen. Da Golf auf einer nicht genormten Spielfläche stattfindet, die Handicaps der Golfer aber normiert und somit vergleichbar sein müssen, egal auf welcher Golfanlage diese erspielt wurden, müssen die unterschiedlichen Schwierigkeiten der Plätze in einem Normierungsverfahren vergleichbar gemacht werden.

enger Platz, bewaldet, stark onduliert breiter Platz, sehr offen, flach

Es ist im weitesten Sinne vergleichbar mit der Kennzeichnung von Skipisten (leicht/mittel/schwer). Anders als bei der Skipistenkennzeichnung funktioniert das Course Rating aber sehr viel filigraner. Es drückt die Schwierigkeit eines Platzes auf zehntel Schläge genau aus.

Die mit dem Course Rating System verbundenen Zahlenwerte sind der CR-Wert und der Slope-Wert.


CR-Wert (Course Rating Wert)
Der CR-Wert drückt auf die Dezimalstelle genau aus, wie viele Schläge ein Golfer mit einem Spielpotential von HCP 0 (auch Scratch-Golfer genannt) in Durchschnitt auf der gespielten Anlage benötigt. Sein tatsächliches Spielergebnis wird dann mit diesem Wert verglichen. Spielt ein Scratch-Golfer also bspw. 71 Schläge auf einem Platz mit CR-Wert 71,8, so ist seine Runde als überdurchschnittlich zu werten. Spielt er hingegen bspw. 76 Schläge, so ist seine Runde, statistisch gesehen, als unterdurchschnittlich zu bewerten.

Das Course Rating System betrachtet nun aber neben dem Scratch-Golfer auch noch den Typus Golfer, der umgangssprachlich als Bogey-Golfer bezeichnet wird (Spieler mit einem Spielpotential von um die 20 - 24). Dies unterscheidet im Übrigen das Course Rating System von anderen Bewertungssystemen, die allein den Scratch-Golfer im Fokus haben (Bsp: CONGU). Auch für diese Bogey-Golfer wird eine statistische Schlagzahl ermittelt, der Bogey-Rating-Wert (BR-Wert).


BR-Wert (Bogey Rating Wert):
Genauso wie für den Scratch-Golfer wird beim Course Rating System auch die Schwierigkeit des Platzes für den Bogey-Golfer auf ein zehntel genau in Schlägen ausgedrückt. Da dieser Spieler vom Spielpotential her natürlich mehr Schläge benötigt, ist zu erwarten, dass die Kennziffer hierfür, das Bogey-Rating (BR-Wert), entsprechend höher ausfällt als der CR-Wert. So könnte ein BR-Wert bspw. 94,7 sein.
Das bedeutet nun wiederum, dass ein Golfer, der ein Spielpotential (HCP) um 20 hat und nur 93 Schläge benötigt, überdurchschnittlich gespielt hat, ein Bogey-Golfer, der bspw. 100 Schläge benötigt, entsprechend schlechter gespielt hat.

Nur diese beiden Zahlenwerte werden bei einer Course Rating Bewertung ermittelt. Das geschieht, indem geschulte „Rater“ die Anlage nach einer festgelegten Systematik bewerten. Sie spielen hierfür den Platz nicht, sondern bewerten allein die messbaren Fakten der Anlage nach einem speziellen Schlüssel-Kodex. Alle Schlüsselwerte ergeben dann Punkte, die entsprechend in die oben beschrieben Zahlenwerte konvertiert werden.


Wie wird das Course Rating durchgeführt?

Hierfür werden alle spielrelevanten Hindernisse und Erschwernisse, mit denen sich Scratch- wie auch Bogeygolfer in ihren jeweiligen Landezonen konfrontiert sehen, aufgenommen und die Schwierigkeit diesen aus dem Weg zu gehen, bzw. sich aus diesen zu befreien, bewertet. Da Scratch- und Bogey-Golfer Spieler mit unterschiedlichem Potential sind, werden natürlich auch unterschiedliche Schlaglängen für beide angenommen. Somit unterscheiden sich auch die Landezonen der beiden voneinander.





Was sind Hindernis- und Erschwernisfaktoren:
Folgende Kriterien werden danach bewertet, wie diese ins Spiel kommen und wie sich die Möglichkeiten der Spielfortsetzung gestalten:
    (a) Topographie
    (b) Fairwaybreite und –beschaffenheit
    (c) Grünanspiel (Größe, Länge der Annäherung, Sichtbarkeit)
    (d) Rough und Rettungsschläge
    (e) Bunker
    (f) Ausgrenzen und extremes Rough
    (g) Wasserhindernisse
    (h) Bäume
    (i) Grünoberfläche (Beschaffenheit, Schnelligkeit, Konturen)
    (j) Psychologie
All diese Faktoren werden in den jeweiligen Landezonen für Scratch- und Bogey-Golfer betrachtet.


Wie identifiziert man die richtigen Landezonen?
Natürlich schlagen nicht alle Scratch-Golfer ihre Bälle gleich weit, ebenso wenig tun dies die Bogey-Golfer. Daher werden, um ein einheitliches Bewertungsmodell nutzen zu können, standardisierte Schlaglängen angenommen. Siehe Grafik:


Gäbe es nur Spieler diesen beiden Typs, also Scratch- und Bogey-Golfer, so würde die oben beschriebene Bewertung (CR-Wert und BR-Wert) alle Golfer betreffen und das Bewertungssystem wäre allumfassend. Tatsache ist aber, dass die überwiegende Anzahl aller Golfer und deren Spielqualität nicht durch diese beiden Kennzahlen (CR und BR) abgebildet werden. Was ist mit einem Spieler mit Spielpotential 6 oder 13 oder auch 25 bzw. 36? Um auch diesen Spielern gerecht zu werden, wurde zusätzlich ein Vorgabenmodell entwickelt, das Slope-System.


Slope-System
Das Slope-System unterstellt eine lineare Abhängigkeit der beiden bewerteten Spieler. Die Annahme der linearen Abhängigkeit lässt zu, die zu erwartenden durchschnittlich gespielten Schläge auch für alle anderen Spieler mit unterschiedlichem Spielpotential abzuleiten. Wenn der CR-Wert bspw. 70,2 und der BR-Wert bspw. 90,2 ist, so wird daraus abgeleitet, dass ein Spieler mit HCP 10 etwa 80,2 Schläge und ein Spieler mit HCP 30 etwa 100,2 im Durchschnitt benötigen würde. Verbindet man also diese beiden ermittelten Werte (CR-Wert und BR-Wert), so erhält man eine gerade Linie, die entsprechend der Differenz dieser beiden Werte eine geringere oder größere Steigung hat (Steigung = engl. Slope). Daher hat der Slope-Wert seinen Namen.

Je steiler die Linie verläuft, desto weiter liegen beide Kennzahlen auseinander und umso höher ist der Slope-Wert. Je flacher die Linie verläuft, umso dichter sind beide Werte beisammen und der Slope-Wert niedriger. In nebenstehender Grafik wäre der Slope des schwereren Platzes (Blau) 129, der Slope des durchschnittlichen Platzes (Rot) 113 und der Slope Wert des leichteren Platzes 92.

Der Slope-Wert errechnet sich, indem das Course-Rating vom Bogey-Rating abgezogen wird und dieses Ergebnis mit einer Konstanten multipliziert wird.







Unter zu Hilfenahme des Slope-Wertes kann nun für jeden Spieler die Zielgröße ermittelt werden, die seiner durchschnittlich zu erwartenden Schlagzahl entspricht. Dies ist im realen Golferleben die Spielvorgabe.
Sein Wettspielergebnis wird nun immer an dieser Zielgröße gemessen. Spielt der Golfer überdurchschnittlich, so wird er sich in seiner Vorgabe entsprechend des Vorgabensystems verbessern, spielt er knapp oberhalb seiner Zielgröße (Pufferzone), so wird seine Vorgabe nicht verändert, spielt er jedoch weit oberhalb dieser Zielgröße, so wird sich seine Vorgabe verschlechtern.