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"Habe beim Ryder Cup die Kraft der Spieler bewundert"

Oktober 2012


Hallo zusammen,

unglaublich, wie schnell der Sommer vorbeigeflogen ist. Vor ein paar Wochen haben wir schon unser letztes Major gespielt und nächste Woche geht es schon für die letzten Turniere nach Asien los.

Der Juli hat super für mich angefangen – mit meinem besten Finish in einem Major, einem dritten Platz bei der US Women’s Open. Der Pete Dye Platz lag mir von Anfang an gut und der Putter war heiß. Das waren für mich die Schlüssel für eine erfolgreiche Woche. Ich hatte Chancen auf einen Sieg, doch am Samstag zog Na Yeon Choi mit einer unglaublichen 65 Runde davon. Und das bei einem Turnier, wo der Siegerscore normalerweise um  Par  herumliegt, dazu noch an einem Tag mit schwierigen Pin Positionen, kräftigem Wind und einem Durchschnittsscore von 77. Es war also keine einfache Aufgabe am Sonntag mit 8 Schlägen Rückstand in die Schlussrunde zu gehen. Viele gute Up and Downs ließen mich weiter vorne mitspielen. Einen der besten Par Saves des Tages zauberte ich an der 18, um den alleinigen dritten Platz zu verteidigen. Ich habe mein dreier Holz ein bisschen nach rechts ins Rough verzogen und dann mit meinem Caddie beschlossen, mit einem neuner Eisen vorzulegen, da ein langes Wasserhindernis die ganze linke Seite des Lochs behütete. Ich habe allerdings einen Flyer erwischt und so hatte ich am Ende eine bergab Lage und 70 Yards zu einer Fahne, die 3 Yards rechts vom Wasser stand.  Es ist mir gelungen, ein  Lobwedge zu spielen, das ein bisschen flacher war und dann mit Backspin einen Yard vor der Fahne stehen blieb. Die Zuschauer waren super begeistert!

Nach der US Open hatte ich zwei Wochen frei und habe das erste Mal in Deutschland Urlaub gemacht! Sylt war für mich einfach viel Wind, rauschendes Meer und  hervorragendes Essen :-) - da ist noch mal ein Besuch angesagt.

Die nächste Woche hab ich in meinem Heimatclub Hubbelrath verbracht und einige meiner guten Freunde besucht, die ich leider nur ein oder zwei Mal im Jahr sehe. Eine meiner besten Freundinnen ist verheiratet und hat schon vier Kinder! Es ist interessant sich mit ihr zu unterhalten, da wir beide so komplett andere Lebensstile haben. Wenn da ihre Kinder plötzlich mit mir spielen wollen, wird ein verpasster Cut auf einmal richtig, richtig unwichtig.

Mein nächstes gutes Finish kam beim Kingsmill Championship in Williamsburg, VA zustande. Eigentlich hatte ich eine ziemlich schlechte Puttingwoche, doch mein langes Spiel hat mich gehalten und alle kurzen Putts gingen rein. Es reichte also zum 14. Platz. Bei der British Open lief ziemlich wenig – doch ich hab jeden Tag wunderbares Sightseeing in fast allen Bunkern des Royal Liverpool Golf Clubs genossen. Nicht,  dass die Aussicht dort besonders sehenswert gewesen wäre :-) 

Nachdem ich die Woche drauf immer noch mit meinem verschobenen Windschwung zu kämpfen hatte, reichte es immerhin für einen 16. Platz beim Navistar LPGA Classic in Alabama.

Jetzt hatte ich erst einmal zwei Wochen Pause, doch den Ryder Cup in Medinah Country Club habe ich mir letztes Wochenende nicht live entgehen lassen! Es war eine sehr interessante und lehrreiche Erfahrung, da ich sowohl als Zuschauer, als auch als Solheim Cup Spielerin dabei war. Ich spürte den Druck, dem sich die Spieler stellen mussten, doch als Fan habe ich einfach nur die Kraft der Spieler und die Atmosphäre bewundert. Ian Poulter`s Birdies auf den letzten fünf Löchern am Samstagnachmittag oder Martin´s Putt an der 18 waren unvergesslich. Ich habe gesehen, wie sehr wir eigentlich Entertainer sind – ob wir nun gewinnen oder verlieren, wir spielen, um den Zuschauern eine ordentliche Vorstellung zu bieten. Eine Vorstellung, in der wir den sportlichen Wettbewerb niemals, niemals aufgeben dürfen.

Liebe Grüße!

Sandra

Foto: www.sandragal.com 

Ich glaube, unser Golfsport wird immer jünger und cooler!

Juli 2012

Hallo zusammen!

Ich hoffe ihr seid alle in Sommerstimmung! Ich bin’s auf jeden Fall nach unserer Woche hier in Arkansas mit 36 Grad im Schatten.

Doch der letzte Monat hat Spaß gemacht, auch wenn ich etwas Probleme mit meinem linken Fuß hatte. Bei unserem Sybase MatchplayEvent konnte ich keine Proberunde oder Pro-am spielen und bei den German Open konnte ich nur 9 Löcher vor dem Turnier sehen. Überraschenderweise, hab ich recht gut gespielt (ich musste an die Laura-Davies-Philosophie denken: „Trainiere nicht, dann hast du eine lange Karriere.”). In meinem ersten Lochspielmatch habe ich Birdie, Eagle, Par, Birdie angefangen und konnte mein erstes Match gewinnen. Am zweiten Tag hab ich immer noch recht gut gespielt, konnte aber mit den sieben Birdies von Stacy Lewis nicht mithalten. Also hab ich beschlossen, dass die Laura-Davies-Strategie vielleicht doch nicht so gut für mich ist :-)

Die Uni Credit Ladies German Open war allerdings super! Ich hatte eine Chance zu gewinnen, aber am Sonntag sind die Birdies einfach nicht gefallen. Also musste ich mich mit einer Top-10 Platzierung „zufrieden geben.” Ich war beeindruckt von der Menge der Zuschauer und deren Enthusiasmus. Ich glaube unser Golfsport wird immer jünger und cooler!

Die Woche drauf in Atlantic City war ich super untergebracht im Dolce Seaview Resort, doch mein Golf ließ zu wünschen übrig. Ich denke die USA – Europa – USA – Reise hat mich ziemlich geschlaucht. Vielleicht war es auch einfach eine schlechte Woche. Und als solche hab ich sie auch sehr schnell abgeschrieben, da wir direkt darauf unser zweites Major hatten. Von dem Platz hab ich gute Erinnerungen, da ich dort 2009 in meiner ersten Runden eine 64 geschossen hab (auch wenn das Turnier damals kein Major war).

Am Montag der Majorwoche hab ich an der eins angefangen, 9 Löcher gespielt und das Fairway sah aus wie eine Einbahnstrasse im Stadtzentrum von Rom. Als ich jedoch am ersten Turniertag zur eins kam (ich bin an der 10 gestartet), kam mir das Fairway wie die Landebahn am Flughafen von LA vor. Denn die durchschnittliche Breite der Fairways war ca. 15 Meter.
Alles in allem war es eine gute Woche und bin geteilte 12.  geworden.

In Kanada bin ich 17. geworden und die Fans waren super. Es hat sich dort fast wie ein Major angefühlt. Es gab sogar eine Gruppe von Halb-Kanadiern, die mir ein deutsches Lied vorgesungen haben....man trifft so einiges an lustigen Leuten, wenn man so viel unterwegs ist wie ich.

Was gibt’s sonst Neues? Ich glaube, dass ich das noch nicht erwähnt habe, aber dieses Jahr habe ich beschlossen 5 Prozent meines Preisgeldes an caritative Organisationen zu spenden. Ich bin mir noch nicht sicher welche, aber ich möchte gerne unterprivilegierten Kindern helfen.  Ich habe so viele Möglichkeiten in meinem Leben bekommen, da ist es nur fair etwas davon weiterzugeben.

Viel Spaß beim Golfen und bis bald,

Sandra

Sandra meets Tiger!

April 2012

Hallo liebe Leser,

endlich hat die Saison begonnen und ich habe meine ersten drei Turniere gespielt. Es war schön, wieder dort draußen zu sein, und den Urlaubsstaub abzuschütteln.

Mein erstes Turnier 2012 habe ich in Australien bestritten. Es war, wie auf einem Karussell. Rauf und runter. Die ersten zwei Tage sind super gelaufen, dann am dritten Tag klappte nichts mehr. Daher sind diese Turniere am Anfang der Saison so wichtig. Man will die Sachen ausprobieren, an denen man in der Off-Saison gearbeitet hat.

Der Platz in Australien gehört zu den schönsten der Welt, letztes Jahr wurde dort der Präsident Cup (USA gegen den Rest der Welt außer Europa) gespielt. Die Grüns sind sehr onduliert, sehr schnell und werden von vielen Bunkern “verteidigt”.  Es herrschten sehr windige Verhältnisse, bei denen man die Drives auf die schmalen Fairways platzieren musste. Ein guter Test für den Anfang. Ich komme gerne nach Australien, die Leute dort sind sehr “legere“, liebenswürdig und wissen das Leben zu genießen. Nicht zu Letzt kann man dort deshalb auch sehr gut essen.  

Der nächste Stopp war Thailand. Es war heiß und sehr feucht. Am ersten Tag des Turniers bin ich mit einer Migräne fast zusammengebrochen (obwohl ich viel getrunken habe). Der Arzt hat mir ein paar Tabletten verschrieben und damit war ich wieder in der Lage, am nächsten Tag weiter zu spielen. Dann ging es einigermaßen – ich konnte aber keine Wunder erwarten. Am Anfang der Turnierwoche hatte ich es geschafft, einen Tiger Zoo zu besuchen. Ich durfte einen Baby-Tiger füttern und mich dann neben einen riesigen Tiger setzen. Aber das mache ich nicht noch einmal!

Das dritte Turnier war in Singapur. Normalerweise ist das Wetter dort noch viel schlimmer als in Thailand, aber entweder habe ich mich so langsam daran gewöhnt oder es war vielleicht doch nicht so heiß wie sonst. Da ich in der Vergangenheit auf diesem Platz und unter den heißen und feuchten Bedingungen nie richtig gut gespielt habe, haben wir uns mit meinem Caddie entschieden, sehr konservativ zu spielen, einfach nur Fairways zu treffen (oft mit einem Holz 3 oder sogar mit dem Hybrid) und dann Mitte Grün zu spielen, nach dem Motto “Paar ist gut, Birdie ist ein Bonus”. Wenn man von einigen “unforced Errors”  wie man es im Tennis sagt, absieht, spielte ich vier solide Runden von 72,71,71,71, was dann im Endeffekt zum geteilten 15. Rang reichte. Ich denke, es ist vielleicht eine gute Strategie für die Zukunft. Gerade dann, wenn man
Plätze unter schwierigen Bedingungen spielt oder jene, die einem nicht so gut “liegen”.

Nach einer Woche Erholungspause bin ich wieder zurück in den USA und bereite mich für die nächsten Turniere vor. Wir werden in Arizona und Kalifornien spielen. Bei der Kia Classic in Phoenix habe ich meinen Titel zu verteidigen, danach kommt das erste Major des Jahres – die Kraft Nabisco Championship in Palm Springs. Ich hoffe, ihr haltet mir die Daumen!

Eure
Sandra Gal



Steckbrief - Sandra Gal

Sandra Gal ist die zurzeit beste deutsche Golfspielerin. Ende 2012 belegte sie den 32. Rang der Weltrangliste und den 25. Rang in der LPGA-Preisgeldliste. Seit 2008 spielt die langjährige DGV-Nationalspielerin auf der amerikanischen LPGA-Tour und seit 2011 ist sie Mitglied der LET. 2011 gelang ihr mit dem Erfolg bei den KIA Classics nicht nur der erste Sieg bei einem LPGA-Turnier, sondern gehörte die frühere Europa- und DGV-Ranglistensiegerin auch dem siegreichen europäischen Solheim-Cup-Team an. Seit 2012 arbeitet die gebürtige Düsseldorferin mit dem DGV als Botschafterin für Mädchen- und Damengolf zusammen. Auf DGV-DRIVE bloggt Sandra über ihr Leben als Profigolferin.
Sandra Gal