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Golf-Interview mit Harry Valérien

 
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16.10.2012 - Harry Valérien war eine Legende unter den Sportreportern, nicht nur aufgrund seiner detailreichen Kenntnisse und seiner gewissenhaften Recherchen. Auch die deutsche Golfgemeinde trauert um einen Pionier. Vor genau einem Jahr erinnert er in einem Interview an den Beginn der Golfberichterstattung im Fernsehen.



„Wenn der Harry sich das einbildet ...“
 
Eine Plauderei mit Deutschlands erstem Golf-Reporter
 
Harry Valérien, Sportreporter mit bayerischem Tonfall und unnachahmlicher Begeisterungsfähigkeit, brachte den Golfsport als Erster regelmäßig ins deutsche Radio und Fernsehen. Es war ein ständiger Kampf gegen Unverständnis und Ablehnung. Gelungene Reportagen und verhinderte Sendungen lagen deshalb immer dicht beieinander, den medialen Durchbruch für den Golfsport schaffte auch Harry Valérien nicht. Dennoch schaut der fast 88jährige Ex-Reporter in einem anregenden Gespräch ganz ohne Groll zurück. 1
 
Die Frau hatte eine Vision: Du bist der Einzige, der Golf mobil machen kann, sagt Paula Stuck von Reznicek, eine damals bekannte Sport- und Society-Reporterin, zu Harry Valérien in den frühen fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Also macht sich der nichtsnutzige junge Journalist, wie er sich rückblickend ironisch bezeichnet, auf den Weg zum Golfplatz von Feldafing und tut erst einmal so, als mache er eine Reportage: Eine getürkte Radiosendung, nennt der das jetzt. 1953 interviewt er Münchner Prominente zum Thema Golf. Als Antwort erhält er die üblichen Engstirnigkeiten und Vorurteile. Richtig zur Sache geht er 1956 in Garmisch: Mit einer einzigen Handkamera, seiner eigenen, versucht er ein Golfturnier zu filmen. Dauernd wurde ich von den Club-Oberen zurechtgewiesen, weil ich auf dem Platz herumlief. Der Film entsteht trotzdem, für die Sendung Sport am Montag des Bayerischen Fernsehens. Kommentar Valérien: Das war die ganz große Freiheit des Sportreporters, ich habe alles selbst gefilmt, geschnitten und kommentiert.
 
Parallel dazu steigt Harry Valérien selbst in den Golfsport ein. Die erste Stunde verabreicht ihm die bayerische Trainer-Legende Georg Bessner – allerdings ohne allzu viel Feingefühl. Denn Valérien ist Linkshänder und will als solcher spielen. Der Bessner aber hat das nicht einsehen wollen und mich auf rechts getrimmt – letztlich mit dem Argument, dass er eh keinen Schläger für Linkshänder vorrätig hätte. Dabei kassiert Bessner ganz ordentlich: Normal waren drei Mark, er nahm fünf. Also beginnt für Harry Valérien ein golferischer Leidensweg, der erst viele Jahre später mit der Umstellung auf links endet. Doch da ist vieles schon verdorben, und der Reporter bleibt zeitlebens auf einem bescheidenen Handicap sitzen. Aber davon lässt er sich nicht verdrießen und übt weiter auf seinem Lieblingsplatz in Feldafing. Bin da oft mit dem Rennradl rausgefahren.
 
Hinzu kommen Spott und Verachtung der nicht golfenden Kollegen, die seine weitere Karriere begleiten, mittlerweile beim ZDF. Jetzt hat´s der Harry nimmer alle, spotten sie, wenn er in Mainz zum Golfspielen fährt – inzwischen schon auf der Vespa. Doch mit der Protektion von Hans-Joachim Friedrichs, dem damaligen Sportchef im ZDF, bringt er Golf immer öfter auf Sendung. Wenn der Harry sich das einbildet, dann soll er es machen, heißt es dann achselzuckend bei den einen; andere sehen das überhaupt nicht gern: Ich wurde angestänkert, hatte aber mein Standing und konnte zeitweise tun, was ich wollte. Über den ständig wiederholten Vorwurf, Golf sei nicht fernsehgerecht kann er sich nur wundern: Wenn du erlebt hast, wie Tausende von Leuten aufschreien und sich begeistern, wie ein Spieler bei einem Turnier am letzten Tag aufholt und noch gewinnt, dann kannst du nicht sagen, das sei nichts Faszinierendes.
 
Wie man Golf zu filmen hat, muss der ZDF-Mann nach eigenen Vorstellungen entwickeln. Vor den Offenen Deutschen Meisterschaften 1975 in Garlstedt bringt er den drei Kameraleuten kurzer Hand erst einmal bei, wie man die Flugbahn des Balles verfolgt. Diese erste große Live-Sendung vom Golf in Deutschland verdankt sich glücklichen Umständen: Acht Tage vor Beginn der Bundesliga-Saison bestand eine reelle Chance für diesen Plan, erinnert sich Valérien. Von den üblichen Golfkommentatoren setzt er sich ab: Ihr redet chinesisch, wirft er ihnen regelmäßig vor und kommentiert selbst so, dass auch der Laie sich in den für ihn fremden Sport hineindenken kann. Ein Höhepunkt ist die Übertragung von Bernhard Langers erstem Masters-Sieg in Augusta 1985. Am abschließenden und glorreichen Sonntag kann der Reporter allerdings selbst nicht mehr vor Ort berichten und mitfiebern, sondern muss im  Studio in New York die entscheidende Phase am Fernsehschirm verfolgen und daraus seine eigene Sendung schneiden und kommentieren. Professionalität erforderte dieses Opfer. Zur Belohnung darf er auch einmal im Leben in Augusta selbst spielen. Sein Score? – 108, kommt es freimütig und wie aus der Pistole geschossen aus dem Gedächtnis des 88jährigen.
 
Viel mehr als kurze Einblendungen und die eine oder andere Live –Reportage sind im öffentlich-rechtlichen Fernsehen im Laufe der Jahre jedoch nicht möglich; Golf bleibt dort eine Nische. Harry Valérien gebührt das Verdienst, sie eingerichtet zu haben. Und dazu noch ein paar weitere Leistungen für den deutschen Golfsport: Mit Interviews und Porträts gibt er eine kongeniale publizistische Begleitung von Bernhard Langers Aufstieg zum internationalen Golfstar, eine Golf-Reportage erscheint im renommierten Magazin GEO, nicht zu vergessen ist GOLF – Faszination eines Weltsports, ein prachtvoller Bildband in zwei Auflagen 1989 und 1990. Ich habe viele Bücher geschrieben, aber das Golfbuch war ein Geschenk, das ich mir selbst gemacht habe. Den horrenden Preis von 360 Mark kostet es damals, die Luxus-Ausgabe sogar 1800 Mark.
 
Ein Anliegen an seine Nachfolger gibt uns der betagte Ex-Reporter auch noch mit auf den Weg. Es ist die Wiederholung und Bestätigung seines frühen Credos als Golfjournalist: Redet nicht an den Laien vorbei; ihr müsst an die denken, die wir erst gewinnen wollen. Sollen aber Golfreportagen nicht in erster Linie dem Fachpublikum dienen, heißt der wiederholte Einwand. Vielleicht, sagt Harry Valérien, ich verstehe die Gegenargumente schon, aber ich teile sie nicht. Hut ab vor der Sachkunde und Spontaneität, der Organisationskunst und der Bescheidenheit dieses Sportpioniers im deutschen Fernsehen. Als bayerische, als deutsche Golf-Legende ganz besonderer Art bleibt er in Erinnerung.
 
 
1 Das Gespräch mit Harry Valérien führten Kuno Schuch und Volker Mehnert am 18. Oktober 2011 in seinem Haus am Starnberger See.
 





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