Von der „Kader-Oma“ zum Jungprofi
20.1.2012 – Seit 2001 gehörte Stephanie Kirchmayr vom GC am Reichswald ununterbrochen dem Nationalkader des DGV an. Von ihren Teamkameradinnen wurde die 26-Jährige deshalb scherzhaft „Kader-Oma“ genannt. Zu Jahresbeginn ist Kirchmayr ins Profilager gewechselt – und hat mit der souveränen Qualifikation für die Ladies European Tour eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass dieses genau der richtige Schritt war.
Im dritten Anlauf hat es für die sympathische Bayerin also geklappt mit dem Sprung auf die Profitour. Nachdem sie es 2009 bei der Qualiying School der LPGA trotz Doppelbelastung durch ihr Examen immerhin bis in die Final Stage geschafft und im vergangenen Jahr einen Versuch bei der LET unternommen hatte, gelang ihr nun also der erhoffte Erfolg in La Manga. Der DGV erreichte Steffi Kirchmayr kurz vor dem Rückflug aus Spanien.
Herzlichen Glückwunsch zur Tourkarte, Steffi. Warum hat es dieses Mal besser geklappt als bei Deinen ersten Versuchen?
SK: Zum einen lief es von Anfang an sehr gut für mich. Neben der tollen Unterstützung durch meinen Trainer Craig Miller und in der zweiten Woche durch Robert Lorenz war es aber glaube ich vor allem die Entscheidung, unabhängig vom Ergebnis der Qualifying School Profi zu werden und so ganz anders in das Turnier zu gehen. Und ich habe mich sehr intensiv vorbereitet.
Was hat den Ausschlag dazu gegeben, Deinen Amateurstatus aufzugeben?
SK: In den letzten Jahren war es immer so, dass ich wusste: „Wenn es mit der Tourkarte nicht klappt, bleibe ich halt noch ein Jahr Amateur im DGV-Kader.“ Diese Möglichkeit wollte ich dieses Mal bewusst ausschließen. Es sollte kein Zurück geben. Wenn es mit der Quali nicht geklappt hätte, hätte ich eben andere Profiturniere gespielt.
Und das war der Schlüssel zum Erfolg?
SK: Zumindest ein wichtiger Baustein. Ich habe in La Manga unseren sportpsychologischen Betreuer vom DGV, Heiner Langenkamp, getroffen. Er war dort mit den Fußballprofis von Borussia Dortmund im Trainingslager. Als ich ihm erzählt habe, dass ich die Q-School als Profi spiele, hat er mich beglückwünscht und gesagt, dass dieses genau die richtige Entscheidung war. Er war sich sicher, dass ich eine erfolgreiche Woche haben würde. Und so kam es dann ja zum Glück auch (lacht).
Wie sah Deine Vorbereitung aus? Du hast ja zuletzt Vollzeit gearbeitet und konntest nicht mehr so viel trainieren wie früher.
SK: Das stimmt. Ich habe in Herzogenaurach im Veranstaltungsbüro eines Hotels gearbeitet. Deshalb war es natürlich nicht möglich, täglich zwei bis drei Stunden zu trainieren. Ich habe dann aber Ende November schweren Herzens gekündigt, um mich den ganzen Dezember lang intensiv auf die Qualifying School vorbereiten zu können. Gut war, dass ich mehrfach, unter anderem mit dem DGV-Kader, in Spanien trainieren konnte. Es ist natürlich etwas anderes, ob man in Deutschland von Matten schlägt oder vor Ort auf dem Grün am kurzen Spiel arbeiten kann.
Konntest Du Deinen Erfolg in La Manga schon ein bisschen feiern?
SK: Also richtig gefeiert habe ich noch nicht. Aber natürlich haben Robert und ich uns nach der letzten Runde im Hotel ein Bier gegönnt. Vorher haben wir noch das Stechen von Miriam Nagl angeschaut. Schade, dass es bei ihr nicht geklappt hat.
Du gehörtest seit 2001 ununterbrochen dem DGV-Kader an. Wie fühlt sich die „Kader-Oma“ vor dem Start in einen neuen Abschnitt ihrer Karriere?
SK: Ich war elf Jahre lang im Nationalkader. Die Trainer und Betreuer, die Mädels – das hat schon irgendwie zu meinem Leben dazu gehört. Deshalb ist mir die Entscheidung auch nicht leicht gefallen. Diese Zeit hat mich geprägt. Ich habe eine super Förderung durch den DGV erhalten. Ohne die wäre ich nicht dorthin gekommen, wo ich jetzt bin. Ich habe mich auch sehr gefreut, als ich direkt nach meinem Erfolg Glückwünsche von Herrn Nothelfer (DGV-Präsident, Anm. d. Red.) und aus der DGV-Geschäftstelle bekommen habe. Nun beginnt eine neue Zeit. Ich werde immer noch Golf spielen (lacht) und hoffe natürlich, dass ich mit Caro (Masson, Anm. d. Red) den ein oder anderen Erfolg feiern werde.
Und wie geht es jetzt für Dich weiter?
SK: Wenn ich zu Hause bin, werde ich einen Tag ausspannen und meinen Erfolg genießen. Doch dann muss ich mich auch schon wieder um einige Formalien kümmern. Eventuell werde ich bereits in zwei Wochen ein Turnier in Australien spielen, das muss ich jetzt zusammen mit meinem Trainer überlegen. In jedem Fall werde ich aber am Dienstag noch ausgiebig feiern – meinen Geburtstag und die Tourkarte!
Marcus Neumann: ,Phänomenaler Erfolg'
Auch Stephanies langjähriger Bundestrainer Marcus Neumann zeigte sich begeistert von ihrem ,phänomenalen Erfolg’:
„Steffi hat sich akribisch und professionell auf La Manga vorbereitet. Ausschlaggebend für den souveränen Start-Ziel-Erfolg ist einerseits die hervorragende und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihrem neuen Trainer Craig Miller, der sowohl mit ihr an den jetzt wichtigen technischen Aspekten gearbeitet als sie auch mental hervorragend eingestellt hat. Andererseits hat sie dann im Turnier eine von Anfang an konsequent defensive Spielweise bis zum Schluss durchgehalten, immer die Konkurrenz im Blick und das Risikoverhalten entsprechend gewählt. Am Ende hat sie sich selbst bewiesen, dass der schon vor dem Turnier vollzogene Schritt ins Profilager, eine mutige, aber leistungsförderliche Entscheidung war."
Das Interview führte Christian Göttker
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