Der Feldhase
Nicht nur auf dem Acker ist der Feldhase (Lepus europaeus) ein Spitzensportler, auch auf Golfplätzen beeindruckt er mit seinen drei Meter weiten und zwei Meter hohen Sprüngen.
Sein Name ist Hase, nicht Kaninchen!
Ausgewachsene Feldhasen wiegen vier bis sechs Kilogramm. Im Sommer ist ihr Fell erdbraun, im Winter graubraun. Besonders auffallend sind die bis zu 15 Zentimeter langen Ohren. Die Löffel sind hervorragende Schalltrichter, mit denen Lepus europaeus selbst leiseste Geräusche auffangen kann. Kaninchen und Feldhase sind nur weitläufig verwandt und einfach zu unterscheiden. Der Hase ist viel größer und schwerer als das Kaninchen. Außerdem hat das Kaninchen kurze Ohren.
Feldhasen tummeln sich in ganz Europa, dem westlichen Asien und sie sind auch in Nordafrika zu Hause. Lepus europaeus hat es gern warm und trocken. Am liebsten lässt er sich auf offenen Flächen mit guter Rundumsicht nieder. Er ist zwar kurzsichtig, doch das Fluchttier hat mit seinem Sichtfeld von nahezu 360 Grad den perfekten Überblick.
In den Ackerboden auf dem Feld scharrt der Feldhase kleine Mulden, die Sassen, in denen er sich zur Ruhe legt. Er bevorzugt die Feldflur gegenüber Rasen. Lepus europaeus ist – wie viele Golfer auch – ein Feinschmecker, der sich gesund ernährt. Als reiner Vegetarier liebt er Klatschmohn, Kräuter und Gräser aller Art. Auch Getreide, Knospen und die Baumrinde knabbert er zum Leidwesen der Landwirte und Förster gern. Pflanzen dienen ihm auch als Deckung vor seinen Hauptfeinden wie Fuchs, Marder und Wildschwein.
Während Kaninchen nackt und blind in einer Erdhöhle auf die Welt kommen, wird der Hasennachwuchs auf dem freien Feld geboren, hat gleich nach der Geburt ein Fell und kann sofort sehen und laufen. Trotzdem bleiben die Kleinen während der ersten drei Lebenswochen ausschließlich zu Hause. Der Feldhase ist ein Einzelgänger, Kaninchen hingegen leben in Kolonien zusammen. In weit verzweigten Bauten verstecken sie ihre Jungen.
Wenn die Hasen Hochzeit machen
Lepus europaeus ist bereits mit sieben Monaten geschlechtsreif. Feldhasen können vier Mal im Jahr bis zu drei Junge bekommen. Die Paarungszeit beginnt im Januar und dauert bis September. Im März erreicht sie ihren ersten Höhepunkt. Vielleicht haben Sie schon einmal gesehen, wie sich mehrere Häsinnen und Rammler zur „Hasenhochzeit“ auf dem Acker versammeln. Bei der Paarung hat die Häsin „die Hosen an“: Sie sucht sich aus, mit welchen Rammlern sie sich paart. Vor der Hasenhochzeit liefern sich die Rammler auf dem Feld wahre Boxkämpfe mit der Häsin. Sie schlagen mit den Vorderpfoten aufeinander ein, um ihre Kräfte zu messen.
Innerhalb kürzester Zeit paart sich die Häsin mehrmals. Der Nachwuchs eines Wurfes kann deshalb unterschiedliche Väter haben. Außerdem kann die Häsin während der etwa 40-tägigen Tragezeit noch einmal trächtig werden. So können sich Embryonen unterschiedlicher Entwicklungsstadien in der Gebärmutter befinden. Das nennt man Superfötation. Die Häsin ist nur einmal am Tag für wenige Minuten nach Sonnenuntergang bei ihrem Nachwuchs, um zu säugen. Trotzdem ist sie keine schlechte Mutter. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn ihre Abwesenheit verhindert, dass Fressfeinde wie Habicht, Bussard oder Rabenkrähe den Nachwuchs der Sasse finden und fressen.
Da liegt der Hase im Pfeffer
Der Feldhase ist nicht akut in seinem Bestand bedroht. Aber seine Zahl hat sich in den letzten Jahrzehnten stark reduziert. Hauptgrund dafür sind die Folgen der intensiven Landwirtschaft. Es gibt nur noch wenig Hecken, Feldgehölze und Kräutersäume an den Ackergrenzen. Gerade die braucht der Feldhase als Nahrungsquelle und Deckung vor seinen Feinden. Viele Landwirte mähen ihre Wiesen oder pflügen ihre Flächen gerade dann, wenn die Häsin ihre Jungen abgelegt hat. Die Jungen flüchten nicht und werden so zum Opfer der Maschinen.
Außerdem ist Lepus europaeus sehr wetterabhängig. Ist sein Fell nass, kühlt der Körper rasch aus und Krankheiten machen sich breit. In schlechten Jahren sterben viele Junghasen, weil das Frühjahr kalt und verregnet ist.
Der Partner: Deutsche Wildtier Stiftung: Eine Stimme für die Wildtiere.
Wildtiere in Deutschland schützen und Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit der heimischen Wildtiere begeistern – das ist das Anliegen der gemeinnützigen Deutschen Wildtier Stiftung. Mit ihrem Modellprojekt Wildtierland Gut Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern beweist die Stiftung: Natur- und Artenschutz kann auch in der vom Menschen genutzten Kulturlandschaft erfolgreich umgesetzt werden. Auf über 2.000 Hektar Fläche betreibt das Gut Klepelshagen wildtierfreundliche und ökologische Land- sowie besonders nachhaltige Forstwirtschaft. Damit wird vielen Wildtieren ihr Lebensraum zurück gegeben.
Das Wissen über Natur und ökologische Landwirtschaft darf nicht verloren gehen. Deshalb finden Kinder und Jugendliche in Wildtierland Gut Klepelshagen viele Naturbildungsangebote.
Mit konkreten Projekten erhält die Stiftung Lebensräume von Wildtieren in Deutschland und setzt sich bei Politik und Wirtschaft für ihren Schutz ein. Unterstützen Sie bitte unsere Arbeit mit Ihrer Spende!
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