Brand(t)heißer Snedeker
Blackpool, England: Mit einer fehlerfreien 64 übernimmt Brandt Snedeker die Spitzenposition bei der 141. Open Championship. Nur einen Schlag dahinter folgt Adam Scott. Auf Rang drei lauert Tiger Woods bei sechs unter Par. Siem und Kaymer scheitern in Lytham am Cut.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hatte es noch einmal heftig geregnet. Die Fairways standen teilweise zentimetertief unter Wasser und in die Bunker wurden zeitweise zu Wasserhindernissen. Die Greenkeeper taten ihr Bestes, um den Platz in einen spielbaren Zustand zu versetzen und vollbrachten das nahezu Unmögliche. Pünktlich zur ersten Teetime war der Platz wieder so trocken, dass das Spiel aufgenommen werden konnte. Nicht ganz ohne Probleme. "Ich habe heute einige Male einen straffreien Drop bekommen", sagte Tiger Woods nach der Runde. "Der Platz verträgt wirklich keinen Tropfen mehr." Gerade die tiefen Pott-Bunker waren besonders anfällig und so mancher Spieler hat sich zweimal überlegt, ob er den Ball aus dem Wasser im Sand droppen soll, oder ihn spielt, wie er liegt. Denn selbst mit der straffreien "Erleichterung" aus dem zeitweiligen Wasser wurde die Ausgangslage nicht unbedingt einfacher, weshalb einige Akteure den Ball lieber aus dem nassen Element schlugen.
Brandt Snedeker ist es an den ersten beiden Tagen gelungen, sich von diesen Schwierigkeiten fernzuhalten. "Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich keinen Bunker getroffen habe", sagte Snedeker mit einem breiten Grinsen nach der Runde. "Ich war einige Male nahe dran, hatte aber stets das bessere Ende auf meiner Seite." Mit vier unter Par in die Runde gestartet, begann der Amerikaner direkt auf der Eins mit einem Birdie. "Die ersten Löcher haben sich heute extrem schwer gespielt. Der Wind von vorne links ist wohl die schwierigste Windrichtung die man haben kann." Dennoch war Snedeker froh über die frühe Startzeit. "Gestern bin ich spät auf die Runde gegangen und konnte ihn Ruhe spielen. Heute dann ganz in der Früh zu starten hatte den selben Effekt. Erst auf den zweiten Neun kamen immer mehr Fans und Kameraleute zu meinem Flight."
Ohne Zuschauer zum niedrigen Score
In der ruhigen Zeit gelangen dem Amerikaner auf den vorderen Neun ganze vier Birdies, die ihn auf einen Gesamtscore von acht unter Par brachten. "Das Birdie auf der Sechs war eine Art Initialzündung", sagte er rückblickend. Nach einem Pullhook ins Rough konnte er den Ball nur irgendwie aufs Grün hacken. "Aus gut zwölf Metern habe ich dann nur versucht, nahe ans Loch zu spielen. Dass er dann gefallen ist, das passiert halt von Zeit zu Zeit." Und so wird sich auch für die nächsten Runden an seiner Taktik nicht ändern. "Ich werde weiterhin die Grüns mittig anspielen und auf den Putter hoffen." Das habe er bei einigen Proberunden mit Tom Watson in der Vergangenheit gelernt. "Man kann nicht so spielen wie in den USA, und immer auf die Fahnen gehen. Man muss auch mal einen längeren Putt hinnehmen, wenn man dafür die Todeszonen aus dem Spiel nimmt."
"An den ersten beiden Tagen bogeyfrei zu bleiben ist ein Zeichen, dass ich gutes Golf spiele. Ich hoffe, dass ich das beibehalten kann", auch wenn er sich keine Illusion darüber macht, dass er wohl das ein oder andere Mal am Wochenende in einem der 206 Bunker landen wird. "Ich habe schon ein bisschen geübt, wie man sich hier aus dem Sand befreit", scherzt Snedeker, der vor dem Wochenende mit zehn unter Par die alleinige Führung übernommen hat.
Open Championship 2012 - Runde zwei in Lytham
Scott startet langsam und holt am Ende auf
Einen Schlag dahinter folgt der Führende nach dem ersten Tag. Adam Scott begann nach eigener Aussage "erneut etwas verhalten", wobei er seinen Schlagverlust auf der Drei und die weiteren fünf Pars auf der Scorekarte ansprach. "Mit dem Birdie auf der Sieben habe ich dann angefangen und bis zum Ende ziemlich gut gespielt. Ich bin keine unnötigen Risiken eingegangen und habe den Ball gut im Spiel gehalten." Dies beweist ein Blick auf seine Statistiken in dieser Woche. Der Australier hat an den ersten beiden Tagen gerade einmal sieben Fairways und zehn Grüns "in regulation" verfehlt. Nachdem er das Bogey auf der drei mit dem Birdie an Loch sieben ausgleichen konnte, ging Scott mit sechs unter Par auf die hinteren Neun.
Diese begann er direkt mit einem Birdie auf dem kurzen Par 4, das, nach Meinung der Ortskundigen, "heute kaum einfach zu spielen ist." Mit leichtem Rückenwind schlugen die meisten Spieler nur ein Hybrid oder langes Eisen vom Abschlag und hatten ein Wedge ins Grün. Und auch das anschließende Par 5 konnte Scott zu seinen Gunsten nutzen und sich näher an den in Führung liegenden Snedeker heranpirschen. "Ich habe erst nach einigen Löchern auf das Leaderboard geschaut und gesehen, dass er bei -10 lag." Dennoch sei es dem Australier gelungen, die Ruhe zu bewahren und seine Taktik bis zum Ende beizubehalten. Mit einem abschließenden Birdie verkürzte er den Rückstand auf einen Schlag und geht am Samstag zusammen mit dem Amerikaner um 15.20 Uhr auf die Runde.
Woods vertraut seinem Masterplan
Im Flight vor ihnen starten der Däne Thorbjorn Olesen (-5) und der 14-fache Major-Champion Tiger Woods (-6), der am Nachmittag konstantes Golf zeigte und mit einem Paukenschlag die Runde beendete. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Position. Wir sind bei der Halbzeit angelangt und ich habe Anschluss zur Spitze", sagte Woods nach der zweiten Runde der 141. Open Championship. "Mit der Wettervorhersage fürs Wochenende, könnte das noch eine sehr interessante Open werden", freut sich der Ausnahmegolfer auf die Herausforderung, auch wenn "die Vorhersagen bislang nicht wirklich zugetroffen sind. Wir sollten also besser nicht zu sehr auf sie vertrauen."
Viel Vertrauen hat die ehemalige Nummer eins der Welt dagegen in sein eigenes Spiel. "Ich habe eine gute Platzstrategie, die bislang ausgezeichnet funktioniert hat." Größtes Merkmal seines Plans: Den Driver so selten wie möglich spielen. "Eigentlich macht er für mich nur an zwei Löchern Sinn, an den Par-5-Bahnen. Aber auch nur, wenn der Wind richtig steht." Ansonsten setzt Woods auf sein Holz 3 und das geliebte Eisen 2 vom Tee, das er wie kein Zweiter flach ins Spiel bringt. 26 getroffene Fairways (93 Prozent) und 80 Prozent getroffene Grüns unterstreichen die Wirksamkeit des Masterplans. Mit vier Birdies bei nur einem Bogey auf der 11 unterschrieb Woods auch am Freitag eine Runde von 67 Schlägen, drei unter Par. "Auf der Elf habe ich lange überlegt, ob ich den Driver spielen soll und mich nicht ganz wohl gefühlt", was sich prompt gerächt hat. "Wenn man hier einen Schlag macht, muss man zu 100 Prozent überzeugt sein, das richtige zu tun."
Das perfekte Ende eines Titelanwärters bei der Open in Royal Lytham & St. Annes war der gelochte Bunkerschlag auf dem 18. Grün. "Ich habe einen tolles Eisen ins Grün geschlagen, doch der Wind hat gedreht und den Ball nach rechts getrieben." Glücklicherweise fand Woods eine Bergauflage vor und konnte den Ball "einfach auf der Eben landen lassen und ihn in Richtung Loch rollen lassen. Er traf genau den Punkt, den ich mir ausgesucht habe und fiel zum Birdie." Vor den jubelnden Tribünen der 18 geht Woods mit nur vier Schlägen Rückstand ins Wochenende.
Ohne Deutsche geht's ins Wochenende
Die letzten beiden Tage der Open Championship können Marcel Siem und Martin Kaymer dagegen nur vor dem Fernseher verfolgen. Beide Deutschen sind nach Runde ausgeschieden.
Einen ausführlichen Bericht über die zweiten Runden von Siem und Kaymer finden Sie hier.
adk



