European Tour

Dramaturgie in Rheinkultur

 
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Pulheim, Deutschland: Marcel Siem sorgt auch am vierten Tag der 24. BMW International Open für Spannung bis zum letzten Putt. Ein Wechselbad brachte den Ratinger auf Rang sechs, Danny Willet gewinnt im Stechen gegen Marcus Fraser, Bernhard Langer wird 23., Alex Cejka 66.

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Pulheim, Nordrhein-Westfahlen: Das Finale der BMW International Open war an Dramatik kaum zu überbieten. Bei böigem Wind und teilweise heftigem Regen erwischte Marcel Siem, mit drei Schlägen Rückstand auf die Führenden in den Tag gestartet, einen klasse Auftakt mit drei Birdies an den ersten drei Löchern. Schnell kletterte er nach ganz oben an die Spitze des Leaderboards. Bereits an den ersten drei Tagen hatte er ein Wechselbad der Gefühle erlebt, sich aber mit 68, 71 und weiteren 68 Schlägen bei neun unter Par eine gute Ausgangsposition fürs Finale erspielt. Es sollte eine Bergundtalfahrt mit etlichen verpassten Chancen werden, die der 31-Jährige Ratinger wohl nicht so schnell vergessen wird.



Siem stolz
An Loch 7, Par 3 mit Fahne kurz rechts am Wasser, wurde Siems Eisenschlag von einer Windböe zu weit nach rechts getragen, sprang unglücklich und kullerte den Hang hinunter ins Hindernis. Der 31-Jährige droppte, ließ den Approach zu kurz, der Ball rollte an ihm vorbei erneut ins Wasser. Nach dem zweiten Strafschlag und Pitch wurde es ein Triple-Bogey. "Ich war nicht sauer, es waren einfach unglückliche Schläge in einem schlechten Moment, das gab aber natürlich einen bitteren Break", so das Resümee des blonden Longhitters. Zwei Bogeys mit einem erneuten Wasserball an Loch 8 und einem "shitty" (Siem) Pull-Hook an der Neun warfen ihn auf -7 zurück. "Dass ich dann mit den Birdies von Loch 10, 13 und 16 am Ende noch einen Putt zum Stechen hatte, darauf bin ich schon sehr stolz."  

An der Zehn sorge ein Chip-in für Auftrieb beim Deutschen - und brachte den Startschuss für eine starke 72 zu Rang sechs. "Mein Caddie fand eine gute Mischung aus Beruhigen und Motivieren. Wenn so ein Chip dann mal rein geht, das hilft natürlich. Und ich merkte, dass die anderen eben auch Fehler machten." An der 18 riet ihm der frühere Caddy von Simon Dyson sogar zum Risiko, dass er doch das Holz flach gegen den Wind ins Grün schlagen solle: "Er meinte, er traue mir den Schlag zu. Und ich meinte zu ihm, wenn ich darf, will ich natürlich." Der Schlag ins letzte Grün war dann auch so gut, dass Siem wieder die Faust zeigte, die Menge für den Rheinländer tobte und sich lautstark trotz des fast waagrechten Regens bemerkbar machte. Es folgte ein Dreiputt, "da ich den ersten unbedingt zum Birdie und Stechen machen wollte."

Über die Stimmung und starke Unterstützung, nur wenige Kilometer von seiner Heimat entfernt, freute sich Siem riesig: "Ich habe diese Woche sehr genossen und gehe positiv in die nächsten Turniere." Auf dem Programm stehen die Irish Open, Open de France und Scottish Open, wo sich Siem stark genug fühlt, um sich direkt für die British Open zu qualifizieren - und dann am Ende sein Ziel zu schaffen, unter den besten 20 in Europa und 100 der Welt zu stehen.  

Wieder Dramatik im Stechen
Siem hatte das Stechen mit dem Dreiputt-Bogey an Loch 18 verpasst und war auf -9 und Rang sechs hinter den Dritten Chris Wood (65+70+70+73), Paul McGinley (65+70+77+66) und Gonzalo Fernandez-Castano (71+69+69+69) zurückgefallen. Danny Willett (65+70+69+73) und Marcus Fraser (64+74+68+71) beendeten die Regulären 72 Löcher in einem Nervenkampf bei Gleichstand und elf unter Par. Fraser hatte die letzten drei Löcher mit Birdie, Par und Bogey zu einer 71 gespielt, bei Willett waren es drei Pars, die 73 Zähler ergaben. Insgesamt betraten beide das 18. Grün an diesem langen Sonntag fünf Mal - zuletzt sogar ohne Regen -, mit dem glücklicheren Ende für Danny Willett.

Im vergangenen Jahr hatten Sergio Garcia und Pablo Larrazabal fünf Löcher im Playoff benötigt, bis Larrazabal die silberne Trophäe der BMW International Open in Eichenried stemmen durfte. Diesmal benötigte der 24-jährige Danny Willett aus Sheffield vier Anläufe bis zu seinem ersten Tour-Titel, für den der Sohn eines Priesters 333.330 Euro erhielt. Willett und Fraser spielten ein schier nicht enden wollendes Stechen mit jeweils Par, Bogey und Par, bis dann das Par gegen Frasers Bogey stach.

"Das ist unglaublich", so Willett nach einem seiner Meinung nach brutalen Tag. "Hoffentlich haben wir den Zuschauern eine gute Show geboten." Willett hatte die letzten 18 Monate eine harte Zeit mit Verletzungen durchlebt, seinen 105. Tour-Start (19 Top-Ten-Ergebnisse) aber schmerzfrei angetreten. Am letzten Loch verfehlte sein Eisen das Grün, der Chip aus dem dichten Rough unterhalb der Tribünen wäre aber beinahe gefallen. "Gut war, dass es nur eine Lösung für den Schlag gab", so Willett. "Ich konnte mich schon nicht verzetteln." Fraser hatte mit dem Holz das Grün in der Mitte erreicht, den Birdie-Putt zum Sieg beinahe gelocht, dann aber den Rückputt aus einem Meter verfehlt. Willetts Tap-in nach dem genialen Approach war "dann endlich" reine Formsache. Das Fazit des Siegers: "brillant".   

BMW International Open 2012 - Runde vier

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Wenig Brillanz hinter Siem, Langer und Cejka
Hinter Marcel Siem und Bernhard Langer war Alex Cejka als dritter Deutscher mit 68 und 75 Schlägen ins Wochenende gelangt, konnte dann aber nur Runden von 74 und 76 Schlägen nachlegen. Cejka hatte bekundet, dass es ihm abgesehen von einem Tennisarm ganz gut gehe, er endlich keine Probleme mehr mit seiner Grasallergie habe. "Jetzt muss ich schauen, welche Turniere ich mit der Medical Exemption noch spielen kann und wie es dann weiter geht." Cejka reist als 66 ab. Hinter ihm waren alle zwölf weiteren Deutschen im Starterfeld am Cut gescheitert. Bei BMW-Markenbotschafter Martin Kaymer lief es von vorne bis hinten nicht rund, er scheiterte vom Jetlag nach der US Open geplagt und seiner Schuhe beraubt mit 71 und 73 Schlägen unglücklich am Cut. Andere mussten es richten, zum Glück sorgen Heißsporn Siem und Altmeister Langer für deutsche Schlagzeilen. 

Langer spricht positives Fazit
Für große Schlagzeilen sorgte Bernhard Langers Fünf-unter-Par-Runde am zweiten Tag, die dem Masters-Sieger von 1985 und 1993 den Weg ins Hauptfeld ebnete. Zu seiner Finalrunde meinte er: "Die Verhältnisse waren heute sehr schwer - mit Regen und Wind und dauernd den Schirm halten." Seine dritte 72er Runde brachte den 54-Jährigen in die Top 25. "Nach einem Eagle an der Drei und einem Birdie an der Sechs habe ich an der Acht und Neun zwei Mal das Wasser gefunden. Der Platz spielte sich sehr lang, ich muss dann hohes Risiko gehen, da kommt dann bei diesem strengen Wind an Loch 7, 8 und 9 das Wasser voll ins Spiel." Solche Bedingungen habe er aber schon oft in seiner Karriere durchmachen müssen, "unter diesen Umständen war das aber eine sehr erfolgreiche Woche."

Überhaupt bewertet der erfahrene Deutsche das Turnier und den Standortwechsel ins Rheinland positiv. Den Jack-Nicklaus-Platz von Gut Lärchenhof empfiehlt er als sehr geeigneten und von den Profis geschätzten Austragungsort. Dass das schlechte Wetter zu Beginn und zum Ende der Woche die Zuschauerzahlen und die Spielbedingungen beeinträchtigten, da könne man ja bekanntlich nichts machen: "Der Golfplatz hat ein sehr gutes Layout - das sagen auch viele jungen Spieler hier. Die letzten Duscher waren natürlich nicht optimal für die Veranstaltung. Bei gutem Wetter wäre das hervorragend gewesen. Der Spruch stimmt wohl, dass Kinder hier in Köln mit dem Regenschirm geboren werden." 

Im kommenden Jahr wird die International Open ein Highlight feiern, danach kehrt sie zurück nach Pulheim 2014. Nicht nur Langer freut sich auf das Kommende: "Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr dabei bin und gesund bin, das Jubiläum in München wird etwas ganz Besonderes. 25 Jahre BMW International Open ist schon großartig - da darf man gratulieren."


sbw




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