"Das war vom Allerfeinsten"
Pulheim, Deutschland: Bernhard Langer hat am zweiten Tag der BMW International Open auf Gut Lärchenhof eine beeindruckende Vorstellung gezeigt - und hält die Fahnen mit 72 und 67 Schlägen hoch.
Insgesamt spielte der Routinier und Publikumsliebling sechs Birdies und schloss die zweite Runde mit 67 Schlägen ab. Aktuell liegt er bei fünf unter Par - und machte damit im Klassement nach seiner 72er Runde vom Donnerstag einen großen Sprung nach vorn. Im Interview sprach Langer über den bisherigen Turnierverlauf.
"Die Bedingungen waren heute nicht einfach, mit starkem und böigem Wind. Dennoch habe ich heute wirklich eine super Golfrunde hingelegt", so der 54-jährige Anhausener. "Das war vom Allerfeinsten. Nach den ersten sieben Löchern lag ich bei fünf unter, habe dann auf der zwölften Bahn ein weiteres Birdie gespielt und lag dann sogar bei sechs unter. Das war super Golf. Auch die letzten Löcher habe ich gut gespielt. Allerdings habe ich zwei oder drei Putts aus drei oder vier Metern vorbeigeschoben. Von denen hätte auch der eine oder andere Ball fallen können. Von den Schlägen her war es hervorragend, und zu Beginn war auch das Putten gut."
Seine Tochter Christina machte ihm Caddie. Besonders ihre positive Art habe dem zweimaligen Masters-Champion geholfen: "Sie hat nichts falsch gemacht heute. Ich mache das natürlich alles selbst - die Yardage, die Entfernungen, das Grün lesen. Das habe ich schon öfter so gemacht. Man hat dann nicht immer zwei Meinungen. Meine Meinung muss nicht immer richtig sein, aber heute hat das sehr gut funktioniert." Geholfen hat sie aber dennoch: "Mit guter Stimmung. Sie ist ein sehr positiver Mensch und immer gut drauf. Das hilft natürlich, wenn man dann vier oder fünf Stunden unterwegs ist und jemanden an seiner Seite hat, der gut gelaunt ist."
Es sieht so aus, als könnte man vom Altmeister an diesem Wochenende noch einiges erwarten. "Die kommenden Tage werden ganz sicher noch sehr interessant. Man wird sehen, wie weit die Führenden bei dem Wind davonziehen können oder ob sie zurückfallen. Das weiß man ja nie, wenn die Bedingungen so schwierig sind. Die Grüns sind am Nachmittag eher schwieriger zu putten, weil sie ein bisschen langsamer werden. Wir müssen abwarten, was passiert. Es ist ja erst Halbzeit. Da kann noch viel passieren. Hier sind sehr viele gute Spieler am Start. Und ich tue mich mit meinen Längen natürlich schwer und bin um einige Meter kürzer als die jungen Spieler. Heute waren zum Beispiel die 18 und die 9 direkt gegen den Wind. Da musste ich Driver und Holz 3 schlagen. Das ist über das Wasser hinweg nicht gerade angenehm. Auf der Neun waren es auch Driver, Eisen 3. Wenn ich dann das Fairway einmal nicht treffe, dann habe ich aus dem Rough gar keine Chance mehr, auf das Grün zu kommen. Da muss ich schon sehr präzise sein."
"Ich habe tolle Eisen geschlagen"
Seine Erfahrung konnte Langer auch diesmal wieder nutzen, auch wenn es einfach optimal lief: "Die Drives waren gut, ich habe tolle Eisen geschlagen und, obwohl es windig war, auch die Putts gelocht, zumindest am Anfang. Die letzten paar Löcher habe ich weiterhin super gespielt. Aber der eine oder andere Putt ist mir versprungen. Vielleicht war das Grün auch falsch gelesen. Ich schaue ja nicht gleich nach, sondern versuche, den Kopf unten zu lassen. Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Es hätten noch ein oder zwei Birdies mehr sein können, aber das ist im Golf meistens so."
Keine Roboter
Dass es im Golf zwischen zwei Runden große Unterschiede geben kann, findet Langer normal - es gehe eben immer nur um kleine Nuancen. "Ich hätte auch gestern drei oder vier unter spielen können. Mein Spiel war gut genug, ich habe nur die Putts nicht gelocht und einige kurz gelassen. Im Golf sieht man manchmal noch viel größere Unterschiede, wenn jemand an einem Tag 65 spielt und am nächsten 78 – oder andersherum. Da kann alles Mögliche passieren. Wir sind keine Roboter. Wir sind Menschen. Gerade im Golfsport machen es Millimeter aus. Wenn der Rhythmus durcheinander kommt oder man einen schlechten Break bekommt, kann man schnell drei oder vier Schläge verlieren oder wieder gutmachen."
Eine Karriere in Bildern - Bernhard Langer
Bis spät abends war Langer am Donnerstagabend nach seiner 72er Runde noch auf der Range gewesen. Das war auch ein Schlüssel für die Steigerung: "Gestern habe ich zwei oder drei Eisen nicht ganz so in die Richtung gebracht, wie ich mir das vorgestellt hatte. Deshalb bin ich auf die Range gegangen, um herauszufinden, woran das liegt. Ich habe auch Willi Hofmann nochmals angerufen, der mir einen kleinen Tipp gegeben hat. Er war ja Dienstag und Mittwoch hier und hat mir zugeschaut. Das habe ich dann umgesetzt - und es lief direkt ein bisschen besser."
Oft per Videokonferenz
"Logisch" halte er mit Willi Hofmann noch immer Videokonferenzen ab. "Das ist heutzutage ganz einfach. Ich nehme meinen Schwung auf der Range auf und schicke die Bilder via E-Mail zu ihm. Fünf Minuten später ruft er mich an und sagt mir, was ich tun soll. Er hat natürlich nicht immer Zeit. Aber in der Regel kommt er innerhalb von 24 Stunden auf mich zurück und sagt mir, was er davon hält."
Spanisch & Gentlemen
Über das Fußballspiel am Abend haben sie im Flight mit Sergio Garcia und Gonzalo Fdez-Castaño wenig gesprochen, da sie alle "beschäftigt" waren. Ein bisschen haben wir herumgeblödelt und ein bisschen geredet. Sergio hat sich mit Gonzalo auf Spanisch unterhalten. Und ich habe versucht, etwas mitzubekommen. Denn von früher habe ich ja etwas Spanisch drauf. Aber es war in jedem Fall sehr angenehm, mit den beiden zu spielen. Sergio ist ein klasse Mensch, und es ist immer gut, mit ihm zu spielen. Gonzalo war ebenfalls unheimlich angenehm. Er ist einer der größten Gentlemen, mit denen ich je Golf gespielt habe. Diese Dreiergruppe hat Spaß gemacht."
Kann überall mitspielen
Mit der Länge seiner Schläge gegenüber der jungen Spieler tue er sich nach wie vor schwer. Dennoch gehört er regelmäßig zu den besten deutschen Spielern. "Wenn ich meine beste Leistung abrufen und die Länge zum Teil durch Präzision wettmachen kann, dann kann ich überall mitspielen. Aber speziell auf diesem Golfplatz haben die jungen Spieler bei bestimmten Bedingungen Vorteile. Sie können alle Par 5 erreichen, ich vielleicht je nach Wind nur eins oder zwei. Ich bin nun einmal 20 oder 30 Meter kürzer. Das macht schon etwas aus."
Wir haben in Deutschland wieder ein paar richtig gute Spieler
"Geduld haben", meint der Pionier des Golfsports auf die Frage, wann sich denn weitere Stars hinter ihm, Kaymer und Siem auf der deutschen Bühne etablieren würden. "Man kann einfach nicht erwarten, dass jedes Jahr zwei neue Superstars auf der Bildfläche erscheinen. Man kann es nicht erzwingen. In den 1980er Jahren hatten wir in Europa mit den fünf Großen - Seve Ballasteros, Nick Faldo, Ian Woosnam, Sandy Lyle und mir - Superstars, die über viele Jahre im Weltgolf mitspielen konnten. Das findet man heute auch nicht mehr. Es gab dann zehn oder 15 Jahre, in denen weniger los war in Europa. Und jetzt haben wir wieder ein paar richtig gute Spieler. Woran das liegt, weiß ich auch nicht."
Physio-Truck - die Rettung für Langer
"Ich wüsste gar nicht, ob ich ohne den Physio-Truck nach so vielen Jahren auf der Tour heute noch Golf spielen würde", ist sich Langer sicher, der seit 35 Jahren mit einem kaputten Rücken kämpft. "Das gehört zum Besten, was die Golf-Tours auf der Welt eingeführt haben. Das hilft uns nicht nur dabei, uns vor Verletzungen zu schützen, sondern auch dann, wenn wir wirklich irgendetwas haben. Wir bekommen dann professionellen Rat und können dementsprechend behandelt werden. Das hat mir speziell sehr geholfen. Ich habe ja mit meinem Rücken seit dem 19. Lebensjahr zu kämpfen, seit ich bei der Bundeswehr war. Dort habe ich dann eine Stressfraktur und einen Bandscheibenvorfall erlitten. Damals dachte ich, meine Karriere wäre zu Ende, ehe sie richtig angefangen hat."
Pazifist trotz Bundeswehr
"Damals musste jeder ran", so Langer, der in Leipheim bei der Grundausbildung war und dann zur Sportfördergruppe nach Fürstenfeldbruck verlegt wurde. "Meinen Rücken haben sie in Leipheim kaputt gemacht. Und damit kämpfe ich seit 35 Jahren."
sbw



