• Das Monster von Sawgrass


    Sicherlich haben auch Sie am Sonntagabend mit Kevin Na mitgelitten und sich für Matt Kuchar gefreut, der zum ersten Mal die Players Championship gewinnen konnte. Allerdings sind die Sieger heute nicht mein Thema. Heute dreht es sich um ein Loch dieses außergewöhnlichen Platzes.

    Es begann mit einer Fehlplanung des weltberühmten Golfplatzarchitekten Pete Dye. Ursprünglich war die 17. Bahn in Sawgrass als Par 3 mit einem Teich oder See geplant. Da jedoch der Sand der Spielbahn an vielen anderen Stellen des Platzes benötigt wurde, entstand aus dem Teich eine See - und ganz am Ende gab es das „Island Green“.

    Jedes Jahr findet auf dem Stadium Course von Sawgrass die Players Championship statt. Für viele ist es das inoffizielle fünfte Major des Jahres, da die komplette Weltelite an den Start geht, was sicherlich an dem nicht ganz unwesentlichen Preisgeld, aber auch an der Historie dieses seit 1974 ausgetragenen Events liegt. Die Tatsache, dass die „Players“ dazu noch jedes Jahr auf demselben Platz ausgetragen wird, tut sein übriges. Spieler wie Zuschauer haben die Triumphe und Dramen der letzten Jahre im Kopf, was die Spannung deutlich erhöht.

    Jeder Spieler kennt das. Wasser scheint Golfbälle magisch anzuziehen. Und wenn wir uns die „Players“ - und dann besonders die Bahn 17 - einmal anschauen, dann scheint dies auch bei Profis der Fall zu sein. Obwohl nur etwas mehr als 120 Meter lang, ist es auch für die Profis ein Monster. Am vorletzten Loch baut sich noch einmal ein besonderer Druck auf, da es keine Möglichkeit mehr gibt, einen Ausrutscher auszugleichen. Der Schlag auf das Grün fliegt nur über Wasser. Der Druck, treffen zu müssen, steigt also noch einmal. Selbst Phil Mickelson sagt, dass er versucht, das Loch bis zum 17. Abschlag auszublenden. Ein Zeichen also, dass selbst die besten der Welt sich beeindrucken lassen und Nerven zeigen.

    Woran liegt es aber nun, dass bei der Players Championship im Jahr 2007 insgesamt 93 Bälle im Wasser landeten? Eine Quote, die man sonst nur vom Monatsbecher aus seinem Golfclub kennt?

    Dies hat mehrere Gründe:

    1. Wie schon erwähnt, lässt sich ein Ausrutscher an der Bahn 17 nicht mehr ausgleichen. Der Druck ist hoch.
    2. Das Loch lässt keinen Spielraum für Fehler. Obwohl die meisten Pros nur ein Pitching Wedge oder Eisen 9 schlagen und das Grün so groß ist, dass die Spieler unter normalen Umständen dieses bei zehn Versuchen mindestens neun Mal treffen würden.
    3. Der wichtigste Punkt: Das Wasser und die mögliche Konsequenz eines hohen Scores lässt den Fokus von dem Schlag zu einem möglichen (gewünschten oder ungewünschten) Ergebnis wandern. Damit kommt das Bewusstsein ins Spiel. Der Schwung läuft nicht mehr natürlich ab. Der Wunsch der Schlagkontrolle übernimmt die Herrschaft über den Schwung und damit ist der komplette natürliche Ablauf dahin. Dies gilt auch für Profis.

    Was kann nun der Hobbygolfer daraus lernen? Einmal ist es sicherlich beruhigend, dass auch vermeintliche Superstars Nerven zeigen. Viel wichtiger ist es aber, die Gedanken immer bei dem gerade zu spielenden Schlag zu sammeln und nur an das mögliche Ziel und nicht an mögliche Konsequenzen zu denken. Wer das schafft, wird befreiter aufspielen und damit mehr Spaß an seinem Golfspiel haben.

    Wer sich das 17. Loch des Stadium Courses einmal aus der Perspektive der Pros anschauen möchte, um erahnen zu können, was die Jungs vor dem Schlag denken, sollte diesen Link nutzen.

    Zwei interessante Fakten zum 17. Loch des TPC:
    1. Fred Couples schaffte es als einziger in der Geschichte der Players Championship nach einem Wasserschlag mit einem Hole-in-one ein Par zu spielen.
    2. Der Meister des 17. Lochs ist Tom Lehman mit 54 Versuchen ohne Wasserkontakt. Sein Durchschnittscore: unglaubliche 2,76 Schläge.

    Mein Tipp zum Schluss: Bleiben Sie fokussiert!

    Ihr
    Fabian Bünker



    Schlagwörter: Wasser Players Championship Fabian Bünker
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Die Autoren

Fabian Bünker

Fabian Bünker (31) ist Akademie- und sportlicher Leiter sowie Trainer der AK 14 Mädchenmannschaft des Golf Club St. Leon-Rot. Bünker verfügt über den A-Trainerschein des DGV und eine "G1"-Graduierung der PGA of Germany. Außerdem ist er Mitglied des Coach-Teams der PGA of Germany und im DGV-Lehrteam.

Marco Schmuck

Marco Schmuck betreibt seine Golfschule im GC Olching bei München und betreut dort unter anderem die Bundes- ligamannschaften der Herren und Damen. Daneben hat sich der 37-Jährige vor allem als Spezialist im Bereich der Videoanalyse (Scope) einen Namen gemacht. Der geborene Leverkusener betreut zahlreiche deutsche Spitzenamateure sowie den Playing Professional Daniel Wünsche.

Martina Eberl-Ellis

Die Münchnerin Martina Eberl-Ellis wechselte mit 21 Jahren zu den Profis und gewann in ihrer Karriere vier Turniere auf der Ladies European Tour. Seit ihrem Rückzug vom Profigeschäft Ende 2012 betreibt sie die "Martina Eberl Golfakademie" (Eröffnung 2011) im Münchner Golf Eschenried, in der sie täglich anzutreffen ist.