• Kaymer und das Langer-Erbe

    Petra Himmel  |  21.05.2013  |  21:24 Uhr

    "Also vom Martin", spricht der Herr am Stammtisch beim Italiener in der Tennishalle, "vom Martin kriegt man ja gar nichts mehr mit." Die Rede ist, von wem auch sonst, von Martin Kaymer, Deutschlands Vorzeigegolfer, der seine Fans seit Monaten vor Fragen stellt: Wo bitte ist er denn überhaupt, der Martin? Warum spielt er denn nur noch da drüben bei den Amerikanern und warum spielt er zwischendrin immer so hohe Runden? Und vor allem: Warum siegt er nicht mehr, warum ist er nicht mehr unter den Top Ten der Weltrangliste?

    Viele Fragen, die in den Clubhäusern der deutschen Golfclubs, bei Gesprächen zwischen Golfern und Nichtgolfern, beim Autohändler oder beim gemütlichen Abendessen gestellt werden und die zuerst vor allem eines beweisen: Martin Kaymer ist durch seine Erfolge in den vergangenen Jahren durchaus angekommen in der deutschen Allgemeinheit. Nein, so bekannt wie ein Sebastian Vettel ist er nicht, wohl aber bekannt genug, um als Thema für eine kleine Fachsimplerei unter Golfern oder Nicht-Golfern herzuhalten. So viel Bekanntheit ist zuerst einmal schön, weil sie ja durchaus hilft, wenn es um den Abschluss von Werbeverträgen und so geht.

    Mit einher geht allerdings die Tatsache, dass sich ein Profi permanent Fragestellungen unterziehen muss, die er unter Umständen nicht ganz nachvollziehen kann.
    Zur Mitte der Saison 2013 ist es jedenfalls an der Zeit, eine erste Zwischenbilanz des Jahres zu ziehen.

    Obwohl Kaymer für so manchen deutschen Fan auf den ersten Blick wenig präsent sein mag, hat er seine Turnierpräsenz gegenüber früheren Jahren faktisch erhöht. Das wird schon dadurch bedingt, dass er eine Mindestanzahl von zwölf Turnieren auf der US PGA Tour vorweisen muss. Außerdem hat er im Hinblick auf die Playoffs beim FedEx Cup ja noch ein wenig Aufholarbeit zu leisten. Tatsächlich hat der Deutsche durch seinen fünften Platz vom Sonntag ein wenig Boden gut gemacht und ist nun immerhin von Platz 132 auf 98 vorgerückt.

    Auch in der Weltrangliste ging es nach langer Zeit mal wieder ein Stückchen nach oben. Platz 32 statt 35 in der Vorwoche. Um ehrlich zu sein - Ränge jenseits der 30 war der deutsche Stammtischfan von seinem Martin ja auch nicht gewöhnt. Seit Januar 2009 wurde der Düsseldorfer immer unter den Top 25 geführt, zwei Jahre in Folge sogar unter den Top 5. Einmal ganz abgesehen davon, dass er seit 2008 immer ein Turnier auf der European Tour gewonnen hat. Auch damit war 2012 plötzlich Schluss.

    Wer einen Blick auf die Mitstreiter des Martin Kaymer wirft, erkennt, dass es gar nicht so ungewöhnlich ist, dass sich ein Profi mal weiter oben, mal weiter unten befindet. Luke Donald etwa, vor Kaymer Weltranglistenerster, macht im Moment auch keine brillante Figur. Sergio Garcia und Hendrik Stenson sind gerade wieder obenauf, haben ihren persoenlichen Kampf um einen Platz unter den Top 50 der Welt schon hinter sich.

    Kaymer hat 2013 auf jeden Fall wieder mehr Lust als 2013. Das hat er beim Masters ganz klar festgestellt, das wird von seinem Team bestätigt. Dass er sich in der deutschen Außenwahrnehmung trotzdem schwer tut, mag zum einen damit zu tun haben, dass er in Deutschland zum einen aufgrund fehlender PGA-Turniere, zum anderen aber auch aufgrund wenig Aktivitäten seinerseits, sei es im Bereich Charity oder Turnierunterstützung oder -gestaltung, tatsächlich kaum präsent ist.

    Nichtsdestotrotz ist der deutsche Fan in Sachen Beständigkeit an der Weltspitze auch sehr verwöhnt: Bernhard Langer gilt bis heute auch unter seinen Kollegen als das Nonplusultra, wenn es um konstante Spitzenleistungen und permanente Siege gilt. "Ein Problem mit der Motivation habe ich nie gehabt", hat der inzwischen 55-Jährige in Augusta resümiert. Irgendwie aber war Langer auch immer präsent: Als Spieler und Sieger auf der US PGA und European Tour, als ewiges Ryder-Cup-Mitglied oder Ryder-Cup-Kapitän, als Turnierveranstalter in Stuttgart, in Berlin und in Köln, als Träger der Bernhard Langer Stiftung.

    Kaymer hat auf Nachfragen schon mehrfach festgestellt, er könne sich nicht vorstellen, über Jahrzehnte im Profisport zu bleiben wie Langer. Und man muss ehrlich feststellen, dass es, für welchen Profi auch immer, nahezu unmöglich ist, die Aufmerksamkeit und Präsenz eines Bernhard Langer zu erreichen. Schließlich gilt dieser wegen seiner Konstanz und Beharrlichkeit als Jahrhundertphänomen. Nur weil dieses Jahundertphänomen zufällig aus Deutschland kam, muss nicht jeder deutsche Majorsieger zum Jahrhundertphänomen werden.


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  • Lucky 33: Die Golf-Community in der Allianz-Arena

    Petra Himmel  |  12.05.2013  |  19:08 Uhr

    Crossgolfer, Minigolfer, Golfer: Drei Gruppierungen, die eigentlich nur begrenzt miteinander zu tun haben. Oder sollte man sagen: Die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben? Über das Facebook-Gewinnspiel von Lucky 33 und der Allianz haben sie sich zusammengefunden. Überraschend eigentlich. Denn um ehrlich zu sein: Unter den 33 Gewinnern, die sich an diesem Wochenende in München in der Allianz-Arena trafen, hätte man eigentlich 33 junge Golfer aus Deutschland bis vielleicht 25 Jahre erwartet. Menschen, die Golf spielen und obendrein fähig sind, unfallfrei einen Facebook-Account zu bedienen und ein Foto hochzuladen. Menschen, die obendrein noch Witz und Motivation mitbringen und sich ein Motiv zu Golf und dem FC Bayern einfallen lassen.

    Falsch vermutet: Die 33 Gewinner, die sich am Wochenende in München trafen, waren weitgehend Erwachsene und keineswegs nur klassische Golfer, sondern eben auch Cross- und Minigolfer. Wer ihnen an diesem Sonntag dabei zusah, wie sie von der Tribüne herab auf ein Lucky 33-Logo schlugen, in der Bayern-Kabine putteten, Motivationstänze aufführten und auf eine Torwand mit Kinderschlägern schossen, stellte fest: Spaß hatten sie alle. Völlig egal, ob sie irgendein einstelliges Handicap haben, üblicherweise auf einer Betonbahn putten oder am liebsten den Ball durch alte Festungsanlagen spielen.

    Alles egal, alle spielen mit dem kleinen weißen Ball. Und: Dem Golfsport tut so eine Veranstaltung nur gut. Weil sie mal wegkommt von Regeln, Punktezählen und Handicaps. Weil sie mal nichts zu tun hat mit Stableford-Spezialisten, Equipment-Fetischisten und Menschen, die ständig genervt um die Ecke blicken, weil in 500 Meter Entfernung jemand die Nase putzt. Golf kann ernsthafter, großartiger und ambitionierter Sport sein, was die Profis in Sawgrass und Deutschlands beste Amateure ja diese Woche in der Deutschen Golf-Liga beweisen.

    Golf kann aber auch einfach nur ein Spaßspiel sein, bei dem um die Ecke gedacht und Stimmung erzeugt wird. In diesem Sinne: Wie wär’s denn mit einer Riesen-Open-Air-Veranstaltung für Golfer, Cross- und Minigolfer, bei jeder mal ausprobiert, was die anderen so machen? Am besten mit Live-Musik, reichlich Würstchen-Buden und einem riesigen Kinderprogramm. Könnte ja sein, dass all‘ die Sportler mit dem kleinen weißen Ball vielleicht doch ein paar Gemeinsamkeiten haben.


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  • Kieffer - neue Hoffnung

    Petra Himmel  | 

    Es gibt nur noch dieses eine European-Tour-Turnier in Deutschland - die BMW International Open. In diesem Jahr zum 25. Mal, nach einem Abstecher nach Köln diesmal wieder im Golfclub Eichenried bei München. Natürlich, es werden wieder Weltklassespieler an den Start treten - daneben aber ist dieses eine große Turnier auch immer eine kleine Nabelschau. Was hat Deutschland denn so zu bieten an Spielern, welcher Amateur kann punkten, welche Nachwuchsprofis werden hoch gehandelt?

    Die erfreuliche Nachricht des Jahres 2013 ist dabei wohl, dass es in diesem Jahr immerhin schon vier deutsche Profis im Feld geben wird, die sich international einen Namen gemacht haben: Martin Kaymer, Marcel Siem, Alex Cejka und Max Kieffer. Max Kieffer also. BMW hat den 22-Jährigen als Sponsor unter seine Fittiche genommen, wie einst Martin Kaymer. Am Dienstagabend hat man den Düsseldorfer zum ersten Mal als BMW-Spieler vorgestellt. Der erste Eindruck: Durchaus sympathisch, der junge Mann, der vor allem durch sein Playoff über neun Löcher bei der Open des Espana im April bekannt geworden ist. Er führt derzeit in der Rookie-Wertung der PGA European Tour, er hat seine Tourkarte für 2014 bereits gesichert. Alles bestens also für den Spieler vom GC Hubbelrath, der bei seinem Pressetermin in der BMW-Welt Erinnerungen wachruft an die BMW International Open 2003, bei der ein damals 18-jähriger Martin Kaymer den Cut überstand und große Hoffnungen weckte.

    Kaymer hat die hochgesteckten Erwartungen in ihn mit seinem Major-Sieg und dem Sturm an die Weltrangliste schnell erfüllt. Die Erinnerung an seinen raketenhaften Aufstieg macht das Leben für Max Kieffer nicht wirklich einfacher: Der ständige Leistungsvergleich mit Kaymer wird ihn in den nächsten Monaten verfolgen. Dabei ist Kieffer im Moment bei genauer Betrachtung noch nicht mehr als ein Jungprofi, der sich im ersten Halbjahr auf der PGA European Tour sehr ordentlich geschlagen hat. Nein, er hat noch nicht gewonnen, er ist noch kein Star, und der junge Mann versucht erfreulicherweise auch nicht, sich als ein solcher zu geben. Aber wie immer im deutschen Golf ergibt es sich angesichts der fehlenden Masse an erfolgreichen Nachwuchsspielern automatisch, dass die wenigen Vorhandenen besonders intensiv ins Visier genommen werden, ihr Potential in besonderem Maße gepriesen wird.

    Wir erinnern uns: Mal beherrschte der Amateur Sean Einhaus als der Star von morgen bei der BMW International Open so manche Schlagzeile, mal wurde von Tino Schuster, Max Kramer oder Stephan Gross jr geschwärmt. Ein jeder der jungen Männer kann inzwischen eine Menge darüber erzählen, wie schwer es ist, den Sprung auf die Euroepan Tour überhaupt zu schaffen. Das zumindest hat bei Kieffer ja schon geklappt. 2014 wird er seine zweite Saison absolvieren. Er wird finanziell besser dastehen als in diesem Jahr. Nicht nur, weil er 2013 bereits ordentlich Preisgeld verdient hat, sondern auch, weil er jetzt eben einen Sponsor wie BMW hat. Dafür steht er am Mittwoch auf der Driving Range in Eichenried und lässt sich von einem Fernsehteam für BMW TV drehen.

    All‘ das ist neu für Kieffer, aufregend, lässt eine tolle Zukunft erahnen. 200 Meter entfernt sitzt auf der Terrasse vor dem Clubhaus von Eichenried ein 36-Jähriger und trinkt einen Cappucchino. Er hat eine ganz normale Golfrunde gespielt. Sein Golfspiel ist ihm nicht so wirklich wichtig. Sein Name ist Dier, Tobias Dier. So manch einer der Zuschauer, die in diesem Jahr zur BMW International Open kommen, werden ihn womöglich gar nicht mehr kennen. Dabei war auch er einmal einer dieser vielbeachteten Jungstars bei der BMW International Open. 1998 hatte er sich über einen sechsten Platz auf der Challenge Tour die Tourkarte geholt. 2001 gewann er die North West of Ireland Open, 2002 die TNT Open. Da schoss er in der ersten Runde in Hilversum eine 60. Dier wurde zum zweifachen European-Tour-Turniersieger. Deutschlands Golfszene war hin und weg.  

    "Wir bräuchten zehn wie den Max", sagt Dier am Mittwoch in Eichenried. Bei einer Gruppe von zehn Nachwuchshoffnungen steht der Einzelne nicht so im Focus, zieht die Aufmerksamkeit nicht so an, wird nicht so schnell als potentieller Star gepushed. Max Kieffer selbst würde sich diese neun Mitstreiter ebenfalls wünschen. Zum Glück, so resümiert er seine bisherige Saison, habe er immerhin Moritz Lampert vom Golfclub St. Leon-Rot als Mitstreiter bei den meisten Turnieren gehabt. Angesichts der Tatsache, dass Kaymer und Siem viel in den USA unterwegs sind, ist man als Deutscher ansonsten bei europäischen Standardturnieren weitgehend auf sich allein gestellt.

    "Die Spanier sitzen abends immer in Gruppen beim Essen", beschreibt Kieffer das übliche Szenario. "Und wir sind immer nur zu zweit." Moritz Lampert und Max Kieffer, der Qualifying-School-Absolvent und der Challenge-Tour-Aufsteiger. Zwei vielversprechende Jungprofis mit Potential. Vielleicht haben sie das Zeug zum Star. Vielleicht aber auch nicht. Noch kann das niemand wissen. Fest steht nur eins: Auch der Star Martin Kaymer wäre wohl froh um ein paar deutsche Kollegen auf seinem Niveau. Denn auch für einen Major-Sieger gilt: Jetzt, wo sich Bernhard Langer fast ausschließlich zu den Senioren verabschiedet hat, richtet sich das deutsche Interesse weitgehend auf Kaymer. Und: Bei nur einem einzigen deutschen European-Tour-Turnier wird die Aufmerksamkeit während der Turnierwoche in München quasi maximiert. Eine typisch deutsche Situation sozusagen. Ideal ist sie nicht.


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Petra Himmel
Die Autorin

Petra Himmel, 43 Jahre alt, ist als freiberufliche Journalistin auf den Bereich Golf spezialisiert, hat mehrere Bücher veröffentlicht und arbeitet für zahlreiche große Tagezeitungen wie die Süddeutsche Zeitung (inkl. Golf Spielen) oder den Zürcher Tagesanzeiger. Zum Golf kam sie selbst eher zufällig vor 16 Jahren, inzwischen hat die Münchnerin, die im GC Olching spielt, es auf Handicap 4,1 gebracht.



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