• Nach der Krise

    Petra Himmel  | 

    Jack ist 72. Er hat sein Geld im Real Estate Business gemacht, aber Golf ist sein Leben. War es schon immer. Weshalb er an diesem Sonntag in seinem Golfcart am ersten Abschlag des Rivermont Country Clubs in Atlanta sitzt und wild entschlossen ist, den Tag zu genießen. Jack hat gelernt, Golf nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Die Finanzkrise hat sein Leben auf den Kopf gestellt, so wie es den Rivermont Country Club gänzlich verändert hat. Der 18-Löcher-Club im Ortsteil Johns Creek ist das, was man einen klassischen amerikanischen Mitgliederclub nennen würde. Bei weitem nicht so riesig und extravagant wie der Atlanta Athletic Club gleich um die Ecke mit seinem Fitnessbereich, seinem riesigen Clubhaus, seinen zwei 18-Löcher-Plätzen. Bei weitem nicht so exklusiv und abgeschottet wie East Lake, wo die US PGA Tour alljährlich ihr Tour-Finale ausspielt oder Peachtree, wo Frauen im Clubhaus bis heute sehr ungern gesehen werden.

    Rivermont ist gehobene Mittelklasse. Ein erstklassiger Golfplatz, 1973 eröffnet in einem hügeligen Parkland-Areal mit engen Bahnen, stark ondulierten Grüns und wirklich abwechslungsreichen Bahnen. Ein Platz, der hierzulande in Deutschland zu den Top 10 zählen würde. Jack hat hier Jahrzehnte lang gespielt. Genau genommen seit den 70er Jahren, in denen die Wohnbebauung rund um den Platz bestand. Der erste Abschlag war keine zwei Minuten mit dem eigenen Golfcart entfernt, im Club hatte er einen Anteil gekauft und die Sonntagsrunde mit den Kumpels war Teil seines Lebens. Bis die Finanzkrise kam und Jack 800.000 Dollar bei einem Immobiliengeschäft in South Carolina verlor. Da war der Monatsbeitrag in Rivermont nicht mehr bezahlbar und Golf kein Thema mehr. Jack saß zwei Jahre lang auf der Terrasse seines Hauses neben dem Golfplatz und sah den wenigen Mitgliedern zu, die noch ihre Runden drehten. Der Rivermont Country Club machte ähnlich harte Zeiten durch wie er selbst. Jack war kein Einzelfall, weshalb der Club zig Mitglieder verlor, wieviele genau will der Clubsekretär lieber nicht erzählen.

    An Neumitglieder, die eine Aufnahmegebühr in Höhe von mehreren tausend Dollar bezahlen wollten, war nicht zu denken, weshalb das verfügbare Budget schrumpfte und schrumpfte. Rivermont hat die Krise - anders als so viele andere Clubs in den USA - überlebt. Es hat sich ein neues Marketing verordnet und ein neues Businesskonzept aufgelegt, das mit seinen zahlreichen Mitgliedschaftsoptionen und in seiner Flexibilität in vielerlei Hinsicht an ein Fitnessstudio erinnert: Aufnahmegebühren sind passé, dafür sind die Monatsgebühren auf 375 Dollar für die Vollmitgliedschaft gestiegen. Einer wie Jack hat sich für die Senioren-Mitgliedschaft für 275 Dollar entschieden: Vier feste Tage in der Woche Spielrecht, darunter am Sonntag. Längst ist die Anzahl der Mitglieder wieder auf knapp unter 800 gestiegen.

    Aber die hohe Flexibilität der Mitgliedschaften bedingt eine starke Fluktuation. Stimmt die Platzqualität nicht, sind die Rundenspielzeiten zu hoch. Versagt die Gastronomie, schnellen die Austrittszahlen in die Höhe. In diesem Sommer jedenfalls brummt das Geschäft. Voll von morgens bis abends präsentiert sich der Platz. Jack dreht in seinem Cart viermal die Woche seine Runde. Seine Baufirma läuft wieder ganz ordentlich. Nein, die Aufträge für die großen Privathäuser, die vor der Finanzkrise üblich waren, bleiben nachwievor aus. Aber seine Kunden haben begonnen, ihre Häuser zu renovieren. Er hat sein Geschäft umstrukturiert, er kann sich die 275 Dollar Monatsbeitrag wieder leisten. Golf ist endlich wieder Teil seines Lebens.


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  • Europa vor dem Durchmarsch?

    Petra Himmel  | 

    3,5 Punkte bei zwölf möglichen Einzeln: Zumindest statistisch betrachtet, sieht das wie eine sehr machbare Aufgabe für Europa aus. Wobei die Amerikaner tatsächlich bereits einmal zehn Einzel gewonnen haben: 1996 in Wales, Meg Mallon gehörte damals zum Team. Ansonsten musste die USA bis dato nie mehr als einen Rückstand von zwei Punkten überwinden.

    Und: Es ist eigentlich ganz normal, dass die Europäer nach den Vierern vorne liegen: Zählt man alle Vierer-Punkte zusammen, liegen sie 77,5 zu 58,5 in Führung. Ein Comeback für die USA? Wenn ja, wäre es ein ziemliches Wunder. Eines, das sogar jenes der Herren Europas beim Ryder Cup im vergangenen Jahr übertrumpfen würde.

    Da lag man ja "nur" vier Schläge zurück. Bei all‘ dem Punkte-Wirrwarr nach zwei Tagen verliert man leicht den Überblick. Bisherige Top-Kraft: Caroline Hedwall mit vier Siegen. Die einzige Spielerin, der das in der Solheim Cup-Historie noch gelang, war Christie Kerr.

    Allerdings gibt es auch ein paar Damen, die noch gar nicht punkten konnten: Giulia Sergas auf europäischer Seite, Lexi Thompson, Gerina Piller und Angela Stanford bei den Amerikanerinnen.

    Es wird durchaus ein wenig "gezickt" zwischen den beiden Teams: Die Stimmung im Creamer-Vierball-Bestball am Nachmittag war nicht die beste. Michelle Wie musste sich erst einmal auf Twitter dafür entschuldigen, dass sie vom 16. Grün stürmte, obwohl Catriona Matthew und Charley Hull noch nicht fertig waren. Heftig diskutiert wird im US-Fernsehen auch der Kommentar Caroline Hedwalls auf die Frage, wen sie am liebsten als Gegnerin im Einzel hätte: "Schwierig, weil es so viele gibt, die man schlagen will", antwortete die vor Selbstbewusstsein schier platzende Schwedin. "Aber wahrscheinlich Paula Creamer oder Christie Kerr." Es ist jetzt Michelle Wie geworden.


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  • 12.45 Uhr: Zwischenzeit

    Petra Himmel  | 

    Es ist heiß und die Atmosphäre ist aufgewühlt. Viel Zeit hat Paula Creamer nicht gehabt, um sich von ihrer Partie mit Stacy Lewis gegen Azahara Munoz und Karine Icher zu erholen. Andererseits: Auf eine wie Creamer kann Meg Mallon nicht verzichten. Stacy Lewis jedenfalls hat Creamer an diesem Freitagmorgen zu einer gänzlich anderen Körpersprache verholfen.

    Die Weltranglistenzweite, die man am Donnerstag am Hadern und Zweifeln sah, ließ sich in ihrem Klassischen Vierer mit Creamer hinreißen. Eines aber wird auch klar an diesem zweiten Tag - der geborene Solheim-Cup-Spieler, aufgepumpt von den Emotionen, hingerissen von der Atmosphäre, ist sie nicht. Wo Creamer der Ian Poulter der Amerikanerinnen ist, kann Lewis ihre Führungsrolle in diesem Team nicht finden.

    Zwischenstopp am 16. Loch. Es ist das Grün dieses Par-5-Lochs, das zwei europäische Viererteams scheitern lässt. Schmal ist es, hängend von links nach rechts mit einem ordentlichen Buckel im vorderen Drittel. Die Fahne steht gerade mal eineinhalb Meter neben der rechten Grünkante, dort wo ein riesiger Bunker mit reichlich Gestrüpp wartet. Längst wissen sie, dass der clevere Annäherungsschlag gute 15 Meter auf der linken Seite oberhalb des Grüns landet, von dort aus langsam Fahrt aufnimmt, das Grün herunter kullert. Es ist fatal, dass genau die Bälle von Caroline Masson und einen Flight später von Suzann Petterssen den Buckel im falschen Winkel erwischen und langsam in den Bunker kullern.

    Es ist viel gesprochen worden, über die Kreativität, die diese Grüns vom Spieler fordern. Während sich Catriona Matthew für den klassischen Schlag Richtung Fahne aus dem Bunker entscheidet, versucht sich Recari am Schlag mit Bande - rein in die Gegenseite des Grüns, von dort aus soll der Ball wieder herunterlaufen Richtung Fahne. Keine der beiden Lösungen funktioniert. Matthew kann ihren Ball nicht zum Stoppen bringen, weil das Grün nach unten hängt. Recari vermurkst den Schlag und trifft nicht den Gegenhang, sondern das Vorgrün darüber.

    Beide Teams verlieren das Loch. Matthew und Masson retten an der 18. Bahn noch ein Unentschieden. Pettersen und Recari verlieren an Bahn 17. Am Ende dieses Vormittags können Meg Mallon und Michelle Wie erleichtert durchatmen. Die Wildcard-Vergabe an die Amerikanerin hat Mallon viel Kritik eingebracht. Zweimal ist Wie inzwischen gestartet, zweimal hat sie gewonnen. Die Solheim-Cup-Bilanz der 23-Jährigen ist bei genauer Betrachtung weit positiver als der Rest ihrer Karriere. Nach zwei Starts 2009 und 2011 und zwei Partien in dieser Woche liegt sie bei fünf Siegen, drei Niederlagen und einem Unentschieden.


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Petra Himmel
Die Autorin

Petra Himmel, 43 Jahre alt, ist als freiberufliche Journalistin auf den Bereich Golf spezialisiert, hat mehrere Bücher veröffentlicht und arbeitet für zahlreiche große Tagezeitungen wie die Süddeutsche Zeitung (inkl. Golf Spielen) oder den Zürcher Tagesanzeiger. Zum Golf kam sie selbst eher zufällig vor 16 Jahren, inzwischen hat die Münchnerin, die im GC Olching spielt, es auf Handicap 4,1 gebracht.



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Die Kolumne von Petra Himmel