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Klug golft gut, und sonst?
Ben Zinger |
Neulich habe ich von einer Studie gelesen, die sich mit Golf befasst. Studien über Golf sind schön. Besonders, wenn sie positive Ergebnisse bringen. Ich las also, zunehmend erfreut: Golf ist gut für Körper und Geist. Auge-Hand-Koordination, motorisches Lernen, das klang schon positiv. Dann auch noch das: Veränderungen in der grauen Hirnsubstanz. Was auch immer das hieß - das klang noch besser. Klug durch Golf, dachte ich, und lag damit wahrscheinlich komplett falsch.
Doch allein der Glaube, durch Golf nicht nur fitter, sondern auch intelligenter zu werden, war mehr als ein innerer Chip-in. Klar, diese motorischen Feinheiten, dieser Gedankenwust, der sich vom ersten Schlag im Gehirn einnistet, alle Synapsen besetzt, nicht mehr loslässt und eine Hitze im Hirn provoziert, die ein gut isoliertes Clubhaus im Februar wärmt.
Das alles muss doch gut sein für die Denkleistung. Klug golft gut. Oder eben andersherum. Außerdem bin ich inzwischen sicher, dass Golfer länger leben. Ich habe die zugehörige Studie noch nicht gefunden. Aber: Was ich in den zwei Jahren meiner Karriere am intensivsten trainiert habe, sind meine Nerven. Es ist ein Geschenk der Schöpfung, dass es neben Muskel- keinen Nervenkater gibt. Ach, was hätte ich gelitten in dieser Zeit.
Heute hingegen bin ich ein trainierter Buddha-Mönch auf dem Platz. Okay, ich habe neulich mit dem Sandwedge den Ständer meines Bags zerstört, was mich bis heute beschämt. Aber ansonsten bin ich wirklich deutlich ruhiger geworden. Dass lässt sich allein daran ablesen, dass mich das zerstörte Bag vor zwei Jahren nicht einmal beschämt hätte.
Diese Ruhe, die Golfer irgendwann ins richtige Leben begleitet, kennt man sonst nur von glücklich verheirateten Männern mit ausgeglichenem Sexualleben. Und die leben ja bekanntlich am längsten. Also glaube ich nicht nur, dass ich schlauer werde auf dem Kurs. Ich werde auch mindestens so viele Geburtstage erleben wie meine letzte Scorekarte Schläge auswies (um die 100).
Und dann die Haut. Vier bis fünf Stunden in der Frühlingssonne. Keine Lederhaut-Alarm wie im Vorort-Solarium, aber eben auch weit entfernt vom blassen Computernerd mit Vitamin-D-Mangel. Und die Hypochonder unter uns wissen, was das heißt: das Risiko für Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt steigt! Also auch hier klug, wer golft.
Ach, was könnte ich diese Reihe fortsetzen. Was lernen wir nicht alles über die Natur. Was ist eine Erdgrabendes-Tier-Behausung, was eine Erdspalte? In welchem Busch lohnt es sich, Bälle zu suchen, welcher kratzt einem die Haut bis auf die Knochen weg? Und wer kann schon Vogelarten am "Geschäft" auf dem kurzgemähten Gras identifizieren?
Sind Golfer bessere Autofahrer?
Und was sind wir Golfer tolerant. So viele verschiedene Partner auf der Runde, vom lauten Besserwisser bis zum nervigen Möchtegern-Trainer. Schließt uns ein Wochenende in einen Raum mit Heidi Klum, Nerv-Geiger David Garrett und Comedy-Koloss Cindy aus Marzahn ein - ertragen wir problemlos.
Ja, es ist noch Platz für viele Studien. Wie wirkt sich Golf auf die Aussehen aus? Sind Golfer bessere Köche? Die besseren Astronauten? Golf und Erfolg - wie eng gehören sie zusammen?
Ein berühmter Mann hat einmal gesagt, traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Ich sage: Mache so viele Studien, bis du zu den Ergebnissen kommst, die du haben möchtest. Ein Anfang ist ja gemacht. In diesem Sinn, gute Besserung.
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Bens Blamage - Elf Schläge am Par 3
Ben Zinger |
Es war zum Kopf-in-den-Sand-Stecken
Die schönsten Dinge im Leben sind nicht zu lernen: Ausstrahlung, Humor, eine Nacht ohne Schnarchen – perfektes Golf. Die Menschheit hat gelernt, zum Mond zu fliegen und Kriege zu führen, ohne vor Ort zu sein; ja, wir jagen sogar Teilchen in riesigen Röhren aufeinander, ohne dass wir sie auch nur im Entferntesten sehen können.
Doch auch in Genf, Cape Canaveral und Afghanistan lebt die Gewissheit: "Golf kann man nicht können.“ Seit zwei Jahren spiele ich ernsthaft Golf, seither habe ich vor allem gelernt, mit dieser Erkenntnis umzugehen. Ich habe die Gelassenheit im sportlichen Wettstreit entdeckt und schmerzhaft erfahren, wie sich die Anzahl geschmissener Driver und Schimpfworte zum Score addiert - es ist eben so: Ruhe spart Nerven und Schläge.
Ich vermag inzwischen ganz, ganz schlimme Schläge unter fünf pro Runde zu halten. Ich haue nicht mehr einfach nur drauf, sondern weiß, wann es besser ist, nachzudenken. Manchmal spiele ich schon fast klug. Manchmal heißt leider nicht immer.
Es war ein kalter Montag, trotz der Frühlingssonne zwischen vereinzelten Wolkenfeldern, die der heftige Wind über Schottlands Ostküste trieb. Der Torrance Course bei St. Andrews hatte sich als angenehmer Spielpartner bewährt. Mit einem Par war ich eben von der 7 gekommen, es ging an die 8. Der Körper funktionierte trotz Temperaturen knapp über dem Nullpunkt und Wind, den der Städter nur vom Cabrio-Fahren kennt.
Der Kopf schlug dagegen eine Lady. Und nicht nur eine.
Die 8. Bahn ist schnell beschrieben. Rund 140 Meter geht es am Par 3 gegen den Wind auf ein Grün, dessen Loch, von einem tiefen Pot-Bunker bewacht, direkt am vorderen Rand einen kleinen Platz findet. Klug spielen, sagte der gereifte Spieler in mir, nicht vor lauter Übermut die Runde versauen. Um es vorwegzunehmen: Ich habe sie nicht versaut. Es war noch schlimmer.
Das Eisen 7 war etwas fett getroffen, der Flug ein kleiner Hook, die Landung ein Glück. Ich hatte den Raum zwischen dichtem Dünengras und Bunker gefunden. Von dort ist doch immer noch das Par möglich, dachte ich bei mir und machte damit den ersten Fehler. Denn für das Par musste ich einen flachen Chip an der linken Bunkerkante Richtung Grün springen lassen. Kann man machen, sollte man aber nicht. Schläge, die man vielleicht in, sagen wir, drei von zehn Fällen hinbekommt, gehören nicht auf die Runde, wenn man scoren will. Der Zock mit Kollegen ist so eine Runde.
Immer den einfachsten Schlag wählen, sagt der Golfmund. Das fiel mir ein als mein Ball in den tiefen Bunker hoppelte und mein Kollege meinte: "Das sah gerade aus, als wolltest Du ihn genau dort hin spielen.“ Nunja, es fehlte eben ein halber Meter. Doch etwas mehr fehlte bei den Schlägen drei und vier. Im tiefen Bunker liegend war das Par futsch, selbst ich merkte, dass der Weg jetzt nur seitlich aus dem Sand führte.
Dass ich dann aber gleich eine Mauer, ein Blumenbeet, die angrenzende Straße und ein paar Meter Dünengras überspielen musste, um nur nicht im Bunker hängen zu bleiben, war weder geplant noch erwartet. Meine Kollegen hatten in der Zwischenzeit fertig geputtet und stellten sich interessiert und belustigt an den Grünrand.
Ich ließ ein paar Autos passieren und traute mich zurück auf Loch 8. Über Dünengras, Straße, Blumenbeet, Mauer – und den Bunker, was mir doch wichtig war.
Noch immer war das Doppel-Bogey drin. Es war nur ein Up-and-Down entfernt. Das Leben bietet Raum für Fehler, auch auf dem Golfplatz. Sie sind wichtig, wenn wir daraus lernen. Ja, wenn. Wer einen Fehler zweimal macht, hat die Konsequenzen auch doppelt verdient.
Das Doppel-Bogey vor Augen schmiedete ich einen teuflischen Plan. Dem Bunker würde ich es jetzt zeigen: Rechts an der Kante entlang Richtung Loch. Wäre doch gelacht... Der Bunker zeigte es mir. Schon wieder. 20 Sekunden später stand ich erneut im Sand. Die Kollegen waren jetzt in Stimmung. "Es gibt einen Platz auf dieser kurzen Bahn, an dem man auf keinen Fall sein darf - und Du bist jetzt schon zweimal drin.“ Und sie wollten mehr: "Dieses Loch spielst Du zu Ende!“
Wie blöd kann man sein? Diese Frage ist Alltag. Hier hatte ich die Antwort. Ich bekam den Ball aus dem Bunker, diesmal ohne Wechsel der Straßenseite. Ich puttete später vier (!) Mal aus fünf Metern, was ich nur mitbekam, weil die Kollegen laut mitzählten. Es wurde die 11. Elf Schläge für gut 140 Meter. Elf Schläge, von denen ich mindestens sechs gar nicht so übel fand, was aber egal ist, wenn man mindestens zwei davon einfach nie so spielen darf.
Weil sie viel eben mehr zeigen als Hooks und Pulls, dass ich Grundlegendes an diesem Spiel noch nicht verstanden hatte. Wenn Du zweifelst, lass es. Das vergess’ ich so schnell nicht mehr. Auch wenn wir diesen faszinierenden Sport auch nicht können können - es gibt unglaublich viel zu lernen.
Das Fiasko im Bild:
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Hilfe, ich spiele in Schottland!
Ben Zinger |
Die Redaktion frohlockt, Petersplatz-Stimmung in München-Schwabing. Der Katholik schreit ekstatisch: "Habemus papam!", meine Kollegen jubeln "Habemus Easy-Jet-Ticket-nach-Schottland-zum-Golfen." Es geht nach Hause, sagen sie. In die Wiege des Golfsports, sagt die Floskel-App. Ich sage: "Verdammt."
In der Schule gab es diese Mädels, die selbst bei Lehrern nicht sonderlich beliebt waren. Während der Stunde saßen sie konzentriert am Platz, nach der Stunde standen sie am Pult und bohrten, lamentierten, flirteten und forderten. Und nach der Schule saßen sie zuhause und lernten. Sie waren Projektmanagerinnen in eigener Sache. Sie hatten nur ein Projekt: Abi mit 1,0.
Heute wäre ich gerne so ein Mädel, beziehungsweise würde ich gerne eines sein können. Doch es geht nicht. Nicht, weil mir ein wenig Östrogen und Jugend fehlt. Diese Schönheitsköniginnen mit ausgeprägtem Ehrgeiz-Enzym hatten einen entscheidenden Vorteil. Sie saßen stundenlang über Büchern, Heften und Mitschrieben. Sie lernten nicht nur, sie lernten auswendig. Alles. Wo unsereins beim zweiten Vers von Goethes "Auf dem See" schon stammelte, beteten sie die deutsche Geschichte zwischen 1914 und 1945 wie der Papst den Segen "Urbi et Orbi".
Ob sie da verstanden, was sie sagten, sei einmal dahingestellt. Aber sie sagten es. Und sie schrieben es. Das zählte. Es war eine Frage des Fleißes und der Vorbereitung. Und jetzt komme ich, der Halb-Anfänger, zu dem Caddyshack-Liebhaber nach der Runde sagen: "Ach komm, stell’ doch Dein Licht nicht unter den Scheffel. Du spielst nicht mittelmäßig. Du spielst außerordentlich mittelmäßig."
Ich bräuchte eine Vorbereitung. Sitzen und lernen. Auswendig. Doch Golf ist nicht Geschichte. Und ein Schwung ist nicht die Bill of Rights. So schön es eigentlich ist, dass der Golfer nie auslernt, in diesen Tagen nervt es.
Beim Spiel mit den Kumpels ist das Handicap kein Problem. Doch mit den Kollegen, unter denen es so viele Single-Handicapper gibt wie Katholiken im Vatikan, ist das manchmal weniger schön. Und jetzt auch noch Schottland: Traumhafte Plätze, Wind, Küste, Links, tiefe Bunker und Kollegen, die schon jetzt die Provokationsmaschine angeworfen haben und auf Top-Niveau in Top-Wettkämpfen Top-Spaß haben wollen.
Ich fühle mich unwohl. Das Wort Top hat in meinem Golfspiel irgendwie gar nichts zu suchen, sieht man einmal vom getoppten Ball ab. Die Kollegen sagen, das wird schon - und lachen hinter meinem Rücken. Ich sage, fehl am Platz. Die Floskel-App sagt: Fünftes Rad am Wagen; 15. Schläger im Bag quasi. Bald geht es los. Und ich rolle mit.
Nun sagen Sie, soll er sich doch freuen, der Hacker. Natürlich haben Sie recht. Und ich freue mich auch sehr. Einerseits. Andererseits habe ich unglaublichen Respekt. Heiliger Rasen trifft Ben Zinger. Bin ich so weit? Mein Spiel ist von einer angemessenen Kingsbarns-Runde so weit entfernt wie die katholische Kirche von der hiesigen Gesellschaft.
Doch so wie sich der neue Papst Mühe gibt, so werde ich das auch. Wo können Golfwunder geschehen, wenn nicht im Schoß unseres Sports. Ein paar Stoßgebete vor der Runde, und alles wird viel besser als erwartet. Mit diesem Glauben steige ich in den Flieger. Glaube und Wunder gehören zusammen. Das ist selbst bei mir aus der Schule hängengeblieben - ohne Auswendiglernen.
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Der Autor
Golf.de-Mitarbeiter Ben Zinger* musste sich monatelang die bösen Bemerkungen der Kollegen über sein Handicap gefallen lassen. Damit soll jetzt Schluss sein. Von den unverändert schmählichen 54 zu Ostern will es der gefühlte Endzwanziger bis in den Bogey-Golfer-Bereich schaffen. In seinem Blog wird der Einsteiger von Trainerstunden, Turnierrunden und sonstigen Erfahrungen in der neuen Golf-Welt berichten. (Die Anonymität soll ihm dabei alle Freiräume geben.)
*die Kollegen gaben ihm einen passenden Namen, der Zeichner Gerd Hilbig portraitierte den Junggolfer.
Ein Benzinger [ˈbn̩tsɪŋəʀ] beschreibt einen Schlag, vorwiegend im kurzen Spiel, bei dem erst der Boden und dann der Ball getroffen wird. Man sagt auch: Er hat den Ball gebenzt. Der gespielte Ball ist daraufhin natürlich nicht wirklich brauchbar.

