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Expertenfrust

Vor fast einem Jahr kam uns in der Redaktion die Idee, Woche für Woche Expertentipps auf die Seite zu bringen. Die PGA-Tour diente als Vorbild. Verdiente Kollegen aus der deutschen Golfbranche wie Petra Himmel, BMW-Open-Turnierdirektor Marco Kaussler, Sven Hanfft vom Golf Magazin oder Alexander Huchel (Golf Journal) sind neben der Golf.de-Redaktion mit von der Partie und orakeln munter vor sich hin.
Den meisten macht es große Freude, mit den auserwählten Spielern mitzufiebern, und natürlich flattert bei Misserfolg auch der ein oder andere Spruch durch die Redaktionsräume. So soll es ja auch sein. Mir persönlich, als Initiator dieser Rubrik, macht das Getippe auch Spaß. Zumeist aber nur von Mittwoch bis Donnerstag. Den Rest der Zeit muss mich mit halbwitzigen und herablassenden Bemerkungen der werten Kollegen auseinandersetzen. Das Wort "rote Laterne" höre ich inzwischen jeden Tag drei Mal. Und das Schlimme ist - ich kann es den Kollegen noch nicht einmal verübeln. Meine Tipps sind nicht nur nicht gut, sie sind bodenlos schlecht. Beispiel gefällig: Noch kein einziges Mal konnte ich einen Spieler in den Top zehn antizipieren - bei mittlerweile mehr als ein Dutzend Versuchen.
Zuletzt schaffte es Luke Donald (meine erste Wahl in Malaysia), erstmals den Cut bei einem regulären Turnier der European Tour zu verpassen und auch dem scheinbar idiotensicheren Tipp Phil Mickelson gelang es beim Masters, auf einmal jenseits der Top 50 aufzutauchen (zuletzt zwölf von 14 Mal in den Top Zehn); schlaggleich mit Sandy Lyle und seinem Riesenputter.
Es frustet, Woche für Woche weit nach unten scrollen zu müssen, um seinen Favoriten auf dem Leaderboard vorzufinden. Und ja, ich tue mir selbst ein wenig leid. Ich weiß, es ist im Vorfeld von Golfturnieren schwierig, einen Favoriten zu bestimmen. Die Frage ist nur, weshalb schaffen es die Kollegen?
Haben Sie Rat? Dann schicken Sie mir doch bitte Woche für Woche Ihre Favoriten. Vielleicht schaffe ich es so, meine Ausbeute zu verbessern.
Ihr verzweifelter tfi
PS: Bei der Open de España setze ich übrigens auf Gonzalo Fernandez-Castaño, der ja die vergangenen Wochen nicht allzu schlecht gespielt hatte. "Armer Gonzo" und "Mist, den habe ich auch", entgegneten die Kollegen. Nach gutem Start wurde er schließlich nur 44. Die rote Laterne bleibt mir also erstmal...
Sie können Sie sich übrigens auch beim mygolf-Tippspiel als Experte beweisen...
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'Gemeinsam essen werden wir nie'
Paul Azinger im Gespräch mit Golf.de-Redakteur Adrian Kramer
Mit dem typischen Knattern eines Vier-Takters kündigt sie sich an: eine BMW Isetta in Himmelblau und Weiß rollt lautstark um die Ecke im Tourenwagen-Pavillon des BMW Museums im Münchener Zentrum. Die Insassen hält es nicht lange in dem gerade einmal 1,38 Meter breiten und 1,34 Meter hohen Kleinstwagen. Kaum ist der Motor abgestellt, schält sich auch schon der 1,88 Meter große Paul Azinger aus dem, liebevoll Knutschkugel genannten, 60er-Jahre-Klassiker. "Ich habe noch nie in einem so kleinen Auto gesessen", scherzt der Amerikaner, der von unzähligen Stunden im Golf-Cart eigentlich an kleine Fahrzeuge gewöhnt sein sollte.
Souverän und ruhig lässt Azinger, der äußerlich längst nicht mehr an seine erfolgreichen Zeiten erinnert, die Pressekonferenz über sich ergehen. Sein Gesicht ziert ein dichter Vollbart, und der 53-Jährige hat einige Pfunde auf sein altes Kampfgewicht von knapp 80 Kilogramm gepackt. Er könnte ebenso gut als kanadischer Waldarbeiter durchgehen. Einzig das Flanellhemd und die abgetragene Blue-Jeans fehlen.
Deutsche Wurzeln
Nur allzu gern erinnert er an seine Siege 1990 und '92 in der bayerischen Hauptstadt zurück. "Über meinen ersten Sieg habe ich erst vor kurzem mit David [Feherty, Anm. d. Red.] gesprochen." Den heutigen Golf-Comedian hatte Azinger damals erst im Stechen besiegt. "Er hat mir das bis heute nicht verziehen", sagt er mit einem Augenzwinkern. Mit einem Schlag Rückstand war Azinger auf die 18 gegangen und hatte seinen Abschlag links in Richtung aus geschlagen. "Der Ball hat aber einen Zuschauer ['kahlköpfigen Deutschen', Zitat: David Feherty] am Kopf getroffen und ist zurück aufs Fairway gesprungen." Mit seinem ersten Auftritt in Deutschland verbindet er also nur gute Erinnerungen.
Im Interview mit Golf.de verrät er auch, was ihn damals dazu bewegt hatte, die Einladung nach München anzunehmen. "Ich habe deutsche Wurzeln. Meine Großeltern kommen von hier. Da hat es gepasst, der Heimat meiner Familie einen Besuch abzustatten." Den Namen haben die Großeltern bei der Auswanderung in die USA allerdings amerikanisiert: aus Atzinger wurde Azinger.
Harter Analytiker
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere begann der 53-Jährige als Experte und Analytiker für ESPN zu arbeiten. Und diesem Beruf liegt offenbar auch eine gewisse Berufung zu Grunde. Über seinen Twitter-Kanal legt er nur allzu gerne Stärken und Schwächen aller Spieler offen. Damit hat er es sich im vergangenen Jahr auch mit Tiger Woods verscherzt. "Wir werden wohl nie gemeinsam Mittagessen gehen", sagt er zu der etwas gereizten Stimmung, nachdem er Woods öffentlich für sein schlechtes Benehmen beim Masters verurteilte und ihn als "south end of a northbound mule" bezeichnete. "Das ändert aber nichts daran, dass er wohl der beste Spieler aller Zeiten ist. Ohne ihn wäre der Golfsport nicht dort, wo er heute ist."
So verbrachte Azinger den Dienstagabend auch nicht damit, Schlaf für die bevorstehende lange Reise nach Deutschland zu suchen, sondern postete eine beeindruckende Statistik nach der anderen über Woods' achten Sieg beim Arnold Palmer Invitational. "Was er da vollbracht hat, war einfach unglaublich. Er ist wohl der einzige Spieler auf diesem Planeten, der Letzter vom Tee ist, aber das Turnier gewinnt", kann er es im Interview mit Golf.de noch immer nicht ganz fassen. "Ich glaube, er ist der beste Putter, der jemals gelebt hat."
Putter-Diskussion hinfällig
"Ich bin strikt gegen das Verbot der langen Putter", sagt der Gewinner der PGA Championship 1993. "Sie werden einfach zu lange schon von Spielern auf der ganzen Welt benutzt, und nur weil jetzt ein paar beginnen, damit große Turniere zu gewinnen, bekommen die da Oben kalte Füße." Azinger selbst war einer der Ersten, die mit einem Belly-Putter auf dem Grün gesehen wurden. "1999 war ich verzweifelt", erklärt er heute mit einem breiten Grinsen, "und ging in einen Pro-Shop in Florida."
Dort habe er wahllos einen Putter nach dem anderen aus dem Regal ausprobiert, bis er einen Mann mit einem Belly-Putter hantieren sah. "Er war recht klein, weshalb ich mir den Schaft einfach in den Bauch gesteckt habe. Ich habe jeden einzelnen Putt im Pro-Shop verwandelt." Den Putter bekam er geschenkt und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Das Tournament of Champions 2000 in Hawaii gewann er mit sieben Schlägen Vorsprung.
"Aber ich glaube nicht, dass sich USGA und R&A etwas sagen lassen. Der Verbot wird durchgehen, egal was Tim Finchem und die PGA Tour sagen. Es wird interessant zu sehen, was dann wirklich dabei heraus kommt."
Zum Abschluss des Events im BMW Museum chippt Azinger schließlich noch einige Gummibälle in einen offenen Oldtimer. Das höchste der Gefühle für den Amerikaner, der inzwischen einige Schulteroperationen hinter sich hat. "Ich bezweifle, dass ich noch einmal in München aufteen werde", sagt er abschließend.
Und wenn, dann würde er sich wohl eine komfortablere Mitfahrgelegenheit wünschen, als eine 60 Jahre alte Isetta in Himmelblau und Weiß.
adk
Schlagwörter: BMW • Verletzung • Senioren -
Schöne neue Welt
Samstagmorgen, von Draußen lacht die Sonne durch die halb geschlossenen Vorhänge und das Thermometer soll im Laufe des Tages auf angenehme 20 Grad Celsius klettern. Keine Frage: Das ist das ideale Golfwetter. Also werden die Zockerfreunde angerufen. Der Flight für eine schnelle Vormittagsrunde ist schnell gefunden.
Bier ist im Kühlschrank noch reichlich vorhanden. Und sollte einen der Mitspieler der kleine Hunger überkommen, die Telefonnummer vom Pizza-Service ist auf der Kurzwahltaste "1" abgespeichert. Es klingelt. Die Flightpartner - lässig in T-Shirt und kurzer Hose - werden begrüßt. "Welchen Platz wollen wir denn heute spielen?" "Ich habe gehört, Tiger Woods hat einen neuen Kurs in den Rocky Mountains gebaut. Manche Löcher sollen sogar quer über die Schluchten führen." "Perfekt. Das gibt es sicher ein grandioses Panorama."
Drei Stunden später sind 18 Löcher bewältigt, der Biervorrat ist aufgebraucht, die Pizzakartons liegen gestapelt in der Ecke und man ist froh, dass man die Hosen vorsorglich eine Nummer größer gekauft hat. Der Flight kehrt ins Tageslicht zurück, heraus aus dem Keller, in dem der Golfsimulator noch abkühlt. "Wollen wir morgen Pebble Beach spielen?" "Klar. Aber jetzt muss ich mich erst mal von der Runde erholen."
Kuriose Fantasie oder fantastische Zukunft?
Wenn man so durch die Gänge der PGA Merchandise Show wandert, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass sich die Industrie mit diesem Golf-Utopia angefreundet hat. Die Golfsimulatoren haben das Schlagnetz abgelöst. Ein verdunkelter Stand - die Golfszenerie auf der Leinwand soll schließlich richtig zur Geltung kommen - reiht sich neben dem anderen. Davor laden Lounge-Möbel zum Verweilen ein. Und die Buden mit Burgern, Pizzen und Bier sind auch nicht weit.
Egal ob nun Foresight, Full Swing, TruGolf oder High Definition Golf: Sie alle bieten hochauflösenden Golfgenuss bei minimalem Aufwand. Kameras in der Decke sowie Sensoren an der Leinwand sollen sämtliche Facetten des Schwungs erkennen. Der verbaute Hochleistung-Computer berechnet daraus in Millisekunden Flugbahn und Spin des Balls, und das Ergebnis wird auf die Leinwand projiziert.
Bei all' den Simulatoren geht es um ein noch realistischeres Erlebnis. Ohne all die störenden Umstände, die der Ausflug auf den Golfplatz mit sich bringen würde: eine Startzeit buchen, der langsame Flight vor sich, der drängelnde Flight von hinten, das anstrengende Marschieren über den Platz.
Simulations-Wahnsinn
Keine Frage: Im deutschen Winter ist nichts dagegen einzuwenden, einer Indoor-Anlage einen Besuch abzustatten, um auch in der kalten Jahreszeit im Schwung zu bleiben, sich mit Freunden zu treffen und keinen völligen Kaltstart in die neue Saison hinzulegen. Doch die Botschaft im Sonnenstaat Florida ist unmissverständlich und geht in meinen Augen in die falsche Richtung: Warum sollte man weit fahren, wenn das Gute doch so nahe liegt? Wozu nach Draußen gehen, wenn die schönsten Plätze der Welt nur einen Knopfdruck entfernt sind?
Während 2010 in Orlando noch keine Handvoll Simulatoren zu bewundern waren, hat sich das Angebot in diesem Jahr knapp verdreifacht. Und auch die Hersteller sind auf den Zug aufgesprungen. Kaum einer der Großen hat nicht mindestens einen Flimmerkasten an seinem Stand stehen, in dem man die neuesten Produkte unter "realen Bedingungen" schlagen kann.
Es ist und bleibt nur eine Kopie
Für mich kommen diese Maschinen als Alternative zum wirklichen Golfen nicht in Frage. Ich möchte den Wind spüren, will das Gras riechen und die Natur erfahren - und wenn es die Erfahrung eines frisch gedüngten Ackers vom Bauern nebenan ist, ist das auch in Ordnung. Ich will die Entfernung sehen, abschätzen, ein Gefühl für den Platz bekommen. Ich will nicht auf einer Leinwand ablesen können, dass die Fahne exakt 127 Meter entfernt ist, sie sich sechs Meter oberhalb meiner jetzigen Position befindet und ich 18 Zentimeter unter dem Ball stehe. Und ich will nicht, dass ein Computer berechnet, wie der Ball, der im tiefen Poa-Annua-Gras von Pebble Beach eingebettet ist, auf meinen Schlag reagiert.
Beim Golfen geht es doch auch immer ein Stück weit darum, gegen die Gegebenheiten der Natur zu spielen - in erster Linie aber gegen sich selbst. Und auch die Freude an der Bewegung an der frischen Luft spielt doch eine entscheidende Rolle. Aus sportlicher, aber auch, oder gerade aus mentaler Sicht. Die Strecke zu genießen, die man nach einem gelungenen Abschlag zurücklegt. Den Birdie-Putt abzuschreiten und den Ball im Loch verschwinden zu sehen.
Kein Simulator dieser Welt wird es schaffen, diese Befriedigung zu erzeugen. Oder die Genugtuung, die man nach einer Runde im Dauerregen empfindet, sich danach aus den nassen Socken quält und sagen kann: "Ich war da draußen und habe den Ball gespielt, wie er liegt."
adk
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Über das (B)Logbuch
Turniere, Platztests, Pressekonferenzen, Produktvorstellungen: In den besten Momenten seines Jobs verlässt der Golf.de-Redakteur das Büro und bereist die Golf-Welt. Und weil es abseits von Ergebnissen, Zitaten und objektiven Bewertungen von unterwegs noch viel mehr zu erzählen gibt, nehmen wir Sie ein stückweit mit und berichten in diesem Blog von versteckten Major-Momenten, Organisationschaos, peinlichen Fauxpas und überraschenden Begegnungen.
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