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Schutzbrille ist Pflicht
Es riecht nach einer Mischung aus Lösungsmitteln, Kleber und verbranntem Metall. Schwere Maschinen prägen das Bild der etwa 1.000 Quadratmeter großen Halle in der Mitte von Nirgendwo, etwa zwei Stunden von Manchester entfernt. Gelbe Markierungen auf dem Boden geben an, ab wo Schutzbrillenpflicht besteht - ohne bahnt man sich auf einem knapp zwei Meter breiten Streifen den Weg durch die Halle. Der Augenschutz mag nicht besonders schick aussehen, aber der Nutzen wird einem schnell klar: Bei der Bearbeitung von Metall sprühen die Funken und kleinste Metallteilchen werden durch die Luft geschleudert. Wirkliche Gefahr besteht zwar nicht, aber im Hauptquartier von Ping Europe geht man lieber auf Nummer sicher.
Keine Schläger von der Stange
"Wir verkaufen keine Standard-Schlägersätze. Das ist gegen unsere Philosophie", erklärt Dave Fanning, European Marketing Manager von Ping. Deshalb verlässt hier kein Schlägersatz die Halle, der nicht genauestens auf den Kunden zugeschnitten ist. Ein Fitting steht beim Solheim-Unternehmen an erster Stelle des kundenorientieren Herstellungsprozesses. Erst nach der Bestimmung von Schaftlänge und -flex, Liewinkel, Griffstärke und weiteren Aspekten eines Sets wird losgelegt.
Nachdem die Daten in Gainsborough eingegangen sind - in Spitzenzeiten kommen etwa 1.600 Anfragen pro Tag an, darunter auch Reparaturwünsche und Nachbestellugen - geht die Kette im Lagerhaus los. Hier lagern Schäfte und Griffe von jedem Hersteller und Schlägerköpfe von allen je produzierten Sätzen von Ping - selbst "K1"-Köpfe aus dem Jahr 1969 sollen in den Tiefen zu finden sein und auch hin und wieder nachbestellt werden. Sind die Grundbausteine erst einmal zusammen, geht es für die mit einem Ticket versehenen Einzelteile in die Fertigungsreihen.
In 48 Stunden zum fertigen Satz
Angefangen bei der Hochzeit von Schaft und Schlägerkopf über die Griffmontage - die hier innerhalb von wenigen Sekunden geschieht - geht es an einigen Stellen dann mit Hammer und überdimensionalen Zangen ans Werk. Mit schwerem Gerät werden Loft und Lie kurz vor Vollendung des Schlägers noch einmal auf die gewünschten Werte eingestellt. Und auch wenn es rabiat aussieht: Hier wird im Viertel-Grad-Bereich gearbeitet.
Für den Putterbau hat Ping sogar ein eigenes Gerät entwickelt, bei dem der Schaft vor Ort gebogen wird. Ist die gewünschte Form erreicht, werden Loft und Lie nachjustiert.
Bei der Endkontrolle werden dann ein letztes Mal alle Spezifikationen mit den Wünschen des Auftrags abgeglichen, verpackt und verschickt. "Unser Ziel ist es, dass die Schläger spätestens 48 Stunden nach Eingang des Auftrags unsere Hallen verlassen", erklärt Fanning und fügt hinzu, "dass es natürlich nicht immer möglich ist, aber zumindest in 95 Prozent der Fälle." Dafür sorgen die 200 Angestellten, die sich zwischen all den Gerätschaften tummeln und gegenseitig auf den Füßen stehen. Deshalb befindet sich das Hauptquartier derzeit im Umbau und soll bis Anfang April fast auf das Doppelte vergrößert werden.
adk
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Zwei-Klassen-Gesellschaft
Alex Noren schlägt Martin Kaymer bei "Putts 4 Charity"
Der Finanzdienstleister Genworth Financial lud am Freitagabend zum Essen. Getafelt wurde im Hotel Atlantis The Palm, das sehr stark an Disney Land erinnert, nur dass es nicht in den USA, sondern auf der künstlich aufgeschütteten Insel von Dubai steht. Es ist das offizielle Spielerhotel, insofern hatten es die Jungs nicht allzu weit.
Geladen waren neben den Profis natürlich auch Sponsoren und Journalisten, die in einer Kategorie mitwählen durften. Interessant war an dem Abend, neben dem leckeren Barbecue (Danke!), dass sich klar herauskristallisierte, wer die wahren Superstars sind.
Luke Donald gewann in drei Kategorien (Driving Accuracy, Sand Saves, Wahl der Presse), war aber wie Rory McIlroy nicht anwesend. Die Nummer eins ließ sich entschuldigen, der mögliche (und sehr wahrscheinliche) Gewinn des Race to Dubai lasse einen Besuch diesmal leider nicht zu. Ähnliches war bei McIlroy zu hören, der ebenfalls noch die Geldrangliste für sich entscheiden kann.
Dafür nahm ein wie immer bestens gelaunter Alvaro Quiros den Preis in der Kategorie Driving Distance in Empfang. Sergio Garcia wurde für sein kurzes Spiel (Scrambles) ausgezeichnet, auch wenn sich der Ausgang theoretisch im Verlauf der Dubai World Championship noch ändern kann. Auch er nahm den Preis persönlich in Empfang.
Weitere Gewinner des Abends: Der junge Italiener Lorenzo Gagli, aktuell Führender bei der Wertung "Greens in Regulation" (Donald oder McIlroy könnten ihn noch abfangen). Er ließ sich witziger Weise von einem Franzosen dolmetschen. Retief Goosen wurde für die wenigsten Durschnitts-Putts pro Runde geehrt, kommentierte sein Jahr jedoch als "just crap" - einfach nur Mist. Das lag aber vor allem an den Verletzungen, die den Südafrikaner plagten.
Eine Vorbildfunktion war schließlich auch der Schwede Alex Noren, der mit Freundin bis zum Ende des Essens blieb und einen Preis für "Putts 4 Charity", einer Spenden-Aktion an SOS-Kinderdörfer erhielt. Zu diesem Zeitpunkt waren fast alle anderen Spieler schon längst verschwunden - oder eben gar nicht erst gekommen.
tsz
Schlagwörter: Genworth • Martin Kaymer • Sergio Garcia • Alex Noren -
Zuschauer, Gonzalo, Angst...
Die Teilnahme an einem Pro-Am-Turnier ist zweifelsohne ein Grund zur Freude. Erstmal zumindest. Denn nachdem die Welle der Euphorie und Vorfreude auf dieses Highlight im Vorfeld des Portugal Masters erst einmal abgeflacht ist, tritt folgendes Thema in den Vordergrund: Bin ich spielerisch und vor allem psychisch wirklich in der Lage, vor Zuschauern und vor den Augen eines Profis akzeptable Golfschläge zu fabrizieren? Trotz halbwegs ansehnlichen Handicaps kommen Zweifel auf. Man will sich ja nicht blamieren.
Schon in der Woche zuvor wird trainiert, bis die Finger brennen. Immer wieder geht man auf der Driving Range folgendes Szenario durch: Erster Abschlag, Zuschauer, Professional, Angst... Die Ergebnisse in der eigens erschaffenen mentalen Drucksituation variieren - von dünn zu fett, von Pull-Hook zu Push-Slice, die ganze Palette eben - das Selbstbewusstsein wächst dadurch nicht. Aber noch bin ich in Deutschland und schlage nur Bälle auf der Range.
Dann wird es ernst. Im luxuriösen Hotel direkt neben dem Victoria Course des Oceanico Resorts beschließen meine Teamkameraden, zwei weitere Journalisten, beide mit niedrigen Handicaps, und ich, es am Abend vor dem Turnier bei einem Bierchen zu belassen und frühzeitig das Bett aufzusuchen. Zuvor wird uns noch der Name unseres prominenten Flightpartners verraten: Gonzalo Fernandez-Castano. Der erste Gedanke: Der hat damals Kaymer beim Sieg in Loch Lomond auf der letzten Bahn den Rücken massiert. Muss ein klasse Typ sein. Und vielleicht zieht er nicht die ganz großen Mengen an Zuschauern an, umso besser...
Es ist 6.30 als der Wecker am Tag der Wahrheit klingelt. Der Großteil des "Team International" (wie die Konstellation aus einem Franzosen, Engländer, Deutschen und dem Spanier Fernandez-Castano von uns getauft wurde) trifft sich beim Frühstück. Zum Warmspielen soll die Driving Range des Nachbarplatzes benutzt werden, da das Areal des Victoria Courses verständlicherweise nur den Könnern zur Verfügung steht. Ein Shuttle stünde bereit, so hieß es zumindest. Leider war davon zunächst nichts zu sehen. Nach langer Wartezeit stand fest: Es würde nicht mehr reichen. Erst in zwanzig Minuten wäre der Transfer da. Zu spät für unsere Startzeit. Wir wollen Gonzalo ja nicht warten lassen.
Für die mentale Konstitution war die Erkenntnis, ohne Warm-Up an den ersten Abschlag zu gehen, nicht zwingend förderlich. Doch es sollte anders kommen. Jeff Paul, Gonzalos schottischer Caddie, und einige Mitarbeiter der European Tour hatten Mitleid und schafften es schließlich irgendwie, uns mit auf das Profi-Übungsgelände zu schleußen. Die Security blickte zwar mürrisch, ließ uns aber passieren.
Auf einmal standen wir nun zwischen Alvaro Quiros, sowie Colin Montgomerie und schlugen vom Rasenteppich High-End-Bälle in Richtung der vielen Ziele. Ein chronisches Grinsen stellte sich ein. Der Schwung fühlte sich gut an, die Bälle flogen weit und einigermaßen gerade. Das Imitationslernen von den Pros funktionierte offenbar.
Dann ging es ans Eingemachte. Trotz der frühen Startzeit standen schon einige Zuschauer am zehnten Abschlag, Gonzalo begrüßte uns freundlich und schlug seinen Drive in weite Ferne auf das Fairway. Applaus von den Rängen. Ich war der nächste. Optimistisch, wegen der guten Schläge auf der Range ging ich ans Tee. Dennoch begannen meine Hände zu zittern, als ich den Ball ansprach. Das Fairway des Par 4 war breit. Ich betete: Bitte Ball, flieg. Rechts oder links ist egal, aber flieg. Er tat es, leicht gepusht und rechts im Fairwaybunker, aber immerhin. Ich strahlte, keine Blamage auf dem ersten Abschlag.
Die folgenden 18 Löcher waren zu fast jeder Zeit ein Genuss. "Team International" zeigte zum Großteil gute Golfschläge, der topgepflegte Victoria Course machte einfach nur Spaß und Gonzalo war der erwartet unterhaltsame Flightpartner, gab eifrig Tipps und half jedem von uns vor den Putts mit der Linie. Caddie Jeff Paul war stets zur Stelle, wenn die Distanz unklar erschien. Zudem sorgten Helfer am Rand der Spielbahnen, dass verzogene Bälle schnell wieder gefunden wurden. Keine Frage, der Spaßfaktor war hoch. Auf dem letzten Loch gelang dann auch noch das große Highlight: "Two balls right", lautete die kurze Ansage Gonzalos, nachdem er auch den letzten meiner Putts begutachtete. Ich konnte es umsetzen. Der Fünf-Meter-Putt zum Par fiel ins Loch. Die mittlerweile gut gefüllte Tribüne klatschte Beifall. Es folgte - ganz Pro-like - der Griff an die Kappe. Man muss sich ja für den Zuspruch bedanken.
Am Ende stand in der Teamwertung zwar nur ein Rang im Mittelmaß zu Buche, dennoch saßen wir zu dritt beim Mittagessen und strahlten um die Wette. Es war eine großartige Erfahrung für uns alle - trotz der anfänglichen Nervosität.
Anmerkung: Viele der Startplätze bei einem Pro-Am-Turnier werden durch Einladung oder Gewinnspiele vergeben. Auf regulärem Wege kostet eine Teilnahme auf der European Tour gerne einmal ab 2000 Euro (Austrian Golf Open). Ein Startplatz bei der Alfred Dunhill Links Championship wurde in diesem Jahr online für etwa 20.000 Euro versteigert.
tfi
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Über das (B)Logbuch
Turniere, Platztests, Pressekonferenzen, Produktvorstellungen: In den besten Momenten seines Jobs verlässt der Golf.de-Redakteur das Büro und bereist die Golf-Welt. Und weil es abseits von Ergebnissen, Zitaten und objektiven Bewertungen von unterwegs noch viel mehr zu erzählen gibt, nehmen wir Sie ein stückweit mit und berichten in diesem Blog von versteckten Major-Momenten, Organisationschaos, peinlichen Fauxpas und überraschenden Begegnungen.
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