http://www.deka.de http://www.audi.de http://www.douglas.de http://www.jab.de http://www.vcg.de http://www.greeneagle.de http://www.golfino.de Deka Investmentfonds Nikegolf JAB
100 Jahre Golf in Deutschland
Startseite 100 Jahre Golf in Deutschland Startseite 100 Jahre Golf in Deutschland Startseite 100 Jahre Golf in Deutschland zu: www.golf.de/dgv
  100 JAHRE GOLFGESCHICHTE HOME IMPRESSUM KONTAKT PRESSE
Eine kurze Chronologie
Pennäler-Golf 1890
Gründerzeit des DGV
Golf im Dritten Reich
Neubeginn in der BRD
Golf in der DDR
Bernhard Langer
Downloads

VON WEGEN ALTHERRENSPAZIERGANG!

Pennäler-Golf anno 1890: Ein historisches Plädoyer für die Jugend im Golfsport

Nein, es waren nicht bloß Aristokraten und Kaufleute, Honoratioren und Kurgäste, die in Deutschland als Erste den Golfschläger schwangen. Es gab auch jene aufmüpfige Schar von Schülern und Studenten, die sich auf den Wiesen zwischen Bad Cannstatt und Stuttgart einem sportlich frechen Golfspiel hingaben. Sie rebellierten damit gegen die schulmeisterlich steife Körperertüchtigung in deutschen Turnhallen und gegen den militaristisch angehauchten Kommandoton im Geiste eines frisch erwachten Nationalismus.

Im März 1890 gründen Realschüler und Gymnasiasten in Bad Cannstatt einen Sportclub, der sich englischen „Rasenspielen“ verschreibt. Sonntags und an schulfreien Nachmittagen versammeln sie sich auf dem städtischen Exerzier- und Festplatz, dem Wasen. Sie spielen Rugby, Fußball, Hockey, Kricket, Tennis, La Crosse und Golf. Rugby und „Association Football“ sind die beliebtesten Mannschaftsspiele, die dem Verein auch seinen Namen verleihen: Cannstatter Fußballclub, kurz CFC.

Golf über Stock und Stein

Für ihr Golfspiel brauchen die Pennäler keine gepflegten Fairways oder Grüns. Auf dem improvisierten Golfspielplatz am rechten Neckarufer bilden Stechginster und Heidekraut ein unverfälschtes Rough, das sich quer über die Spielbahnen ausbreitet. Je mehr Hindernisse ihren Weg blockieren, desto größer ist der Spaß der jugendlichen Spieler. Gegen Sandhügel, Gräben, Bäche, Bäume, Hecken, Dämme, Hohlwege, Fußstege, Landstraßen und Eisenbahnenschienen haben sie nichts einzuwenden.

Dem Abschlag widmen sie ein wenig zusätzliche Aufmerksamkeit. In Abständen von hundertfünfzig bis vierhundert Metern suchen sie eine halbwegs ebene Grasfläche, die sie kurz halten und mit Sand oder Ruß präparieren. Ohne größere Umstände entstehen auch die Grüns: „Wir hatten“, so erinnert sich vierzig Jahre später einer der damaligen Spieler, „keine sorgfältig hergerichteten ‚Putting Greens’, sondern stachen die Löcher auf einer ebenen Stelle dort, wo wir es gut fanden.“ Dem Spaß und dem sportlichen Erlebnis tut dies keinerlei Abbruch, im Gegenteil: „Sicher vergnügten wir uns besser, als wenn das Spiel auf einer nach allen Regeln der Kunst hergerichteten Golfbahn vor sich gegangen wäre“, heißt es in den Erinnerungen weiter. Moderne Crossgolfer mögen hier den eigentlichen Ursprung ihrer gar nicht so originellen Trendsportart erkennen.

Pennäler-Golf 1890

Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (6 Bilder)



Ein gewisser Philipp Heineken, 1890 nur siebzehn Jahre alt, wird zum guten Geist und Theoretiker der neuen Spielbewegung und wirkt weit über den Cannstatter Wasen hinaus. Der Anführer der schwäbischen Pennäler schreibt und übersetzt Anleitungen für regelgerechtes Spielen, richtige Technik und Wettkampforganisation. Er legt ein dreihundertseitiges Handbuch vor, das die Stuttgarter Hofbuchhandlung unter dem Titel „Die beliebtesten Rasenspiele“ veröffentlicht. Es ist ein Manifest zur Bewegung in der freien Luft und gegen den traditionellen Turnunterricht. 1898 erscheint sein Buch „Das Golfspiel“ - die erste Golfmonografie in Deutschland.




Mit der Etikette auf Kriegsfuß

Zunächst wissen die Jugendlichen von Cannstatt nicht, an welche Golfregeln sie sich halten sollen. So übersetzen die Schüler die Regeln des Royal and Ancient Club im schottischen St. Andrews von 1888 ebenso wie die Richtlinien der Isle of Wight. Als Heineken schließlich die R&A-Regeln von 1893 ins Deutsche überträgt und in der Clubzeitschrift veröffentlicht, wird St. Andrews auch auf dem Cannstatter Wasen zur maßgeblichen Instanz. Die wichtigste Regel aber scheint zu sein, dass sich ein wahrer Golfspieler durch keinerlei Unbill von seiner Leidenschaft abhalten lässt: „Weder Frost noch Hitze, Sommer noch Winter, Tag noch Nacht verleidet ihm sein Spiel. Im Schneegestöber schreitet er mit derselben Befriedigung über das Feld wie an einem schönen Frühlingstage. Reicht der Mondschein nicht aus, so müssen Blendlaternen zu Hilfe genommen werden“.

Mit der üblichen Golf-Etikette stehen die Pennäler allerdings auf Kriegsfuß. Ihr Spiel ist die Fortsetzung von kindlichen Geländespielen und pubertären Prügeleien mit anderen Mitteln. Noch als alter Herr amüsiert sich Philipp Heineken über das ungehobelte Spiel der wilden Pennäler: „Welche Freude und Gehänsel, wenn der Ball ins Wasser eines Baches, den rauschenden Ablauf eines Wehres oder in einen Graben zwischen das Gebüsch fiel, aus denen er nur mit nassen Füßen herausgefischt oder mit dem Verluste mancher Schläge herausgeschlagen werden konnte. Bei einer solchen Gelegenheit artete die Heiterkeit nur zu oft in einen Indianertanz aus, durch welchen man das unglückliche Opfer mit einem höllischen Gebrüll und Geheul aus der Fassung zu bringen suchte. Der Begriff ,Etikette des Golfspiels’ zerstob bei einem so gefundenen Fressen in alle Winde.“

Spielverderber setzen sich durch

Gegner dieser Cannstatter Spielbegeisterung lassen nicht lange auf sich warten. Die Schafspächter des Wasens machen den Spielbetrieb für Unruhe und Futtermangel unter ihren Tieren verantwortlich. Sie beklagen sich über das „Sauspiel“, das hier jeden Sonntag stattfinde. Dem folgt die theoretische Verteufelung. Ein Stuttgarter Turnprofessor geißelt den englischen Sportbetrieb: alles sei „gemein, lächerlich, lümmelhaft“ - eben kein diszipliniertes deutsches Turnen. Heineken kontert mit Lobreden auf seinen „jungen daherstürmenden Sport“. Doch schließlich enden er und seine jugendlichen Mitspieler in einer sportpolitischen Sackgasse.

Die offensive Propagierung britischer Spieltraditionen will nämlich ins zunehmend nationalistisch gestimmte kaiserliche Deutschland nicht mehr passen. Die Sporterziehung setzt vielmehr auf „anerkannt treffliche deutsche Spiele“. Auf diese Weise verhallen Heinekens Appelle für ein sportlich jugendliches Golfspiel; schon kurz nach der Jahrhundertwende ist es auch auf dem Cannstatter Wasen Vergangenheit. Stattdessen bürgert sich die Ansicht ein, dass Golfschläger in ältere, betuchte Hände gehören. Die Jugend und das sportliche Element bleiben deshalb im deutschen Golfsport für viele Jahrzehnte eine Randerscheinung. Es ist die bedauerlichste Fehlentwicklung eines Golf-Jahrhunderts.

Von Volker Mehnert und Dietrich R. Quanz
Der vorliegende Text entstand auf Grundlage der vierbändigen Chronik „100 Jahre Golf in Deutschland“, die 2007 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Deutschen Golf Verbandes erscheint.


AKTUELLES

BOOKSHOP

100 JAHRE GOLF -
DIE CHRONIK

Vier Bände im respräsentativen Schuber; über 800 Seiten mit 1.800 Abbildungen.
GOLF CHRONIK BESTELLEN